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Bryan Johnson, „Posterboy“ der Longevity-Bewegung, der sein Millionenvermögen darin investiert, so spät wie möglich, womöglich gar nicht zu sterben. Foto Katriece Ray / Wikipedia

Forever young – Lifestyle-Hype Longevity

Es ist aktuell das Lifestyle-Thema schlechthin: Longevity – das Versprechen, so gesund und so alt wie möglich zu werden, vielleicht sogar ewig zu leben. Weltweit werden Milliarden in Biotech-Unternehmen investiert, die nach Wegen suchen, Alter und Tod zu besiegen.

Der Altersforschung zufolge liegt das biologische Limit unserer Lebenserwartung bei etwa 120 Jahren. Wie man selbst dazu beitragen kann, so lange wie möglich gesund zu leben, ist hinlänglich bekannt: regelmäßig körperlich aktiv sein, gute Ernährung mit viel pflanzlicher Kost, nicht rauchen, Stress vermeiden, kein Übergewicht, wenig Alkohol, ausreichend schlafen, Mentaltraining, soziale Kontakte pflegen. Wer so lebt, hat zwar keine Garantie, alt zu werden – denn auch die Gene spielen eine entscheidende Rolle, aber auf diese Weise kann man zumindest die Wahrscheinlichkeit deutlich steigern, lange gesund zu bleiben, und damit länger zu leben.

Was derzeit unter dem Label „Longevity“ vermarktet wird, geht deutlich über die genannten Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil hinaus. So schwören Longevity-Fans z. B. auf regelmäßige   „Drip“, Infusion einer Lösung aus Mineralstoffen, Vitaminen und NAD+, für deren lebensverlängernde Wirkung jeoch jeder wissenschaftliche Beleg fehlt. Ebenso zweifelhaft ist das bei Longevity-Anhängern beliebte Taurin, das nicht nur eine Zutat in Energydrinks, sondern auch in Katzenfutter ist, und von dem man in Longevity-Zirkeln glaubt, dass es das Altern bremsen könne. Zuletzt hat eine Studie gezeigt, dass das beim Menschen definitiv nicht zutrifft. Neuerdings bieten Spezialkliniken Langlebigkeitsprogramme an wie den Besuch von Kältekammern, Infrarot-Bestrahlungen oder verjüngende Gentherapien. in der Regel für viel Geld und ohne belegte Wirksamkeit. Beliebt sind dort Sauerstofftherapien, bei denen unter hohem Druck bis zu 20 Mal mehr Sauerstoff in den Körper gepumpt wird als ein Mensch üblicherweise einatmet. Zusätzlich können InteressentInnen für drei Minuten in eine Kältekapsel steigen - Temperatur: minus 110 Grad. Ob das vor dem Altern schützt, ist wissenschaftlich höchst umstritten. Dazu kommen Risiken und hohe Kosten je Behandlung – bis zu rund 10.000 Euro pro Jahresabo.

Vorreiter und „Posterboy“ der Longevity-Bewegung ist der 48-jährige Multimillionär Bryan Johnson. Den Tod bezeichnet er als ein „technisches Problem, das sich lösen lässt“ und ordnet seine gesamte Lebensführung dem Ziel unter, so spät wie möglich zu sterben. Am besten gar nicht. Das ist ihm jährlich gut zwei Millionen US-Dollar wert. Der „meistvermessene Mensch der Welt“, wie Johnson von sich behauptet,  beschäftigt ein Team von 30 Mitarbeitern, deren einzige Aufgabe darin besteht, sein biologisches Alter auf 18 zurückzudrehen. Dafür hält er sich an ein strenges Diät- und Trainingsregime, isst täglich nur zwischen sechs und elf Uhr, schluckt Massen an Supplements, Vitaminen und Mineralien, überwacht permanent Herzschlag und Hirnströme und unterzieht sich regelmäßig experimentellen Behandlungen. Eigenen Angaben zufolge mit großem Erfolg: Pro Jahr altere er nur noch siebeneinhalb Monate. Sein biologisches Alter entspreche mittlerweile dem eines 30-Jährigen. An seinen täglichen Anti-Aging-Ritualen lässt Johnson in einer Netflix-Dokumentation seine stetig wachsende Fangemeinde teilhaben, deren Schlachtruf und Lifestyle-Ziel Johnsons Motto „Don't Die!“ / „Stirb nicht!“ ist.

Welche Konsequenzen kann der tägliche (weitgehend vergebliche) Kampf  gegen das Altern für die Betroffenen haben? Verena Klusmann, Professorin für Gesundheitsförderung und Prävention an der Hochschule Furtwangen, meint dazu: „Sich zu bewegen und sich gesund zu ernähren, ist wichtig und gut. Aber wer sein Leben nur noch taktet und kontrolliert, um später einem bestimmten Bild vom Alter nicht entsprechen zu müssen, um nicht gebrechlich und bedürftig zu werden: Diese Menschen setzen sich einem enormen psychischen Druck aus. Sie haben eher Schwierigkeiten damit, ihr Leben zu genießen und ein Stück weit das anzunehmen, was uns als Schicksal nun mal zuteilwird – dass wir altern und sterben.“

Hans Peter Heinrich