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Nachaktiv: die Waldohreule. Foto: Solvin Zankl

Kultur

Oberhausen

Wenn der Wald erwacht

(oc). Szenenwechsel im Gasometer: Der „Planet Ozean“, letzte große Ausstellung, ist gewichen, jetzt heißt das Thema „Mythos Wald“ (siehe auch ff 3-2026). Die Besucher:innen bekommen, mitreißend und wissenschaftlich fundiert, die großen Waldgebiete unserer Erde nahegebracht, von Brasilien über den Kongo bis nach Europa, mitsamt ihrer faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt, und natürlich rücken auch die indigenen Völker in den Blick, deren Lebensraum durch Brandrodung, industrielle Landwirtschaft u. a. dramatisch gefährdet ist. Die zusammen mit dem Bonner Museum Koenig und dem LWL-Museum für Naturkunde realisierte Schau bietet neben beeindruckenden Fotografien, Filmsequenzen und Originalexponaten auch Spektakuläres wie die Klang- und Lichtinstallation „Global Sunrise“, die das morgendliche Erwachen der Wälder auf fünf Kontinenten erlebbar macht. Und ganz oben im Gasometer erhebt sich die mächtige Kunstinstallation „Der Baum“, durch die vom Wurzelwerk bis in die Krone die Energieströme pulsieren.

Bis 30. 12. im Gasometer Oberhausen, Arenastraße 11, 46047 Oberhausen

 

Verwandelt sich in den „Theatermacher“: Rosa Enskat. Foto: Thomas Rabsch

Düsseldorf

Blutwurstsonntag in Utzbach

(oc). Theater im Theater: der Stoff, aus dem so manche Komödie schöpft. So auch Thomas Bernhards vor gut 40 Jahren in Salzburg uraufgeführtes Stück Der Theatermacher. Da gastiert der selbsternannte Staatsschauspieler Bruscon mit seinem Ensemble, bestehend aus Ehefrau, Sohn und Tochter, in einem Dorf, wo es nichts gibt außer Mastbetrieben, Kirchen und Nazis. Ein Jahrhundertwerk aus eigener Feder („Das Rad der Geschichte“) gedenkt der Theatermacher und Familientyrann hier im Gasthaus aufzuführen. Die Vorbereitungen gehen nahtlos in eine abendfüllende Schimpftirade des verkannten Künstlers über, in der er nichts ausspart, weder seine Angehörigen noch das Kaff, in dem sie gelandet sind, weder das heutige Theater als solches noch das kaputte Europa oder das schwüle Wetter. In der Düsseldorfer Inszenierung von Christina Tscharyiski, der letzten unter der Intendanz von Wilfried Schulz, werden alle fünf Rollen von Frauen gespielt. In der Titelrolle die versierte Rosa Enskat.

13. 4. Voraufführung 19 Uhr, 16. 4. Premiere 20 Uhr, 17. 4, 18. 4., Düsseldorfer Schauspielhaus, Kleines Haus

 

Eines der vielen Fotos von Anja Niedringhaus, die in der Doku auftauchen

Filmdoku

Nachruf auf eine große Fotografin

(oc). Eine herausragende Fotografin und beeindruckende, lebensbejahende Frau war Anja Niedringhaus. Die 1965 in Höxter Geborene erwarb sich als Agenturfotografin besonders in Kriegsgebieten Anerkennung in einem männerdominierten Metier und erhielt als erste deutsche Fotografin den Pulitzerpreis. Besonders ins Herz geschlossen hatte sie seit den 1990ern Afghanistan und seine Bewohnerinnen. Sie ging offen und herzlich auf die Menschen zu, war eine „Seelenfängerin“ im positiven Sinne, und ihre Bilder nahmen weniger das Kriegsgeschehen als die davon Heimgesuchten in den Blick. Kurz vor den Präsidentschaftswahlen 2014 fiel sie, ausgerechnet auf einem Polizeigelände, einem Attentat zum Opfer. Man sollte sich die bewegende Doku Anja Niedringhaus – Die Fotografin und der Krieg von Sonya und Jury Winterberg unbedingt ansehen. Auch weil sie die Hintergründe des Mordes in ein neues Licht rückt, in dem auch westliche Kreise, bis hin zum deutschen BKA, nicht gut aussehen.

ardmediathek.de, 90 Minuten, Video verfügbar bis 10. 1. 2027

 

Eine Leuchtspur in die Zukunft: Lessing und Moses Mendelssohn. Porträts: Gleimhaus Halberstadt, Jüdisches Museum Berlin

Düsseldorf

Eine mutige Freundschaft

(oc). Beim Namen Mendelssohn denkt man in erster Linie an den Komponisten, der auch eine Zeitlang Musikdirektor in Düsseldorf war. Doch ein bemerkenswerter Kopf war schon dessen Großvater Moses, der, aus ärmsten Verhältnissen kommend und im Klima systematischer judenfeindlicher Diskriminierung in Preußen sich einen Namen als Philosoph der Aufklärung und Toleranz machen konnte. Dabei hatte er einen Freund und Mitstreiter: den etwa gleichaltrigen Dichter und Dramatiker Gotthold Ephraim Lessing. Beide agierten öffentlich als Verbündete, sehr zum Missfallen von Kritikern und Zensoren. Lessing, der schon in einem frühen Theaterstück dem Antisemitismus Paroli geboten hatte, krönte sein Werk mit dem Drama Nathan der Weise, dessen Titelfigur ganz den Geist von Moses Mendelssohn atmet. – Mehr dazu in einer szenischen Lesung aus der Feder von Vera Forester, präsentiert vom Heinrich Heine Salon e. V.

