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In strenger Geometrie: Novaesium aus der Vogelperspektive. Rekonstruktion © Clemens Sels Museum

Kultur

Neuss

Die Römer am Rhein

(oc). Die Zeitreise ins alte NOVAESIUM, also ins antike Neuss der Römerzeit, gestaltet sich neuerdings noch erlebnisreicher und anschaulicher: Nach dreijährigem Umbau erstrahlt die Römische Sammlung im Clemens-Sels-Museum in neuem Glanz und auf aktuellstem Stand der Forschung. Fotorealistische Rekonstruktionen, Videos, Experimentier- und Spielstationen und der Audioguide helfen der historischen Fantasie auf die Sprünge. Novaesium war der älteste römische Militärstandort am Niederrhein. Nicht nur Tausende von Soldaten aus Gebieten rings um das Mittelmeer lebten hier, sondern auch Offiziersfamilien, Sklavinnen und Sklaven, Händler und Handwerker. Unentbehrliche Lebensmittel wie Olivenöl, Wein und Fischsauce kamen tonnenweise per Schiff rheinaufwärts, auch gab es eine große Therme und ein Hospital. Das Museum bietet auch im Dezember eine Reihe von Führungen an. Einen neuen Katalog (ca. 150 Seiten, 16,95 Euro) gibt es auch.

Clemens Sels Museum Neuss, Am Obertor, 41460 Neuss (am 24./25./31. 12. geschlossen)

 

Duisburg

Party mit Kriechtieren

Dr. Fischer und seine willigen Speichellecker. Foto: Bühne Cipolla

(oc). Dr. Fischer aus Genf oder Die Bomben-Party heißt ein bitterböser Roman von Graham Greene aus dem Jahr 1980. Er kreist um einen schwerreichen Mann, der sich darin gefällt, Partys zu geben, deren Gäste er dann systematisch demütigt; sie lassen es sich gefallen, denn am Ende winkt ihnen jedes Mal ein sündteures Geschenk. Dr. Fischers Tochter Anna-Luise hat längst mit ihrem Scheusal von Vater gebrochen, nennt dessen Gäste nur „Kriechtiere“ und beschwört ihren Verlobten Alfred Jones, sich von ihm fernzuhalten. Doch es kommt anders, Jones nimmt eine Partyeinladung an (auf der er alle Kriecherei verweigert) – und später noch eine, die laut Dr. Fischer die letzte sein soll. Wie sich herausstellt, ist die Versuchsanordnung mit den Gastgeschenken diesmal besonders diabolisch … Das alles bringt die Bühne Cipolla in Kooperation mit dem Altonaer Theater als „krasses Puppentheater“ (Hamburger Abendblatt) mit Livemusik auf die Bühne – „Publikum total fasziniert“.

15. 12., 19:30 bis 20:50 Uhr, Theater Duisburg, Opernplatz, 47051 Duisburg, Kartentelefon 0203 283 62 100 (für Erwachsene); am 16. 12. auch in Lünen

 

Wuppertal

Küchlein zu Neujahr

GMD Patrick Hahn lädt zur musikalischen Neujahrs-Promenade © Holger Talinski

(oc). Man kann das neue Jahr mit einem Ausstellungsbesuch beginnen. Man kann sich aber auch konzertant von Modest Mussorgskys Musik durch die Bilder einer Ausstellung führen lassen – vorbei am Alten Schloss, dem Marktplatz von Limoges, hinab in die schaurigen Katakomben, nicht zu vergessen die spielenden Kinder im Streit oder das quirlige Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen … Diesen beliebten, von Maurice Ravel orchestrierten Reigen gibt es am Neujahrstag in der Historischen Stadthalle Wuppertal in einer Spezialausgabe, nämlich als „Remake für Jazztrio und Orchester“, als da sind das Frank-Dupree-Trio und das Sinfonieorchester der Stadt unter seinem unverwüstlich jungen Generalmusikdirektor Patrick Hahn. Das Experimentieren mit Mussorgskys großem Evergreen hat spätestens seit Emerson, Lake & Palmer Tradition. Erst kürzlich erklangen in Düsseldorf die Bilder einer Ausstellung per Orgel, Klavier und ToyPiano.

1. 1. 2026, 18 Uhr, Historische Stadthalle Wuppertal, Johannisberg 40, 42103 Wuppertal; sinfonieorchester-wuppertal.de

 

Kino

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

So sehen (noch unentdeckte) Helden aus: Charly Hübner © Frederic Batier/X-Filme AG

(oc). Micha Hartung (Charly Hübner) betreibt eine hoffnungslos verschuldete Videothek. Da taucht ein Journalist (Leon Ullrich) bei ihm auf, der an einer Reportage zum 30. Jahrestag des Mauerfalls arbeitet und in einer Stasi-Akte auf heißen Stoff gestoßen ist: Hartung, seinerzeit Stellwerksmeister, soll 1984 die Flucht von 127 Menschen in den Westen eingefädelt haben. Er ist ein Held, die Welt muss es nur noch erfahren! Hartung weist zunächst alles weit von sich, erliegt dann aber doch den Verlockungen einer entsprechenden „Karriere“. Er wird zu Talkshows eingeladen, vom Bundespräsidenten empfangen, soll im Parlament reden … Das Dickicht der Lügen und Halbwahrheiten wird immer riskanter, und als er dann noch Paula (Christiane Paul) kennenlernt, wird es höchste Zeit, aus der Nummer rauszukommen. Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße, prominent besetzt und auf dem Roman von Maxim Leo basierend, ist der letzte Film von Wolfgang Becker (Good By, Lenin!). Er starb vor einem Jahr.

