NRZ | 25. Oktober 2017

Fiftyfifty-Obdachlosenmagazin verkauft Tilly-Anstecker

Kölner werden an der neuen Ausgabe des Düsseldorfer Kult-Straßenmagazins Fiftyfifty wahrscheinlich wenig Freude haben – denn Karnevals-Karikaturist Jacques Tilly legt der Ausgabe ein ganz spezielles Gimmick bei. Wer einem Straßenhändler 2,40 Euro für die neue Ausgabe des Magazins in die Hand drückt erhält dazu einen Button, den der Schriftzug „Ich bin so froh, dass ich kein Kölner bin“ ziert. Geschmückt wird der Anstecker durch einen grinsenden Düsseldorfer Löwen. Der Spruch – den übrigens schon die Toten Hosen in den 90ern sangen – ist für Tilly mittlerweile schon Allgemeingut: „Ein Herz für Kölner war noch eine Idee, die es aber dann doch nicht auf den Button geschafft hat“, so der provokante Künstler. Im Fiftyfifty-Team gab es wohl auch Stimmen, die das „Städtebashing mittlerweile öde finden“, heißt es bei der Zeitung, doch am Ende habe sich das bissige Löwen-Logo durchgesetzt.

Anstecker nicht nur für die Jecken Fans

Grund für die Aktion ist aber nicht nur der nahende Beginn der Karnevalssession am 11.11, bei dem Jecken Solidarität mit der Karnevalshauptstadt Düsseldorf zeigen können, sondern auch die sinkenden Verkaufszahlen des Straßenmagazins. „Derzeit liegt unsere Auflage bei 31 000 Ausgaben im Monat, in schlechten Zeiten auch mal bei 25 000. Die Auflage war schon mal deutlich höher“, sagt Fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf. „Eigentlich ist das auch jammern auch hohem Niveau, immerhin bieten wir anspruchsvolle Themen, und dafür läuft es noch ganz gut“, sagt Ostendorf augenzwinkernd.

Zeitung hat schon Pläne für zukünftige Ausgaben

Problematischer als die Auflage, ist aber der Trend in Richtung spenden statt kaufen. „Viele Passanten geben den Verkäufern einen Euro, statt die Zeitung zu erwerben“, sagt Ostendorf. Was die meisten jedoch nicht wissen ist, dass die Verkäufer die Zeitung selbst im Vorfeld bezahlen – nämlich zur Hälfte des Verkaufspreises von derzeit 2,40 Euro. Den vollen Erlös und alles darüber Gespendete behalten die Bedürftigen dann. „Wir wollen kostendeckend arbeiten. Das geht aber nur, wenn wir genug Zeitungen verkaufen“, gibt Ostendorf zu bedenken. Mit dem Anstecker, den es nur mit der neuen Ausgabe zu kaufen gibt, wolle man die Leute dazu bewegen, die Zeitung wieder zu kaufen, statt „nur“ zu spenden.

„Wir diskutieren die ganze Anstecker-Geschichte auch kontrovers selbst im Heft“, so der Geschäftsführer. Monatlich wolle man nämlich keine Gimmicks rausbringen – die Aktion soll etwas besonderes bleiben. Pläne für zukünftige Zusatzbeilagen hat man aber schon: „Wir planen als Beilage eine kleine CD mit einem lustigen Stück von einem bekannten Kabarettisten“, sagt Ostendorf abschließend.

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