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Liebe Leserinnen und Leser,

der Dezember-Ausgabe finden Sie wieder viele spannende Themen. Die Titelgeschichte handelt Menschen, die durch fiftyfifty wieder ein neues ZUhause bekommen haben. 5 berührende Protokolle der Dankbarkeit und der Anklage eines Sytems, das Menschen nicht gut hilft, von der Straße weg zu kommen.

Außerdem: Der Kabarettist Jürgen Becker über den Kapitalismus - sehr lustig. Ein Beitrag aus unserem neuen Hörbuch "Was tun2", bestellbar für 5 Euro in unserem Shop. Weiter: Vor einem Jahr, am 19. Dezember 2016, wurde Donald Trump vom Electoral College (Wahlmännerkollegium) mehrheitlich zum Präsidenten der USA gewählt. Anlass genug für eine Rückschau auf seine provokant-absurden Äußerungen, die Psychologen mittlerweile an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln lassen. Eine kleine Auswahl seiner Statements auf Twitter, in Zeitungs- und Fernsehinterviews sowie aus seinen Reden. Und: Wie der Düsseldorfer Ordnungsdienst gegen einen unserer Streetworker Gewalt anwendet und die Bundespolizwei ein Roma-Camp räumt und sich nach unserem Protest dafür entschuldigt. Schließlich: Ein Nachruf auf unseren Verkäufer, Stadtführer und Beirat Martin Paul. Und, und, und. Es lohnt sich wieder einmal, das Heft zu kaufen. Natürlich auch für unsere VerkäuferInnen. Denn sie leben ja schließlich davon. Von den Einnahmen und von Ihrer Wertschätzung.

 

Glosse des Monats

Die Steuerflüchtlingskrise

Malta, die schöne Insel im Mittelmeer, wird von Flüchtlingen förmlich überrannt. Und zwar von Steuerflüchtlingen. Sie kommen von überall her. Schon mehr als 70.000 ausländische Unternehmen und Investmentfonds sind an Land gegangen. Die Küstenwache greift nicht ein. Eine Abschiebung zurück in die Herkunftsländer findet nicht statt. Die Regierung denkt nicht im Traum an eine Obergrenze. „Wir schaffen das“, lautet ihr Motto. Und so suchen Jahr für Jahr weitere 5.000 Firmen ihr Heil auf dem felsigen Flecken. Ihre Ansprüche sind ja auch bescheiden. Meist genügt schon ein Briefkasten irgendwo in Valetta oder Umgebung. Allenfalls bedarf es noch einer resoluten Person, die ungebetene Gäste und neugierige Journalisten abwimmelt. Flüchtlinge haben schließlich ein Recht, in Ruhe gelassen zu werden. Das gilt natürlich auch für die zahlreichen Schutzsuchenden aus Deutschland. Sie tragen Namen wie BASF, Wincor Nixdorf, Sixt, Fraport, Lufthansa. Oder heißen einfach Ralf Schumacher, Günter Herz (Ex-Tschibo-Miteigentümer), Volker Tretzel (OB von Regensburg, z. Zt. in Einzelhaft), Peter-Alexander Wacker (Aufsichtsratschef von Wacker-Chemie). Die maltesische Regierung kümmert sich rührend um all diese Heimatlosen und Entwurzelten, Mühseligen und Beladenen und verkauft ihnen auf Wunsch auch gern Pässe. Schon mit 650.000 Euro ist man dabei und kann noch ruhiger schlafen in diesem EU-Hafen.

Leider wird die Ruhe auf Malta hin und wieder durch eine explodierende Autobombe gestört. Die vorerst letzte riss Mitte Oktober die Bloggerin Daphne Caruana Galizia in den Tod. Sie hatte seit Jahren die Korruption in der Regierung von Joseph Muscat – übrigens ein Sozialdemokrat – und deren Verstrickung in die Panama-Papers-Affäre angeprangert. „Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos“, schrieb sie. 20 Minuten später war sie tot.

In Brüssel hat ein Untersuchungsausschuss des EU-Parlaments ein Jahr lang versucht, Licht in die illegalen Steuerflucht-Konstrukte Marke Panama zu bringen, durch die den EU-Staaten jährlich etwa 170 Milliarden Euro an Einnahmen entgangen sind. Es war für die Katz. Malta und andere EU-Länder verweigerten die Zusammenarbeit; geladene Politiker und Bankenvertreter blieben fern. Im Dezember endet der Ausschuss. Außer Spesen nichts gewesen.

Derweil gibt es, unter dem Namen Paradise Papers, schon die nächste große Enthüllung. Eine vielfältige, bunte Inselwelt tut sich da auf: Bermudas, Kaimaninseln, Isle of Man ... Und überall tummeln sich die Flüchtlinge mit ihren Yachten.

Olaf Cless

 

Intro des Monats

Liebe Leserinnen und Leser!

„Wer hier in Deutschland arm ist, der ist es doch selber schuld.“ Mir stellen sich die Haare zu Berge, wenn ich solche Stammtisch-Parolen höre. Was können zum Beispiel Kinder dafür, wenn sie in armen Verhältnissen geboren werden. Armut bedeutet hierzulande für Kinder meistens nicht, dass sie kein Dach über dem Kopf haben oder kein Essen. Armut sieht für diese Kinder anders aus. Sie werden dann an den Rand gedrängt, haben kein Geld für den Kinobesuch oder keinen Computer mit Internetzugang. Auf viele Dinge, die für andere Kinder und Jugendliche ganz selbstverständlich sind, müssen rund 21 Prozent der Kinder verzichten. Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung lebt somit jedes fünfte Kind in Deutschland abgehängt in Armut. Das Schlimmste daran ist: Kinderarmut ist bei uns ein Dauerzustand. Wer erst gesellschaftlich abgehängt ist, der bleibt es. Einmal arm bedeutet dann immer arm. Kinder aus ärmlichen Verhältnissen haben bei uns in den Schulen nachweisbar schlechtere Chancen und bleiben so von Anfang an auf der Strecke. Besonders betroffen sind Kinder Alleinerziehender, Kinder mit vielen Geschwistern oder Kinder von beruflich gering qualifizierten Eltern. Mit dieser Situation können wir uns nicht einfach abfinden. Kinderarmut darf bei uns doch kein Dauerzustand sein. Das Wort Jesu „Was ihr den Geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ gilt hier ganz besonders. Christen haben den Auftrag, diesen Kreislauf der Dauerarmut bei unseren Kindern zu durchbrechen. Ich bin dankbar für all die Hilfe und gerade auch die vielfältige, gute Bildungsarbeit, die versucht, hier gegenzusteuern. Ich und jeder von uns muss sich darüber hinaus aber auch fragen lassen, ob wir nicht noch mehr tun können. Denn es geht um unsere Kinder und damit um unsere Zukunft.

Herzliche Grüße, Ihr Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln