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Schon im Park lässt die Ausstellung grüßen: mit einem Lehmhaus von Havîn Al-Sîndy, nachgebildet dem ihrer Kindheit. Foto: Achim Kukulies

Kultur

Düsseldorf

Wie wohnlich die Erde sein könnte

(oc). Der schlichte Ausstellungstitel Grund und Boden täuscht: Was es derzeit im K21 zu sehen und studieren gibt, ist beeindruckend und aufrüttelnd. Das Epizentrum bildet das Souterrain des Hauses – mit einer grandiosen Filminstallation über junge widerständige Tamilen in Sri Lanka, mit Videos von Mieterprotesten in Düsseldorf 1970 (!), Andreas Gurskys ikonischem Großfoto vom Protestcamp in Lützerath, mit beklemmenden Skulpturen aus Schokolade (!) vom Künstlerbund Kongolesischer Plantagenarbeiter*innen oder Boris Mikhailovs dramatischen Bildern von ukrainischen Obdachlosen 1997/98. Ein paar Etagen höher liegt ein Paar in tiefer Ruh nebeneinander (Bed Peace von Shimabuku), aus nichts bestehend als aufgehäufter Erde. Auch der Aufstieg bis unter die K21-Glaskuppel lohnt, schon wegen Ugo Rondinones zauberhaft vergoldeter Werkzeugsammlung. Bitte lassen Sie auch im Treppenhaus die Statistiken zu Boden, Vermögen, Immobilien & Co. auf sich wirken.

Bis 19. 4. im K21, Ständehausstr. 1, 40217 Düsseldorf; freitags 15-18 Uhr ist der Eintritt frei; 7. 2. Aktionstag #2: Wohnen; kunstsammlung.de

 

Beste aller möglichen Haartollen: Götz Alsmann. Foto: Stefan Brending/wikimedia.org

Essen

Voltaire, Bernstein, Loriot & Alsmann

(oc). „In Westfalen lebte auf dem Schloss des Barons Thunderten-tronckh ein junger Mensch, dem die Natur die sanfteste Gesinnung verliehen hatte.“ Kommt Ihnen komisch vor? Ja, komisch ist die Geschichte, die so beginnt: Candide oder Der Optimismus von Voltaire, 1759 unter einem Pseudonym erschienen. Die Satire wendet sich gegen die optimistische Weltsicht des Philosophen Leibniz, wonach wir in der besten aller möglichen Welten leben, schickt ihren Helden von einer Katastrophe in die nächste und zeigt eine Welt voller Krieg, Habgier und Bosheit. Der große amerikanische Komponist Leonard Bernstein, Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer, komponierte aus dem Stoff 1956 ein Musical, das aufgrund eines schwachen Librettos floppte, in späterer Runderneuerung aber große Erfolge feierte. Im Aalto Theater ist nun eine konzertante Fassung der komischen Operette zu erleben. Götz Alsmann kredenzt dazu Loriots Erzähltext.

22. 2., 18 Uhr (Premiere), 1. 3., 16:30 Uhr, 15. 3., 16:30, Aalto-Theater, Opernplatz 10, 45128 Essen; theater-essen.de

 

Michael Triegel vor seinem Altarbild „Sacra Conversazione“. Foto: Emilian Tsubaki

Kino

Triegel trifft Cranach

(oc). Im berühmten Naumburger Dom stand seit 1519 ein von Lucas Cranach gemalter Marienaltar, dessen Mitteltafel schon bald im Bildersturm der Reformation unterging. 500 Jahre später bekam der Künstler Michael Triegel den kirchlichen Auftrag, eine neue Marienszene zu malen. Triegel hielt sich nah an Cranachs Stil, brachte aber eine ziemlich gegenwartsnahe Personengruppe ins Bild. Fast könnte es eine Landkommune sein, wobei auch der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer zu erkennen ist. Maria wirkt sehr selbstbewusst, das Jesuskind scheint eher schlecht drauf. Um das 2020 fertiggestellte Altarbild entspann sich ein Streit der Kunsthistorikerinnen und Denkmalpfleger; es wurde abgebaut, kehrte dann doch wieder zurück. Unter dem Titel „Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten“ kommt nun ein Film (Regie: Paul Smaczny) ins Kino, in dem man den 1968 geborenen Künstler und den Entstehungsprozess seines ungewöhnlichen Werkes genauer kennenlernt.

Kinostart 5. 2., 107 Minuten

 

Bela Winkens in ihrem neuen Zuhause, 1950er Jahre. Foto: privat

Düsseldorf

Trauma Theresienstadt

(oc). Bela Winkens hat, in Buchform, einen Brief an die Mutter geschrieben (siehe fiftyfifty 6-2025). Sie hat keine Erinnerung an sie, aber gerade das ist der Grund, ihr zu schreiben: Die Mutter kam, wie der Vater, in Auschwitz um. Bald schien auch das Schicksal der kleinen Tochter besiegelt: Sie wurde nach Theresienstadt deportiert, die berüchtigte Durchgangsstation in den Tod – und überlebte, unterernährt und krank, als Vierjährige. Düsseldorfer Pflegeeltern nahmen sie auf, aus Bela wurde schließlich eine begabte Schauspielerin. Doch ihre Traumata wurde sie bis heute nicht los; sie verwandelt sie im Buch in Sprache und trägt aus vielen Quellen zusammen, was es über Theresienstadt festzuhalten gilt. Anfang Februar begeht Bela Winkens ihren 85. Geburtstag. Mahn- und Gedenkstätte, Heinrich-Heine-Salon und Heine-Institut widmen ihr und ihrem Buch eine Matinee. Irina Scholz liest, Gabi Bauer und Peter Piro aus Lüneburg erzählen, welche biografischen Lücken sie schließen konnten.

