Bankengeschäfte mit dem Klimawandel
Im Juni 2025 legte eine Gruppe Nichtregierungsorganisationen einen Bericht vor, der belegt, dass Banken immer noch Milliarden Dollar in Unternehmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie lenken, die größten Feinde unseres Klimas. Allein von 2023 bis 2024, in einer Zeit, als Überschwemmungen und Hitzewellen weite Teile der Erde heimsuchten, steigerten sie ihre Finanzierungen für fossile Brennstoffe um 162 Milliarden Dollar. Haben sich die Banken vom Klimaschutz verabschiedet?
Von Andrea Barolini
Unter der Federführung der Umweltschutzorganisation Rainforest Action Network hat im Juni 2025 eine Gruppe von NGOs einen Bericht mit dem Titel Banking on Climate Chaos über die Unterstützung von Banken für den fossilen Brennstoffsektor vorgelegt, der hauptsächlich für die Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, die den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur und in der Folge extreme Wetterereignisse verursachen. Der Bericht liefert eindeutige Daten. In nur neun Jahren haben die 65 Banken, die weltweit am meisten zur Finanzierung der Kohle-, Öl- und Gasförderung beitragen, dem Sektor 7,9 Billionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. Banking on Climate Chaos hat dabei die Kreditlinien, Verträge und Anleihekäufe berücksichtigt, die seit 2016 – ein Jahr nach der Verabschiedung des Pariser Abkommens – von Kreditinstituten abgesichert wurden. Mit der Unterzeichnung des Abkommens hatten sich Regierungen weltweit verpflichtet, den globalen durchschnittlichen Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Wie im Abkommen festgelegt, sollte die globale Erwärmung so weit wie möglich 1,5 °C über das vorindustrielle Niveau nicht überschreiten, d. h. bevor die Menschheit begann, massiv Kohle, Öl und Gas zur Energiegewinnung zu verbrennen. Ab 2016 gab es keine Ausreden mehr. Die internationale Gemeinschaft hatte die Existenz eines ernsten Problems anerkannt und klare Verantwortung übernommen. Daher war ein radikaler Wandel zu erwarten, auch im privaten Sektor, angefangen mit der Branche, in der das meiste weltweit verfügbare Geld zirkuliert – dem Finanzwesen.
Keine Nation oder Nationengruppe kann finanziell mit einer solchen Wirtschaftsmacht konkurrieren. Der Beitrag der Banken zur Klimakrise in Höhe von 7,9 Billionen US-Dollar ist mehr als dreimal so hoch wie Italiens BIP von 2,6 Billionen US-Dollar und fünfmal so hoch wie die gesamten öffentlichen Gesundheitsausgaben aller 27 Mitgliedstaaten der EU. Und das finanzielle Engagement der Banken steigt von Jahr zu Jahr stetig an. Banking on Climate Chaos verweist darauf, dass sich die bewilligten Mittel allein im Jahr 2024 auf 869 Milliarden US-Dollar beliefen. Dieses enorme Kapital wird nicht nur für die Nutzung bereits geförderter fossiler Brennstoffe bereitgestellt. Ein Teil davon fließt in neue Projekte – mehr Ölfelder, mehr Kraftwerke, mehr Bohrungen, mehr Raffinerien, mehr Petrochemie –, die uns in den kommenden Jahrzehnten zusätzlich belasten werden.
Wer sind diese 65 Banken? Wie jedes Jahr belegen die ersten drei Plätze im Ranking US-amerikanische Institute – JPMorgan Chase, Citigroup und Bank of America – gefolgt von den japanischen Banken Mitsubishi UFJ Financial und Mizuho. Die restlichen Plätze in der Top-10-Rangliste der Kreditinstitute, die die meisten Geschäfte mit Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie tätigen, belegen Wells Fargo, Royal Bank of Canada, Sumitomo Mitsui Financial Group, Scotiabank und Barclays – die erste europäische Bank auf der Liste. Dies bestätigt, dass Nordamerika und Japan bei weitem am meisten für den Geldfluss an Unternehmen verantwortlich sind, die fossile Brennstoffe fördern.
