fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++
 

Das aktuelle Heft online lesen?

Code hier eingeben

Du hast keinen Code? Den Code kannst du auf der Straße bei fiftyfifty-Verkäufer*innen für 2,80 Euro auf einer Rubbelkarte kaufen und dann bis zum Ende des Monats so oft du willst die fiftyfifty online lesen. Den Code erhältst du inklusive eines Loses, mit dem du tolle Preise gewinnen kannst. Das Los haben wir sinnigerweise Obdach LOS genannt.

Superheld*innen im Waschsalon: Szene aus „Heroes“ (2./3./4. 6.). Foto: Karolina Maruszak

Kultur

Recklinghausen

Im Laufschritt durchs Burnout Paradise

(oc). Am 1. Mai beginnen die Ruhrfestspiele wie immer mit einem Kulturvolksfest auf dem Grünen Hügel. Am 2. Mai eröffnet die Kunsthalle eine vielversprechende Schau des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson, in dessen Werk Melancholie und Humor friedliche Koexistenz feiern (bis 16. 8.). Am 3. Mai hält die Schriftstellerin Ursula Krechel die Eröffnungsrede, bevor dann in einer Choreografie des Taiwanesen Huang Yi Mensch und Industrieroboter einen Tanz miteinander wagen (3./4./5. 5.). In der Sparte Neuer Zirkus ist gewiss das rührende Solo „Greef“ der US-amerikanischen Clownin Christina Gelsone sehenswert, in dem sie sich auf die Suche nach Trost und neuer Lebensfreude macht (19./20./21. 5.). Zwischen Schauspiel und urkomischer Power-Performance bewegt sich „Burnout Paradise“ des australischen Kollektivs Pony Cam, das von vier Laufbändern gnadenlos auf Trab gehalten wird (29./30./31. 5.). So weit einige Tipps aus dem überbordenden Programm.

1. 5. bis 13. 6., ruhrfestspiele.de. Zentrale Adresse: Otto-Burrmeister-Allee 1, 45657 Recklinghausen

 

 Mit wachen Augen und scharfer Schere: Episode aus Lotte Reinigers „Prinz Achmed“ © Christel Strobel / Primrose Productions

Düsseldorf

Als die Scherenschnitte laufen lernten

(oc). Die Tonhalle Düsseldorf begeht ihr 100-jähriges Jubiläum – wobei sie anfangs als Planetarium diente. Fast genau gleichzeitig mit dessen Eröffnung im Mai 1926 wurde in Berlin der erste abendfüllende Animationsfilm der Filmgeschichte uraufgeführt: Lotte Reinigers (1899-1981) aus unzähligen virtuosen Scherenschnitten komponiertes Märchen Die Abenteuer des Prinzen Achmed samt Dämonen, Seesturm, Zauberpferd und Aladins Wunderlampe. Rund 100.000 Fotoaufnahmen, 16 für jede Sekunde, wurden dafür gefertigt. Zum Glück hat das in dreijähriger Arbeit entstandene Wunderwerk die Zeiten überlebt, so dass es nun unter der Kuppel des Mendelssohn-Saals aufgeführt werden kann. Dazu erklingt eine Musik vom Filmkomponisten Wolfgang Zeller, live gespielt vom notabu.ensemble neue musik unter Leitung von Mark-Andreas Schlingensiepen. PS: Mehr über Lotte Reiniger kann man im Filmmuseum Düsseldorf erfahren. Dort steht auch ihr Original-Tricktisch.

