Warum unser neues Heft nur die Hälfte kostet

Und warum wir es an unsere Verkäufer*innen in diesen schweren Zeiten gratis abgeben

In der Corona-Krise hat die Bundesregierung nahezu unbegrenzte Unterstützung der Wirtschaft beschlossen. Gleichzeitig kommen die Hilfen für wohnungslose Menschen quasi zum Erliegen. „Wohnraum hat selten so sehr über Leben und Tod entschieden“, sagt die UN-Sonderberichterstatterin Leilani Farha. Und wieder einmal leiden die Ärmsten am meisten. Doch wir von fiftyfifty halten dagegen, so gut wir können.

Das Straßenmagazin fiftyfifty erscheint seit 25 Jahren, derzeit in einer Auflage von ca. 30.000 Exemplaren im Monat und wird von Obdachlosen für 2,40 Euro verkauft, normalerweise; die Hälfte der 2,40 Euro dürfen unsere Verkäufer*innen zur Linderung ihrer Notlagen behalten. Zum ersten Mal in unserer Geschichte gibt es aber nun ab 31.3. ein Heft für die Hälfte des üblichen Verkaufspreises, also für 1,20 Euro. Und: Das ganze Geld geht an die Verkäufer*innen. Auf diese Weise wollen wir den Absatz ankurbeln, ohne dabei die sonst übliche Verdienstspanne für unsere Leute auf der Straße zu schmälern sie erhalten weiterhin 1,20 Euro, der gemeinnützige fiftyfifty-Verein dagegen nichts. Warum? Noch nie gab es eine Krise wie diese; das Corona-Virus führt nicht nur zu wirtschaftlichen, sondern auch zu sozialen Verwerfungen. Obdachlose können kaum noch Zeitungen verkaufen, wenn das öffentliche Leben zum Erliegen kommt. Gleichzeitig haben die Tafeln und Suppenküchen ihren Dienst weitgehend eingestellt. Wie wichtig ist es da, ein Zuhause zu haben, für die meisten von uns selbstverständlich. Dass wir nun unsere Wohnungen kaum noch verlassen sollen, erscheint vielen als unerträglich. Für Obdachlose wäre dies dagegen Luxus pur. Notschlafstellen sind schließlich kein Zuhause. Und dort ist die Infektionsgefahr gerade sehr hoch. Weil nämlich Obdachlose unter den schweren Bedingungen eines Lebens auf der Straße besonders anfällig für Infektionen sind.

Schwere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Weil also die uns Anvertrauten es momentan schwer haben, eine Zeitung zu verkaufen, haben wir eine Notausgabe (mit leicht reduzierter Seitenzahl) zum halben Preis herausgebracht. Wir hoffen, dass sie sich gut verkauft und dass wir Spenden zur Deckung der Produktionskosten und auch für Lebensmittel, Zelte, Schlafsäcke … erhalten. Denn wenn die Not am größten ist, muss es auch die Solidarität sein. Bitte spenden Sie (asphalt e.V./fiftyfifty DE35 3601 0043 0539 6614 31)! Und: Bitte bleiben Sie und Ihre Lieben gesund.