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"Arme Brüder" verlieren wohl 7,2 Millionen Euro
Weil ein Anlageunternehmen Insolvenz angemeldet hat, könnten die "Armen Brüdern des heiligen Franziskus" mehr als sieben Millionen Euro verlieren. Der Orden versucht einen Totalverlust zu verhindern.

Dem Franziskaner-Orden in Düsseldorf droht durch die Insolvenz des Dresdner Anlageunternehmens Infinus ein Verlust von 7,2 Millionen Euro. Zuletzt seien 3,2 Millionen Euro langfristig und 4 Millionen Euro kurzfristig angelegt worden, erklärte das zum Orden der "Armen Brüder des heiligen Franziskus" gehörende Sozialwerk in Düsseldorf.

Der Verein bekundete die Hoffnung, dass ein Totalverlust des angelegten Geldes vermieden werden könne. Weder die Geschäftstätigkeit des Vereins noch Arbeitsplätze seien gefährdet.

Das Sozialwerk hat nach eigenen Angaben seit 20 Jahren Geld aus Rücklagen sowohl kurz- als auch langfristig bei Infinus angelegt. Seit 2006 seien verschiedene Investitionen erfolgreich getätigt worden. Anlageentscheidungen seien auf Basis von Empfehlungen verschiedener Persönlichkeiten und bester Ratings erfolgt.

Nach den positiven Erfahrungen seien die Vereinsorgane von der Insolvenz und möglichen Unregelmäßigkeiten überrascht worden. Das Sozialwerk "fühlt sich getäuscht und hintergangen", so Vorstand Bruder Matthäus.

25.000 Anleger geschädigt

Inzwischen wurden laut Sozialwerk-Geschäftsführer Heinz-Theo Wollschläger die Infinus-Konten des Vereins eingefroren. Es laufe ein gerichtliches Verfahren, um das angelegte Geld zurückzubekommen. Das Sozialwerk engagiert sich unter anderem in der Alten-, Wohnungslosen und Beschäftigungshilfe.

Von dem Dresdner Finanzskandal sind offenbar rund 25.000 Anleger betroffen. Sie sollen der Infinus-Gruppe zwischen 400 und 600 Millionen Euro anvertraut haben. Völlig offen ist derzeit noch, ob und in welcher Höhe die Geschädigten Geld zurückerhalten.
Die Welt, 11.04.2014
 
Kabarett
Die Düsseldorfer kennen Christian Ehring vor allem als Mitglied und Autor des Kom(m)ödchen-Ensembles, dem er mit Maike Kühl und Heiko Seidel seit Jahren ausverkaufte Vorstellungen in Serie beschert. Seit einiger Zeit führt er zudem in der Tonhalle immer wieder als Moderator durch klassische Musikabende. Doch Ehring hat noch zahlreiche andere Engagements, sei es im Fernsehen, Radio oder auf der Bühne. Im Zakk stellt er jetzt sein Programm "Anchorman" vor, der Abend ist eine Benefizaktion zugunsten von fiftyfifty. In dem Programm ist er Elmar Stelzwedel - ein Nervenbündel mit Fönfrisur, ein Kommentator mit Persönlichkeitsspaltung, kurz: ein Wickert in witzig. Jahrelang war er die Nummer eins der Spätnachrichten, seriös, professionell und gut frisiert. Und jetzt: Wegen eines einzigen Kommentars gefeuert, fristlos entlassen, aus und vorbei. Und Elmar Stelzwedel, der immer alles verstanden hat, versteht plötzlich die Welt nicht mehr. "Anchorman" ist eine Mischung aus Theater, Musik und politischer Satire.
WZ, 07.04.2014
 
Christian Ehring
Deutschlands schrägster Nachrichtensprecher? "Anchorman"! In seinem zweiten Soloprogramm kombiniert der Satiriker von EXTRA 3 und der heute-show pointiert Theater und Musik zu einer rasanten Form von jungem Kabarett. Hochaktuell, hochpolitisch, hochclever. Alles zu Gunsten von fiftyfifty!
biograph, 04.04.2014
 
Wettbewerb bringt fiftyfifty 50 000 Euro
Mit dem 1. Platz beim Plakatwettbewerb Best of 18/1 hat die Agentur Havas Worldwide dem Obdachlosen-Magazin Fiftyfifty das Preisgeld von 50 000 Euro gesichert. Das Geld kommt jetzt der Errichtung von zwei neuen Häusern für Obdachlose zugute.

