Intro: Rudi über das Geben und Nehmen
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
meine Kundinnen und Kunden nennen mich „Rudi“. Seit 30 Jahren stehe ich „Am Dreieck“ in Düsseldorf, verkaufe die fiftyfifty und bin Teil der Großfamilie Nordstraße. Die Straße hat mich quasi adoptiert. In meinem Viertel bin ich mittlerweile zentrale Anlaufstelle für Neuigkeiten rund um die Nordstraße, Gesprächspartner und Zuhörer, Aufmunterer und Trostspender. Stets habe ich ein offenes Ohr für alle, die sonst niemanden mehr haben. Für nicht wenige, vor allem ältere Menschen, bin ich der einzige Mensch, dem sie erzählen können, was sie bedrückt, der geduldig ihren Geschichten zuhört, dem sie ihre alltäglichen Sorgen und Erlebnisse schildern können. Ich freue mich, wenn ich morgens den Wecker höre. Meine Kundschaft und ich brauchen einander. Die Leute kommen mit einem Lächeln und gehen mit einem Lächeln. Ich brauche die Straße und die Straße braucht mich.
In all den Jahren habe ich gelernt, dass es nur ein Miteinander gibt. Aufeinander zuzugehen, um zu reden und vor allem zuzuhören. Somit ergibt das Wort fiftyfifty einen tieferen Sinn. Geben und nehmen. Es funktioniert nur, wenn Vertrauen aufgebaut wird und aus Kunden Stammkunden, aus Bekannten Vertraute werden, die einst mal Fremde waren. Respekt und ohne Vorurteile oder voreingenommen zu sein, das ist der Schlüssel, den Jede und Jeder braucht und das bekommen die Menschen zu spüren, die an mir vorübergehen. Bei den vielen Gesprächen vergessen diese Menschen, dass ich „nur“ ein Zeitungsverkäufer bin. Bekanntlich ist die Verkaufsauflage der Zeitung drastisch gesunken. Deshalb möchte ich mich auch mit einer herzlichen Bitte an Sie wenden: Damit fiftyfifty seine zahlreichen Hilfen für die Ärmsten unserer Gesellschaft auch weiterhin anbieten kann, kaufen Sie die Zeitung nicht nur für sich, sondern auch für andere, um ihnen eine Freude zu machen. Werben Sie bitte auch in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis für den Kauf des Magazins. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich seit 30 Jahren begleiten und unterstützen und mich damals nicht als Obdachlosen aufgegeben haben. fiftyfifty ist mehr als nur eine Obdachlosenzeitung - sie verbindet und hält uns zusammen.
Euer „Rudolf am Dreieck“
...Rudolf Druschke, fiftyfifty-Verkäufer der ersten Stunde.