fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++
 

Das aktuelle Heft online lesen?

Code hier eingeben

Du hast keinen Code? Den Code kannst du auf der Straße bei fiftyfifty-Verkäufer*innen für 2,80 Euro auf einer Rubbelkarte kaufen und dann bis zum Ende des Monats so oft du willst die fiftyfifty online lesen. Den Code erhältst du inklusive eines Loses, mit dem du tolle Preise gewinnen kannst. Das Los haben wir sinnigerweise Obdach LOS genannt.

(Foto: Am Facut)

Obdachlosigkeit abschaffen

Von Hubert Ostendorf, Gründer und Geschäftsführer von fiftyfifty

Deutschland ist eine Nation mit enormem Wohlstand und zugleich extremer Ungerechtigkeit. Laut Oxfam besitzen nur 36 Milliardäre zusammen mit umgerechnet 297 Milliarden US-Dollar so viel, wie die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung in unserem Land. Die Allerärmsten der ärmeren Hälfte schlafen unter Brücken, auf Parkbänken, in Bahnhöfen oder in Notunterkünften. Obdachlosigkeit ist längst kein Randphänomen mehr, sondern immer sichtbarer werdender Ausdruck einer moralischen Bankrotterklärung, ein Zeichen dafür, dass Menschen skrupellos und brutal im Elend zurückgelassen werden. Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mehr als eine Million Wohnungslose, Zehntausende, die ohne jede Unterkunft auf der Straße leben. Über dreizehn Millionen Armutsgefährdete, besonders Kinder: Rund jedes siebte Kind wächst in Deutschland in Armut oder unter Armutsrisiko auf. Kinder, die beengt wohnen, deren Eltern ständig Angst vor der nächsten Mieterhöhung haben, Familien, die jeden Monat rechnen müssen, ob das Geld für Lebensmittel, Strom und Schulmaterial reicht - in Zeiten kriegsbedingter Inflation allemal.

Wer arm ist, gilt schnell als selbst schuldig, als faul, ungebildet, verantwortungslos. Doch diese Erzählung dient vor allem dazu, die gesellschaftlichen Ursachen zu verdecken. Armut ist nämlich kein persönlicher Fehler. Sie entsteht in gesellschaftlichen Strukturen, die Menschen ständig danach bewertet, wie produktiv sie sind, wie leistungsfähig, wie profitabel ihre Arbeit ist. Wer krank wird, wer seine Arbeit verliert, wer diskriminiert wird oder aus anderen Gründen nicht passt, gerät schnell an den Rand: Menschen mit Migrationsgeschichte, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, von Rassismus Betroffene. Allzu oft wird in politischen Debatten und im Netz suggeriert, die Armen lebten auf Kosten anderer. Diese Logik spaltet die Gesellschaft in angeblich Leistungsfähige und „Nutzlose“ - was für eine entwertende Vokabel. Eine demokratische und solidarische Gesellschaft darf diese Spaltung niemals akzeptieren und sollte deshalb Obdachlosigkeit nicht isoliert bekämpfen. Wer sie abschaffen will, muss Armut insgesamt überwinden, Flagge zeigen gegen Ausgrenzung. Es reicht nicht, mehr Notunterkünfte zu bauen oder kurzfristige Hilfsprogramme aufzulegen. Entscheidend ist eine Gesellschaft, die den Zugang zu grundlegenden Lebensbedingungen dauerhaft garantiert: bezahlbares Wohnen, soziale Sicherheit, Bildung, Gesundheitsversorgung, reale Chancen auf gerechte Teilhabe und ein gerechtes Fiskalsystem, das die Reichen angemessen in die Verantwortung nimmt. Letztlich geht es um die fundamentale Frage: Welche Vorstellung vom Wert des Menschen prägt unsere Gesellschaft? Zählt wirklich nur, wie viel jemand leistet oder wie effizient er oder sie funktioniert? Nein! Eine solidarische Gesellschaft muss anerkennen, dass Würde und Teilhabe letztlich nicht verdient werden können. Sie stehen jedem Menschen unabdingbar zu - das ist eine der grundlegenden Ideen unseres Grundgesetzes.

Zumal eine Welt ohne Armut und Obdachlosigkeit keine unrealistische Fantasie sein muss. Wir bei fiftyfifty zeigen, dass innovative Konzepte wie etwa „Housing First“, also Wohnungen für Obdachlose, tatsächlich den fortwährenden Skandal der krassesten Armut überwinden können, wenn der politischer Wille vorhanden ist. Eine Regierung, die Milliarden in Infrastruktur und Aufrüstung investieren kann und die Milliarden an Steuerschlupflöchern akzeptiert, hat definitiv die Möglichkeit, ja, geradezu die ethische Verpflichtung, allen Menschen ein sicheres Zuhause zu garantieren. Sie kann bezahlbaren Wohnraum schaffen, soziale Sicherungssysteme stärken und Armut entschlossen bekämpfen. Denn Gerechtigkeit und Wohlergehen stehen allen zu, und Wohnen ist ein Menschenrecht.

Das Philosophische Café

… lädt einmal im Monat zum Philosophieren ins Düsseldorfer Kulturzentrum zakk ein. Alle sind willkommen, egal wie alt sie sich fühlen oder welche Schule sie besucht haben. Zu Gast ist diesmal fiftyfifty. Moderiert wird das Philosophischen Café von dem Düsseldorfer Philosophen Jost Guido Freese. Er ist der Überzeugung, dass Philosophieren niederschwellig sein muss und darum an öffentliche Orte gehört. Neugierig? Dann: herzlich willkommen. 
 

18.6. zakk Düsseldorf

Philosophisches Café
Thema: Obdachlosigkeit