Das schlichte Plakat ohne Bild wurde extra für den Wettbewerb konzipiert, um die Siegerprämie für den guten Zweck zu spenden. Dank einer tollen Voting-Unterstützung aus dem Umfeld von Fiftyfifty, der Düsseldorfer Agentur und nicht zuletzt durch Facebook-Posts von Fortuna Düsseldorf und den Toten Hosen, konnte sich Havas Worldwide den Sieg in der Finalrunde mit großem Vorsprung sichern. Insgesamt wurden zu Beginn des Wettbewerbs etwa 2000 Entwürfe eingereicht.

Ein Dank an alle
Der gute Zweck stand für uns bei diesem Plakatkonzept im Vordergrund und wir freuen uns sehr, dass wir nun die Siegerprämie an Fiftyfifty spenden und damit die Obdachlosenhilfe direkt unterstützen können, sagte Ulrich Förster, CEO Havas Worldwide Düsseldorf.

Wir danken allen, die für uns gevotet haben, allen, die den Wettbewerb gepostet haben, nicht zuletzt unseren Freunden von Fortuna Düsseldorf und den Toten Hosen, der Agentur Havas Worldwide für Idee und Gestaltung und den Sponsoren, die die 50 000 Euro Preisgeld zur Verfügung gestellt haben. Unser Sieg ist auch ein Beweis für die Kraft unseres Netzwerkes, freute sich der Schirmherr von Fiftyfifty, Bruder Matthäus Werner.

Die Verleihung des Plakatwettbewerbs fand in Köln statt und wurde von Thaddäus Assenmacher, geschäftsführender Gesellschafter der ASS Werbe GmbH, als Initiator ausgerichtet. Alle Einreichungen wurden zunächst einer Vorjury präsentiert. Nach Entscheidung der Vorjury wurde eine Top 50 erstellt, die auf der Homepage einzusehen war. Aus diesen konnten registrierte Teilnehmer ihr Voting für die Top 10 vornehmen.
NRZ, 01.04.2014
 
fiftyfifty hat die Krise überwunden
Finanzskandal - Verein investiert Spenden selbst in Wohnungen.

Das Bild von gerhard Richter hängt zwar an der Wand, aber auf dem Schild daneben leuchtet ein roter Punkt: verkauft für 200 000 Euro. Schon bevor die Benefizausstellung der Obdachlosenhilfe fiftyfifty gestern Abend von Hubert Ostendorf eröffnet wurde, waren viele der aktuell gespendeten Kunstwerke vekauft. "Wir haben die Krise überwunden", sagt Ostendorf. Als Beweis zeigt er die Arbeiten der namhaften Künstler, die dem Verein auf nach dem Finanzskandal um die Ordensgemeinschaft der Armen Brüder die Treue halten.

Nachgehakt
Man habe offensives Krisenmanagement betrieben und "Kante gezeigt", erklärt Ostendorf. So sei der Verkauf der Straßenzeitung nach dem Einbruch wieder auf dem Niveau von vorher und auch in Wohnungen für Obdachlose investiere man weiter. "Dank der Spende von Gerhard Richter konnten wir gerade wieder eine Wohnung kaufen." Ja, man habe weniger Spenden zur Verfügung als vorher, aber man brauche auch weniger, da die Onbdachlosenhilfe nicht mehr in so große Projekte investiere wie zuvor mit der Ordensgemeinschaft. Das erhöhte Arbeitspensum versucht fiftyfifty mit mehr Personal aufzufangen. Zu den fünf Stellen sei zum 1. April eine halbe dazu gekommen.
WZ, 29.03.2014
 
"Die Kunst mehr als Ware betrachten"
Düsseldorf. Udo Dziersk ist erfolgreicher Maler und Professor an der Kunstakademie. Seine Karriere hat er von Anfang an selbst gesteuert.

