Zwischenruf: Hybride Berichterstattung
Von Olaf Cless
2024 gab es über tausend UFO-Sichtungen in Deutschland. Eine Rekordzahl. Auch 2025 ist ein guter UFO-Jahrgang geworden. Zwar wurden nicht wirklich UFOs „im engeren Sinne“ dingfest gemacht –, meist entpuppten sie sich als Satelliten von Elon Musks florierender Weltraumfirma oder ähnliches, aber auch UFOS „im weiteren Sinne“ haben ja durchaus ihren Unterhaltungswert. In letzter Zeit bekamen sie Konkurrenz von den Drohnen im engeren wie weiteren Sinne. Der Münchner Flughafen wurde für eine Nacht stillgelegt, „weil mehrere Menschen mindestens eine Drohne gesichtet hatten“. Zu ähnlichen Zwischenfällen kam es auch anderswo, wobei man eigentlich immer den Satz hinzufügen müsste: „Diese Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.“ Es ist der Satz, dessen korrekter Gebrauch der ARD-Nahost-Korrespondentin Sophie von der Tann einerseits Hass, andererseits Hochachtung eingebracht hat.
Aber wo Vermutungen ausreichen, bedarf es keiner Beweise. Friedrich Merz: „Unsere Vermutung ist, dass Russland hinter den meisten dieser Drohnenflüge steckt.“ Warum nur hinter „den meisten“? Der Kanzler meint, es gebe wohl auch „Trittbrettfahrer“. Ach ja? Alexander Dobrindt hingegen, forsch und schlicht wie immer: „Wir sind Ziel einer hybriden Kriegsführung, und das fast täglich.“ Eine Zeitung wie die NRZ übernimmt bereitwillig den martialischen Ton: „Deutschlands Sicherheitsbehörden kämpfen eine Abwehrschlacht gegen Drohnenangriffe.“ Der Gedanke, dass sich solche Behauptungen kaum unabhängig prüfen lassen, besonders wenn man es gar nicht erst versucht, passt nicht nur nicht in solche Redaktionsköpfe, sie halten sogar die Unbewiesenheit für einen besonders schlagenden Beweis: „Dass der russische Staat hinter den Überflügen steckt“, schreiben Jan Dörner und Christian Unger, „dafür gibt es einige Indizien, aber wenig Beweise. Und genau das ist, so sagen Nachrichtendienstler, auch Teil der Taktik im Kreml“. Alles klar?
Neuerdings gibt es das „GDAZ“, was nicht Größtes Ding Aller Zeiten bedeutet, sondern Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum. Es sitzt in Berlin und plant langfristig sogar einen 24-Stunden-Betrieb. Ein Register für verdächtige Drohnenpiloten dagegen existiert nicht. Mindestens 500.000 Bundesbürger besitzen eine Lizenz. Man muss nur 40 Multiple-Choice-Fragen online beantworten.
Viel los ist auch im Rüstungsbusiness, Sparte Kampfdrohnen. Firmen wie Stark Defense, Helsing und Rheinmetall gieren und konkurrieren um lukrative Aufträge des Verteidigungsministeriums. Auch Peter Thiel, der milliardenschwere Strippenzieher der Trump & Vance-Regierung, erklärter Europafeind und Prediger wider den „Antichrist“, mischt als Investor mit. Diese Information lässt sich unabhängig überprüfen.