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Nicht nur wegen Verstoßes gegen die Rassentrennung angeklagt, sondern auch wegen Aufwiegelung zum Boykott: Abnahme der Fingerabdrücke als Ausdruck rassistisch motivierter Anschuldigungen. (Abb. aus dem Buch mit Genehmigung des Verlags, © AP / Wide Wo

Eine Kämpferin gegen den Rassismus

Die farbige Bevölkerung in den Südstaaten der USA lebte bis in die 1960er Jahre hinein ohne Rechte und ohne Würde. Aber während manche Schwarze den Terror der Weißen duckend hinnahmen – wer sich wehrte, konnte meist ohne juristische Folgen getötet werden - gab es auch andere. So in der Familie von Rosa Parks, geborene McCauly, die sich schon als Kind nichts gefallen ließ: „Einmal, als ich ungefähr zehn war, traf ich auf der Straße einen weißen Jungen namens Franklin. Er war ungefähr gleich groß wie ich ... Er drohte, mich zu verprügeln – ballte seine Faust und holte aus, als würde er mir gleich eine verpassen. Ich hob einen Ziegelstein auf und forderte ihn damit heraus. Da hat er sich’s anders überlegt und ist abgehauen.“ Als Rosa das stolz ihrer Großmutter erzählte, wurde sie gewarnt: „... wenn ich nicht aufpasse, würde ich gelyncht, noch bevor ich zwanzig sei.“

Solche Einzelheiten aus dem Leben von Rosa Parks finden sich in ihrer Autobiographie „Meine Geschichte“, die erst jetzt, 24 Jahre nach der Originalausgabe, auf Deutsch erscheint. Sie berichtet vom Alltag im ländlichen Alabama der 20er Jahre, von der Arbeit als Kind auf den Baumwollfeldern, von der ärmlichen schwarzen Schule, die sie besuchte – und vergleicht ihre Lebenswelt mit der der weißen Kinder. Diese mussten nicht selbst das Holz bereitstellen, um ihre viel besser ausgestatteten Schulen zu heizen, und wurden oft mit dem Bus hingefahren. „Für schwarze Kinder gab es keine Schulbusse. Wenn wir zur Schule liefen und uns ein Schulbus überholte, warfen die weißen Kinder manchmal mit Müll nach uns. Also wichen wir, sobald wir einen Schulbus sahen, auf die Felder aus und liefen ein wenig abseits neben der Straße her.“

Da ihre Mutter selbst Lehrerin war, achtete sie darauf, dass Rosa eine gute Schulbildung bekam. Nur in der Hauptstadt Montgomery gab es eine weiterführende Schule für schwarze Mädchen, geführt von weißen Lehrerinnen, die ihr außergewöhnliches Engagement mit der Ächtung durch ihre Mitbürger bezahlten. Rosa brach die Schule jedoch ab, um ihre kranke Großmutter zu pflegen. Erst nach ihrer Heirat mit dem Aktivisten Raymond Parks 1932 machte sie ihren Highschoolabschluss, fand jedoch keine adäquate Arbeit. Lange Jahre verdiente sie ihr Geld mit Nähen. Neben der Arbeit engagierte sie sich ehrenamtlich beim NAACP, der ersten US-Organisation, die sich für die Rechte der Farbigen einsetzte. Dort dokumentierte sie Fälle von rassistisch motivierter Gewalt. Und sie kämpfte um einen Eintrag ins Wahlregister. Eigentlich besaßen die Farbigen in den USA seit 1870 das Wahlrecht, aber in den Südstaaten wurde alles unternommen, um sie darum zu betrügen. Erst im dritten Anlauf wurde Rosa Parks 1945 als Wählerin registriert.

Was die Kämpferin aber zur Nationalheldin machte, war dieser berühmt gewordene Vorfall: In den Bussen von Montgomery waren die zehn vorderen Reihen Weißen vorbehalten, die zehn hinteren den Schwarzen. Dazwischen durften sich auch Schwarze hinsetzen. Stiegen aber mehr Weiße ein, forderte der Fahrer die Schwarzen auf, Plätze freizugeben. So war es auch am 1. Dezember 1955. Rosa Parks blieb sitzen, denn neben ihr waren zwei schwarze Männer aufgestanden, es gab also freie Plätze. Der Fahrer rief dennoch die Polizei, die Widerspenstige wurde verhaftet. So weit, so alltäglich. Dann stellte sich aber Rosa Parks als Klägerin zur Verfügung. Dass die Klage gegen die Verhaftung im rassistischen Bundesstaat Alabama keine Chance hatte, wusste der NAACP, wollte die Klage aber bis zum obersten Gericht weiterverfolgen. Und die Bürgerrechtler nutzten die Zeit. Am 5. Dezember 1955 wurde ein Busboykott beschlossen, die Rede hielt der noch unbekannte Pastor Martin Luther King. Fast ein Jahr lang weigerte sich die schwarze Bevölkerung von Montgomery, die städtischen Busse zu benutzen. Die Solidaritätswelle erfasste sogar Weiße: Frauen, deren schwarze Dienstmädchen nicht mehr erschienen, Bürger, die vergeblich auf die immer seltener verkehrenden Busse warteten und nicht rechtzeitig zur Arbeit kamen. Der Boykott war also schon ein Erfolg, bevor das Urteil des Supreme Court fiel: Am 13. November 1956 wurde die Rassentrennung in den Bussen von Montgomery als verfassungswidrig erklärt. 

„My Story“ verfasste Rosa Parks im Alter von fast 80 Jahren, aber ihre Wut war noch lebendig.  Trotz der vielen Fortschritte, die für die Rechte der Farbigen erzielt wurden, sei der Rassismus der Weißen noch präsent, ja, er würde sogar wieder stärker, stellte sie zum Ende des Buches fest: „Offensichtlich haben wir noch einen weiten Weg vor uns.“

Eva Pfister

 

Rosa Parks: „Meine Geschichte“. Autobiografie, mit Jim Haskins.
Aus dem Englischen von Sonja Bonin, mit einem Vorwort von Alice Hasters

Unionsverlag, 192 Seiten, Hardcover, 24 Euro