Udo Dziersk hatte Ende der 1980er-Jahre kaum das Studium an der Kunstakademie beendet, da verkaufte der damals 27-Jährige ein Gemälde nach dem anderen. Dziersks Erfolg war alles andere als ein Zufall. Der Maler hat sich schon früh selbst um die Vermarktung seiner Werke gekümmert, statt sein Talent von einem Sammler oder Galeristen entdecken zu lassen. Seine Eigeninitiative hat sich bewährt. Die Bilder des Künstlers werden hochpreisig gehandelt. Außerdem wurde Dziersk im Jahr 2002 nach langem Schaffen als freiberuflicher Künstler als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. Zurzeit stellt Udo Dziersk seine Bilder in der Fiftyfifty-Galerie aus.

"Ich bin schon immer gern auf andere Menschen zugegangen", sagt er. Seine offene Art nutzte er während seiner Lehrzeit geschickt aus. Zwar hätte er als Student Gerhard Richters und Markus Lüpertz' erst einmal durchatmen können, denn schließlich, so erzählt er, kamen beim Akademie-Rundgang die ersten Sammler und Händler auf ihn zu. Bald war sein Name fester Bestandteil einer Galerie. Aber Herumsitzen hat ihn nicht interessiert. Er besuchte Kunst-Messen und sah sich an, welche Stile und Namen die internationalen Galerien vertraten. Direkt angesprochen hat er die Aussteller aber nicht. "Auf Messen wird nur verkauft. Mit Künstlern möchten die Galeristen kaum verhandeln." So reiste später Dziersk durchs Land und stellte sich und seine Arbeit vor. Nicht immer wurden ihm beim Klinkenputzen alle Türen geöffnet. "Ich bin oft gegen die Wand gerannt." Aber manchmal hat es eben doch geklappt. Nach und nach standen seine Bilder in mehreren Galerien Deutschlands, und mit der Karriere des Malers ging es bergauf. Er gab sein kleines Atelier an der Talstraße in Düsseldorf auf, um ein größeres Atelier mit Wohnhaus in Wuppertal zu beziehen.

Als Kunstakademie-Professor im Orientierungsbereich gibt Udo Dziersk seine Tricks zur Selbstvermarktung an die jungen Studierenden weiter. Dabei stößt er zuweilen auf Widerstand und Unverständnis. "Wenn ein Künstler ein Werk fertig gestellt hat, identifiziert er sich stark mit ihm", sagt er. "Künstler sind daher oft nicht in der Lage, ihre Arbeit mit einem Preis auszuzeichnen." Derartige Zurückhaltung bezeichnet er aber als Fehler. "Sobald ein Bild das Atelier verlässt, wird es zur Ware", sagt er überzeugt. Einen pragmatischen Abstand pflegt Dziersk selbstverständlich auch zu seinen eigenen Bildern. Gelassen erklärt er, wie er ein Bild entwickelt, bis es von einer Vorlage zu einem Großformat geworden ist. Für die Werke "A Pienza" und "La Visione" fertigte er in Italien Landschaftsmalereien in Kleinformaten an. Spontan habe er dabei seinen eigenen Schatten auf dem kargen Boden fotografiert. Später im Atelier zurück, kombinierte er auf großen Leinwänden diese Motive in Öl mit den Schattensilhouetten und fügte zum Teil hyperrealistisch gemalte Objekte hinzu.

Auf die Frage, welchem Stil seine beeindruckenden Bilder zuzuordnen sind, sagt er schnell: "Das interessiert mich nicht." Warum auch seine Bilder haben auch ohne Schubladendenken einen guten Preis. Und diesen fügt er jedem Gemälde der Ausstellung in der Fiftyfifty-Galerie zu. Im hohen fünfstelligen Bereich zum Beispiel liegen "A Pienza" und "La Visione". "Wir müssen unser Kunstwerk mehr als Ware betrachten", sagt er. "Auf dem Kunstmarkt herrschen harte Gesetze. Alles andere ist emotionales Gedusel."
Rheinische Post, 15.03.2014
 
Künstler machen sich für fiftyfifty stark
Beckmann und Udo Dziersk helfen beim Helfen.

