fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++
 

Das aktuelle Heft online lesen?

Code hier eingeben

Du hast keinen Code? Den Code kannst du auf der Straße bei fiftyfifty-Verkäufer*innen für 2,80 Euro auf einer Rubbelkarte kaufen und dann bis zum Ende des Monats so oft du willst die fiftyfifty online lesen. Den Code erhältst du inklusive eines Loses, mit dem du tolle Preise gewinnen kannst. Das Los haben wir sinnigerweise Obdach LOS genannt.

BU: Tristes Lebensmittel: Hans-Peter Feldmann, Brotscheibe, ca. 2002, C-Print 100 x 100 cm. Foto: Konrad Fischer Galerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Kultur

Düsseldorf

Es lebe der Eigensinn

(oc). Es gibt Schlimmeres als eine abgelehnte Akademie-Bewerbung. Hans-Peter Feldmann (1941-2023), dem solches in Düsseldorf zustieß, studierte dann anderswo Malerei und machte letztlich seinen – sehr eigenen – Weg. Dabei kamen seine grenzenlose Sammelleidenschaft, ein gesunder Ungehorsam gegenüber kulturellen Konventionen und auch die Fotografie zum Tragen. Die große Retrospektive in Düsseldorf bereitet Vergnügen in vielen Tonarten: Da präsentieren sich profane Stifte, Schwämme oder Würfel in sorgsamer Anordnung auf Sockeln als ästhetisches Kaleidoskop des Alltags. Auf einer wandfüllenden Kollektion von „Seestücken“ sind durch diskrete Übermalung sämtliche Schiffe verschwunden. Das bewegendste Werk der Ausstellung: Feldmanns Fotozyklus „100 Jahre“ mit Porträts von Menschen von eins bis hundert Jahren in aufsteigender Folge. Und das zauberhafteste: Ein „Schattenspiel“ mit rotierenden, angestrahlten Scheiben voller Fund- und Spielsachen.

Bis 11. 1. 2026 im Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf

 

Beharrlich weiter unterwegs durch die Minenfelder: Thomas Freitag © Pepijn Vlasman

Düsseldorf-Garath

Kabarettistische statt künstlicher Intelligenz

(oc). Thomas Freitag, der legendäre Kabarettist, der schon mit Lore Lorentz auf der Bühne stand, tritt den Rückzug an. Aber der findet vorerst auf der Bühne statt, im neuen Programm, mit dem Freitag unlängst das Premierenpublikum im Kom(m)ödchen begeisterte. Zu Beginn muss er erst mal seinem eigenen wildgewordenen Avatar den Stecker ziehen. Wo kommen wir hin, wenn die KI jetzt auch schon das Kabarett übernimmt. Nicht mit ihm! Freitag blickt auf die Zukunftsträume von einst zurück und fragt, was daraus geworden ist. Wie erleben eine hitzige Weltversammlung der Tiere, lernen einen Typ kennen, der Gott und den Himmel erfunden haben will, und schauen schon mal im übernächsten Jahrhundert vorbei. Auch treten Strauß, Brandt, Kohl & Co. persönlich in Aktion, voller Sorge, was aus ihnen wird, sollte der Kabarettist sie nicht weiterhin so meisterhaft parodieren. – Freitags Tournee führt ihn zum Glück gleich nochmal nach Düsseldorf. Hingehen!

Rückzug über die Minen der Ebene“, 7. 11., 20 Uhr, Düsseldorf-Garath, Kulturhaus Süd

 

Filigrane Warnung: Plastikabfall-Tier von Steffen Blandzinski © 2024 S. Blandzinski

Bonn

Unbekannte Meerestiefen

(oc). „Immersiv“ ist zum kulturellen Modewort geworden – überall kann der Besucher in irgendwas „eintauchen“. Im Fall der Bonner Ausstellung Expedition Weltmeere hat der Begriff aber seine Berechtigung. So kann man hier eine simulierte Reise von der Meeresoberfläche bis zum Grund des Marianengrabens in elf km Tiefe antreten und unterwegs leuchtende Quallen, transparente Tintenfische oder den legendären Kolossalkalmar bestaunen. Dank Virtual Reality ist auch ein Tauchgang zum Wrack der HMS Endurance möglich, in einer dem Menschen an sich unerreichbaren Tiefe. Die Weltmeere bedecken fast 70 Prozent der Erde, sie sind Ursprung allen Lebens auf dem Planeten und bilden dessen größtes Ökosystem mit geschätzt mehr als zwei Millionen Arten. Die Schau bringt uns die Ozeane aber noch unter anderen Blickwinkeln nahe: als Wirtschaftsraum und Transferzone für Menschen, Waren und Ideen – und als Quelle von Sehnsüchten, künstlerischer Inspiration, aber auch Ängsten.

Bis 6. 4. 2026 in der Bundeskunsthalle, Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn

 

„So ein bisschen Bildung ziert den ganzen Menschen“: Matinee des Heinrich Heine Salons. Foto: Ricarda Hinz

Düsseldorf

Heinrich Heine zu Gast im Salon

(epf). Seit beeindruckenden 35 Jahren stellt der Heinrich Heine Salon schon seine literarischen und politischen, meist auch musikalisch und von Bildprojektionen begleiteten Matineen vor, mindestens sechs Mal im Jahr am Sonntagvormittag auf der Bühne der großen zakk-Halle. Das Jubiläum will gefeiert werden. Da zugleich der aktuelle Vorstand „in Rente“ geht und den Salon in neue Hände übergibt, wird die Feier am 1. Adventssonntag auch ein kleiner Abschied sein. Aus diesem Anlass werden die getreuesten Mitstreiter*innen (darunter auch fiftyfifty-Autor*innen) ihre Lieblingstexte von Heine vortragen oder etwas Spannendes über den Namensgeber erzählen. So wird Heinrich Heine zum Jubiläum im Geiste präsent sein: witzig, provokant, gefühlvoll, scharfsinnig, wehmütig – und immer genial. Christa Domke, Gründungsmitglied von 1990, moderiert den Reigen, für die passgenaue polyrhythmische Begleitung sorgt Mickey Neher am Schlagzeug.

