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Wegen des großen Erfolges: Februar-Ausgabe von fiftyfifty wieder mit Button von Jaques Tilly

Die November-Ausgabe von fiftyfifty war ein Riesenerfolg. Nicht nur wegen der tollen Inhalte sondern auch wegen eines pünktlich zu Hoppeditz’ Erwachen beigelegten Buttons von Wagenbauer Jaques Tilly. Der berühmte Narr bekannte handschriftlich im Kontext des Bergischen Löwen, dem Wappentier von Düsseldorf: Ich bin so froh, dass ich kein Kölner bin. Von der November-Zeitung mit diesem frechen Anstecker wurden im letzten Jahr etwa 15.000 Exemplare mehr verkauft – insgesamt knapp 50.000 Hefte. Ein toller Erfolg. Deshalb gibt es den närrischen Tilly-Button im Karnevalsmonat ab Mittwoch erneut zusammen mit der fiftyfifty – allerdings nur 7.000 Mal, mehr Buttons waren auf die Schnelle nicht mehr herzustellen.

Ebenfalls im Februar-Heft eine achtseitige Beilage zum Programm des Duesseldorf Photo Weekend, an dem fiftyfifty gleich mit zwei parallel laufenden Ausstellungen beteiligt ist (siehe Beitrag auf dieser Homepage - Teaser direkt unter der Titel-Abbildung auf jeder Unterseite) – Information über ein wichtiges Kunstereignis und zugleich ein Statement unserer Benefizgalerie im Streit um die bewährte Organisation des Photo Weekends um ihre Leiterin Clara Maria Sels.

In der Titel-Geschichte geht es um Housing First und wie fiftyfifty diesen innovativen Ansatz der Wohnungslosenhilfe umsetzt – darunter auch ein Beitrag aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, sozusagen der Ritterschlag für unser Projekt (http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/46717/Die-Kunst-zu-wohnen). Außerdem ein Artikel über Talentscouts in NRW. Weit über 500 junge Menschen hat der erste Talentscout an einer deutschen Hochschule und jetzige stellvertretende Leiter des NRW-Zentrums für Talentförderung Suat Yilmaz seit 2011 beraten. Rund 80 Prozent von ihnen haben den Sprung an die Uni geschafft. Ein weiteres Thema: In der Debatte über Künstliche Intelligenz gewinnen in letzter Zeit zunehmend Sex-Roboter an Bedeutung. Dr. Kate Devlin erforscht deren Tragweite ohne moralische Vorverurteilungen. Schließlich: Eine Würdigung des vor 70 Jahren gestorbenen “Tragikomödianten” Karl Valentin. Die Kritiken waren enthusiastisch. Schriftsteller wie Brecht, Polgar, Tucholsky schwärmten, Beckett ließ sich eine Aufführung nicht entgehen, und Roda Roda rühmte Valentin mit den Worten: „Gebt ihm den Nobelpreis der Komik, des Humors!“ Und, nicht zuletzt: Teil 2 und Schluss unseres aufschlussreichen Glossars über die Paradise-Papers von Begriffen wie Offshore über Yachtbesitzer bis hin zu Steuerparadies Zypern.

Die neue fiftyfifty gibt es bei Wohnungslosen in Düsseldorf, Duisburg, Mönchengladbach, Krefeld, Essen, Bonn und Frankfurt/Main zum Preis von 2,40 Euro – die Hälfte davon dürfen die VerkäuferInnen zur Linderung ihrer individuellen Nöte für dich behalten.

 

Glosse des Monats

Große Kapitulation

Gern zitiert wird der Soziologe Max Weber mit den Worten, Politik sei ein „langsames Bohren von harten Brettern“. Papst Franziskus, der bekanntlich nicht nur den Armen die Füße wäscht, sondern selbstgefälligen Würdenträgern der Kurie gelegentlich auch den Kopf, hat in seiner Weihnachtsansprache mit einem neuen charmanten Vergleich aufgewartet, wobei er bescheidenerweise hinzufügte, ihn nur bei einem Erzbischof des 19. Jahrhunderts entliehen zu haben. „In Rom Reformen durchzuführen“, so seufzte der Pontifex, „ist, wie wenn man die ägyptische Sphinx mit der Zahnbürste reinigen will.“ Das Bild ist schon insofern stimmig, als die Große Sphinx von Gizeh, um dieses berühmteste Exemplar zu nehmen, um das Jahr 2.500 v. Chr. geschaffen wurde, und die Erfindung der Zahnbürste, zumindest in ihrer Urform als „Kaustöckchen“, nach Meinung der Experten ebenfalls in diese ägyptische Epoche fällt. Tatsächlich wurde die riesige Sphinx im Lauf der Zeit immer mal wieder gereinigt und vom Sand befreit, der sie unter sich begrub. Inwieweit bei diesen Putzeinsätzen, etwa unter den römischen Kaisern Marcus Aurelius und Septimus Severus, Zahnbürsten bzw. Kaustöckchen zum Einsatz kamen – immerhin denkbar in Zeiten der Sklaverei – , ist archäologisch ungeklärt. Fest steht nur, dass sich Teile des abgebrochenen Kinnbartes der Sphinx heute im British Museum befinden – möglicherweise haben es die Briten bei einem kolonialen Säuberungeinsatz also etwas übertrieben. Dass der Sphinx auch die Nase fehlt, ist ihnen hingegen nicht anzulasten; dies geht bekanntlich auf eine unbedachte Aktion von Obelix zurück.