"Wir sind stark angeschlagen, das Vertrauen ist zerstört", sagt fiftyfifty Geschäftsführer Hubert Ostendorf. Bei einer umstrittenen Geldanlage hatten die ehemaligen Partner der Ordensgemeinschaft der "Armen Brüder" 7,2 Millionen Euro verloren und damit auch das Straßenmagazin in schweren Verruf gebracht. Nach der Trennung von den Ordensbrüdern versuchen die Macher des Obdachlosenblattes fiftyfifty nun verzweifelt, verlorenes Vertrauen wiederherzustellen.
Um den Ruf wieder aufzupolieren, springen jetzt namhafte Düsseldorfer Künstler die Bresche. Gestern gab Star-Cellist Thomas Beckmann (56) bei fiftyfifty ein Konzert zugunsten der Obdachlosenhilfe. Parallel dazu stellt derzeit der Düsseldorfer Kunstprofessor und Maler Udo Dziersk (52) seine aktuellen Werke in der fiftyfifty Galerie auf der Jägerstraße 15 aus. Für Hubert Ostendorf ist das Engagement der Künstler unbezahlbar: "Es ist einfach nur großartig, das diese Menschen darum werben, dass man es den Obdachlosen nach dem Anlageskandal jetzt nicht noch schwerer macht, als sie es ohnehin haben."
Express, 13.03.2014
 
Thomas Beckmann spielt bei fiftyfifty
Ein Konzert für Wohnungslose gibt Cellist Thomas Beckmann heute um 11 Uhr im Streetwork Büro von fiftyfifty an der Ellerstraße. Rund 1,5 Millionen Euro hat Beckmann, der den Verein "Gemeinsam gegen Kälte" zur Unterstützung von Obdachlosen gegründet hat, seit 1996 in Benefizkonzerten eingespielt.
WZ, 12.03.2014
 
Tony Cragg Originale heute bei fiftyfifty
In seinem berühmten Wuppertaler Skulpturenpark hat der ehemalige Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie, Tony Cragg, der Obdachlosenhilfe fiftyfifty Unterstützung versprochen - und jetzt löst er dies mit fünf Radierungen in limitierter je-20-Stück-Auflage für die fiftyfifty Galerie ein. Die Werke mit dem Titel "Profiles" sind eine "Hommage an Menschen von der Straße". Heute ist die letzte Gelegenheit, in der Galerie eines davon zum Vorzugspreis (8000 Euro) zu kaufen.
Rheinische Post, 27.02.2014
 
fiftyfifty Boss: Mir blutet das Herz
Düsseldorf - Sie waren beste Freunde. Und wenn er an die 18 Jahre gemeinsamer Arbeit und Freundschaft zurückdenkt, ist Hubert Ostendorf den Tränen nah. Ostendorf (53), Gründer der Düsseldorfer Obdachlosenhilfe fiftyfifty, und Bruder Mattjäus (60) von den Armen Brüdern des Heiligen Franziskus. Der Finanzskandal des Ordens, der 7,2 Millionen Euro verzockte, hat ihre Freundschaft beendet. "Das tut mir so weh", sagt Ostendorf, der mit einem offenen Brief die Zusammenarbeit mit dem Orden aussetzte. "Mir blutet das Herz." Ostendorf erinnert sich: "Geburtstage, Weihnachten, Ostern, die Taufe meiner Kinder. Bruder Matthäus war immer da. Ich habe sogar mal drei Monate bei ihm im Kloster gewohnt. Ich weiß, dass er lebt wie ein Heiliger."
Aber er sei schlecht beraten und habe nach Ostendorfs Kritik die Schirmherrschaft über fiftyfifty einfach niedergelegt. Dabei hätte er nur den Fehler zugeben und personelle Konsequenzen ziehen sollen. Deswegen müsse fiftyfifty nun auf seinen eigenen Beinen stehen. Ostendorf plant schon neue Projekte, will u. a. ein Haus für junge obdachlose Flüchtlinge kaufen und am Tierheim einen OP-Raum für die Hunde von Obdachlosen einrichten.
Express, 24.02.2014
 
Arme Brüder: Sozialwerk-Vorstand soll trotz Finanzskandal bleiben
Düsseldorf. Die Mitgliederversammlung des Vereins Sozialwerke, der für die Ordensgemeinschaft der armen Brüder des heiligen Franziskus Wohnheime für Obdachlose und Altenheime unterhält, hat dem Vorsitzenden Bruder Matthäus und Geschäftsführer Heinz-Theo Wollschläger ihr Vertrauen ausgesprochen.

