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Aus den „Jazz Paintings“ des in Palermo lebenden und arbeitenden Alessandro Bazan. Foto (Ausschnitt): invaluable.com

Kultur

Düsseldorf

Zwei Städte, der Jazz und die Kunst

(oc). Es gibt ein Jubiläum zu feiern: Zehn Jahre Städtepartnerschaft Düsseldorf/Palermo. Aus diesem Anlass haben das Stadtmuseum und der Verein Düsseldorf-Palermo gemeinsam eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die den Jazz beider Städte feiert. Zu sehen sind legendäre Jazz-Bilder von Künstlern wie Adolf Uzarski, Konrad Klapheck und Alessandro Bazan. Malerei, Grafik, Fotografie, Video und Audio erzählen urbane Jazz-Geschichten. Und jeden Monat findet im Museum ein Live-Konzert statt (Eintritt frei). Nach Deutschland kam der Jazz Mitte der 20er Jahre, in Düsseldorf machte er sich prompt in den Bars und Tanzpalästen der Großen Ausstellung „GeSoLei“ 1926 bemerkbar. Nach den NS-Jahren mit ihrer Marschmusik und der Ausmerzung alles „Entarteten“ kehrte der Jazz bald, und nun erst recht, wieder zurück. 1948 machte der „Hot Club“ auf, amerikanische Stars gaben Gastspiele und 1953 gründete sich Düsseldorfs bis in die 60er Jahre wichtigste Band, die „Feetwarmers“.

Stadtmuseum Düsseldorf, Berger Allee 2, bis 9. 8.; Live-Konzerte am 19. 3., 23. 4., 7. 5., 11. 6., 23. 7. und 6. 8. jeweils 18 Uhr

 

Brecht auf dem Schoß, seine Jahrhundertgespenster griffbereit: Suse Wächter vom Berliner Ensemble. Foto: Jörg Brüggemann

Duisburg

Sisyphos und ein Bandscheibenvorfall

(oc). Die Duisburger Akzente laden, schon zum 47. Mal, zu vielfältigen Begegnungen ein – was sie sich diesmal auch programmatisch auf die Fahnen geschrieben haben: Begegnungen – Was uns trennt, was uns verbindet. Allein schon das Theatertreffen, stets einer der Magnete des Festivals, lockt mit spannenden Produktionen. Das Berliner Ensemble stellt Bertolt Brecht in einer Collage aus Eisler-Musik, Gedichten und autobiografischer Prosa vor (27./28. 2.). In A Mission For Sisyphos treffen der Philosoph Camus, ein Handwerker, ein Pianist und ein antiker Held aufeinander (1. 3.). Virginia Woolfs feministischer Text Ein Zimmer für sich allein bekommt vom Theater-Jugendclub „Spieltrieb“ Bühnenwirkung verpasst (ab 6. 3. etliche Termine). Ein fünfköpfiges Ensemble aus Dresden bietet mit Bandscheibenvorfall von Ingrid Lausund einen hochkomischen „Abend für Leute mit Haltungsschäden“ (14./15.3.). Am Ende nochmals Brecht, mit der gefeierten Puppenspielerin Suse Wächter, die Brechts Gespenster zum Tanzen bringt (18./19. 3.)

27. 2. bis 22. 3., duisburger-akzente.de

 

LP-Cover-Illustration (Ausschnitt) von Morris für ein belgisches Band-Projekt © 1977 Morris © 2025 Lucky Comics

Dortmund

Noch immer schneller als sein Schatten

(oc). Gleich hinter Asterix kommt in der Bekanntheit Lucky Luke. Und beide Comic-Helden sind auch miteinander verwandt: Sie teilen ursprünglich ein und denselben Texter: den genialen René Goscinny. Der lernte in New York kurz nach dem Zweiten Weltkrieg den belgischen Zeichner Maurice de Bevere alias Morris kennen. Gemeinsam schickten sie dann Lucky Luke durch den Wilden Westen. Lucky kann bekanntlich den Colt schneller ziehen als sein Schatten, dies aber stets für die gerechte Sache, und am Ende trabt er jedes Mal einsam in den Sonnenuntergang, auf seinem Pferd Jolly Jumper, das ebenfalls über sagenhafte Fähigkeiten verfügt. Seit 80 Jahren reitet L. L. nun schon, darum widmet ihm Alexander Braun in seinem angesagten Dortmunder Schauraum eine feine Ausstellung, in der wertvolle Originalzeichnungen zu sehen sind, originelle Hommage-Bände anderer Künstler („Der Mann, der Lucky Luke erschoss“, „Jolly Jumper antwortet nicht“) und Merchandising aller Art.

Bis 6. 4. im schauraum: comic + cartoon, Dortmund, gegenüber dem Hbf., Eintritt frei; am 26. 3. präsentiert Ralf König im Kino im U seine Lucky-Luke-Hommage „Zarter Schmelz“

 

Sister und Brother allein zu Haus © Vague Notion photo: Carole Bethuel

Kino

Pflichtbesuche bei den Eltern

(oc). „Familie kann man sich nicht aussuchen.“ Der Satz fällt im neuen Film Father Mother Sister Brother von Jim Jarmusch, 73, einem der wenigen wirklichen Independent-Regisseure (Down by Law, Dead Man, Broken Flowers) – und genau darum, um Familienverhältnisse, geht es darin denn auch. Drei im Grundmuster ähnliche Episoden werden erzählt. In der ersten besuchen die Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) nach längerer Zeit mal wieder ihren abgeschieden lebenden, kauzigen Vater (Tom Waits) und quälen sich durch ein Gespräch. In der zweiten sind es zwei Schwestern (Cate Blanchett, Vicky Krieps), die sich an ihrer streng kontrollierten Mutter (Charlotte Rampling) die Zähne ausbeißen. Im dritten Fall sind die Eltern durch einen Unfall schon nicht mehr am Leben, als sich Zwillingsschwester und -bruder in die bereits geleerte Kindheitswohnung begeben. Jarmuschs „Anti-Actionfilm“, wie er ihn genannt hat, erhielt in Venedig den Goldenen Löwen.