30. 11., 11 Uhr (Einlass 10:45), zakk, Fichtenstr. 40, 40233 Düsseldorf

 

Kurzgeschichten

Komik im Horror des Alltags

(hph.) Heinz Strunk ist ein Tausendsassa der schrägen Unterhaltungsindustrie. Er ist Musiker, Hörspielproduzent, Satiriker, Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur. Als Autor debütierte er 2004 mit dem Roman Fleisch ist mein Gemüse und hat seitdem 14 weitere, teils sehr erfolgreiche Bücher vorgelegt. Der goldene Handschuh (2016) stand monatelang auf der Bestsellerliste und wurde durch Fatih Akin verfilmt. Seine Romane Es ist immer so schön mit dir (2021) und Ein Sommer in Niendorf (2022) waren für den Deutschen Buchpreis nominiert. 2016 erhielt Heinz Strunk den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis.

Nun hat er einen neuen Erzählungsband vorgelegt, eine Sammlung von Kurz- und Kürzestgeschichten, mit denen Strunk uns wieder in eine Welt einlädt, in der es viel zu staunen und zu lachen gibt, obwohl allenthalben Schmerz und Schauer lauern. Der 63-jährige Hamburger bietet einmal mehr Einblicke in den Alltag des mittelmäßigen bis erbärmlichen Lebens jener, die auf der Verliererseite des Lebens siedeln. Ein Kompendium der Einsamen, Hoffnungslosen und Durchschnittlichen, die ihrem Schicksal mal mit Gleichmut, mal mit Verzweiflung begegnen. Erzählungen von verpfuschten Leben und nicht wiedergutzumachenden Fehlentscheidungen, von falschen Hoffnungen, vom Talent, immer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein oder sein Glück leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Gleichwohl gibt es für die Leser*innen dieser erbarmungswürdigen, todtraurigen und absurden Schicksale viel zu lachen. Strunk weiß dem Horror der Realität mit viel Humor, Ironie und Witz zu begegnen. Dabei ist die grotesk-komische Darstellung des Schicksals seiner Figuren kein Hohnlachen; „tatsächlich steht das Empathische, Mitfühlende im Vordergrund (…). Ich habe einen sehr liebenswürdigen Blick auf die Leute“, wie er selbst sagt. Dass er die Form des Romans beherrscht, hat er hinreichend bewiesen. Mit seinen Kurzgeschichten erweist sich Heinz Strunk ebenso als Meister der literarischen Miniatur. Grandios!

Heinz Strunk: Kein Geld, kein Glück, kein Sprit. Rowohlt 2025, 192 Seiten, 23 Euro

 

Tageskalender 2026

Apokalypsebonbons und Rückenrollmusik

(oc.) „Kinder wissen alles“, das dokumentiert der Diogenes Verlag jährlich auf 365 Abreißblättern seines gleichnamigen Kalenders. Aufmerksame junge Eltern schicken laufend die schönsten Kostproben aus dem Munde ihrer Kleinen ein, womit stets für Nachschub an Weisheiten, Poesie und ulkigen Bonmots gesorgt ist. So auch in der Ausgabe 2026, mit der man garantiert inspirierter und froheren Herzens durchs bevorstehende Jahr kommen wird als unter der Fuchtel der üblichen Phrasendrescher und Bullshitverbreiter. Kinder wissen alles, weil sie genau beobachten, zum Beispiel: „Meine Mama kann beim Gähnen lesen“ (Sven, 4) oder „Fasching und Karneval gehören zusammen“ (Hanna, 5). Auch stellen sie anders als viele Erwachsene gute Fragen: „Mama, waren Papa und du früher Affen?“ (Ruben, 5) oder „Wissen die Vögel, dass wir Menschen sind?“ (Peter, 4). Das führt dann mühelos ins Philosophische: „Ich will – also muss ich“ (Andrej, 3) oder „Wissen ist Macht, aber Ferien sind besser“ (Mara, 10). Oft kommt eine begnadete Formulierungsgabe hinzu: „Ich verbrech mein Versprechen nie!“ (Charlotte, 6) oder „In meinem Kopf sind zu viele Tabs offen“ (Leon, 8). Entsprechend zuverlässig treffen Kinder ins Schwarze, wenn sie etwas energisch klarzustellen haben, etwa „Ich brauche keinen Lebenschef“ (Felix, 7) oder „Ich werde keine Künstlerin, ich bin schon Künstlerin“ (Emmy, 5) – aber auch im Fall bedingungsloser Liebeserklärungen wie „Oma, du bist meine Lieblingsfarbe“ (Alina, 3) oder „Mama, du bist so schön warm wie eine Bratwurst“ (János, 4). Wie gesagt, Kinder wissen alles, an 365 Tagen im Jahr. Halten wir uns an sie.

Kinder wissen alles. Kalender 2026 (täglich), Diogenes, 18 Euro

 

Wörtlich

„Alle Literaturpreise, die ich bekommen habe, habe ich vermutlich aus den falschen Gründen bekommen.“

Mithu Sanyal, 54, Schriftstellerin aus Düsseldorf („Identitti“, „Antichristie“), die selbst in mehreren Jurys sitzt.