8. 2., 11 Uhr, Beatrice-Strauss-Zentrum, Marktstr. 2 (Innenhof), 40213 Düsseldorf; Eintritt frei

 

Roman

Von Menschen und Hühnern

(oc). Ein kleiner Ort im Emsland. Wer sich dorthin begibt, von der nächstgelegenen Bahnstation aus, selbst aus der Großstadt kommend, wundert sich beim langen Marsch entlang der Autostraße: „Dass niemand anhält, um mich mitzunehmen. Dass man so lebt. Dass ich hier bin.“ Der kleine Ort wird beherrscht von einer großen „Hühnerfabrik“. Groß ist nicht ganz das passende Wort, eher: monströs. Eine schwer vorstellbare Zahl von Tieren, sie hat acht Nullen, wird hier jährlich „verarbeitet“. Die Fabrik ist das Gravitationszentrum in Nava Ebrahimis Roman Und Federn überall. Die sechs Hauptpersonen – vier Frauen und zwei Männer –, aus deren Schicksalen und Handlungen, Sorgen und Nöten die iranisch-deutsch-österreichische Autorin gekonnt ihre Geschichte webt, haben alle auf die eine oder andere Weise mit dem Geflügelbetrieb zu tun, dauerhaft oder auch nur vorübergehend. Sonia, plötzlich auf sich allein gestellt mit zwei Kindern, arbeitet in der „Zerlegung“ am Band; zermürbt von der Monotonie träumt sie von einer Versetzung in die Verwaltung und probt in Gedanken unablässig ihr Bewerbungsgespräch. Merkhausen leitet den Bereich „Prozessoptimierung“, wenn er nicht gerade durch die Dating-Plattform deutschpolnischeliebe.com abgelenkt ist. Dort knüpft er Kontakt mit Justyna, die online betont kühl und dominant auftritt, dabei aber in prekären Verhältnissen lebt. Der Verlorenste unter allen ist Nassim, Asylbewerber aus Afghanistan. Er lässt sich gerade seine Gedichte ins Deutsche übertragen und hofft wahrhaftig, mit den Versen die Behörde beindrucken zu können. In den Fokus des Geflügelkonzerns gerät Nassim durch einen Zwischenfall auf der Straße: Ein rabiater Radler hat den Blindenstock des Sehbehinderten zu Bruch gefahren, ohne anzuhalten – nun soll eine rührselige Spendenübergabe inszeniert werden mit Pressefoto und lächelnden Gesichtern. Es ist das gelungene Schlussbild dieses großartigen Buches – doch nein, da folgen noch zwei letzte bedeutsame Seiten.

Nava Ebrahimi: Und Federn überall. Roman, Luchterhand, 352 Seiten, 24 Euro

 

Biografie

Reise ins Land der Abgründe

(oc). „Gehöre keiner Schule an/und keiner neuen Richtung,/bin nur ein armer Großstadtspatz/im Wald der deutschen Dichtung“, schreibt Mascha Kaléko in einem ihrer späteren Gedichte. Sie hatte 1959 in Berlin inkognito eine Veranstaltung über „Lyrik heute“ besucht und sich im Diskurs all der männlichen Wortführer nicht mehr wiedererkannt. Doch so viele neue und allerneueste Schulen seither auch ausgerufen wurden, Kalékos Werk behauptet sich bis heute, Hunderttausende habe ihre Gedichte ins Herz geschlossen oder entdecken sie gerade erst. Im jüngst zu Ende gegangenen 50. Todesjahr der Dichterin hat Volker Weidermann noch ein besonders erhellendes Licht angesteckt in Gestalt des biografischen Buches Wenn ich eine Wolke wäre. Es stellt Kalékos erste Reise nach 17 harten US-Exiljahren in das Land, das sie verjagt, d. h. fast umgebracht hatte, in den Mittelpunkt. Lange hatte sie gezögert, auch was eine Neuausgabe ihres fulminanten Erstlings Das lyrische Stenogrammheft von Anfang 1933 (!) betraf, kam dann aber doch, im Heine-Jahr 1956. Blieb etliche Monate, wurde gefeiert, gesendet und in den Zeitungen gedruckt, schwelgte in freudigen Wiederbegegnungen, erlebte aber auch die Abgründe deutscher Verdrängung und Selbstgerechtigkeit. Da sie fast täglich ihrem in New York gebliebenen Mann ausführlich schrieb, sind jene Monate gut dokumentiert, auch ihr Schwanken in der Frage: Zurückkehren oder besser fernbleiben? Spätestens drei Jahre später fiel die Entscheidung: Mascha Kaléko, ihr Mann und ihr Sohn blieben in der Ferne. Das Glück aber fanden sie nirgendwo mehr.

Volker Weidermann: Wenn ich eine Wolke wäre. Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens. Kiepenheuer & Witsch, 235 Seiten, 23 Euro. – 1. 3., 11 Uhr, zakk, Düsseldorf: Matinee des Heinrich Heine Salons: „Die paar leuchtenden Jahre der Mascha Kaléko“ mit Olaf Cless und Christiane Lemm. An der Klarinette: Marina Ochsenreither.

 

Wörtlich

„Würden Sie auf Ihre innere Stimme schneller reagieren, wenn sie als WhatsApp daherkäme?“

Rolf Dobelli, Schweizer Schriftsteller, in seinem neuen Buch „Jetzt sind Sie gefragt“ (Diogenes Verlag), das nur aus schlauen Fragen besteht