Sie war zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen, um über die Folgen der Geschäfte mit dem Finanzdienstleistungsinstitut Infinus zu beraten, durch die ein Verlust von 7,2 Millionen Euro entstanden war. Die Führung der Sozialwerke habe stets im Auftrag und mit Zustimmung der Mitgliederversammlung gehandelt. Bruder Matthäus und der Vorstand sollen die erfolgreiche Arbeit im sozialen Bereich fortführen, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.

Dagegen hatte Hubert Ostendorf von der Initiative Fiftyfifty, die mit den Armen Brüdern zusammengearbeitet und Bruder Matthäus als Schirmherren hatte, personelle Konsequenzen gefordert, weil das Vertrauen in die Arbeit zerstört worden sei.

Es sei zu befürchten, dass Spender sich zurückhalten würden. Wegen des Finanzskandals ist die Zusammenarbeit vorerst beendet, Bruder Matthäus tritt nicht mehr als Schirmherr auf. Er bedauert es, "nicht mehr Bindeglied von zwei Institutionen sein zu könne, die sich für Wohnungslose einsetzt", sagte er unserer Zeitung. Aber der Orden werde weiterhin Hilfe für den Verkauf des Straßenmagazins Fiftyfifty (Verkaufsstellen und Transporte) leisten.

Der Verein unterwirft sich jedoch einer schärferen Finanzkontrolle und übernimmt die Anlagerichtlinien des Diözesan-Caritasverbandes, die Nachhaltigkeit und Ethik bei Finanzanlagen berücksichtigen. Zudem wurde die Düsseldorfer Kanzlei Baum Reiter und Collegen beauftragt, die Rechtmäßigkeit der Investitionen zu prüfen und Ansprüche des Ordens gegenüber der insolventen Infinusgruppe zu vertreten, um Geld zurückzuerhalten. In welcher Höhe das sein könne, sei nicht vorauszusagen, weil es noch keine Akteneinsicht gebe, so die Kanzlei.
Rheinische Post, 21.02.2014
 
Arme Brüder weisen Schuld von sich
Trotz des Millionenverlustes bleibt die Führung im Amt. Experte nennt Risikoanlage sehr leichtfertig.

Düsseldorf. 7,2 Millionen Euro weg und alles geht weiter wie bisher? Nach der ersten Mitgliederversammlung der Armen Brüder nach dem Finanzdebakel ließen Bruder Matthäus als Vorsitzender und Geschäftsführer Heinz-Theo Wollschläger am Donnerstag verlautbaren, dass sie ihre seit Jahren erfolgreiche Arbeit fortführen wollen. Wie berichtet, sind die Armen Brüder offenbar dubiosen Anlagebetrügern auf den Leim gegangen, die hohe Renditen versprochen hatten.

Das Tuch zwischen der Ordensgemeinschaft und der Obdachlosenhilfe Fifty-Fifty die im Laufe der Jahre Spenden von rund 20 Millionen Euro an die Armen Brüder gegeben hat scheint dagegen endgültig zerrissen. Denn die von Geschäftsführer Hubert Ostendorf geforderten personellen Konsequenzen gibt es nicht. Auch ein Ausdruck des Bedauerns fehlt in der Mitteilung. Stattdessen wird betont, dass die achtköpfige Mitgliederversammlung dem Führungsduo das Vertrauen ausgesprochen habe. Man fühle sich von der Anlagefirma getäuscht, sei mithin Opfer.

Arme Brüder in Aachen zeigen sich sehr enttäuscht

Seit dem Millionen-Verlust sind die Armen Brüder auch für ihr Krisenmanagement in die Kritik geraten. Zunächst wurde die Nachricht zurückgehalten, Partner und Geldgeber Fifty-Fifty beklagt miserable Kommunikation. Nun endete die Mitgliederversammlung mit wenig zählbaren Ergebnissen. Einzige Ausnahme: Es sollen Anlagerichtlinien eingeführt werden. Denn obwohl es verschiedene Möglichkeiten zu verantwortungsvoller Geldanlage gibt, war das bei der Ordensgemeinschaft bislang wohl kein Thema eine Tatsache, die in Kirchenkreisen für Verwunderung sorgt, etwa bei Dominikanerpater Wolfgang Sieffert. Er legt aber Wert auf die Feststellung, dass die Armen Brüder in den vergangenen 20 Jahren in Düsseldorf sehr gute Arbeit geleistet hätten.