Sonntag, 10. 5., 16:30 Uhr, Tonhalle Düsseldorf

 

 Wir müssen draußen bleiben: „Tür“ von Paula Wolber (Ausschnitt) © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Hagen

Wohnen, Obdach, Unterkunft

(oc). Nach dem „Zuhause“ fragt eine Ausstellung im Osthaus Museum Hagen. Thomas Rentmeister platziert traurige Habseligkeiten, die sich in einem sächsischen Flüchtlingsheim fanden, auf kargen Hochbetten. Anna Jermolaewa filmt sich schlaflos auf einer Wiener Bahnhofsbank, in Erinnerung an ihre Flucht 1989 aus der UdSSR; inzwischen hat die Bank zwei Armlehnen zur zusätzlichen Abschreckung. Der palästinensische Künstler Taysir Batniji zeigt Fotos von zerschossenen Strandhäusern im Gazastreifen, platziert in Hochglanz-Immobilienanzeigen. „Unverstellter Meerblick“ dank leerer Fensterhöhlen! Sibylle Bergemanns Aufnahmen aus Berliner DDR-Plattenbau-Wohnungen der frühen 1980er Jahre suchen die Spuren von Individualität und Eigensinn inmitten des Schrankwand-Einerleis. Bestechend auch Paula Wolbers „Tür“: Eine Klinke, ein Schlüsselloch, eine Fußmatte bitten herein. Aber da ist keine Tür, nur weiße Wand. Wohl wieder nichts gewesen mit der Wohnungssuche …

Bis 21. 6. im Osthaus Museum Hagen, Museumsplatz 1/Hochstr. 73, 58095 Hagen

 

 „So radikal sieht er gar nicht aus“: Dieter Süverkrüp. Foto: privat

Düsseldorf

Hommage an ein Multitalent

(oc). Ein vielbegabter, wacher Kopf und streitbarer Zeitgenosse war Dieter Süverkrüp (1934-2025). Der in Düsseldorf geborene Sohn eines Malers wollte in die Fußstapfen seines Vaters treten, landete aber erst einmal als Jazzgitarrist bei den Feetwarmers, kam dann über den politischen Dichter Gerd Semmer zur Liedermacherei, gründete mit ein paar Mitstreitern das Plattenlabel pläne und füllte mit seinen „widerborstigen Gesängen“ (die auch mal sehr zart sein konnten), die Säle und Kundgebungsplätze der gärenden Bundesrepublik. Als sich später Kultur und Zeitgeist wandelten, besann sich Süverkrüp auf seine ursprüngliche Passion, die bildende Kunst, und betrieb sie als originelle Fortsetzung von Satire und Hintersinn mit anderen Mitteln. All dies ist reiches Futter für eine multimediale Matinee, die der Heinrich Heine Salon e. V. seinem langjährigen aktiven Mitleser widmet. Olaf Cless moderiert, Tina Teubner und Ben Süverkrüp lesen und erzählen.

Sonntag, 31. 5., 11 Uhr, zakk, Fichtenstr. 40, 40233 Düsseldorf (VVK über zakk.de)

Short Stories von 1932

 

