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Manfred P. O. Wölk - Biographie

Manfred Schneckenburger

Ein Malerdrucker

Als Originalgrafik hatte der Siebdruck es lange schwer. Meist diente er zur handwerklichen Nobilitierung hoher Auflagen oder für den Plakatdruck. Erst in den 60er Jahren näherten Op Art, Pop Art, Farb-feldmalerei sich selber einer Plakatästhetik an. Jetzt rückt auch der Siebdruck in eine neue Dimension des Authentischen. Das schöne Gleichmass, mit dem die Farbe durch ein Sieb fällt, macht ihn zum idealen Medium für großflächige Kontraste und Geometrien. Mit Malerei als feinnerviger Sublimierung der Bildhaut oder expressiver Triebtäterschaft hatte dies noch lange nichts zu tun. Nuancenreichtum wie Gestik standen dem Umweg über die Schablone immer noch fern.

Manfred P.O. Wölk akzeptiert eine solche Einengung nicht. Er war, im Gegenteil, schon früh ein Maler mit den Mitteln der Serigrafie und ein Serigraf mit malerischem Impetus. Selbst seine traditionellen Drucke sind von erstaunlicher Differenzierung und Energie.

Farbpartikel schwärmen aus, stoßen kleinteilig aufeinander, brechen sich. Der Duktus kreist, spiralt, wellt und kreuzt sich. Mit einer strömenden Dynamik wird die Fläche strukturiert. Ein Lyrismus zwischen Muster und Aktionsmalerei, ein subtiles druckgrafisches Spätinformel.

Wölk drängt zur Malerei. Schon die Siebdrucke wirken wie mit dem Pinsel hingefegt. Doch erst Ende der 80er Jahre gelingt der nächste Schritt. Er bringt nun die handschriftliche Verve voll ins grafische Verfahren ein. Seine "Screenpaintings" sind direkt auf das präparierte Sieb gemalt und mit der Rakel auf Papier oder Leinwand gedruckt. Lackschichten werden geöffnet und geschlossen, Schichten überlagern und durchdringen sich. Das Ergebnis ist ein lebhafter Auftrag und sprühender Farbeffekt, weit über den gewohnten Siebdruck hinaus. Oft unterscheiden die "Screenpaintings" sich schon motivisch, durch ihre Anlässe, von den abstrakten Formgebärden der Serigrafie. Immer wieder tritt ein sehr konkreter Anlass hervor. Reaktionen auf Politik: deutsche Flagge, Nachrichten von Kriegsgräueln, Ex-Jugoslawien.

Signale von der Leichtigkeit des Seins: Valparaiso am Berg, ein paar Vogelfedern, Heckenblumen. Auch die Kunstgeschichte kann Anlass sein:

Anregungen von informellen Bildern, Dürers berühmter liegender Akt als Anweisung zum perspektivischen Zeichnen, Cranachs mannigfach variiertes Bild "Venus und Amor", das Wölk zu Diptychen und Triptychen addiert. Immer wieder sucht Wölk eine Formsprache, die das jeweilige Motiv ausdrucksstark macht.

Die Screenpaintings wirken pastoser als die feiner ziselierten liniearisierten Serigrafien. Sie entfalten sich mehrschichtig ins Breite, Lockere. In den "Deutschlandbildern" sammeln sich Schwarz, Rot, Gold zu souverän hingestrichenen Horizontalen. Farben schwelen wie ein verhaltener Brand. Ein Jahr später Gegenbilder. Eine übersonnte Felswand, Andeutungen von Häusern. Landschaft als beschwingter Rhythmus heller Fleckengefüge. Das Licht umhüllt alle Buntheit und zerlöst die Berge in flimmernden Dunst. Andere Bilder wie die "Plumas" (Federn) nehmen den landschaftlichen Dreiklang von Weiß, Ocker, Blau ins Fahle, Verhangene zurück. Ein Reihentanz, ein Gespräch grotesker Federgespenster? Ein bizarres Stilleben, das in Bewegung gerät?   Oder: aus wässrigem Weißblau steigen rote Schlieren, eine dunklere Bewegungsspur stößt quer über die Bildfläche nach oben - ein abstrakter "Salto informale".