In der Vorwoche hatten die Armen Brüder den Diözesan-Caritasverband um Rat gebeten, dort riet man dringend dazu, über Anlagerichtlinien nachzudenken. Experten bezeichnen es als sehr leichtfertig, dass 50 Prozent des Vermögens in eine einzige riskante Anlage flossen.

Ostendorf zeigte sich am Donnerstag maßlos enttäuscht. Die Verantwortlichen würden nicht zur Rechenschaft gezogen, stattdessen Kosmetik betrieben. Als die Brüder schon von dem Verlust wussten, hätten sie im Dezember und Januar noch Überweisungen über 520 000 Euro von Fifty-Fifty angenommen, ohne etwas zu sagen.

Die Armen Brüder waren für die WZ am Donnerstag nicht zu sprechen.
WZ, 21.02.2014
 
Keine personellen Konsequenzen trotz Millionenverlust bei Düsseldorfer Orden Keine personellen Konsequenzen trotz Millionenverlust bei Düsseldorfer Orden | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf: http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/keine-personellen-ko
Düsseldorf. Trotz des Verlustes von 7,2 Millionen Euro bei dubiosen Anlagenfirmen gibt es keine personellen Konsequenzen beim Sozialwerk der Armen Brüder des heiligen Franziskus in Düsseldorf. Der Obdachlosen-Verein Asphalt zeigt sich tief enttäuscht. Damit ist der Bruch mit dem Sozialwerk wohl endgültig.

Auch nach der Mitgliederversammlung beim Sozialwerk der Ordensgemeinschaft der Armen Brüder des Heiligen Franziskus gibt es nach dem Verlust von 7,2 Millionen Euro bei dubiosen Finanzanlagen keine großen Konsequenzen. Stattdessen wurde gestern in einer Mitteilung noch einmal gerechtfertigt, warum die Millionen bei der betrügerischen Infinus-Gruppe angelegt wurde: Man habe sich auf Ratings verlassen, auf Berichte der Fachpresse, Aussagen von Kurt Biedenkopf über Infinus. Die Ordensgemeinschaft sieht sich mit ihren geprellten Millionen weiter als Opfer: Hier sind wir getäuscht, enttäuscht und hintergangen worden. Kritik an der hochriskanten Anlage Enttäuschungen über den Millionen-Verlust kann die Ordensgemeinschaft nachvollziehen, nimmt sich davon aber nichts an: Hier muss zu einer sachlichen Betrachtung gefunden werden.

Der Forderung von Asphalt e.V., des Herausgebers der Obdachlosen-Zeitung Fiftyfifty, es müssten personelle Konsequenzen aus dem Finanzdebakel gezogen werden, kommt das Sozialwerk nicht nach obwohl es pro Jahr etwa eine Million Euro an Spenden von Asphalt bekommen hat: Bruder Matthäus als Vorsitzenden des Sozialwerkes und Geschäftsführer Heinz-Theo Wollschläger wurde von den acht Mitgliedern des Sozialwerkes das volle Vertrauen ausgedrückt: Es ist gewünscht, dass diese Personen ihre seit Jahren erfolgreiche Arbeit fortführen.

Tiefe Enttäuschung bei Asphalt
Tiefe Enttäuschung gestern beim Obdachlosen-Verein Asphalt: Damit ist der Bruch mit dem Sozialwerk wohl endgültig. Und Bruder Matthäus wird die längste Zeit Schirmherr von Fiftyfifty gewesen sein.

