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Armut, Boxkinder, Remarque ...

Jedes Jahr untersucht der Paritätische Wohlfahrtsverband in einem Gutachten, wie es mit Armut und Reichtum in Deutschland bestellt ist. Gerade erst ist der Bericht für 2017 erschienen, der wegen der bevorstehenden Bundestagswahl zugleich ein Prüfstein sein kann, wohin die Entwicklung gehen kann, in unserem Land. Die wichtigsten und brisantesten Auszüge im aktuellen Heft.

Außerdem: Noch im Grundschulalter steigen in Thailand Kinder zwei bis dreimal monatlich in den Ring und liefern sich Kickboxkämpfe (Muay Thai) bis aufs Blut, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen. Weitgehend ungeschützt, riskieren bereits Siebenjährige für einen Hungerlohn schwere Verletzungen.

Und: Für den Bereich der Duisburger Innenstadt wurde ein Alkoholverbot erlassen. Das hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Seit Juni dürfen alkoholische Getränke auf der Straße nicht mehr konsumiert werden, bei Verstößen drohen Bußgelder. Politik und Stadtverwaltung wollen so die „Trinkerszene“ vertreiben, um die Innenstadt „attraktiver“ zu machen. Menschen mit Lebensmittelpunkt auf der Straße seien ein Störfaktor. Eine Betroffene hat dagegen mit Unterstützung von fiftyfifty geklagt. Unser Anwalt Jaspar Prigge mit einer juristischen Einschätzung.

Schließlich: Erich Maria Remarque in Duisburg, Käthe-Kollwitz-Preis für Katharina Sieverding, Falsche Freunde in der "Entwicklungshilfe" ... und, und und. Lesen lohnt sich mal wieder

 

Intro des Monats

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe möchte ich mich Ihnen persönlich vorstellen. Mein Name ist Ralf Brunner, ich bin 45 Jahre alt und derzeit noch Studierender an der Hochschule Düsseldorf im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften mit voraussichtlichem Bachelorabschluss im Februar 2018. Seit dem 01. Juni 2017 arbeite ich festangestellt in der Sozialberatungsstelle von fiftyfifty. Manch eine oder einer von Ihnen wird jetzt vielleicht stutzig geworden sein: Über vierzig und noch Studierender? Kein Abschluss, aber schon festangestellt? Tja, manchmal läuft das Leben eben nicht geradlinig.

Ich kann sagen, dass ich wirklich schon in einigen Bereichen gearbeitet habe. Der längste Abschnitt war der im kreativen Bereich der Werbe- und Modeindustrie. Doch nach dreizehn Jahren war die Luft raus. Ich wurde krank und konnte über ein Jahr gar nicht arbeiten. „Weiter so“ war keine Alternative. Was also tun? Nach längerer Zeit des Nachsinnens reifte der Gedanke an ein Studium der Sozialen Arbeit, da ich gerne mit Menschen umgehe und mich immer mit Freude an meinen Zivildienst zurück erinnere. Im September 2014 begann ich dann mein Studium an der Hochschule Düsseldorf. Bereits die ersten Seminare bestätigten mich in meiner Entscheidung. Im Februar 2016 kam eine Teilzeitstelle dazu, im Rahmen derer ich mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gearbeitet habe und so erste Erfahrungen im Bereich der Sozialen Arbeit sammeln konnte.

Im Semester vor der Bachelorarbeit müssen wir Studenten der Sozialen Arbeit ein Semester lang ein Vollzeitpraktikum machen. Das stand nun an, aber die Suche nach einem adäquaten Praktikumsplatz gestaltete sich schwierig. Eine Bekannte gab mir den Tipp, mein Glück bei fiftyfifty zu versuchen. Gesagt, getan. Ich wurde tatsächlich angenommen. Die Arbeit dort gefiel mir sofort sehr gut. Mit den unterschiedlichsten Menschen Kontakt zu haben bereitet mir Freude. Auch, weil ich Rumänisch spreche und einige Menschen aus Rumänien die Beratungsstelle aufsuchen oder Zeitungen erwerben, bin ich an der richtigen Stelle gelandet, was mir letztendlich durch das Angebot der Festanstellung bestätigt wurde. Ich kann nur sagen: Ich bin angekommen.

