Nicht wieder!

Nicht wieder der Aufguss von gestern, nicht wieder das, was stark erscheint und uns schwach macht. Nicht wieder der Reeser Platz, gepflasterter Aufmarschplatz der Nazis 1939, von uns seit 80 Jahren wie ein Museumsstück erhalten zur Freude und zur eifrigen Benutzung von den Apologeten nationalsozialistischer Ideen, beklagt von den Anwohnern, die diesem Treiben hilflos zusahen.

Das sollte sich ändern. Zum Wettbewerb ausgeschrieben wurden Platz und das Denkmal der toten Krieger, die nicht aufhören können, in den Kampf zu ziehen. Es sollte ein humaner „Lern- und Erinnerungsort“ werden, so wurde gefordert! 

Jetzt wurde ausgewählt. Und siehe da, unterschwellig genährt von der Vergangenheit, war sie wieder da, die Hybris der Dominanz, die kämpferische Gebärde, das versehentliche Stahlgewitter, nein Pardon, die Stahlrampe. Sie gewann den ersten Preis: eine 50 Meter lange begehbare Rampe, die von einem eigens dafür anzulegenden hohen Hügel ausgeht, über das Denkmal schwebt und oberhalb des Aufmarschplatzes mit einer Tribüne für Redner endet, nachts hell erleuchtet. Welch neue Möglichkeiten der Agitation und zum fröhlichen Feiern, dass wir dies zulassen, was wir nie wieder wollten. 

Nicht wieder das Alte nur anders. Die Politik ist gefordert, sie wird zur Verantwortung gezogen werden. Wir sind gefordert, Stellung zu beziehen, Frieden zu bewahren und die Toten ruhen zu lassen.

Keine neue Aufmerksamkeit den Aufmärschen der Vergangenheit!

Ingrid Bachér

… wurde 1930 in Rostock geboren und ist in Berlin und Lübeck aufgewachsen. Sie verfasste journalistische Beiträge, Kinderbücher, Hör- und Fernsehspiele, Erzählungen und Romane, zuletzt (2019) „Robert oder Das Ausweichen in Falschmeldungen“. Ingrid Bachér war Mitglied der Gruppe 47 und seit 1982 des westdeutschen PEN-Zentrums; von 1995 bis zu ihrem Austritt 1996 auch dessen Präsidentin. Von 2002 bis 2004 war sie Erste Vorsitzende der Heinrich-Heine-Gesellschaft in Düsseldorf. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Ingrid Bachér lebt in Düsseldorf und Italien. Sie gehört dem Beirat von fiftyfifty an und hat für unser Magazin schon etliche Beiträge geschrieben.

Unterzeichner*innen:

Ingrid Bachér, Schriftstellerin__Bogomir Ecker, Bildhauer__Ulrich Erben, Maler__ Farbfieber e.V., Künstlergruppe __Prof. Dr. Gunter Gebauer,Philosoph__Claus Föttinger, Künstler__Jochen Gerz, Künstler__Manuel Graf, Künstler__Dr. Hans Peter Heinrich, Literaturwissenschaftler__Ernst Hesse, Bildhauer__Franka Hörnschemeyer, Bildhauerin__Hajo Jahn, Else-Lasker-Schülergesellschaft__Bernd Jansen, Fotograf__Karin Kneffel, Malerin__Klaus Klinger, Maler__Harald Klingelhöller, Bildhauer__Thomas Koester, Künstler__ Gerd Korinthenberg, Journalist__Prof. Dr. Bernd Kortländer,Literaturwissenschaftler__Silke Leverkühne, Malerin__Klaus Mettig, Künstler__Katharina Mayer, Fotografin__Hubert Ostendorf, Geschäftsführer fiftyfifty__Harald Nägeli, Künstler__Claus Parduhn, Unternehmer__Ute Parduhn, Galeristin__Prof. Dr. Gerhard Pfennig, ehem. Stiftung Kunstfonds__Jens Prüss, Schriftsteller__Gerhard Richter, Maler__Doris Rother, ehe. Asistentin KV Düsseldorf __Thomas Ruff, Künstler__Susanne Scheidler, Künstlerprogramme, Insel Hombroich__Thomas Schütte, Künstler__Ursula Schulz-Dornburg, Fotografin__Gregor Schneider, Künstler__Helmut Schweizer, Künstler__Martin Schwenk, Bildhauer__Katharina Sieverding, Künstlerin__Orson Sieverding, Künstler__Klaus Staeck, Künstler__Prof. Dr. Raimund Stecker, Kunsthistoriker__Yuji Takeoka, Bildhauer__Myriam Thyes, Künstlerin__Günther Uecker, Bildhauer__Renate Ulrich, ehem. Referentin beim Land NRW__Dr. Stefan von Wiese, Kunsthistoriker__Anne Wissmann, Künstlerin__Beartrice von Witzleben, Journalistin__Regina Wyrwoll, ehem. Generalsekräterin  Kunststiftung NRW