Ab 11. 12. im Kino

 

Lebenswege

Zwei Kinder auf der Flucht

Im März dieses Jahres ist Peggy Parnass gestorben. 97 Jahre alt wurde die kämpferische Journalistin, deren Prozessberichte in konkret in den 70er und 80er Jahren Aufsehen erregten. Kurz nach ihrem Tod erschien ein Buch, das sie gemeinsam mit dem Herzchirurgen Umes Arunagirinathan konzipiert hatte: Grenzen akzeptieren wir nicht! Ihre beiden fröhlichen Gesichter auf dem Cover gehören zu jenen, die unser Stadtbild farblich bereichern: Peggy mit wilder, roter Haarmähne, Umes mit hellbrauner Haut. In ihrem Buch erzählen sie, wie es ist, wenn man als junger Mensch die Heimat verlassen muss und dort, wo man Zuflucht gefunden hat, nicht wirklich akzeptiert wird.

Diese Erfahrung verband die beiden Menschen, die mehr als 50 Lebensjahre und eine gänzlich verschiedene Herkunft trennten, als sie sich vor einiger Zeit kennen und schätzen lernten. Umes war zwölf, als seine Mutter im vom Bürgerkrieg erschütterten Sri Lanka beschloss, ihn vor dem Zugriff der Tamil Tigers zu retten, die ihn bald für ihre Rebellenarmee zwangsrekrutiert hätten. Umes sollte zu seinem Onkel nach Hamburg – nach acht Monaten illegaler Flucht durch die halbe Welt kam er tatsächlich dort an.

Elf Jahre alt war wiederum Peggy Parnass, als sie im Februar 1939 mit ihrem kleinen Bruder Gerd in Hamburg in den Zug nach Stockholm gesetzt wurde. Wenigstens die Kinder sollten überleben, dachten die Eltern – und so war es dann auch. Schweden war für die geretteten Kinder nicht immer ein Paradies, sie wurden oft von einer Familie zur anderen gereicht oder landeten im Waisenhaus. Dennoch blieb Peggy Parnass nach dem Krieg noch einige Jahre in Schweden, dank einer Heirat konnte sie die Staatsbürgerschaft erwerben, die sie (was kaum bekannt ist) bis zu ihrem Tode behielt.

Umes Arunagirinathan kämpfte lange Jahre um seine Aufenthaltsbewilligung. 2008 wurde der Herzchirurg deutscher Staatsbürger. Neben seiner Arbeit schreibt er Bücher und reist durch sein neues Heimatland, um den Menschen zu erzählen, wie es Flüchtenden ergeht.

eva pfister

Umes Arunagirinathan/Peggy Parnass: Grenzen akzeptieren wir nicht! Über Migration, Heimat und den Wert der Freiheit. Aufgezeichnet von Doris Mendlewitsch, Rowohlt Polaris, 128 Seiten, Paperback, 18 Euro

 

Kinderbuch

Altes Märchen in neuem Gewand

Stephen King, Autor von Horrorklassikern wie It, The Shining, Carrie und anderen,

bezeichnete einmal in einem Interview Hänsel und Gretel als sein liebstes Märchen. Zwischen den Themen seiner eigenen Bücher und diesem Märchen sieht er enge Parallelen. Im Vorwort zu seiner Version von Hänsel und Gretel schreibt er: „In gewisser Hinsicht habe ich einen Großteil meines Lebens damit verbracht, über Kinder wie Hänsel und Gretel zu schreiben“, nämlich über Kinder, die sich dem Bösen gegenübersehen und dennoch nicht aufgeben. Für ihn sei das „die Essenz dieser Erzählung und eigentlich aller Märchen; ein sonniges Äußeres, ein dunkles und schreckliches Inneres, mutige und einfallsreiche Kinder.“

Nun, im Alter von 78 Jahren, legt der „King of Horror“ sein erstes Kinderbuch vor, eine Adaption des Märchens der Brüder Grimm. Inspirieren ließ er sich von den Illustrationen des 2012 verstorbenen Maurice Sendak (Wo die wilden Kerle wohnen), die dieser in den 1990er Jahren ursprünglich für eine Inszenierung der Hänsel und Gretel-Oper von Engelbert Humperdinck geschaffen hatte und die nun Kings Bearbeitung flankieren. Eine schöne Kooperation zweier Virtuosen ihres Fachs, die einander nie begegnet sind und die dem alten Märchenklassiker mit neuen Worten und Bildern Tiefe verleihen. Ein fesselndes Lesevergnügen für Jung und Alt.

hans peter heinrich

Stephen King / Maurice Sendak (Illustrationen): Hänsel und Gretel. Deutsch von Lena Riebl. Atlantis Verlag 2025, 48 Seiten, 20 Euro. Empfohlen ab 6 Jahren

 

Wörtlich

„Die meisten Menschen machen sich über ihre Ernährung Gedanken. Mindestens genauso viel sollten sie sich damit beschäftigen, was sie in ihre Köpfe lassen.“

Maren Urner, Professorin für Nachhaltige Transformation an der Fachhochschule Münster