Das letzte Spiel verloren: fiftyfifty-Urgestein und Fortuna-Fan Socke ist tot

Die Beerdigung findet am Freitag, 22.11. um 10.40 auf dem Friedhof Eller statt.

Das Regional-Derby der Fortuna gegen den Effzeh hätte er so gerne noch erlebt. Doch am selben Tag ist er im Alter von nur 57 Jahren nach kurzer schwerer Krebserkrankung verstorben: Mike Anton Ewald Lüdorf, fiftyfifty-Verkäufer der ersten Stunde, genannt Socke. Diesen Spitznamen hatte er seit Jugendtagen weg. Weil ihm stets die Füße froren und er immer dicke, wärmende Wolle um die Zehen hatte – am liebsten von Fortuna.

Socke und sein Verein. Das ist eine Liebesgeschichte. Natürlich hatte er eine Dauerkarte, fehlte bei fast keinem Spiel. Anfangs Hooligan mit politisch nicht sehr korrekten Ansichten, später etwas zahnloser. Buchstäblich, denn die Beißer sind ihm nach etwa 30 Jahren Not auf der Straße tatsächlich ausgefallen. Bei einem Verein mit weniger korrekter Fankultur wäre Socke, der sich das Logo seiner Elf sogar hat auf den Hals hat tätowieren lassen, vielleicht in rechte Umtriebe geraten. So war er einfach nur das schwarze Schaf. Nicht zuletzt auch in seiner durchaus bürgerlichen Familie, die ein von Alkoholabstürzen geprägtes Leben auf der Straße wohl nur schwer hat ertragen können. Wer wünscht so etwas schon für einen nahestehenden, geliebten Menschen? „Ich war eine Zumutung“, sagte Socke einmal über sich selbst.

Den Tiefpunkt seiner Existenz am Rande der Gesellschaft erreichte dieser martialische anmutende, aber höchst sensible und sich um seine Mitmenschen rührend sorgende Mann mit einer tiefen, lauten Stimme - er musste im Stadion ja grölen - als seine langjährige Liebe Claudia viel zu früh verstorben ist. Seither wirkte Socke oft nachdenklich und traurig. Sowieso: Hinter jeder rauen Schale steckt immer ein weicher Kern; das wussten auch alle, die Socke kannten. Und das waren wirklich viele. Socke war ein Original und zugleich ein Aushängeschild für fiftyfifty. Ein Beispiel dafür, dass ein allgemein als gescheitert angesehener Mensch so viel Wärme geben kann, wie eine Socke dem kalten Fuß eben. Und dafür, dass die Hoffnung niemals stirbt. Nachdem Socke nach so vielen Jahren als Obdachloser endlich von fiftyfifty eine Wohnung bekommen hatte, kam sein ganzes Leben wieder ins Lot, ein Wunder. Er hörte auf zu trinken und versöhnte sich mit seiner Familie. Er hatte immer schon viele Freunde und war eine Institution im Kreise der Fans seines Vereins. Er war einfach ein Kumpel, der nun fehlt, ein Kümmerer, dessen Tod nicht zuletzt in den sozialen Netzwerken Fassungslosigkeit und Bestürzung auslöst.

Am Ende schien Socke mit sich und seiner Umwelt im Reinen. Hätte es nicht einfach so gut weiter gehen können? Doch während sein Herzensverein das Derby gegen den Erzrivalen Köln mit zwei zu null bestritt, hat Socke sein letztes Spiel verloren. Seinen Sarg wird wohl eine F95-Flagge schmücken, was sonst?

hubert ostendorf