Gerade hat der Verlag der Westdeutschen Zeitung mitgeteilt, dass die Zeitung in Düsseldorf eingestellt wird. Viele andere Tageszeitungen haben bis zu 80 Prozent an Auflage verloren – das große Sterben der Printmedien wird wohl weitergehen. Auch fiftyfifty ist bedroht. Aber anders als andere Zeitungen können wir nicht komplett auf das Internet ausweichen, wenngleich wir auf unserer Homepage und auf facebook nahezu täglich neue, interessante Meldungen posten. Doch die Obdachlosen auf der Straße sind auf den Verkauf der Ausgabe AUF PAPIER angewiesen. Deshalb darf fiftyfifty nicht untergehen. Und deshalb kämpfen wir – bisher erfolgreich – mit Appellen, die fiftyfifty wenigstens ein Mal pro Monat zu kaufen und gutem Journalismus sowie bestem Layout gegen den Trend des Zeitungssterbens an. Übrigens: Einfach nur ein Euro, schnell in den Becher geworfen, hilft dem Obdachlosen zwar kurzfristig, aber nicht dem Projekt. Denn fiftyfifty kann nur bestehen, wenn die Auflage kostendeckend bleibt. Und dazu müssen Sie dann bitte die Zeitung auch nehmen.

In diesem Anliegen unterstützt uns in der Februar-Ausgabe kein Geringerer, als Helge Schneider, der fiftyfifty ein Interview gegeben hat. Wie denkt Helge Schneider über Obdachlosigkeit und Armut? Was hat er selbst erlebt? Ich habe ihn gefragt. Seine Antwort: „Ich verdiente als Lehrling ca. 95 Mark im Monat. Die Miete kostete 50 Mark. Für den Rest kaufte ich mir einen Sack Kartoffeln und ein paar Mettwürstchen und Zwiebeln. Damit musste ich dann klarkommen. Obdachlos war ich nie. Als ich die Lehre abgebrochen habe, versuchte ich mich als Tagelöhner. Das war schwierig. Mehlsäcke schleppen, Zäune streiche, in der Lederfabrik Leder sortieren. Zwischendurch versuchte ich, auf der Straße Musik zu machen – aber dafür war ich nicht der Typ. Ich verdiente in zwei Stunden nur zwei Mark. Eigentlich hatte ich Jahre lang Angst, nicht genug Geld zu haben für Miete, Essen und sonstwas. Ich arbeitete auf dem Bau und hatte nur eine Hose. Die trug ich auf der Arbeit und auch so. Dann hatte ich eine Idee, meine einzige Cordhose zu schonen. Ich ging im Schlafanzug zur Arbeit. Naja, was Existenzangst bedeutet, kann ich nachvollziehen.“

Helge Schneider ist ein Meister des absurden Humors. Seine im Februar beginnendeTournee steht unter dem Motto „Die Wiederkehr des blaugrünen Smaragdkäfers“. Was nur Wenige wissen: Helge Schneider ist nicht nur ein begnadeter Komiker, Musiker und Schauspieler, sondern auch Zeichner und Maler. Zum 25-jährigen fiftyfifty-Jubiläum mit einer hochkarätigen Benefiz-Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf (Eröffnung 24.4., 18 Uhr – schon einmal vormerken, bitte) stiftet er drei Originale (demnächst abgebildet auf fiftyfifty-galerie.de) und jede Menge handsignierte Grafiken für fleißige fiftyfifty-Käufer*innen. Wer nämlich 5 fiftyfifty-Hefte (je 2,40 Euro – gibt es nur auf der Straße) kauft und uns entsprechend 5 Coupons der Titelseite zuschickt, bekommt eine handsignierte Grafik von Helge Schneider gratis. In jedem Fall ist das kleine Werk auf der Rückseite der Februar-Zeitung zum Abtrennen und Aufhängen abgebildet – nach dem Motto: Kunst für alle. Außerdem verlosen wir im Februar-Heft 3 x 2 Tickets für Helge Schneiders Auftritt in der Düsseldorfer Tonhalle zum Abschluss seiner Jubiläums-Tournee am 21.12.2020. (Wer mitmachen will, muss natürlich das Heft kaufen.)

fiftyfifty ist in vielen Städten des Rheinlandes und Ruhrgebietes für 2,40 Euro bei Obdachlosen erhältlich. Die Hälfte vom Verkaufspreis dürfen die Verkäufer*innen für sich behalten. Wie immer gilt: fiftyfifty-Lesen lohnt sich. Gegen den Zeitgeist. Auf Papier. Echt und ungelogen. Real statt digital.