Eine meiner Hauptaufgaben wird es sein, das Projekt „Housing First“ weiter zu etablieren. In weniger als drei Jahren konnte fiftyfifty über 20 Wohnungslosen, die seit vielen Jahren keine Wohnung haben, ein neues Zuhause geben. Wir wollen weitere Appartements erwerben und noch viele Menschen dauerhaft von der Straße holen. Auf diese Herausforderung freue ich mich.

Herzliche Grüße, Ihr

Ralf Brunner (angehender Sozialarbeiter und bei fiftyfifty u. a. für Housing First zuständig)

 

Glosse des Monats

Symphony for the devil

Jetzt sind schon geschlagene drei Sätze dieser konfusen Musik von Beathoven vorbei, und die Symphony ist immer noch nicht fertig. Worauf wartet eigentlich dieser Chor? Bis jetzt hat er noch keinen Ton gesungen, steht nur auf der Bühne rum. Ein echtes Schurkenstück von Mrs. Merkel, uns alle hier stundenlang in dieser „Elphi“ einzusperren, der Elbphilharmonie, you know, und mit Beathoven zu beschallen. Das machen wir noch nicht einmal in Guantanamo mit unseren Terroristen. Wie schön war es doch gestern bei den Polen. Die haben ihre Jubler zusammengekarrt und mich reden lassen. Hier muss ich untätig rumsitzen, mit viel zu wenig Bein- und Ellenbogenfreiheit, und den fucking Beathoven über mich ergehen lassen. Putin hat’s richtig gemacht, der kam eine Viertelstunde zu spät. Noch besser Erdogan, er schwänzt gleich ganz. Ah, jetzt fängt einer an zu singen, wenn auch sehr gekünstelt: „Freunde, nicht diese Töne!“ oder so. Sag ich doch! Nun ist auch endlich der Chor aufgewacht. Er singt die Europa-Hymne, why not. Da freut sich der Jean-Claude Juncker, der mir vorhin doch tatsächlich mit Handelskrieg gedroht hat, der motherfucker, und sein Tusk freut sich auch. Eine Frechheit, dass der es wagt, den Vornamen Donald zu verwenden. Die Sänger singen jetzt irgendwas von „Millionen“, endlich kann man sich was Konkretes vorstellen bei dem Gedudel. Vielleicht sollte ich dem Saudi mal was rüber twittern, von wegen Waffendeal, oder Theresa May, der Schreckschraube. Melania, Honey, ich höre dauernd was wie „Seid verschlungen, Millionen“. Wahrscheinlich geht es um die läppischen Kosten dieses verfickten Gipfels. Gut, dass wir unsere Helikopter dabei hatten, wer weiß, ob wir sonst glatt ins Gästehaus gekommen wären. Die deutsche Polizei besteht ja leider aus Weicheiern. Hat noch nicht mal einen Schießbefehl. Der Macron neben mir, auch so ein Weichei, nervt total. Hält Händchen mit seiner Grundschullehrerin und mimt den Multikulti-Musikkenner. Da lob ich mir den Sauer neben der Merkel, warum heißt er eigentlich nicht auch Merkel, egal, jedenfalls nimmt er gerade eine Mütze Schlaf. Allmählich müsste der Beathoven doch mal zum Schluss kommen, ständig dieses Stop and Go, kaum läuft es mal, bremst er schon wieder ab, die Folter dauert jetzt schon 70 Minuten. Na, der Kanzler-bitch werde ich’s heimzahlen – Strafzölle, Nato-Daumenschraube, alternative Klima-Fakten! Roll over Beathoven, America first!

Olaf Cless