Härtere Anlässe verzichten auf die koloristische Delikatesse. Soldatengewalt gegen Frauen, turbulentes Farbgewühl mit Körperfragmenten, am Rand zwei Mal eine Paraphrase von Cranachs früher Venus. In einigen Bildern steht das Aktmotiv für sich und schlägt einen Bogen zu Dürers liegender Frau, in weißrote Patzer übersetzt. Ein Versuch, die minuziöse Akribie der Renaissance-Meister in die Sprache der Monoprintura zu transportieren. Dürers strenges Vorbild aus der Beengung von Ausschnitt und Perspektive gelöst, als gedruckte Malerei in der Fleckenmanier einer Skizze?

Immer wieder der gleiche Weg: weg von der serigrafischen Tradition klarer Umrisse, weg vom Flächenbann, hin zu einer offenen Pinselschrift, in der Bewegung wühlt und Tiefe aufbricht. Vom Medium Serigrafie hin zum pastosen Augenschein, der Flächen kräuselt und optisch reliefviert. In diesem Gegensatz von (faktischem) Flachdruck und Modu­lation liegt ein Reiz, der nicht nur irritiert, sondern fasziniert. Darin liegt nicht nur eine virtuose druckgrafische Variante, sondern eine Kombinatorik, die weiter reicht. Die "heilige Fläche" (Kurt Leonhardt) gehörte zu den Glaubensartikeln der klassischen Moderne. Die expressiv durchfurchte Bildhaut mit ihren Schrunden und Tiefen widersetzt sich dem. Fast sieht es so aus, als ob Wölk beide Paradigmata in einem einzigen Verfahren zusammenbringt. Ein Malerdrucker, der bei seinem Metier bleibt und es doch transzendiert.

 

MANFRED P.O. WÖLK

 

26. DEZEMBER 1946 BORN IN BERLIN

1975-79

STUDIES IN MÜNSTER GERMANY,

FROM 1975

TEACHING AT THE ACADAMY OF FINE ARTS MÜNSTER GERMANY

AWARDS-ONE MAN/GROUP EXIBITIONS

1973

AWARD BY THE “WESTFÄLISCHER KUNSTVEREIN” RIMINI II

GROUPEXIBITION LINGEN-BOCHOLT-IBBENBÜREN-HERNE

1974

“OUR REALITY“ DGB MÜNSTER

1979

AWARD OF PRINTING –GRAPHIC ART- EXIBITION WDV MÜNSTER

INCL. GROUP EXIBITION

1982

MUSEUM OF RECKLINHAUSEN

ACADAMY OF FINE ARTS MÜNSTER

6. NORWEGIAN INTERNATIONAL PRINT BIENNALE

1983

“LE SALON DES NATIONS”

PARIS-FRANCE

1984

10. INTERNATIONAL INDEPENDANTS EXHIBITION OF PRINTS

KANAGAWA-JAPAN

CENTRE INTERNATIONAL DE ART CONTEMPORAIN

PARIS-FRANCE

INSTITUT AUDIOVISUELL

PARIS-FRANCE

GALLERY TALLER FORT

BARCELONA-SPAIN

1985

15. INTERNATIONAL BIENNAL OF GRAPHIC ART

LJULJANA-YUGOSLAVIA

GALLERY WULLKOPF

DAMSTADT-GERMANY

THE HANGA ANUAL

METROPOLITAN MUSEUM OF FINE ART

TOKIO-JAPON

FIRST PRINT BIENNAL CABO FRIO

MUSEUM OF MODERN ART

RIO DE JANEIRO BRAZIL

1986

8. NORWEGIAN PRINT BIENNAL

FREDRIKSTAD-NORWAY

1987

GOETHE-INSTITUT

SAO PAULO-BRAZIL

4. MOSTRA INTERNATIONAL DE GRAFICA

CATANIA-ITALI

1988

GALERIA “SALA EL FAROL”

VALPARAISO-CHILI

GALLERY OF CULTURE CAMPINAS

CAMPINAS-BRAZIL

5. MOSTRA INTERNATIONAL DE GRAFICA

CATANIA-ITALI

“GRAND ET JEUNES D’AUJORD’HUI”

