Social Media-Verbot jetzt
Von Christoph Sieber*
Was Kinder im Netz sehen und erleben. Ein Hundewelpen wird über den Boden gezogen, stranguliert, in kochendes Wasser geworfen. Alles echt aufgenommen in irgendeiner Lagerhalle. Eine Mitschülerin - nackt durch KI. Das Video einer Enthauptung. Ein Video eines Katzenbabys im Mixer. Eine Challenge, bei der viele mitmachen: Wofür ich blowen würde. Junge Mädchen zeigen in kurzen Zusammenschnitten, wofür sie einen Blowjob machen würden - Schmuck, Kleidung, Schuhe, Kosmetik. Oder die Blackout-Challange: Videos forderten dazu heraus, einen Sauerstoffmangel durch Würgen und schnelles Atmen im Körper herbeizuführen. Eine 13-Jährige aus dem Landkreis Kassel hat diese Challenge das Leben gekostet. Da strangulieren sich Jugendliche in ihrem Zimmer und nebenan steht Mutti und fragt ganz sorgenvoll: „Schatz, willst du was Gesundes zu Essen?“
Kennen Sie schon den Teenage-Filter? Ein Filter, der aus jedem 50-jährigen Mann einen 13-jährigen Jungen machen kann. Und zwar live. Da sitzt dann ein Kind im Chat einem Kind gegenüber, und eines davon ist ein Pädokrimineller. Ein Meme geht viral. Anne Franks Konterfei auf einem Pizzakarton. Darunter die Worte: Die Ofenfrische.
Wir drücken unseren Kindern ein Smartphone in die Hand und sagen: „Viel Spaß beim Surfen, aber sei vorsichtig.“ Darin sind Pornofilme mit abstrusesten Praktiken, Vergewaltigungen und Sex mit Tieren. Darin sind Filme, in denen Menschen geköpft und Tiere gequält werden. Und es treiben sich dort Pädophile rum, die sich als 13-jährige Pferdenärrinnen tarnen. Wir lassen Kinder in eine Welt, in der es keine Regeln gibt. Da regieren Hass, Extremismus und Fake-News.
Also, was tun? Ein Social Media-Verbot ist nur ein erster Schritt. Und ein wichtiger Schritt. Aber es löst das Problem nicht, weil das Internet mit all den Videos und dem Hass und den Lügen ist ja weiterhin da. Und die Videos verbreiten sich unter jungen Menschen dann nicht über Social Media sondern über Messanger-Dienste wie WhatsApp. Nein: Gesetze, die im realen Leben gelten, müssen auch online gelten. Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein. Die Würde des Menschen ist unantastbar, auch im Netz.
Christoph Sieber
… geboren 1970, ist Kabarettist, Autor und Fernsehmoderator. Abitur in Villingen und Studium der Pantomime an der Folkwang-Hochschule in Essen. Schon während des Studiums trat er als Clown, Jongleur, Trickdieb und Pantomime auf. 1995 erstes Soloprogramm Abgeschminkt. Weitere erfolgreiche Programme wie Jeder ist ein Deutscher – fast überall (1997), Das gönn ich Euch (2005), Alles ist nie genug (2011), Hoffnungslos optimistisch (2015) und Mensch bleiben (2019). Sein aktuelles Programm heißt Weitermachen! - wir verlosen 1 x 2 Tickets für den Auftritt im Kom ödchen. Sieber erhielt viele Auszeichnungen, darunter die Heilbronner Lorbeeren und die St. Ingberter Pfanne sowie der Deutsche Kleinkunstpreis. Regelmäßige Fernsehauftritte u.a. bei Die Anstalt, Heute-show, Satiregipfel, Extra 3. Er moderierte u.a. die ZDF Late Night Sendung Mann, Sieber! zusammen mit Tobias Mann. Seit Februar 2021 ist er Gastgeber der WDR Satiresendung Mitternachtsspitzen.
*Transkript (gekürzt) aus: Youtube