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Harper Lee - mit ihren Romanen und Geschichten unbeirrbar im Engagement gegen Rassismus. (Foto: Michael Brown)

Eine Bestsellerautorin wider Willen?

Zum 100. Geburtstag von Harper Lee (1926 – 2016)

Bis 2015 galt die US-Amerikanerin Harper Lee als Autorin eines einzigen Romans. Der hatte es allerdings in sich: To Kill a Mockingbird (wörtlich: Eine Spottdrossel töten) erschien 1960 und wurde sofort ein Welterfolg. Bis heute sind über 40 Millionen Exemplare verkauft. Auf Deutsch erschien das Buch mit dem harmlosen Titel Wer die Nachtigall stört.

Dabei war der Roman selbst schon die Verharmlosung der früheren Fassung, die Harper Lee im Frühjahr 1957 bei einem Verlag unterbringen konnte. Dort nahm sich eine tüchtige Lektorin der Jungautorin an und arbeitete drei Jahre lang mit ihr, bis der Roman ins Verlagsprogramm passte. Sofort eroberte die Geschichte des aufgeweckten Mädchens Scout die Herzen der Leser*innen in den USA. Es erzählt von seiner Kindheit in einer Kleinstadt in Alabama mit einem Bruder und dem angehimmelten Vater Atticus Finch. Der ist Anwalt, gerecht, unparteiisch und immer für seine beiden Kinder da. Als ein junger Schwarzer wegen Vergewaltigung einer weißen Frau angeklagt wird, verteidigt ihn Atticus Finch und überführt für jedermann ersichtlich das angebliche Opfer der Lüge. Die Geschworenen verurteilten ihn dennoch. Die so spannende wie eindrückliche Geschichte wurde mit 1962 mit Gregory Peck verfilmt.

Die Autorin hatte mit der Heldin ihres Romans einiges gemeinsam. Nelle Harper Lee wurde am 28. April 1926 als jüngstes von vier Kindern in der Kleinstadt Monroeville in Alabama geboren, ein wildes Mädchen, klug und neugierig auf die Welt. Wie ihre älteste Schwester studierte Nelle Jura. Daran erlahmte ihr Interesse bald, dafür schrieb sie politisch-satirische Kolumnen für die Studentenzeitung. Mit 23 Jahren brach sie ihr Studium ab und zog nach New York, wo ihr Jugendfreund Truman Capote als erfolgreicher Schriftsteller lebte. Neben diversen Brotjobs schrieb sie Kurzgeschichten, dann den Roman Gehe hin, stelle einen Wächter. Er galt als verschollen, wurde aber kurz vor ihrem Tod in einem Schließfach entdeckt und 2015 veröffentlicht.

Nun erst ließ sich Wer die Nachtigall stört mit dem Originalmanuskript Harper Lees vergleichen. Darin spielt die Handlung in den 50er Jahren, als die Rassenkonflikte neu aufbrachen. Kurz nachdem das US-Bundesgericht verfügt hatte, dass alle Schulen schwarze Kinder aufnehmen müssen, kehrt eine junge Frau aus New York in ihre Heimatstadt in Alabama zurück. Sie ist emanzipiert und tritt forsch auf, belächelt innerlich die Kleinstadt. Als sie aber feststellen muss, dass sowohl ihr bewunderter Vater Atticus als auch ihr potenzieller Ehemann Henry sich in einem Bürgerrat für die Erhaltung der Rassentrennung engagieren, bricht sie zusammen.

Was im Bestseller durch Kinderaugen abgemildert ist, hat Harper Lee in ihrem ersten Roman in aller Härte geschildert: „Rückständig“ seien die Schwarzen, und daher unfähig, sich vollverantwortlich an der Gemeinschaft zu beteiligen, doziert ihr Vater. „Willst du scharenweise Neger in unseren Schulen und Kirchen und Theatern? Willst du sie in unserer Welt?“ Unvorstellbar, dass solche Sätze in „Wer die Nachtigall stört“ Atticus Finch über die Lippen gekommen wären. Da ist er unbeirrter Fürsprecher der Gleichberechtigung.

Schon ein Jahr nach Erscheinen wurde Harper Lee für ihren Bestseller mit dem Pulitzerpreis geehrt. Aber die Autorin war von dem Riesenerfolg mehr erschreckt als erfreut. Ist es möglich, dass ein Erfolg, der unter massivem Einfluss Anderer entstanden ist, Autor*innen entmutigen kann? Immer mehr zog sich Harper Lee aus der Öffentlichkeit zurück. Sie schrieb kurze Texte für Zeitschriften und arbeitete an zwei Romanprojekten, von denen aber kein Manuskript bekannt ist. Eine große Materialsammlung belegt, dass sie jahrelang über den Mord an einem umstrittenen Priester recherchiert hatte. Aber The Reverend ist nicht erschienen. Weil sie ihn nicht schreiben konnte oder vielleicht auch, weil den Verlagen das Thema zu brenzlig war.

Zum Glück liegen jetzt auch auf Deutsch zwei Romane und eine Kurzgeschichtensammlung aus Harper Lees Feder vor, die ihren Witz und ihr unbeirrbares Engagement gegen Rassismus belegen.

Eva Pfister

Bücher von Harper Lee

Wer die Nachtigall stört. Roman. Übersetzung Claire Malignon. Übersetzerische Bearbeitung der Neuausgabe von Nikolaus Stingl. Rowohlt, 464 Seiten, 28 Euro, Taschenbuch 15 Euro / Gehe hin, stelle einen Wächter, Roman. Aus dem Englischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel, Deutsche Verlags-Anstalt, 320 Seiten, 19,99 Euro / Das Land der süßen Ewigkeit. Storys und Essays. Aus dem amerikanischen Englisch von Nicole Seifert, Penguin, 208 Seiten, 25 Euro