Die besseren Zeiten sind vorbei

Es ist schon wahr: Männer machen Fehler. Sie klettern nachts whiskyumnebelt in irgendeine schwindelerregend hohe Takelage, bringen Traum und Wirklichkeit durcheinander und lassen sich probeweise einfach in die Tiefe fallen. Sie prügeln sich auf dubiosen Partys. Oder wollen partout zum Militär, um sich dort zu „bewähren“ und vom Weltkrieg, der schon tobt, ja nichts zu verpassen. Von solchen tragikomischen Fällen handeln Ulrich Bechers in einem kleinen Band versammelten Geschichten, die unlängst in einer Neuausgabe erschienen sind. Ulrich Becher? Den Mann kennen heute leider viel zu wenige. 1910 in Berlin geboren, wird er der einzige Meisterschüler von George Grosz. Männer machen Fehler, sein literarisches Debüt, erscheint 1932 bei Rowohlt. Ein Fall für die schon bald inszenierte Bücherverbrennung der Nazis. Becher und seine Frau Dana retten sich über Wien, die Schweiz, Frankreich, Spanien und Portugal nach Brasilien und 1944 in die USA. Später kehren sie nach Europa zurück und finden in Basel eine Bleibe für Jahrzehnte. 1969 erscheint Bechers berühmtester Roman Murmeljagd. Doch auch schon in Männer machen Fehler, geschrieben mit Anfang 20, tritt uns ein seiner Sache erstaunlich sicherer Autor entgegen. Das burleskeste Stück daraus, Zwei im Frack, gäbe eine schöne Filmvorlage ab. „Wir sind zwei Brüder. Wir sind aus besserer Familie. Wir haben bessere Zeiten gesehen“, so beginnt es. Die Vermieterin schmeißt die beiden raus, zu lange sind sie ihr schon die Miete schuldig geblieben. Ihre bescheidene Habe besteht im Wesentlichen aus zwei Fräcken und Zylindern, damit versuchten sie sich mal „als steppende ‚Brothers‘ an einer Schmierenrevue. Die Schmiere ging ein.“ Die beiden wohnungslosen Hungerkünstler schlüpfen in die alte Montur und haben mehr Glück als Verstand, als sie nacheinander in eine Trauerfeier, eine Taufe und eine Hochzeitsgesellschaft geraten. Kleider machen Leute, Fräcke erst recht, und so schwimmen die Brothers auf einer Welle einträglicher Missverständnisse, wenigstens für einen, ziemlich fehlerfreien, Tag.

olaf cless

Ulrich Becher: Männer machen Fehler. Mit einem Nachwort von Robert Stadtlober, Diogenes, 240 Seiten, Hardcover, 19 Euro

 

Kolumnen

Schlag nach bei Ovid und Aristophanes

Die spanische Autorin Irene Vallejo ist eine Kennerin der Antike, was sie vor allem mit ihrem in zahlreiche Sprachen übersetzten erzählenden Sachbuch Papyrus – Die Geschichte der Welt in Büchern unter Beweis gestellt hat. Auch ihre wöchentlichen Kolumnen für die Zeitschrift El País zeugen von Vallejos Passion für die Kultur- und Geisteswelt vor 2000 Jahren – eine Passion, die nie Selbstzweck bleibt, sondern immer unsere Gegenwart mit im Sinn hat. So tragen diese schwungvollen und inspirierten Kurztexte – jeweils etwa eine Buchseite lang – dazu bei, dass wir mit historisch geschärftem Blick aufs Heute schauen und dabei bemerken, wie doch viele „neue“ Probleme im Grunde uralt sind, ob es nun um obszönen Reichtum, abgehobene Politiker, simple Gut-Böse-Weltbilder, Gier nach Aufmerksamkeit oder die konsumorientierte Jagd nach dem Glück geht. Vallejos Gewährsleute sind Dichter wie Horaz und Ovid, Juvenal und Martial, Philosophen wie Seneca, Protagoras und Epiktet, Komödienschreiber wie Aristophanes und Terenz oder Historiker wie Thukydides und Plutarch. Die Autorin wartet mit tiefgründigen Legenden, alten Ratschlägen zur Liebeskunst oder auch der richtigen Art zu lachen auf und hat gute Zitate auf Lager: „Politik definiert sich als die Kunst, dem Hass seinen ewigen Charakter zu nehmen.“ (Plutarch). Irene Vallejos Rede über das Übersetzen, gehalten 2022 in Frankfurt, und ihr beseeltes Manifest für das Lesen, geschrieben im Auftrag des Spanischen Verlegerverbandes, runden das Buch ab.

olaf cless

Irene Vallejo: Wein und Küsse. 200 Ideen aus der Antike. Aus dem Spanischen von Kristin Lohmann. Diogenes, 288 Seiten, Hardcover, 26 Euro

 

Wörtlich

„Buchhandlungen sind der beste Verfassungsschutz“

Slogan eines Buchhändler-Empfangs des Hanser-Verlags auf der Leipziger Buchmesse, in Anspielung auf Kulturstaatssekretär Wolfram Weimer, CDU, und sein obskures Agieren beim Deutschen Buchhandlungspreis