Auch wenn das Sozialwerk, das unter anderem zwei Obdachlosen-Asyle in Düsseldorf unterhält und zwei Altenheime, das angelegte Geld gar nicht oder nur zum kleinen Teil zurück bekommt, so sieht es sich wegen der Millionen-Pleite in seiner Geschäftstätigkeit nicht beeinträchtigt, man wolle ihr in vollem Umfang weiter nachkommen. Zweck des Vereins ist die Betreuung und Pflege alter, hilfsbedürftiger Menschen sowie Hilfe und Betreuung von Wohnungslosen. Im Rahmen dieses Engagements werden 19 Häuser und Einrichtungen unterhalten, für die die angelegten Gelder vor allem Instandhaltungsrücklage waren. Ein Haus befindet sich noch im Bau, ein weiteres folgt planmäßig.

Zumindest eine Konsequenz hat das Sozialwerk gezogen: Künftig werden die Anlagerichtlinien des Caritasverbandes übernommen.
NRZ, 20.02.2014
 
Lüpertz droht mit Boykott
Düsseldorf - Die Obdachlosenhelfer von fiftyfifty - sind immer wütender auf ihre alten Kooperationspartner von den Armen Brüdern des Heiligen Franziskus. "Ich werde ständig angesprochen, wie wir denn so viel Geld verlieren konnten. Der Assistent von Markus Lüpertz war da und teilte mit, dass der Meister total wütend sei und uns keine Bilder mehr spenden will. Eine vermögende Künstlerin will ihr Millionenerbe nicht mehr wie geplant spenden, und unsere Zeitungsverkäufer werden immer weniger Aufgaben los", sagt Mitbegründer Hubert Ostendorf. Dabei hat fiftyfifty mit dem Finanzskandal bei den Brüdern - 7,2 Millionen Euro wurden bei einer Betrügerfirma in den Sand gesetzt - überhaupt nichts zu tun. "Was gar nicht geht: Seit November wussten Bruder Matthäus und sein Geschäftsführer Theo Wollschläger davon, uns erzählten sie nichts", ärgert sich Streetworker Oliver Ongaro. Noch im Januar überwies fiftyfifty mehr als 100 000 Euro Spendengelder für den bau eines Obdachlosenheims an die Brüder. "Wollschläger muss zurücktreten. Er hat 50 Prozent der Rücklagen seines Vereins Betrügern anvertraut", findet Ongaro.
Express, 18.02.2014
 
"Wir haben die Reißleine gezogen" Seit fast 20 Jahren arbeitete die Obdachlosen-Initiative "fiftyfifty" mit den Armen Brüdern des heiligen Franziskus zusammen. Jetzt wurde die Kooperation beendet, weil die Brüder Geld verzockt haben.
"Kein Telefon steht mehr still", sagt Hubert Ostendorf, Initiator der Obdachloseninitiative "fiftyfifty". Das Straßenmagazin würde immer wieder mit den umstrittenen Geldanlagen der Sozialwerke der Ordensgemeinschaft der Armen Brüder in Verbindung gebracht. Wie berichtet bangt der Orden nach der Pleite der Infinus-Finanzgruppe um 7,2 Millionen Euro.

Ein Assistent von Künstler Markus Lüpertz, der "fiftyfifty" seit Jahren unterstützt, sei beim Verein reingeschneit, habe sich wort- und gestenstark darüber erkundigt, wie man so viel Geld versenken kann, erinnert sich Ostendorf. Eine Spenderin habe ihr Testament aufgrund des Finanzskandals zurückgezogen.

"Viele Künstler wollen uns ihre Werke nicht mehr geben, die Leute kaufen die ,fiftyfifty' immer weniger." So kann es nicht weitergehen, sagt Ostendorf. "Wir mussten uns als Team zusammensetzen und als Team entscheiden", ergänzt Sozialarbeiter Oliver Ongaro.

Eine persönliche Entscheidung

Die Entscheidung sie ist die Aufkündigung der 18 Jahre dauernden Kooperation des Obdachlosenvereins Asphalt, der die Straßenzeitung "fiftyfifty" herausgibt, mit den Sozialwerken der Ordensgemeinschaft. Die Entscheidung sie ist auch eine persönliche.

Denn Bruder Matthäus, Vorsitzender der Sozialwerke, und Hubert Ostendorf, Geschäftsführer von Asphalt, sind gut befreundet. "Er ist immer für mich da gewesen", sagt Ostendorf, "für mich ist das richtig schwer". Und dennoch: "Dieser Schritt war notwendig."

