fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++ fiftyfifty online lesen +++
 

Das aktuelle Heft online lesen?

Code hier eingeben

Du hast keinen Code? Den Code kannst du auf der Straße bei fiftyfifty-Verkäufer*innen für 2,80 Euro auf einer Rubbelkarte kaufen und dann bis zum Ende des Monats so oft du willst die fiftyfifty online lesen. Den Code erhältst du inklusive eines Loses, mit dem du tolle Preise gewinnen kannst. Das Los haben wir sinnigerweise Obdach LOS genannt.

Auch nicht zu verachten: Fesches Retro-Outfit. Abb.: cleanpng.com

Zwischenruf: Rawalpindi, Paris, Düsseldorf

In Paris dreht ein Zeitungsverkäufer täglich seine Runden durch die Cafés der angesagten Viertel und bietet Le Monde an. Er macht das schon seit über einem halben Jahrhundert – Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir gehörten bereits zu seinen Kunden – und ist für die Alteingesessenen eine Institution. Ali Akbar heißt er und stammt aus dem pakistanischen Rawalpindi. Trotz seiner 73 Jahre, seiner fünf Söhne und seines nahezu perfekten Französisch wartet er noch immer auf die Staatsbürgerschaft. Dafür aber erhielt er unlängst im Élysée-Palast den höchsten Orden der Republik: die Medaille der Ehrenlegion.

Monsieur Akbars Markenzeichen ist sein Witz. Schon von weitem hört man sein obligatorisches „Ça y est, ça y est!“ Dann tritt er näher und verkündet zum Beispiel: „Es ist so weit, es ist so weit, jetzt kommt die Rente mit 35.“ Oder: „Es ist so weit, Putin zieht sich zurück und bittet um Vergebung.“ Alles augenzwinkernde Fake News, die ein bisschen Trost, Spott und Eigensinn in den alternativlos grauen Alltag schmuggeln.

Genauso kann man sich ja jetzt mal vorstellen, der verdiente Ehrenlegionär Ali Akbar habe Düsseldorf, genauer gesagt: fiftyfifty einen Besuch abgestattet. Es fand ein Erfahrungsaustausch mit Verkäuferinnen und Verkäufern statt. Ali hängte spontan noch paar Tage dran, auch wenn er die Rede vom „Klein-Paris“ übertrieben fand. Ein Workshop unter dem Motto „Es ist so weit!“ wurde abgehalten, natürlich unter reger Beteiligung der fiftyfifty-eigenen „Akademie der Straße“. Nachdem der Gast aus Paris – der Vertrieb von Le Monde hatte sich schon unruhig nach seinem Verbleib erkundigt – schließlich zum Hauptbahnhof begleitet und am Gleis 16 herzlich verabschiedet worden war („Adieu, Ali“, „fiftyfifty sagt merci“), folgte die praktische Phase: das Erproben der erarbeiteten Verkaufssprüche auf der Straße. Es war schwerer als in der ersten Euphorie erwartet. Kein Wunder. Jahrelang hatte man nur stumm dagestanden – jetzt sollte man plötzlich Entertainment liefern?

Aber manches Talent erwachten dann doch. Es half, sich den kecken Ali im großen Paris vorzustellen. Er hatte es doch auch geschafft. Und so hörten die verdutzten Passanten von Petit-Paris neuerdings erstaunliche Meldungen wie „Es ist so weit – Düsseldorfs neue Oper zieht in die Rheinmetall-Zentrale!“ oder „Milliardäre dürfen endlich Erbschaftssteuer zahlen!“. Manche Cafébesucherin hielt schon ungeduldig Ausschau nach ihrem Lieblingsverkäufer, und kam er dann, mit einem herzlichen „Es ist so weit – Strack-Zimmermann bekommt ihr Bürgergeld gekürzt“ auf den Lippen, griff sie gleich noch etwas tiefer ins Portemonnaie, für die brandneue Ausgabe des Straßenmagazins.