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Nett gemeint: Trockenübungen gegen die Flut. Foto: oc

Zwischenruf: Klatsch & Tratsch & Abnehmspritzen

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten: „Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident, sieht davon ab, sich mit freiem Oberkörper in der Öffentlichkeit zu zeigen.“ Das verriet er der Zeitschrift Bunte. Schön zu wissen ist auch: „Ben Zucker, 42, Schlagersänger (‚Was für eine geile Zeit‘), verzichtet seit 50 Tagen auf Alkohol.“ Und vollends geht einem das Herz auf, wenn man erfährt: „Meghan, Herzogin, öffnet Gästen gern auch mal barfuß die Tür.“

Für solche Botschaften ist vor allem die Boulevard- alias Klatschpresse zuständig, aber auch seriöse Organe wie die Süddeutsche leisten sich Spalten wie Leute, wobei besagte Leute natürlich nicht solche wie du und ich sind, sondern schillernde Stars und Sternchen, schrille „TV-Bekanntheiten“ oder verhaltensauffällige Politiker. Die Überdosis Aufmerksamkeit, die ich dem Phänomen in letzter Zeit geschenkt habe, blieb nicht folgenlos. Freunde, es hat mir das Hirn zerbröselt, und ich weiß nicht mehr, ob Söder manchmal am Chiemsee barfuß die Tür öffnet oder ob die geile Herzogin, wie hieß sie noch, seit 50 Wochen auf Zucker verzichtet, oder war es Wurst.

Wenigstens habe ich keine Papier-Phobie wie Miley Cyrus – ja, „Miley Cyrus, 33, Sängerin, ekelt sich vor Papier. ‚Schon beim Anschauen möchte ich mich übergeben‘“ –, ich kann dagegen beschwerdefrei mit meinen gesammelten Zeitungsschnipseln spielen, wie andere Leute ihre Patience-Karten legen: „Kim Kardashian, 44, Reality-Star, mag es haarig: Die Unternehmerin verkauft nun Tangas mit künstlichem Schamhaar“. Die wären vielleicht auch was für die folgende Dame: „Tatjana Gsell, 54, TV-Bekanntheit, kann nicht ohne Horst leben. Ihr Chihuahua sei ihr ständiger Begleiter und sei auch schon mal der Grund für das Ende einer Beziehung gewesen (…) Jetzt ist sie auf der Suche nach einem neuen Mann“. Das könnte schwierig werden, denn „Oliver Pocher, 48, Comedian, dreht einen Porno“ in L. A. und hat keine Zeit, der Porno soll schließlich als „Promo für Pochers Sexfilm“ dienen. Auch „Michael Schanze, 78, ehemaliger ‚1, 2 oder 3‘-Moderator“, hat andere Sorgen, seit er sich mit Abnehmspritzen von 198 Kilo auf „laut Bild noch 102 Kilo“ verdünnisiert hat und nichts mehr schmeckt.

Wie hat Steve Bannon, der frühere Chefstratege von Donald Trump, gesagt? „Flood the zone with shit“ – man muss die Zone mit Scheiße überfluten. Mit „Zone“ meinte er die Medien. Das Rezept ist alt. Große Teile der Medien folgen ihm schon lange, und dank Social Media gibt es vollends kein Halten mehr. „Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte“, sagte nicht Miley Cyrus zu Michael Schanze, sondern ein berühmter deutscher Maler vor 93 Jahren.

 von Olaf Cless