Straßenblume
Das erste Kinderbuch einer ehemals Obdachlosen erzählt von Verletzungen, Träumen und Hoffnungen auf der Straße. Eine berührend erzählte und wunderschön illustrierte Geschichte für Menschen ab 3 Jahren von Sammy N.
Vor einiger Zeit entstand bei einem Treffen der Akademie der Straße die Idee, eine Geschichte zu schreiben und zu illustrieren. Die fiftyfifty-Verkäuferin Sandra Martini hatte gerade ihre Broschüre Schattendiva herausgegeben - mit Gedichten und Zeichnungen. Währenddessen malte Sammy N. eine Pusteblume und hatte plötzlich die zündende Idee - ein Kinderbuch. Der Titel ergab sich aus dem gemalten Bild: Straßenblume!
Damit war sofort die Verbindung hergestellt zu Sammys eigener Lebensgeschichte. Sammy lebte als Kind in verschiedenen Heimen und ist oft abgehauen, auf der Suche nach ihrer Familie, die sie vermisste, in der sie jedoch nie lange bleiben konnte. So blieb ihr dann nur die Straße als Lebensort.
Sammy ist Künstlerin der naiven Malerei, die erlebte und geträumte Geschichten malt. In ihren meist figürlichen Acrylbildern und Aquarellen kommen Schutzengel vor, Karawanen, Wasserfälle, Lagerfeuer, fantastische Welten mit Tieren. Immer, wenn sie ihre Bilder zeigt und beschreibt, wird deutlich, wie sehr diese aus ihrem Leben und ihren Träumen hervorgehen.
Innerhalb von eineinhalb Jahren, mit Motivationshöhen und -tiefen, entstanden der Text und über 50 Bilder für die Straßenblume in verschiedenen Techniken und Größen. Mit diesem Pool luden wir den Bilderbuchautor und Illustrator Martin Baltscheit ein, das Projekt mit seiner langjährigen Expertise zu begleiten. Durch ihn lernte Sammy, ihre Geschichte zu strukturieren. Es war ein manchmal anstrengender und gleichzeitig kreativer Prozess, bestehend aus dem Selektieren, Zuordnen und Neukreieren der Bilder in Bezug auf den redigierten Text. In der Folgezeit entstanden mehrere Dummys, die Sammy dann Martin Baltscheit zeigte, der mit dem Material das Layout erstellte.
Martin Baltscheit studierte Kommunikationsdesign an der Folkwangschule Essen. Er ist Autor, Illustrator, Sprecher und Regisseur. Nach Anfängen als Comiczeichner avancierte er zu einem der renommiertesten deutschen Kinderbuchautoren und -illustratoren. Seine Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte, gilt heute als moderner Bilderbuchklassiker. Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor, wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis prämiert. Neben Büchern schreibt Martin Baltscheit regelmäßig für das Theater und wurde für das Stück Die besseren Wälder mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis bedacht und für Krähe & Bär mit dem Deutschen Kindertheaterpreis. Auch sein filmisches Schaffen ist preisgekrönt: Die Nacht des Elefanten gewann den Deutschen Kurzfilmpreis und der Verband deutscher Filmkritiker wählte Nur ein Tag zum besten Kinderfilm.
Mehr über die Akademie der Straße hier: fiftyfifty-galerie.de
Für Sammy ist es eine große Ehre und Bereicherung, dass ein so erfahrener und hoch dekorierter Experte ihre Arbeit begleitet. In ihrer Geschichte gibt es mehrere Charaktere: Luisa ist die Hauptprotagonistin, von einem Pastor mit dem Namen Gerhard liebevoll „Straßenblume“ genannt. Dann sind da noch die Freunde Tom im Karton, der alte Fritz, Annette und Frau Kutscher, die betagte Dame, die ein Haus besitzt. Die Geschichte spielt, wie sollte es anders sein, auf der Straße. Es werden nur wenige konkrete Schauplätze ausgewiesen und es existiert trotz der prekären Umstände ein optimistischer Grundton von Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Liebe. Zum Schluss gibt es sogar ein Happy End mit einer schönen Vision: ein offenes Haus für alle mit einer Suppenküche.
Die Straßenblume ist ein berührendes Kinderbuch über das Leben im Abseits, über Hoffnungen, Träume und deren Erfüllung. Bei fiftyfifty-Verkäufer*innen für nur 10 Euro, davon 5 Euro für die/den Verkäufer*in, oder und hier: fiftyfifty-galerie.de
Katharina Mayer
Auf meinem Weg: Sammy N. über sich selbst
Mein Name ist Sammy, ich bin 52 Jahre alt und komme aus Düsseldorf. Ich lebe allein, mein Sohn ist 26 Jahre alt. Haustiere habe ich keine, obwohl ich Tiere sehr liebe. Aktuell bin ich Teilnehmerin der Akademie der Straße. Ich habe eine lange Suchtkarriere hinter mir, war vier Jahre obdachlos und habe zwei schwere Vergewaltigungen erlebt. Diese Vergangenheit treibt mich auch zum Malen, denn so kann ich verarbeiten, manchmal vergessen und die Gedanken schweben lassen. Ich male am liebsten mit Acryl aber auch mit Aquarell. Mein Stil ist die naive Malerei: direkt, farbig, ohne Regeln, aber mit Gefühl. Ich arbeite gern in der Gruppe. Der Austausch ist mir wichtig, weil wir viel voneinander lernen können. Unsere Professorin, Katharina Mayer (hat bei Bernd und Hilla Becher studiert und ist Professorin für Kunst in Berlin) bringt mir viel bei, und das schätze ich sehr. Es war ein großes Glück, dass ich Martin Baltscheit kennengelernt habe. Er hat mir gezeigt, wie ich meine Geschichte verbessere und in Form bringe.
Was Träume und Ziele betrifft, bin ich eher eine Tagträumerin. Ich nehme die Dinge wie sie kommen. So lange ich malen kann, bin ich auf meinem Weg.
Naive Kunst? Naives Leben?