GRAND PALAIS

PARIS-FRANCE

GOETHE INSTITUT

SANTIAGO-CHILE

1989

5. INTERNATIONAL PRINT BIENNAL

VARNA-BULGARIA

IX. BIENAL INTERNACIONAL DE ARTE VALPARAISO

VALPARAISO-CHILI

GALLERY OF THE UNIVERSITY OF CONCEPCION

CONCEPCION-CHILI

SALON DE AUTOMNE

GRAND PALAIS

PARIS-FRANCE

1990

KUNSTVEREIN GREVEN GERMANY

“GRANDS ET JEUNES D’AUJOURD’HUI”

GRAND PALAIS PARIS-FRANCE

1991

6. INTERNATIONAL PRINT BIENNALE

VARNA BULGARIA

19. INTERNATIONALBIENNALE OF GRAPHIC ART

LJUBLJANA-YUGOSLAVIA

1992

THE BALTIC COUNTRIES ART TRIENNALE

GDANSK-POLAND

SALON DE AUTOMNE

GRAND PALAIS PARIS-FRANCE

IBIZGRAFIC NUSEU D’ART CONTEMPORANI

D’IBIZA-SPAIN

1993

THE FIRST INTERNATIONAL PRINT BIENNAL

MAASTRICHT-NETHERLAND

20. INTERNATIONAL BIENNAL OF GRAPIC ART

LJUBLJANA-SLOVENIA

GOETHE-INSTITUT

VINA DEL MAR-CHILI

17TH INTERNATIONAL INDEPENDANTE

EXIBITION OF PRINTS

KANAGAWA-JAPAN

2ND INTERNATIONAL BIENNAL

OF GRAFIC ART

GYOR-HUNGARY

GRAFIC-EDITION MUSEUM DÜSSELDORT/RATING-GERMANY

1994

INTERNATIONAL TRIENNAL OF GRAFIC ART

BITOLA-MAZEDONIA

PRINT TRIENNAL ’94 NÜRENBERG-GERMANY

INTERNATIONAL PRINT TRIENNAL

KRAKOW-POLAND

1995

CORPORACION CULTURAL

VINA DEL MAR-CHILI

CENTRE OF EXHIBITION

VALPARAISO-CHILI

1996

PROFESSOR AT THE DEPARTMENT OF FINE ARTS

UNIVERSITY OF CHILI

SANTIAGO-CHILI

1997

GALLER OF THE “DCB”

SANTIAGO-CHILI

1998

GALLERY OF FINE ART RENACA

VINA DEL MAR-CHILI

“SALA ANAHUAK” CERRO SAN CRISTOBAL

SANTIAGO-CHILI

“SALA EGENAU” UNIVERSITY OF CHILI

SANTIAGO-CHILI

CENTRE OF CULTRE

VINA DEL MAR-CHILE

1999

GALLERY BUCCI

SANTIAGO-CHILE

3RD INTERNATIONAL PRINT TRIENNAL

CAIRO-EGIPT

2000

INTERNATIONAL PRINT TRIENNAL

KRAKOW-POLAND

MUSEO DE ARTE CONTEMPORANEO

SANTIAGO-CHILI

GRAFIK ART AWARD

COOPERACION CULTURAL

VINA DEL MAR-CHILI

2004

GALLERY STEINRÖTTER

MÜNSTER-GERMANY

2005

GOETHE-INSTITUT

SANTIAGO-CHILI

UNIVERSETY OF ESKISEHIR

ESKISEHIR-TURKEY

2006

GALLERY STEINRÖTTER

MÜNSTER GERMANY

2008

EXPERIMENTAL ENGRAVING BIENNIAL

RUMANIA

2009

WO SIND DIE ORIGINALE?

ZUR GESCHICHTE DER DRUCKGRAFIK

MIT ARBEITEN VON  DÜRER, GOYA,

KIRCHNER, MACKE, NOLDE, PICASSO,

REMBRANDT, M.P.O. WÖLK U.A.

FALKENHOF MUSEUM RHEINE

GUANIAN INTERNATIONAL

PRINT BIENNIAL

CHINA

2010

GRAFIK OHNE GRENZEN

HORST-JANSSEN MUSEUM

OLDENBURG

DEUTSCHLAND

2011

VISUELLE REVOLTEN

PLAKATSZENE UM 1968

LANDESMUSEUM MÜNSTER

2012

ANSICHTEN XI

QUADRAT DORNBIRN

ÖSTERREICH

2014

Galeria Casino

Vina del Mar Chili

2018

Sala Viña del Mar Chili