19. 4., 11 Uhr, zakk, Fichtenstr. 40, Düsseldorf. Mit der Autorin lesen die jungen Schauspieler Victor Maria Diderich und Jonas Laiblin.

 

Roman

Ausgeliefert

„Willkommen im globalen Dorf. Wir brauchen hier einen Dorftrottel. Wäre das nicht was für dich?“ Mit diesen Worten wird Filmon in seinem neuen Job willkommen geheißen. Ihm bleibt keine Wahl. Aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet und ohne Arbeitserlaubnis braucht er das Geld, um seiner Frau und Tochter nach Berlin folgen zu können. Er muss den Job akzeptieren und arbeitet fortan unter falschem Namen als „Rider“, als Fahrradkurier und befindet sich fortan als einer der unzähligen Essenslieferanten am untersten Ende der kapitalistischen Fresspyramide.

Der 1974 in Galiläa geborene, heute in Berlin lebende, 2022 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für seinen Roman Eine runde Sache ausgezeichnete Tomer Gardi erzählt an sechs Beispielen weltweit vom brutalen Alltag, von der Ausbeutung, aber auch von Hoffnung, Liebe, Würde und Menschlichkeit. Über drei Jahre hat er dafür in sechs Städten recherchiert: in Berlin, Tel Aviv, Neu-Delhi, Buenos Aires, Istanbul und Naivasha in Kenia. Gardi verwebt über die Städte die Figuren miteinander, deren Schicksale davon erzählen, wie es ist, einem System gnadenlos ausgeliefert zu sein. Er selbst meint zu seinem Anliegen: „Zugleich war es mir wichtig, keinen Roman zu schreiben, der nur erzählt, wie schrecklich die Welt ist und ungerecht, weil es nicht stimmt, dass die Menschen ständig nur das erleben – die erleben auch Freude und Schönheit. Das habe ich bei jedem gesehen, den ich interviewt habe, und das wollte ich rüberbringen.“

Kritiker äußern sich über dieses weltumspannende Gegenwarts-Epos in seltener Einmütigkeit durchweg begeistert: „tiefgründig und schelmisch-witzig zugleich“, heißt es da, „ein Gegenwartsroman im besten Sinne“, oder „erzählt mit politischer Schärfe und humorvoller Leichtigkeit“. Urteile, denen wir uns uneingeschränkt anschließen.

hans peter heinrich

Tomer Gardi: Liefern. Roman, Tropen-Verlag 2026, in Teilen aus dem Hebräischen übersetzt von Anne Birkenhauer, Roman, 320 Seiten, geb., 25 Euro

 

Kinderbuch

Grille, Mistkäfer & Co.

In der bekannten Fabel von der Grille und der Ameise kommt die Grille nicht gut weg. Sie vertändelt den Sommer und leidet prompt im Winter Not. Dagegen die fleißige Ameise …! Ein altes Narrativ, das leicht ins Kulturfeindliche kippt. Gut, dass die gerade sehr angesagte Leipziger Zeichnerin Anna Haifisch da mal eine etwas andere Geschichte erzählt in ihrem Kinderbuch Die Grille in der Geige. Ihre Protagonistin stößt im Wald auf eine verlorengegangene Geige, denkt sich „Oh wie praktisch! Ein Haus und ein Instrument zugleich“ und zieht ein. Tags töpfert sie kleine Schalen und produziert Nudeln, nachts zupft sie die Saiten und schickt ihre Klänge übers Land, die bald niemand mehr missen möchte: „Alle Insekten und kleinen Säugetiere lauschten der Grille zum Einschlafen“ – die Illustrationen im Buch bezeugen es aufs Köstlichste. Dann kommt der Winter. An sich wäre er für die Grille kein Problem (hat sie doch Nudelvorräte genug im Haus), doch eines Tages zeigt der Mistkäfer auf die bewohnte Geige, ruft „Feuerholz!“ und macht alle Insekten verrückt. Es kommt zu einer Zerstörungsorgie und einem großen Feuer, und als es wieder Frühling wird, vermissen alle schmerzlich die wohltuende Musik der Grille. Auch zeigen sich bei der Insektenjugend erste bedenkliche Verhaltensdefizite. Ein allgemeines Umdenken setzt ein, und wenn die Violine auch futsch ist: Wo ein Wille ist, da ist bekanntlich auch … Aber lesen und betrachten Sie mit Ihren Kindern selbst dieses bunte Büchlein mit all seinen amüsanten Details.

olaf cless

Anna Haifisch: Die Grille in der Geige, Rotopol 2025, 32 Seiten, Farbe, Hardcover, 16 Euro, Lesealter: 4+

 

Wörtlich

„Weiß die KI, dass sie nichts weiß?“

Titel eines neuen Buches der Informatik-Professorin Katharina Zweig. In einem Interview sagte sie: „Das weiß die Maschine nicht, weil sie tatsächlich gar nichts weiß. Deswegen weiß sie insbesondere nicht, dass sie nichts weiß.“