NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann im Interview mit fiftyfifty:

“Eine Notunterkunft ist keine Wohnung”

außerdem: Vorwort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann hat dem Straßenmagazin fiftyfifty ein Interview gegeben, das in der am 28.11. erscheinenden Dezember-Ausgabe als Titel-Geschichte erscheint. Das Interview wird zugleich vom Straßenmagazin BoDo in Bochum/Dortmund abgedruckt und im Januar vom Kölner draussenseiter sowie in der Münsteraner Straßenzeitung draussen. Der Minister äußert sich u.a. zu den Themen Obdachlosigkeit, Housing First und christliches Menschenbild. Auf die Frage, ob es aus heutiger Sicht falsch war, dass die CDU/FDP-Landesregierung in NRW im Jahr 2008 etwa 91.000 Wohnungen der LEG verkauft hat, antwortet der Minister u.a.: “Heute sind wir der Meinung, dass der Staat bei der Infrastruktur eine gestaltende Kraft haben muss. Ich bin daher heute froh über jede gemeinnützige und öffentliche Wohnungsbaugesellschaft, die wir haben.” Zum Problem der Obdachlosigkeit äußert sich Laumann wie folgt: “Das Thema Wohnungslosigkeit ist mir ein ganz besonderes politisches Anliegen. Es kann nicht sein, dass in unserem Wohlfahrtsstaat Menschen auf der Straße leben. ... Natürlich ist es gut, dass wir in Nordrhein-Westfalen Notunterkünfte für Wohnungslose haben. Aber eine Notunterkunft ist eben keine Wohnung.” Was die Motivation seines sozialen Engagements anbetrifft, beruft sich der Minister auf seinen Glauben als katholischer Christ: “Ich glaube fest daran, dass wir Menschen am Ende unseres Lebens Rechenschaft abgeben müssen über das, was wir getan haben. Und wenn man, wie ich, Minister eines Bundeslandes ist, dann gelten sicher auch andere, strengere Maßstäbe als bei Privatpersonen.  … Als Sozialminister ist es meine Aufgabe, im Rahmen meiner Möglichkeiten, die natürlich endlich sind, die Situation wohnungsloser Menschen zu verbessern. Und zwar institutionell, über das hinausgehend, was ich als Privatmensch tun kann und tue.” Und: “Die Würde des Menschen ist unverletzlich, weil der Mensch ein Ebenbild Gottes ist. Dies gilt selbstverständlich für alle, auch für Wohnungslose, Arme und Benachteiligte. Dieses Menschenbild muss die Grundlage einer christlichen Politik sein.” Entsprechend habe sein Ministerium die Hilfen für wohnungslose Menschen in diesem Jahr um 3 Mio. auf 4,8 Mio. Euro erhöht. 2020 sollen sogar 6,8 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Zum Thema “Housing First” sagt der Minister: “Einzigartig ist am Housing-First-Ansatz, dass die Menschen, die schon lange wohnungslos sind, direkt eine Wohnung mit einem regulären Mietvertrag erhalten.” Es sei sehr gut, dass der Housing First-Fonds von fiftyfifty und Paritätischem NRW langfristig Wohnraum für Wohnungslose schaffe. Und den Straßenzeitungen im Lande attestiert der Minister: “In Nordrhein-Westfalen gibt es gute Straßenzeitungen, zum Beispiel in Düsseldorf die fiftyfifty, BoDo in Bochum/Dortmund oder draussenseiter in Köln und draussen in Münster. Wenn ich ... Obdachlose sehe, die Straßenzeitungen anbieten, kaufe ich selbstverständlich eine.”

Außerdem in der neuen fiftyfifty (und anderen Straßenzeitungen), ein Vorwort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Darin heißt es: “Obdachlosenzeitungen bieten Menschen, die in Armut geraten sind, Hilfe zur Selbsthilfe und sie werben bei ihren Lesern um Solidarität. ... Von nichts anderem erzählt auch die Weihnachtsgeschichte. Jeder Mensch ist wichtig, jeder sollte uns wichtig sein.”

Nicht zuletzt, weil sicherlich heiß begehrt: Gratis-Kunstwerk des verstorbenen Kunstprofessors und fiftyfifty-Freundes Hermann-Josef Kuhna – Motiv: Weihnachtsbaum – auf der Rückseite des Heftes zum Ausschneiden und Aufhängen das Dezember-Heft ziert.

  

fiftyfifty ist in vielen Städten des Rheinlandes und Ruhrgebietes für 2,40 Euro bei Obdachlosen erhältlich. Die Hälfte vom Verkaufspreis dürfen die Verkäufer*innen für sich behalten.

Wie immer gilt: fiftyfifty-Lesen lohnt sich. Gegen den Zeitgeist. Auf Papier. Echt und ungelogen. Real statt digital.