Seit 26. 2. im Kino

 

Nachdenkbuch

Vor den Antworten kommen die Fragen

Rolf Dobelli ist Schriftsteller – und ein verflixt guter Fragensteller. Jetzt sind Sie gefragt, schon sein drittes Buch dieser Art, enthält nichts als Fragen. Meist eine pro Seite. Das kleine, aber recht dicke Buch ist, wie der Schweizer im Vorwort schreibt, „das Gegenteil eines Page-Turners.“ Es hat noch nicht mal Seitenzahlen. Wozu auch, man kann es überall aufschlagen, kann hin und her springen, sich vorwärts oder rückwärts treiben lassen. „Sehen Sie in Ihrer Lebensgeschichte noch einen roten Faden?“ lautet zum Beispiel die allererste Frage. Das ist ein bisschen witzig, aber auch ernst. Es geht um Sie persönlich, Sie sind gefragt, und am besten, Sie lassen sich auf das Spiel ein. Dobellis Fragen kommen mal süffisant daher („Wäre es für Sie eine Erleichterung, wenn man den Sinn des Lebens ab sofort online bestellen könnte?“), mal schlicht aber tiefgründig („Muss man Menschen mögen?“), mal hinterhältig („Rechnen sich ihre Kinder?“), mal lustig („Was möchten Sie mit Ihrer Frisur ausdrücken?“). Sie konfrontieren uns mit unserem eigenen Leben, unserem Selbstbild, unseren Idealen und unserer Korrumpierbarkeit. Sie kommen barsch um die Ecke („Wann hatten Sie das letzte Mal einen originellen Gedanken? Angabe des Datums“) oder geben uns einen essenziellen Rat („Wie groß ist Ihr Notvorrat an Freunden?“). Dobelli hält für die Christen unter seinen Leser*innen gern verfängliche Fragen bereit („Wovon genau möchten Sie erlöst werden?“), genauso aber für alle anderen („Wie groß ist Ihre Ahnungslosigkeit? Nimmt sie mit den Jahren zu oder ab?“).

Man kann sich lebhaft vorstellen, wie viel muntere Debatten dieses Brevier bei gut eingespielten Freunden und Paaren auslöst. Sich von klugen Fragen kitzeln zu lassen ist allemal sinnvoller als im Dauerregen der vorgefertigten Antworten zu versumpfen. Wie eine erste Frage hat Dobellis Buch natürlich auch eine letzte. Sie lautet: „Vor welcher Frage fürchten Sie sich am meisten?“ Jetzt sind Sie dran.

olaf cless

Rolf Dobelli: Jetzt sind Sie gefragt. Diogenes, 320 Seiten, Hardcover gebunden, 20 Euro

 

Sachbuch mit Witz

Die Tyrannei der Glücksindustrie

Zum „Sonderpreis“ von 4997 Euro ließ er sich von einem Lifecoach „brainwassern“, um sich Wege zum Glück zeigen zu lassen. Der Kabarettist und Autor Florian Schröder hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wo das Glück zu finden sei. Dafür besuchte er einen Kuschelkurs, begab er sich ans Set eines Amateur-Pornos, testete Happiness-Apps, tanzte mit einem über 80-jährigen Influencer im Berghain, tauschte Freundschaftsbändchen, nahm LSD, ließ sich auf einer Esoterik-Messe die Chakren lesen, war im statistisch glücklichsten Land der Welt in der Sauna – in Finnland, u. a. m. Wie Esoteriker ihre Botschaft vom Glück verkaufen, schildert er selbst so: „Man nehme eine ordentliche Portion Buddhismus, eine Prise Taoismus, ein Häufchen fermentierter Psychologie, ab und an ein wenig Heidentum, ein, zwei Esslöffel Tarot und Magie (Maggi geht auch), je nach Bedarf ein Tröpfchen Astrologie, ein paar Mythen und okkulte Praktiken obendrauf – und fertig ist ein Zaubertrank.“

Kritisch, ironisch, provokant und kenntnisreich zugleich nimmt Florian Schröder den allgegenwärtigen Glückswahn ins Visier. Dabei richtet sich seine Kritik nicht gegen Menschen, die sich nach einem glücklicheren Leben sehnen, sondern gegen all die selbsternannten Coaches, Influencer, Mindset-Gurus, die diese Sehnsucht ausnutzen, um möglichst viel Profit daraus zu schlagen. Ein kluges, zugleich unterhaltsames und aufschlussreiches Buch über die Machenschaften der Glücksindustrie. Absolut lesenswert.

hans peter heinrich

Florian Schröder: Happy End. Warum Du ohne Glück glücklicher bist, dtv, Hardcover, 336 Seiten, 24 Euro


 

Wörtlich

„Der Hahn erläutert unentwegt / der Henne, wie man Eier legt.“

Ella Carina Werner, Mitherausgeberin der Satirezeitschrift „Titanic“ und Autorin eines Buches mit „feministischen Tiergedichten“ (Kunstmann 2025)