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Der 8-jährige Tsifeheza arbeitet auf Madagaskar mit seinen Eltern in einer Glimmermine. Wegen des ausbleibenden Regens mussten sie die Landwirtschaft aufgeben und nun ihren Lebensunterhalt in der Mine bestreiten. Allein in Madagaskar arbeiten etwa 10

Zum Welttag gegen Kinderarbeit

1999 hatten sich die Vereinten Nationen zum Ziel gesetzt, jeglicher Form von Kinderarbeit bis zu Jahr 2025 ein Ende zu setzen.

Der aktuelle Bericht von UNICEF und der Internationalen Organisation für Arbeit (ILO) kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass derzeit immer noch weltweit 138 Millionen Kinder im Alter zwischen 5 und 17 Jahren arbeiten müssen – nicht selten unter sklavenähnlichen Bedingungen.. Der seit 2002 jährlich am 12. Juni begangene Welttag gegen Kinderarbeit soll auf diese Ausbeutung mit der Forderung aufmerksam machen, der Kinderarbeit endlich ein Ende zu bereiten.

Die 12-jährige Adama Sandy arbeitet seit fünf Jahren in einem Steinbruch in Sierra Leone. Im aktuellen Kinderarbeitsbericht der UN gibt sie über ihren Alltag zu Protokoll: : „Meine Familie hat kein Geld, um mich in die Schule zu schicken. Morgens mache ich zu Hause sauber, dann folge ich meinem Vater und meiner Mutter zum Steinbruch. Wir zerschlagen die Steine, die Leute kaufen.“ Umgerechnet verdienen sie damit weniger als zwei Euro am Tag. „Das Geld reicht nicht, damit ich zur Schule gehen kann, es reicht nicht für Kleidung und Essen. Wir essen nur eine Mahlzeit am Tag.“ Wie Adama arbeiten 8 Prozent aller Kinder weltweit für einen Hungerlohn unter Bedingungen, die sie ihrer elementaren Rechte und Chancen berauben. Sie pflücken Baumwolle, schürfen Gold, Mica oder Eisenerz in engen, ungesicherten Schächten, sie schuften zwölf Stunden am Tag in Fabriken oder sind als Dienstmädchen der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert. Schlechte, nicht selten gefährliche Arbeitsbedingungen und eine schlechte Bezahlung sind die Regel. Für Schule und Spiel bleibt keine Zeit. Zu den „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ zählt die ILO-Konvention von 1999 Sklaverei und sklavenähnliche Abhängigkeiten, Zwangsarbeit einschließlich des Einsatzes von Kindersoldat*innen, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten wie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere.

Der Großteil der Kinder arbeitet in der Landwirtschaft, gefolgt vom Dienstleistungssektor sowie der Industrie einschließlich des Bergbaus. Das südliche Afrika ist mit fast zwei Dritteln aller Kinder in Kinderarbeit – 87 Millionen – weiterhin am schwersten betroffen. Die größten Fortschritte bei der Bekämpfung von Kinderarbeit hat in den letzten Jahren die Region Asien und Pazifik gemacht. Dort ging der Anteil der Kinder in Kinderarbeit von 6 Prozent in 2020 auf 3 Prozent in 2024 zurück. Aber noch immer haben Millionen Familien keine Wahl. Wirtschaftskrisen, Konflikte und Naturkatastrophen verschärfen die Situation aktuell wieder. Im östlichen und südlichen Afrika und in Teilen Asien haben in den letzten Jahren Wetterextreme wie Dürren im Wechsel mit schweren Regenfällen dazu geführt, dass Familien verstärkt auf die Mitarbeit der Kinder angewiesen sind, um überleben zu können. Zudem drohen momentan auch globale Mittelkürzungen die hart erarbeiteten Errungenschaften für Kinder wieder zunichtezumachen. Das Hauptproblem bleibt jedoch weiterhin, dass die erwachsenen Arbeitskräfte oft keine fairen Löhne erhalten, um das Einkommen der Familie zu sichern.

Erfahrungen aus vielen Ländern zeigen, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Kinderarbeit lässt sich nicht einfach durch Verbote beseitigen – genauso wenig, wie man Armut verbieten kann. Sie lässt sich aber überwinden. Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, fasst die diesbezüglichen Hauptforderungen von UNICEF und ILO zusammen: „Der neue Kinderarbeits-Bericht unterstreicht die schonungslose Realität, dass trotz aller Fortschritte Millionen von Kindern immer noch ihr Recht verwehrt wird, zu lernen, zu spielen und einfach Kind zu sein. Gleichzeitig weisen uns die erzielten Erfolge den Weg: Rechtliche Schutzmaßnahmen, besserer Sozialschutz, Investitionen in kostenlose, hochwertige Bildung und menschenwürdige Arbeit mit fairen Löhnen für Erwachsene sind wirksame Instrumente, um Kinder vor Kinderarbeit zu schützen. Auch die Umsetzung unternehmerischer Sorgfaltspflichten leistet einen wichtigen Beitrag, um weiter gegen Kinderarbeit vorzugehen.“

Hans Peter Heinrich