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(Foto: Homepage Nikita Miller)

Reich sein und die KI regieren lassen

Von Nikita Miller*

Ich muss gestehen, ich wollte schon immer mal zu einer Minderheit gehören, ich wollte schon immer mal reich sein. Ich würd dann als erstes zu McDonalds gehen und mir Burger, Cola und Pommes getrennt bestellen statt in einem Menu. Einfach, weil ich’s kann. Das ist nicht Reichtum, das ist Macht. Versteht mich nicht falsch: Ich will auf keinen Fall, dass alle reich werden. Das ist Schwachsinn, weil: Dann sind wir alle auf Augenhöhe. (…)

Wenn du reich bist, hast du einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft. Wenn arme Leute sich beschweren, dann nennt man das: jammern. Wenn reiche Leute sich beschweren, dann nennt man das: strukturelle Probleme. Wenn arme Menschen zwei Sprachen sprechen, dann nennt man das: Migrant, Eindringling. Wenn reiche Menschen zwei Sprachen sprechen, dann nennt man das: hoch gebildet. Wenn arme Menschen tagsüber trinken, dann sind das Versager. Wenn reiche Menschen das machen, dann sind das Genießer. Wenn arme Menschen nicht in die Gänge kommen, dann sind das Schmarotzer. Wenn reichen Leuten das passiert, dann nennt man das: Depression. Es gibt reiche Menschen, die bescheiden sind. Man nennt diese Menschen: reflektiert. Wenn arme Menschen bescheiden sind, dann, weil sie nicht anders können. (…)

Ich glaube, der einzige Nachteil am Reichsein ist: Du weißt nie, ob dich jemand aufrichtig liebt.

 

Du giltst ja mit 70 als Arbeitskraft als ungeeignet. Keine Firma denkt sich: Geil! Den nehmen wir, der hat Perspektive. Außer: Du willst ein Land regieren. Dafür reicht’s. Ich denk mir manchmal: Wieso kratzen wir einfach nicht die hunderttausend klügsten Eierköpfe zusammen und stecken alle unsere Ressourcen in die Entwicklung der KI und lassen dann die KI alles übernehmen. Weil: Menschen kriegen’s nicht hin. Du musst nur ein Geschichtsbuch aufschlagen: Vertrag. Vertrag gebrochen. Krieg. Vertrag. Vertrag gebrochen. Krieg.

Geschichte bringt uns eigentlich nur bei, dass Geschichte uns nichts beibringt. Und dann sagen Leute: Ja, aber, wenn dann die KI übernimmt, was ist, wenn sie uns dann vernichten will? Gut! Dann sterben wir wenigstens in Würde und nicht wegen irgendeines alten Sackes, der längst in Rente sein müsste und beim Aufstehen Geräusche macht wie ein kaputtes Faxgerät.

 

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17.11. Nikita Miller in Monheim (Kulturraffinerie)

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Nikita Miller

Komiker, Storyteller und Buchautor mit kasachisch-deutschen Wurzeln. In seinen Programmen erzählt der vielfach Ausgezeichnete (u.a. Deutscher Kleinkunstpreis) humorvoll und selbstironisch vom Aufwachsen zwischen zwei Kulturen und verbindet Alltagsbeobachtungen mit persönlichen Geschichten. Sein markanter russischer Akzent und sein lebendiger Erzählstil sind zu seinem Markenzeichen geworden. Neben seinen Bühnenauftritten veröffentlichte er 2024 seinen Debütroman „Kalasch“. Olaf Schubert: „Nikita sagt was Kasache ist. Lustig. Nein, sehr lustig.“ 

 

*Transkript aus:

youtube.com und youtube.com/shorts