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Schöner Ausblick, gute neue Lebensperspektiven für eine/n Obdachlose/n: Zimmer einer kleinen Wohnung in Düsseldorf für Housing First. (Foto: Hubert Ostendorf)

Zimmer mit Aussicht

Ortstermin Kölner Landstraße. Ein großer Gebäudekomplex aus rotem Backstein in einem schönen, bürgerlichen Stadtteil. Das kleine Apartment misst keine 30 Quadratmeter. Eine  Kochnische, ein komfortables Bad. Das Beste: eine Dachterrasse mit Blick ins Grüne. Der Makler kennt uns. Er weiß, was wir suchen. Denn er hat schon einige Apartments an fiftyfifty vermittelt. Deshalb bietet er auch dieses Mal wieder exklusiv an. Keine Besichtigung mit vielen anderen Interessierten, nur wir. Ja, wir möchten diese vier Wände, um einem Obdachlosen ein neues Zuhause zu schenken. Ein Zimmer mit Aussicht ins Grüne, mit Aussicht auf Neubeginn, auf ein anderes Leben, in dem einige Probleme überwunden werden: auf der Straße schlafen, also Kälte, Hitze und Regen, Sucht, Einsamkeit …

Eine engagierte Frau ist mit dabei, sie ist Ärztin im Ruhestand. Sie hat es gut gehabt im Leben, sagt sie. Sie möchte helfen. Sie wird diese Wohnung kaufen, sagt sie, und an einen Menschen, den wir von der Straße holen werden, vermieten. Ich erkläre ihr, dass wir die Beurkundung organisieren, den Klienten oder die Klientin aussuchen, die Formalitäten mit dem Jobcenter, das die Miete zahlen wird, klären, die Betreuung des Klienten oder der Klientin übernehmen werden - ein Fullservice-Paket. Ich rechne auf dem Taschenrechner meines Handys vor, dass die Höhe der Miete, die die engagierte Vermieterin direkt vom Amt erhalten wird, sogar eine kleine Rendite von etwa drei Prozent ergibt, gemessen an dem, was die Wohnung zzgl. Kaufnebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notar, Gebühren usw. kostet. Die pensionierte Ärztin antwortet, sie sei gar nicht auf Profit aus; 110.000 Euro, so viel kostet die Wohnung, habe sie auf der Bank.

fiftyfifty hat mittlerweile 150 Wohnungen in Düsseldorf an Obdachlose gegeben, 47 davon gehören Vermieter*innen wie unserer netten Ärztin, die anderen Wohnungen gehören dem Verein selbst, gekauft aus Spenden sowie Erlösen unserer Benefiz-Galerie, weil Künstler*innen von Rang wie Thomas Ruff, Imi Knoebel, Sabine Moritz, Gerhard Richter u.a. Werke stiften, die wir zu Gunsten unseres Housing-First-Projektes veräußern.

In nur wenigen anderen deutschen Städten ist die Wohnungsnot so krass, wie in Düsseldorf. Der Geschäftsführer einer Wohnungsbaugesellschaft sagte mir einmal überspitzt: „Beinahe nur, wenn Menschen sterben, werden noch Wohnungen frei.“ Schlechte Karten also für sozial Benachteiligte und für Obdachlose sowieso. Deshalb will fiftyfifty mit Housing First am Beispiel der NRW-Landeshauptstadt zeigen, dass es möglich ist, die Straßenobdachlosigkeit weitestgehend zu überwinden. Für dieses Ziel brauchen wir noch etwa 400 Wohnungen zusätzlich. Warum sollte das nicht klappen? 47 wohlmeinende und, zugegeben, einigermaßen bis sehr vermögende Unterstützer*innen haben schon einem obdachlosen Menschen eine Wohnung vermietet. Warum sollte es nicht weitere Vermieter*innen mit Herz geben? Weitere 400. Wenn wir es in Düsseldorf schaffen, die Obdachlosigkeit weitgehend zu überwinden, wäre dies eine Blaupause für ganz Deutschland. Schon wegen der Signalwirkung, die wir längst entfaltet haben, ist unser Tun wichtig.

Können Sie helfen, liebe Leserin, lieber Leser? Oder kennen Sie jemanden, der bzw. die helfen kann? Mit jedem Menschen, den wir von der Straße holen, retten wir ein Leben. Und wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt, sagt der Talmud. Werden wir Lebensretter*innen. Und sei es nur, dass wir eine Straßenzeitung kaufen.

Soziale/r Vermieter*in werden

Wer kann in Düsseldorf ein Apartment zur Vermietung an einen Obdachlosen kaufen?
0176 21432308

Hubert Ostendorf