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Obdachlos zur Probe. „Ich war nicht mehr Richard Gere“, sagte er in einem Interview. „Ich war irgendein Mann, den die Leute vermeiden wollten.“ (Foto: facebook)

Unter den Vergessenen

Richard Geres Weg vom Filmset zu den Obdachlosen

Es ist früh am Morgen, als ein grauhaariger Mann mit gesenktem Blick durch die Straßen von New York City schlurft. Passanten gehen an ihm vorbei, ohne hinzusehen. Ein paar werfen ihm verstohlene Blicke zu, die meisten gehen hastig vorbei. Niemand erkennt, dass dieser Mann einer der berühmtesten Schauspieler Amerikas ist. Doch Richard Gere ist hier nicht als Star unterwegs, sondern als Mensch, der für kurze Zeit unsichtbar wird. Für die Vorbereitung auf den Film Time Out of Mind entschied er sich, selbst in die Obdachlosigkeit einzutauchen – radikaler, als es das Drehbuch verlangte. In zerschlissener Kleidung stand er an einer Straßenecke und fragte nach Kleingeld. Niemand erkannte ihn. Niemand schenkte ihm Aufmerksamkeit.

Im Schatten der Hochhäuser
Die Erfahrung beginnt unspektakulär. Gere verbringt mehrere Stunden damit, auf einer belebten Straße zu sitzen, beobachtet von Menschen, die ihn nicht wirklich sehen. Er spürt den kalten Beton im Rücken, die tauben Beine, die innere Unruhe. Doch vor allem spürt er die Distanz, die sich zwischen ihn und die vorbeilaufende Welt legt – eine soziale Mauer, die er bislang nur theoretisch kannte. Was später wie eine PR-Story klingt, war für ihn tief erschütternd. Er sprach später darüber, wie schnell ein Mensch aus dem gesellschaftlichen Blickfeld verschwinden kann, sobald er nicht mehr in das vertraute Raster passt. „Ich war nicht Richard Gere“, sagte er in einem Interview. „Ich war irgendein Mann, den die Leute vermeiden wollten.“

Kunst trifft Wirklichkeit
Während der Dreharbeiten zu Time Out of Mind filmte das Team inmitten echter Passanten. Viele Film-Szenen entstanden, ohne dass jemand bemerkte, dass hier ein professionelles Filmteam arbeitete - ein Effekt, der den Anspruch des Films verdeutlicht: keine künstliche Distanz, keine romantisierte Erzählung. Nur der Blick auf Menschen, die allzu leicht übersehen werden. Dass Gere diese Rolle mit solcher Intensität lebte, hat mit seinem Weltbild zu tun. Seit Jahrzehnten engagiert sich der bekennende Buddhist sozial und politisch – nicht als Imagepflege, sondern als konstante Lebenshaltung.

Ein Leben für die Menschenwürde
Bereits in den 1980er-Jahren beginnt Gere, sich für Menschenrechte einzusetzen. Besonders prägend ist sein Einsatz für die tibetische Bevölkerung. Er gründete die Gere Foundation, unterstützt Initiativen für Frauenrechte, fördert medizinische Hilfe bei AIDS und engagiert sich für Menschen am Rand der Gesellschaft - darunter Obdachlose, Pflegebedürftige und Geflüchtete. Geres sozialer Aktivismus ist oft leise, aber konstant. Immer wieder betont er, dass gesellschaftliche Verantwortung nicht delegiert werden kann. „Es reicht nicht, nur zu spenden“, sagt er häufig. „Man muss hinschauen, zuhören, verstehen.“

Die Straße als Lehrmeisterin
Die Zeit auf der Straße hat Gere verändert - und zwar tiefer, als er selbst erwartet hatte. Er erkannte, wie brüchig das Sicherheitsnetz einer hochentwickelten Gesellschaft sein kann. Viele der Menschen, mit denen er während der Filmvorbereitung sprach, waren keineswegs „gescheitert“. Sie waren schlicht aus dem Gleichgewicht geraten: ein verlorener Job, eine Krankheit, familiäre Probleme. Ein einziger Schicksalsschlag kann alles kippen. Gere betont bis heute, dass die Rolle in diesem Film eine der wichtigsten seiner Karriere war. Er weiß, dass Kunst Fenster öffnen kann. Die Erfahrung der Obdachlosigkeit auf Zeit hat Gere noch entschlossener werden lassen, seinen Ruhm zu nutzen. Er unterstützt Housing-Projekte, fördert Programme für Obdachlose und machte sich in Interviews immer wieder zu einem Anwalt derjenigen, die keinen Anwalt haben. Richard Gere hat begriffen, dass Sichtbarkeit ein Privileg ist. Und dass es seine Aufgabe ist, dieses Privileg zu nutzen, um jene sichtbar zu machen, an denen die Gesellschaft sonst vorbeigeht. Die Tage, die er als „unsichtbarer Mann“ auf den Straßen von New York verbrachte, haben dazu wesentlich beigetragen. Am Gasit