Neulich im Briefkasten
Neulich bekam ich offizielle Post. Aus sage und schreibe Hagen. An meinen Wohnort. Inliegend ein Formblatt, mit meinen korrekten Daten. Wie kommen die nach Hagen? Und einem Aktenzeichen. Ich könne mich auf dem Blatt schuldig bekennen. Ich hätte nämlich am 12. Dezember um 07.09 Uhr eine Ordnungswidrigkeit begangen, nämlich „eine Verunreinigung durch Wegwerfen von Abfällen unbedeutender Art“. Nun bin ich bekennende Spätaufsteherin und nichts und niemand brächte mich dazu, an einem dunklen Dezembermorgen meinen Müll zu entsorgen, geschweige denn in Hagen. Denn die „Stadt der Fernuniversität“ liegt rund 100 km entfernt von meinem Wohnort. Aber das können die Zeugen der vermeintlichen Tat ja nicht wissen. Die gibt es nämlich. Man habe mein frühes finsteres Treiben beobachtet, geben zwei beinharte Frühaufsteher*innen zu Protokoll, ein Herr und eine Dame mit dem stolzen Titel „Waste Watcher“.
Ich habe der Stadt geschrieben, dass ich noch nie in Hagen war und auch nicht gedächte dorthin zu fahren, nicht einmal zu einer Vorladung wegen eines Bußgeldbescheids. Ich bin gespannt auf die Antwort.
Margarete Pohlmann
PS: Über 120 Städte in Deutschland signalisieren Interesse an einer kommunalen Verpackungssteuer zur Eindämmung der Einweg-Verpackungsmüll-Flut. Tübingen hatte mit einer solchen Steuer den Anfang gemacht und dafür vom Bundesverfassungsgericht Rückendeckung bekommen. Hagen taucht auf der Liste der interessierten Städte bislang nicht auf. Red.