Greta & Co. Wie Jugendliche die Welt retten.

... und noch viel mehr

Immer mehr Jugendliche gehen auf die Straße, um die Welt vor dem drohenden Klimakollaps zu retten. Einer von ihnen ist der Student Bejan Yakin. fiftyfifty Gründer HUbert Ostendorf hat sich mit ihm unterhalten. Außerdem: Stephan Kaluza mit seiner Malerei im Kunstverein Oberhausen, 

Mit einer Beilage der Hochschule Düsseldorf. StudentInnen unter der Leitung von Professor Wilfried Korfmacher haben sich der Frankfurter Buchmesse und dem diesjährigen Ehrengast Norwegen gewidmet: https://www.fiftyfifty-galerie.de/aktuell/5306/norskbok

Die fiftyfifty erscheint in einer Auflage von 26.000 Exemplaren und kostet 2,40 Euro, wovon die obdachlosen Verkäufer*innen die Hälfte für sich behalten dürfen. fiftyfifty erscheint in diversen Städten des Rheinlandes und Ruhrgebietes dsowie mit einer kleinen Auflage auch in Frankfurt/Main.

 

intro: Liebe Leserinnen und Leser,

ich bin der Neue im Team der fiftyfifty-Redaktion. Ich habe viele Jahre als Redakteur für eine große Zeitung im Rheinland geschrieben. Jetzt schreibe ich für eine relativ kleine. Aber die, finde ich, ist ziemlich groß- und einzigartig. Großartig, weil sie Dinge macht, die viele andere Zeitungen nicht mehr machen wollen: sie macht nämlich einfach weiter! Während sich die großen Verlage scheinbar kampflos mit dem Sterben ihrer Druckprodukte abgegeben haben, gibt es bei fiftyfifty ein ganz klares Bekenntnis zum bedruckten Papier. Schöne Grüße an Asterix und Obelix!

Natürlich ist fiftyfifty im Internet und auf Facebook. Aber die Monat für Monat erscheinende Druckauflage ist das Flaggschiff. Und wird es auch bleiben. Denn nur so kann auch die Einzigartigkeit dieser Zeitung bestehen bleiben. Zeitungen wollen Nachrichten vermitteln, aufklären, Zusammenhänge erklären, Missstände anprangern, unterhalten und natürlich Geld verdienen. All das will fiftyfifty auch. Mit einem Unterschied: der Großteil des Geldverdienens  wird denen überlassen, die sonst keine Möglichkeit dazu haben. Es sind die oft obdachlosen Verkäufer, die durch den Verkauf dieser Zeitung erst die Möglichkeit bekommen, zu den respektierten Menschen zu werden, die ihr Geld selbst verdienen. Die Hälfte des Kaufpreises geht an sie. Das gibt nicht nur Geld für den Lebensunterhalt, das gibt auch etwas, was sie ganz dringend brauchen können: Stolz. Und das geht nur durch den Verkauf dieser Zeitung. Auch deswegen bin ich gern ein Teil davon.

Nach all der Lobhudelei jetzt mal endlich die Kritik: Wo bleibt eigentlich das Positive in der fiftyfifty-Zeitung, werde ich immer wieder gefragt. Ganz einfach:  Verkäufer X zum Beispiel, kann sich in diesem Augenblick mit der von Ihnen gerade gekauften Zeitung ne Frika holen, oder ein Bier, oder, wenn es Ihnen moralisch besser gefällt, eine Zahnpasta oder so. Erzählen Sie es weiter und bleiben Sie uns treu.

Herzliche Grüße

Arno Gehring, jahrzehntelang bei einer großen Boulevard-Zeitung, ist nun der neue in der Redaktion von fiftyfifty. Im letzten Heft  etwa hat er über das neue Leben des Helge Achenbach einen viel gelobten Artikel geschrieben.

