Liebe Leserinnen und Leser,

die Juli-fiftyfifty enthält eine Beilage von Design Student*innen der Hochschule Düsseldorf. „Mit meinem Social Design Seminar wollten wir im Sommersemester 2020 feiern, dass unser sympathisches Straßenmagazin zwar 25 Jahre jung wird – aber leider immer noch ‚systemrelevant‘ nötig ist, um Obdachlosigkeit zu bekämpfen und Unrecht anzuprangern. Als Corona dann vor allem die Ärmsten der Armen in größte Not brachte, entstand diese Kampagne“, erklärt Professor Wilfried Korfmacher die Arbeit seiner Student*innen. Unter dem Motto FIFTYFIFTY TWENTYFIVE stellen sie in der Beilage prominente Freund*innen der fiftyfifty als Verkäufer*innen dar. Dabei gingen die Student*innen auf ihrer Motivsuche quer durch die Kultur- und Gastroszene, auch Hochschul Persönlichkeiten ließen sich ablichten. So posieren unter anderem Satiriker Dieter Nuhr und Bäckermeister Josef Hinkel mit der fiftyfifty und eigens dafür ausgestellten fiftyfifty-Verkaufsausweis. Abwechselnd werden auch die Portraitaufnahmen „echter“ Verkäufer*innen gezeigt – auch eine Art von Düsseldorfer Prominenz. Viele Gesichter dürften den Düsseldorfer*innen schon seit vielen Jahren bekannt sein. Rudolf Druschke beispielsweise stellt an seinem Verkaufsplatz eine kleine Institution dar. Am Dreieck bietet er schon fast von Anfang an die fiftyfifty an, für seine Kund*innen hat er immer ein offenes Ohr. Über den Verkauf lernte er auch seine Ehefrau kennen.

Auch abgesehen von der Beilage zeichnet sich die Juli Ausgabe durch das Mitwirken von Nachwuchs aus:  Die 13. Klasse der Lore-Lorentz-Schule Düsseldorf, Bildungsgang „Sprache und Literatur mit Abitur“ setzte sich mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinander und steuerte Zeichnungen und Texte bei.

Ein stahlgrauer Morgen,
zwei Grad, Schauer, Sorgen.
Gefangen am Rand der Stadt,
wo jeder Magen Löcher hat.

Aus blauen Lippen kalter Rauch
im Sumpf der Straße abgetaucht.
Den Anschluss verpasst,
fahre ewig im Kreis,
schwer wiegt die Last
auf dem Abstellgleis.

Salzige Suppe brennt im Gesicht,
mein edelster Tropfen versickert im Nichts.
Eiserne Augen blicken ins Herz,
mein täglich Brot, mein täglich Schmerz.

Diana Dapa

Ein weiteres Thema: Armut durch Corona. Um wenigstens der ersten Notlage schnell und unmittelbar zu begegnen, hat fiftyfifty zusammen mit dem Düsseldorfer Kulturzentrum zakk keine zwei Wochen nach dem Lockdown (seit März) das von der Aktion Mensch und der Bürgerstiftung geförderte Projekt „Lebensmittel für alle“ an den Start gebracht. Seither werden vier Tage pro Woche Waren an Bedürftige ausgegeben. fiftyfifty-Streetworkerin Julia von Lindern, Mit-Initiatorin der Nothilfe, hat mit Christine Brinkmann vom zakk über dieses bundesweit einmalige Projekt gesprochen.

Olaf Cless wirft einen Blick zurück auf die Anfangszeit von fiftyfifty: „Mit dem programmatischen Paukenschlag ‚Wohnen ist ein Menschenrecht‘ tritt die Nummer 1 an. Ein bärtiges Gesicht mit Hut blickt uns an, es ist ein Schwarz-Weiß-Foto wie alle anderen im Heft – schade, denn so zeigen etwa die ‚Wandbilder in Düsseldorf‘, von denen ein Beitrag handelt, nicht ihre wirkliche Farbenpracht. (Vierfarbigkeit sollte erst einige Jahre später in den Heften Einzug halten.) Was verrät die Ur-Titelseite noch? Es gibt den Euro noch nicht: Das Heft kostet 2 Mark, davon 1 Mark für den/die VerkäuferIn.“

Die neue fiftyfifty mit diesen und weiteren Beiträgen ab Montag bei den fiftyfifty-Straßenverkäufer*innen im Verebreitungsgebiet. Wie immer für 2,40 Euro, die Hälfte davon ist für den/die Verkäufer*in.

Leider geht die Auflage unseres Straßenmagazins fiftyfifty durch Corona und auch die Digitalisierung immer mehr zurück. Wenn alle, die uns gut finden, nur einmal pro Monat eine Zeitung kaufen würden, hätten wir keine Sorgen mehr und den Obdachlosen auf der Straße wäre sehr geholfen – was ja mindestens genauso wichtig ist. Darum bitte: Kaufen Sie die fiftyfifty und werfen Sie nicht einfach nur ein paar Münzen in die von uns nicht gewünschten Bettelbecher. Almosen verkehren den eigentlich Zweck des Projektes ins Gegenteil und führen dazu, dass wir vielleicht irgendwann die Zeitung einstellen müssen. Und: Je länger die Corona-Krise dauert, um so mehr leidet die Auflage der fiftyfifty und umso schwerer ist es, finanziell durchzuhalten. Ich schreibe es unumwunden: Wir brauchen Ihre Hilfe, wenn dies möglich ist. Ich weiß, viele Menschen haben uns schon unterstützt – insofern bitte ich um Nachsicht, dass ich schon wieder nach Geld frage. Bitte spenden Sie auf diese Bankverbindung: asphalt e.V./fiftyfifty, Postbank Essen, DE35 3601 0043 0539 6614 31 oder online: https://www.fiftyfifty-galerie.de/spenden. Stichwort: Nothilfe.