Bisher stand Europa im Kampf gegen die globale Erwärmung auf internationaler Ebene an vorderster Front. Doch nun, unter dem Vorwand geopolitischer Krisen und Energiekrisen, ändert auch der Alte Kontinent schrittweise seinen Kurs und strebt um jeden Preis nach Wettbewerbsfähigkeit. Nicht zufällig widmet sich ein Kapitel des Berichts sogenannten Schlupflöchern, Greenwashing und Rollbacks – Trends, die durch die Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus, der die Skepsis gegenüber dem Klimawandel in eine Chance verwandelte, zusätzlich gerechtfertigt werden. „In diesem Jahr haben die Banken ihr wahres Gesicht gezeigt – viele haben sich von ihren Klimaverpflichtungen zurückgezogen und die Finanzierung des Ausbaus fossiler Brennstoffe verdoppelt“, kommentierte Lucie Pinson, Direktorin bei Reclaim Finance. „Die Verlockung des Schwarzgeldes hat sich als zu groß erwiesen. Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Banken können nur dann zur Bewältigung der Klimakrise beitragen, wenn sie dazu gezwungen werden.“
Diese Überlegung betrifft Regierungen und, allgemeiner gesprochen, Entscheidungsträger, die über die richtigen Mittel verfügen, um einen radikalen Wandel herbeizuführen, den die Erde braucht. Es fehlt am politischen Willen. Ein Blick auf die Daten zeigt, dass das Gesamtkapital, das die Großbanken fossilen Brennstoffunternehmen gewährt haben, im Vergleich zu 2023 um 23 % gestiegen ist. Ein allgemeiner Rückgang der Zinssätze trug dazu bei, dass es für Öl-, Kohle- und Gasunternehmen günstiger wurde, Kredite zu beantragen. Nichtregierungs- und Umweltorganisationen, die Zivilgesellschaft und die Wissenschaft fordern die Regierungen auf, Maßnahmen zu ergreifen, um ein klares Ziel zu erreichen: die Begrenzung des globalen Durchschnittstemperaturanstiegs auf maximal 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau. Obwohl das Pariser Abkommen die Notwendigkeit festlegt, den Anstieg unter 2 °C zu halten und gleichzeitig „Anstrengungen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 °C“ zu unternehmen, hat die Wissenschaft den „Wert“ dieses Unterschieds von 0,5 °C erläutert. In seinem im Oktober 2018 veröffentlichten Sonderbericht 1.5 veranschaulichte der IPCC – der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen der Vereinten Nationen – anhand konkreter Beispiele, dass 0,5 °C den Unterschied zwischen einer Klimakrise und einer Klimakatastrophe ausmachen. Der 2015 gesetzte Zeitrahmen sah vor, beide Ziele „bis zum Ende des Jahrhunderts“ zu erreichen. Noch vor neun Jahren, gemessen an der globalen Erwärmungskurve, hatte man den Eindruck, wir hätten noch etwas Zeit. Doch die Wissenschaft erklärt seit Jahrzehnten – nicht seit Jahren –, dass wir es uns nicht länger leisten können zu warten. Einer aktuellen Studie von Experten aus 17 Ländern zufolge ist die düsterste Aussicht Realität: Das 1,5-Grad-Ziel ist „nicht mehr erreichbar“. Das verfügbare Kohlenstoffbudget – die Menge an CO2, die wir in die Umwelt abgeben können, ohne die 1,5-Grad-Grenze zu überschreiten – wird innerhalb der nächsten Jahre aufgebraucht sein. Wenn wir Methan-, Gas- und Treibhausgasemissionen berücksichtigen, könnte es sogar noch früher passieren. Experten zufolge könnte die 1,5-Grad-Grenze also bereits Ende des laufenden Jahrzehnts überschritten werden.
Aus dem Englischen übersetzt (leicht gekürzt) von Hans Peter Heinrich. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Scarp de’ tenis / INSP.ngo