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fiftyfifty warnt vor unseriösen Straßen-"Zeitungen"

"Sparsam lesen" und "Querkopf" wildern im Gebiet von fiftyfifty

„Sparsam lesen“ steht groß auf dem Titelblatt. „Sparsam“ ist die gesamte Aufmachung: Ein unprofessionelles Layout, gedruckt auf dünnem, billigen Papier. Der Inhalt besteht aus wahllos zusammengewürfelten Texten, ohne Quellenangaben aus dem Internet kopiert. Ein Impressum oder sonstige Informationen zu den Urhebern fehlt komplett. Letzteres ist für alle Druck- und Online-Veröffentlichungen in Deutschland Pflicht. Die Lose-Blatt-Sammlung gibt sich als Straßenmagazin aus, angeblich kommen von dem Verkaufspreis von 1,50 Euro die Hälfte dem Straßenzeitungsverkäufer zu Gute, so wie es bei Straßenzeitungen üblich ist. Vermehrt sind Verkäufer des Blattes in den letzten Wochen in Solingen negativ aufgefallen, durch aggressives Anpreisen und zusätzliches Betteln. Vor einigen Monaten auch in Köln, wo der Ursprung der Zeitung vermutet wird. Unter seriösen Straßenzeitungen gibt es ein deutschlandweites Abkommen, dass Verkaufsorte untereinander nicht streitig gemacht werden. Dort wo eine Straßenzeitung ansässig ist, darf nur diese verkauft werden. In Solingen ist dies fiftyfifty/die Straße. Hinzu kommt; bei seriösen Straßenzeitungen geht es nicht allein um den Verkauf: Es wird sozialarbeiterische Unterstützung geboten. fiftyfifty-VerkäuferInnen steht täglich Beratung in einem eigenen Sozialarbeiter-Büro zur Verfügung, zahlreiche obdachlose Verkäufer wurden durch die Arbeit des gemeinnützigen Vereins in Wohnungen untergebracht. Der Straßenzeitungsverkauf soll den Klienten eine Grundlage bieten in Eigenverantwortung eine Arbeitsstruktur zu entwickeln. Viele sind durch Suchthintergründe oder andere Problematiken seit Jahren nicht in der Lage gewesen, den Anforderungen die ein Angestellten-Verhältnis mit sich bringt zu entsprechen. Mit einer Straßenzeitung können Sie selbstständig bestimmen, wie viele Exemplare sie abnehmen, wann und wo sie diese verkaufen. Das unseriöse Auftreten des Billig-Blättchens wirft auch ein schlechtes Licht auf etablierte fiftyfifty-Verkäufer. Viele sorgen sich, dass sie mit den „Sparsam lesen“ Verkäufern verwechselt werden. Seriöse fiftyfifty-Verkäufer tragen einen Verkaufsausweis auf dem die Verkäufernummer und ein Passfoto zu sehen sind.  

Seriöse Straßenzeitungen wie fiftyfifty erkennt man zudem daran, dass sie Mitglied im INSP sind, dem Internationale Network of Streetpapers – was natürlich auf das Blättchen “Sparsam” nicht zutrifft. fiftyfifty rät, diese Zeitung nicht zu kaufen. Gleiches gilt für den “Querkopf”, der oft durch zumeist aggressiv auftretende Menschen aus Osteuropa angeboten wird. Wie bei “Sparsam” nutzt auch der “Querkopf” die Not von Menschen aus, ohne ihnen Betreuung und Unterstützung anzubieten. Nicht zuletzt die extrem schlechte Qualität dieser Blätter macht es notwendig, beim Verkauf mit drastischen Mitteln vorzugehen, da unter normalen Umständen niemand ein solches Blatt erwerben würde.

Mona Monsieur

Querkopf-Verkäufer Harald Schauff (Foto: Kölner Stadtanzeiger, Worring)

 

Artikel der Rheinischen Post über das unseriöse Blatt "Querkopf"

Den Passanten in der Klever Fußgängerzone rund um den Elsa-Brunnen ist gestern Vormittag von einem Mann die "Selbsthilfe-Mitmachzeitung Querkopf" angeboten worden. Auf dem Titelblatt ist unter anderem zu lesen, dass ein Exemplar 1,50 Euro kostet - 75 Cent davon dem Verkäufer zu Gute kommen. Exemplare des monatlich erscheinenden "Querkopf" kann an Ausgabestellen in Köln und Berlin jeder zum Weiterverkauf erwerben. Von Dieter Dormann

Dies teilte Werner Schneidewind mit, der nach eigenen Angaben für die Berliner Ausgabe zuständig ist. Was die Verkäufer nach dem Verlassen der Ausgabestellen mit den Zeitungen machen würden, wie sie verkauft würden, sei letztlich nicht mehr Sache des am 27. August 1998 vom 2010 verstorbenen Klaus Bergmayr gegründeten Vereins.

Negative Schlagzeilen hatten Verkäufer in der Vergangenheit mehrfach in Köln gemacht. Dort hatten sich Beschwerden gehäuft, dass "Querkopf"-Verkäufer aus Südost-Europa nicht selten aggressiv aufgetreten seien. Damals hatte Harald Schauff, der für die Kölner "Querkopf"-Ausgabe verantwortlich zeichnet gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger erklärt, seit die neuen Verkäufer aus Rumänien und Bulgarien unterwegs seien, hätten sich die Zeitungsauflage und der Erlös, der dem Verein zugute komme, spürbar erhöht. Die teils aufdringlichen Verkaufsmethoden wollte Harald Schauff jedoch unterbinden. Wie hoch derzeit die "Querkopf"-Auflage ist und wie sie sich entwickelt habe, wollte Werner Schneidewind vom Berliner-Querkopf gestern nicht sagen. Zugleich bestätigte er, es komme durchaus vor, dass "Gruppen mehrere Tausend Exemplare vorbestellen" würden.

Auch Klever Ordnungsamts-Mitarbeitern war der "Querkopf"-Verkäufer gestern aufgefallen. Sie informierten die Polizei, die dessen Personalien aufnahm. Anlass zu weiteren Maßnahmen gab es nicht..

Kritisch äußert sich der Chefredakteur der Düsseldorfer Obdachlosen-Zeitung "fiftyfifty", Hubert Ostendorf, zum "Querkopf": "Die Not von Osteuropäern wird ausgenutzt, um die Auflage zu steigern. Die Herausgeber haben auch nicht das 'Loccumer Abkommen' unterzeichnet, bei dem geregelt wurde, dass Straßenzeitungen sich untereinander keine Konkurrenz machen."