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Nimm dies, Bolsonaro! Foto: Nikita Rashnii auf Unsplash

Buch und Bier und Strafvollzug

Ich habe eine Münze geworfen. Schreibe ich was zum Welttag des Buches oder lieber zum Welttag des Bieres? Beide fallen auf den 23. April. Kein Wunder beim allgemeinen Gedrängel derartiger Tage im Jahreskalender. Die Münze fiel zugunsten des Buches. Sehr nett von ihr. Aber ich hätte als anständiger Journalist auch im anderen Fall gehorcht. Ehrenwort. Zum Beispiel so: Was macht eigentlich dieser Millionenerbe einer sauerländischen Bierdynastie, der vor Gericht zog, weil er sich zu kurz gekommen sah? Hier in dieser Spalte hatte ich ihn beweint. Hat er inzwischen seinen Frieden geschlossen? Kommt er mit seiner Lifestyle-Teilzeit über die Runden? Fragen, wie sie im Buche stehen. Und damit nun doch zum anderen Welttag.

Schauen wir einmal nach Brasilien. Dort sitzt, wie Sie vielleicht gehört haben, der ultrarechte ehemalige Präsident und Fallschirmjäger Jair Bolsonaro wegen Putschversuchs eine mehr als 27-jährige Gefängnisstrafe ab. Was macht man mit so viel Zeit? Man kann sie, wenigstens teilweise, „weglesen“. Ein ordentlicher „Pageturner“, schon vergeht sie wie im Fluge. Schock deine Aufseher, lies ein Buch! Besser noch, lies zwei, drei, viele Bücher! Gerade in Brasilien ist das eine gute Option. Denn dort gibt es ein Gesetz, das es Häftlingen ermöglicht, durch fleißiges Lesen die Haftzeit zu verkürzen. Bei zwölf Büchern pro Jahr springen 48 Tage Erlass heraus. Je höher die Haftstrafe, desto mehr rechnet sich der Bücherwurm-Bonus. Es gibt allerdings einen Haken: Die Lektüre muss durch das Verfassen schriftlicher Rezensionen nachgewiesen werden. (Ähnlich wie wir Rezensentinnen und -enten bei fiftyfifty es regelmäßig tun, wenn auch nicht aus einem Hochsicherheitsknast heraus.)

Eine, die auch für ihr Leben gern Bücher liest und über sie schreibt, nicht weil es eine Haftzeit zu verkürzen gilt, sondern die Lebenszeit mit tieferem Sinn und höherem Vergnügen auszukosten, ist Elke Heidenreich. Und ausgerechnet sie hatte unlängst einen öffentlichen Wutausbruch. Ihr komme, klagte sie, gerade die Freude an den Büchern abhanden: „Die Verlage drucken ALLES und sie schicken mir ALLES“, und immer dicker würden die Bücher. Und sie knöpfte sich exemplarisch den neuen Roman eines durchaus prominenten Autors vor und fand eine „unsäglich dämliche Geschichte“ voller Kitsch, Schmalz & affektierter Sprache, noch dazu auf schlechtem Papier gedruckt.

Wie befreiend, wenn mal jemand Tacheles redet. Auch das gehört zum Welttag des Buches. Jair Bolsonaro in seiner Luxuszelle könnte es in seinen Lesenachweisen ja auch mal probieren. Nur stehen auf der offiziell genehmigten Bücherliste vornehmlich Autoren wie Dostojewski, Kafka, Orwell und Shakespeare. Da wird es schwierig mit der Literaturkritik. Und Bier gibt’s auch nicht.