fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++
 

Das aktuelle Heft online lesen?

Code hier eingeben

Du hast keinen Code? Den Code kannst du auf der Straße bei fiftyfifty-Verkäufer*innen für 2,80 Euro auf einer Rubbelkarte kaufen und dann bis zum Ende des Monats so oft du willst die fiftyfifty online lesen. Den Code erhältst du inklusive eines Loses, mit dem du tolle Preise gewinnen kannst. Das Los haben wir sinnigerweise Obdach LOS genannt.

n Schreibwerkstätten unterstützte Pamela Granderath wohnungslose Menschen dabei, ihre eigenen Texte zu verfassen. (Foto: C. Wolff)

Bühnen für Worte – Nachruf auf Pamela Granderath

Mit Pamela Granderath verliert Düsseldorf eine außergewöhnliche Stimme der Literatur – und viele Menschen eine Wegbegleiterin, Mentorin und Freundin. Als Autorin, Dichterin und Moderatorin prägte sie über Jahrzehnte die Spoken-Word- und Poetry-Slam-Szene der Stadt. Besonders eng verbunden war sie mit dem zakk – Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation, wo sie unzählige Lesungen, Poetry Slams und literarische Formate mitgestaltete und moderierte. Dort brachte sie Menschen zusammen, gab Ideen Raum und schuf Bühnen für Worte, die sonst vielleicht ungehört geblieben wären.

Pamela Granderath war eine feste Größe der Düsseldorfer Literaturlandschaft – nicht nur im zakk, sondern auch bei Projekten wie „Düsseldorf ist Artig“ in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt. Als Literaturförderpreisträgerin der NRW-Landeshauptstadt, als Moderatorin der Poesieschlacht und als unermüdliche Veranstalterin (Hinterhoflesungen, Sofa-Geflüster …) setzte sie sich mit Leidenschaft für zeitgenössische Wortkunst ein. Viele Autorinnen und Autoren, die heute selbstbewusst auf Bühnen stehen, haben durch sie wichtige Impulse erhalten.

Doch Pamela war mehr als eine herausragende Vermittlerin von Literatur – sie war Förderin ihrer Mitmenschen. In Schreibwerkstätten ermutigte sie junge wie ältere Teilnehmende, ihre Geschichten aufzuschreiben. Geduldig half sie dabei, Biografien, Gedichte oder erste Bücher zu entwickeln. Ihr Credo war einfach: Jeder Mensch hat etwas zu erzählen. Und sie wusste, wie man diese Geschichten zum Klingen bringt.

Auch bei fiftyfifty war Pamela Granderath eine vertraute und geschätzte Persönlichkeit. Bei den Weihnachtsfeiern für wohnungslose Menschen sowie den Verkäufer:innen des Straßenmagazins trug sie regelmäßig Gedichte vor – mit Wärme, Humor und einem offenen Herzen. In Seminaren unterstützte sie zudem wohnungslose Menschen dabei, ihre eigenen Texte zu verfassen: Erinnerungen, Lebensgeschichten oder Gedichte. Sie gab ihnen Mut, ihre Erfahrungen in Worte zu fassen und damit sichtbar zu machen.

Pamela Granderath verstand Literatur immer als etwas Gemeinsames. Worte waren für sie kein elitäres Gut, sondern ein Werkzeug, das Menschen verbinden kann – auf einer Bühne, in einer Werkstatt oder an einem langen Tisch voller Manuskriptseiten.

Mit ihrem Engagement, ihrer Energie und ihrer Liebe zur Sprache hat sie viele Spuren hinterlassen. In Texten, in Erinnerungen – und in den Stimmen der Menschen, die durch sie den Mut gefunden haben, selbst zu schreiben.

Pamela Granderath wird fehlen. Doch ihre Worte, ihre Ideen und ihr Vertrauen in die Kraft der Literatur wirken weiter.

Christine Brinkmann

 

gib mir Ruhe

 

An dem Morgen, an dem ich das Fenster öffnend,

meinen Kopf verlor, geschah zur gleichen Zeit,

an einem mir unbekannten Ort ein Fest.

Die Sonne lenkte, ihrer Strahlung bewusst, durch

dichtes Blattwerk ihre Wärme und gab mir Ruhe.

Die mir unbekannten Menschen, an unbekannten

Orten wirken gelassen, fern, feiernd, wild.

Kopflos und ohne Rast schließe ich das Fenster,

schließe ich die Sonne, schließe ich das Fest.

Fern, unbekannt ein Mensch ohne Kopf, wildernd.

Ruhe.

 

Pamela Granderath

(aus ihrem ersten Gedichtband 1995)