Doch wir schweifen ab. Zurück zu den harten Brettern der Weltveränderung. Ähnlich mühsam wie mit den Reformen in Rom geht es anscheinend mit denen in Berlin voran, sprich: mit den Verhandlungen über eine erneute Große Koalition, oder sind wir noch bei den Verhandlungen darüber, ob verhandelt werden soll? Eines der allerersten Vorhaben, auf die sich die Koalitionäre in spe, durchgesickerten Meldungen zufolge, einigen konnten, war eine Art Minus-Vorhaben, eine große Kapitulation sozusagen: nämlich die Klimaziele für 2020 fallenzulassen, weil sie eh nicht mehr zu erreichen seien. Es ist, als ob sie die Sphinx nicht nur nicht mit der Zahnbürste reinigen würden, sondern sie stattdessen noch mit Braunkohleruß schwärzen, wenn nicht mit der Abrissbirne bearbeiten würden. Gerade hat im Rheinischen RWE-Braunkohlerevier wieder eine Kirche, der „Immerather Dom“, dran glauben müssen. Politik ist nämlich gar nicht immer das Bohren harter Bretter. Sondern das Demolieren alter Substanz. Olaf Cless

 

Intro des Monats

Liebe Leserinnen und Leser!

Mit dem Kauf der Zeitung fiftyfifty unterstützen Sie unmittelbar einen Menschen in Not und erhalten im Gegenzug ein gutes Heft mit gut aufbereiteten Informationen. Zusätzlich bekommen Sie in (vermutlich fast) jedem Fall auch ein dankbares Lächeln und vielleicht ein nettes Gespräch mit einem Wohnungslosen. Sie wissen ja, gerade diese Menschen haben viel zu sagen und können gut zuhören. Sie sind damit so eine Art Kummerkasten (und damit keineswegs nur Bittsteller) in ihrem jeweiligen Viertel.

Einige fiftyfifty-VerkäuferInnen engagieren sich auch als alternative Stadtführer in unserem Projekt strassenleben.org, um über die Ursachen der Armut aufzuklären. Denn: Armut ist ein Skandal, und wir dürfen sie nicht akzeptieren. Deshalb reicht es nicht, einzelnen Menschen in ihrer Not beizustehen, so wichtig dies ist. Es geht auch darum, die Ursachen dafür in den Blick zunehmen und diese zu bekämpfen. Dazu bedarf es nicht zuletzt der Solidarität und der Nächstliebe. Dies sind keine leeren Worte und Hilfe ist fast immer möglich, wie wir in über 22 Jahren oft erfahren durften.

Apropos Hilfe: Wir möchten unser Housing-First-Konzept gerne fortsetzen und noch weitere Appartements für Wohnungslose kaufen. Allein in den letzten zwei Jahren haben wir dank der Unterstützung durch unsere SpenderInnen Wohnraum für 48 Obdachlose erwerben können und so den Beweis angetreten, dass Housing First Menschen DAUERHAFT von der Straße holt.

Anders als im üblichen Stufen-System, bei dem Obdachlose immer wieder aus Notunterkünften ins stationär betreute Wohnen kommen, um anschließend, weil es kaum Miet-Wohnungen auf dem Markt gibt, zumeist wieder auf der Straße zu landen. In 20 Jahren fallen in diesem System pro Einzelfall gut und gerne an die 300.000 Euro Kosten an - mit dem Ergebnis, dass am Ende wieder ein Leben unter Brücken droht. Das kann es ja wohl nicht sein! Bei Housing First dagegen investieren wir einmalig ca. 80.000 Euro in den Kauf eines Appartements in einem normalen Wohnumfeld – und das Elend für einen Menschen ist dauerhaft beendet.

Lesen Sie bitte in der Titelgeschichte der Februar-Ausgabe, wie (positiv) das Magazin der Süddeutschen Zeitung unseren in ganz Deutschland einmaligen Housing-First-Ansatz beurteilt. Und, wenn möglich, spenden Sie bitte für Housing First. Denn jeder Mensch braucht ein Zuhause.

Herzlichen Dank, Ihr

Hubert Ostendorf, Mitgründer und Geschäftsführer von fiftyfifty.