 

zwischenruf: Enger schreiben und Geld sparen

Liebe Tante Tilda, lieber Onkel Otto, hier schicke ich Euch eine herzliche Urlaubspostkarte aus MeckPomm. Es ist sehr schön hier in Alt Jabel, der Waldbrand weitgehend unter Kontrolle, die letzten Glutnester verbreiten Lagerfeuerromantik, Hubschrauber und Räumpanzer der Bundeswehr sorgen für unvergessliche Ferienerlebnisse. Ist Ursula von der Leyen eigentlich schon zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt worden? Hier oben kriegt man kaum etwas mit. Fast hätte ich zu wenig Porto auf die Karte geklebt. Kostet ja nun 60 Cent. Macht 33 Prozent Erhöhung. Wundert Euch bitte nicht über meine winzige Schrift. Damit das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, schreibe ich Euch 33 Prozent mehr Text – aber mindestens! Das ist auch gesund: Wissenschaftliche Studien belegen einen Zusammenhang zwischen feinmotorischen und geistigen Fähigkeiten. Greift bitte zur Lupe, wenn Ihr meine Feinmotorik nicht entziffern könnt. Apropos Ziffern: Habt Ihr im Frühjahr auch gelesen, dass die Post zuletzt 3,2 Milliarden Gewinn gemacht hat? Und dass sie nächstes Jahr auf 5 Milliarden kommen will? Und habt Ihr mitbekommen, wie das mit der Genehmigung für diese höchste Portoerhöhung in der Geschichte der Post gelaufen ist? Erst hat die Netzagentur nur knapp 5 Prozent erlaubt. Daraufhin drohte der Konzern Entlassungen an. Die Bundesregierung, auch GroKo genannt, knickte ein und änderte flugs die Regeln: Rein staatliche Postunternehmen, die nicht so sehr auf Rendite getrimmt sind, verschwanden aus dem internationalen Ländervergleich. Nach dem Motto: Wenn die rumänische Post nur 28 Cent für einen Standardbrief nimmt, ignorieren wir sie zur Strafe. Dänemark finden wir interessanter, da kostet der Brief schon 3,89 Euro. – Toll, wie viel auf so eine Postkarte passt, findet Ihr nicht? Draußen gibt es gerade starke Rauchentwicklung, ich kann also im Ferienhäuschen bleiben und in Ruhe zu Ende schreiben. – Wisst Ihr eigentlich auch, dass große Firmen und Behörden von der Portoerhöhung weitgehend verschont bleiben? Sie bekommen großzügige Rabatte. Das spornt mich an, meine feinmotorische Handschrift hier noch weiter zu minimieren. Habt Ihr nicht dieses alte Mikroskop im Haus? – Noch etwas ist stark gestiegen, nämlich die Zahl der Beschwerden über den lausigen Postservice. Z. B. darüber, dass in manchen Straßen tagelang keine Briefe ausgetragen werden. Wollen wir also hoffen, dass Euch dieses Kärtchen im Laufe des Spätsommers noch erreicht. Brandaktuelle Grüße, Euer Neffe Nepomuk

Olaf Cless

 

neulich: schwarz-weiß

Neulich im Café. Am Nebentisch vier ältere Damen. Ganz alte Schule, spreizte jede den „Gesellschaftsfinger“ von der Tasse ab, was weniger „vornehm“ als vielmehr komisch wirkte, so, als zeigten alle reihum auf ihre Nachbarin. „Trude, wie alt bist du jetzt eigentlich?“, kam unvermittelt die Frage an die Jüngste in der Runde. „69“, lautete die geflüsterte Antwort. „Ach, du Jungspund, komm erst mal in unser Alter“, riefen die anderen unisono. Ein Wettstreit der Erinnerungen entspann sich. „Als Du gerade mal im Kindergarten warst, hatte ich schon meine erste Schallplatte: Capri-Fischer von Rudi Schuricke.“ Sogleich sang sie das Lied mit den unsterblichen Versen: „Bella, bella, bella Marie, bleib' mir treu, / ich komm' zurück morgen früh.“ Die zweite Dame ließ sich nicht lange bitten: „Du warst noch in der Schule, da habe ich schon mit meinem Mann ‚Mr. Wunnebar‘ im Fernsehen gesehen, Lou van Burg mit dem unvergesslichen Goldenen Schuss.“ Die Reihe war an der dritten Lady. Siegesgewiss lehnte sie sich zurück, nahm noch einen Schluck und ließ dann kurz und knapp verlauten: „Ich kenne Lassie noch – in schwarz-weiß!“ Dann war Ruhe. Das war nicht zu toppen.

Hans Peter Heinrich