Buxe voll!
Von HG Butzko
Angefangen hatte es ja damit, dass die CDU vor dem wachsenden Rechtspopulismus inzwischen so die Buxe voll hat, weshalb mehrere Unionspolitiker sich für einen neuen Umgang mit der AfD stark machten. Friedrich Merz jedoch erteilte sämtlichen Gedanken an ein Aufweichen der Brandmauer eine klare Absage, unter dem Motto: „Keine Zusammenarbeit mit der AfD. Das können wir alleine besser!"
Und um das zu beweisen, hat er kurz darauf dann mal wieder einen rausgehauen: „Wir sehen das Problem natürlich weiterhin im Stadtbild.“ Bis ihm mal der Chauffeur seiner Dienstlimousine, ohne die Merz sich ja nicht einen Meter in unseren Städten fortbewegt, den Tipp gab: Herr Bundeskanzler, wenn Sie ein Problem mit dem Stadtbild haben, einfach mal die getönte Scheibe runterfahren. Dabei hat der Fahrer ja nicht unrecht. Wir sehen im deutschen Stadtbild bröckelnde Hausfassaden, Leerstand in Einzelhandel- und Geschäftslokalen, Verwahrlosung und Vermüllung, und mehr und mehr Personen, die offenbar arbeits-, beschäftigungs-, obdach-, perspektiv-, und hoffnungslos in der Gegend vegetieren und die mitunter die Flucht in Sucht und Aggression antreten. Diese Probleme muss man lösen! Ich wusste nur bislang nicht, dass ökonomischer Niedergang eine Folge von „irregulärer Migration“ ist und nicht von verfehlter Wirtschaftspolitik.
Aber nein, Merz meinte ja was ganz anderes, und darum legte er noch nach, mit dem Satz: „Fragen Sie Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte. Ich glaube, Sie bekommen eine ziemlich klare Antwort.“ Und das habe ich gemacht. Einige Töchter gefragt. Und habe ziemlich klare Antworten bekommen, nämlich folgende: „Friedrich Merz hat 1997 noch dagegen gestimmt, Vergewaltigung in der Ehe als Verbrechen einzustufen.“ Verständlich? Wozu sonst heiratet ein Mann denn eine Frau? Und noch im Sommer 2025 hat er behauptet: „Männer haben eine bessere Begabung und Befähigung, Netzwerke zu bilden und sich gegenseitig auch zu unterstützen.“ Es fehlte nur der zweite Teil des Satzes: „als diese stutenbissigen Zicken".
Aber wenn Merz sich binnen weniger Wochen doch tatsächlich zum Feministen gemausert hat, dem wirklich etwas an der Lage der Frauen liegt, dann freuen wir uns jetzt schon auf seine nächsten Aussagen zum § 218, zur Verbesserung der Finanzierung von Frauenhäusern und dazu, die Belästigung von Frauen in der Öffentlichkeit grundsätzlich und immer unter Strafe zu stellen. Aber vor allem: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Dann können wir uns auch gerne übers Stadtbild unterhalten.
Dabei haben Frauen natürlich durchaus Angst vor männlicher Gewalt. Und die gab es aber schon, als wir Deutsche das Wort Migration noch gar nicht kannten. Und Ja, Kriminalität von Migranten gibt es - ihr Anteil liegt bei 10 Prozent aller Straftaten.
Manchmal würde ich Merz empfehlen, er sollte diesen Migranten vielleicht mehr Zahnarzttermine geben. Dann wären sie zumindest im Stadtbild nicht mehr zu sehen. Dabei kann ich mir natürlich schon vorstellen, was der Merz wirklich gemeint haben könnte - mit seinem Stadtbild-Gefasel. Die Frage lautet nur: Ist unser Bundeskanzler nicht willens oder nicht in der Lage, dieses Problem präzise zu beschreiben? Und die andere Frage lautet: Ist unser Bundeskanzler nicht willens oder nicht in der Lage, zu begreifen, weshalb seine unpräzise Beschreibung rassistisch ist. Würde ich seine Rhetorik auf ihn selbst anwenden, wäre das so: Ändert man nur ein paar Buchstaben von Fritze Merz kommt dabei raus: Hans Wurst.
Halten wir fest: Die einen haben Angst vor Fremdenfeindlichkeit, die anderen vor feindlichen Fremden. Aber alle haben die Buxe voll.
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9.1.26: HG Butzko im Kom ödchen
Einfach eine E-Mail an: m.risch@fiftyfifty-galerie.de
HG Butzko
HG. Butzko, geboren 1965 in Gelsenkirchen, ist ein deutscher Kabarettist, der seit 1997 als Solokünstler auftritt. Nach Abitur, Zivildienst und Tätigkeiten als Schauspieler und Regisseur arbeitete er an verschiedenen Theatern. In seinem Kabarett-Stil verbindet er politische Satire mit Alltagssprache – die Süddeutsche Zeitung nannte ihn einmal ihn den „Hirnschrittmacher des deutschen Kabaretts“. HG Butzko wurde mit mehreren Kleinkunst- und Kabarettpreisen ausgezeichnet. (Foto: Torsten Silz)