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Ja wo fliegen Sie denn? Foto: Käse Schuster

Zwischenruf: Schwarze Löcher, frohe Lieder

Was hat Friedrich Merz nicht alles getan, dem Land wieder Optimismus einzuflößen. Schon in seinen großen Anzeigen für uns „liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger“ versprach er vor einem Jahr als Kanzlerkandidat, „Deutschland wieder nach vorne“ zu bringen, das „Vertrauen in unsere Demokratie“ zu erneuern, den „Zusammenhalt wieder herzustellen“ und was in derlei Sonntagsreden sonst so beschworen wird. Und heute? Heute zeigt einer wie der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, auf die dramatischen Umfragewerte für die Koalition. Würde im Bund gewählt, stünde sie ohne Mehrheit da. Radtke sieht „französische Verhältnisse“ aufziehen und betont, es sei „bei Weitem nicht so, dass quer durchs Land vor lauter Begeisterung die Löcher aus dem Käse fliegen.“ Besonders prangert er die fatale Untätigkeit in Sachen Wohnungspolitik an.

Was die betrifft, so wollte kürzlich ein Psychologe im Interview mit dem Berliner Tagesspiegel für etwas Optimismus sorgen und erteilte praktische Tipps rund ums Thema Wohnungsbesichtigungen (das sind diese irrwitzigen Massenaufläufe). Etwa den: Man solle spät kommen, aber bis zum Schluss bleiben. „Wenn Sie es schaffen, positive Emotionen zu erzeugen, dann bleiben Sie positiv im Gedächtnis.“ Ja, so einfach funktioniert das und so spielerisch elegant löst sich die Wohnungsfrage.

„Der Pessimismus soll gefälligst Ruhe geben“, schrieb schon der französische Schriftsteller Guy de Maupassant, aber das meinte er nicht ernst, sondern im sarkastischen Sinne, bezogen auf gewisse Wortführer der Académie Française, denen der Skeptizismus eines Arthur Schopenhauer die gute Laune verdarb, weil sie darin eine Untergrabung der öffentlichen Ordnung witterten. In seiner Glosse „Unsere Optimisten“, erschienen 1886 im Figaro – wenn das mal keine typischen „französischen Verhältnisse“ sind – entwirft Maupassant satirisch ein umfangreiches „Gesetz zur Verhinderung des derzeit herrschenden Pessimismus“, aus dessen elf Paragraphen wir hier nur einen wiedergeben können, denn fiftyfifty ist schon platzmäßig nicht Le Figaro: „Artikel 4. Diejenigen, die keinen festen Wohnsitz haben und gezwungen sind, eiskalte Nächte auf Parkbänken und unter Brücken zu verbringen, sind für die Zeit von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens zum Absingen heiterer und wohlgesitteter Lieder verpflichtet, um gegenüber den heimkehrenden Wohnungsinhabern ihr Wohlbehagen zu bekunden.“

Merz und seinen Spitzenoptimisten Spahn, Söder, Dobrindt usw. sollte es ein Leichtes sein, Maupassants alter Gesetzesvorlage ein trendiges Update zu verpassen. Damit vom Sauerland bis zum Tegernsee endlich wieder die Löcher aus dem Käse fliegen.