Noch im Januar habe der Verein Asphalt eine sechsstellige Spendensumme an die Sozialwerke überwiesen. Geld, um das jetzt das ganze "fiftyfifty"-Team bangt. Insgesamt seien in den vergangenen Jahren etwa 20 Millionen Euro an Spenden vom Obdachlosenverein an die Sozialwerke gegangen.

Imageschaden abwenden

Sieben Häuser für Wohnungslose sind durch diese Kooperation entstanden. "Alle Spenden, die wir gesammelt haben, sind auch in diese Häuser geflossen", betont Ostendorf. "Wir fragen uns dennoch, ob wir um die Früchte unserer Arbeit betrogen worden sind."

Es gehe jetzt vor allem darum, einen Imageschaden weiter abzuwenden. In der nächsten Ausgabe der "fiftyfifty", die am 26. Februar erscheint, wird deshalb statt des üblichen Vorworts eine Zusammenfassung der Situation dargestellt werden. "Die Reißleine", meint Ostendorf, habe man mit der Aufkündigung der Zusammenarbeit bereits gezogen.

"Aber die Tür ist nicht auf ewig zugesperrt." Was nötig wäre für eine erneute Kooperation zwischen dem Verein Asphalt und dem Orden? Ostendorf: "Wir fordern eine lückenlose Aufklärung und personelle Konsequenzen."
Die Welt, 18.02.2014
 
Arme Brüder: Fiftyfifty fordert Erneuerung
Düsseldorf. Die Ordensgemeinschaft müsse Vertrauen wieder herstellen. Ein Personalwechsel sei nötig.

Das Streetworker-Team von fiftyfifty hat Schwerarbeit zu leisten, um die Wellen der Empörung einzudämmen, die nach dem Bekanntwerden der waghalsigen Geldtransaktionen und dem wahrscheinlichen Verlust von 7,2 Millionen Euro der Ordensgemeinschaft der armen Brüder des heiligen Franziskus hochschlagen. "Die Zeitungsverkäufer von fiftyfifty werden angesprochen, wieso Geld verzockt wurde, Künstler wollen ihre Werke nicht mehr zur Verfügung stellen, Spenden für fiftyfifty sind in den vergangenen Tagen kaum noch eingegangen", berichtet Hubert Ostendorf vom Verein asphalt, der Träger des Straßenmagazins ist und Spenden für Wohnungslosenprojekte akquiriert.

Es sei sehr mühevoll, deutlich zu machen, dass nicht fiftyfifty für die Finanztransaktionen verantwortlich ist, sondern der Verein Sozialwerke der Ordensgemeinschaft der armen Brüder. "Wir haben eng zusammengearbeitet, um Wohnungslosen zu helfen, deshalb war Bruder Matthäus auch Schirmherr von fiftyfifty", sagte Ostendorf. Mehr noch, "uns verbindet eine Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird." Jedenfalls nennt fiftyfifty den Ordensmann nicht mehr als Schirmherr.

Und fordert einschneidende Konsequenzen. "In die Führung des Vereins kann kein Vertrauen mehr nach den Geldgeschäften bestehen, ein personeller Wechsel ist nötig, und es muss ein Aufsichtsrat installiert werden, der Richtlinien für Geldanlagen festlegt und deren Einhaltung kontrolliert", nennt Streetworker Oliver Ongaro die Haltung des Teams. Das betont, alle Spendengelder von fiftyfifty, die an die Sozialwerke weitergeleitet wurden, seien nachweislich für den Bau von Unterkünften für Wohnungslose verwendet worden.

Nach dem Bekanntwerden der Finanzpraktiken könne Spendern aber nicht vermittelt werden, dass das Geld weiterhin an den Verein mit der alten Führungsspitze gezahlt werde. "Es fehlt das Vertrauen", sagte Ongaro. Erst mit einer neuen Führungsspitze könne ein neues Fundament für eine Zusammenarbeit geschaffen werden. Gleichzeitig müsse ein Kontrollgremium für Transparenz sorgen. Die habe es bisher nicht gegeben, auch nicht gegenüber fiftyfifty.

Um Unterstützer darüber aufzuklären, dass fiftyfifty nichts mit den riskanten Geldgeschäften zu tun habe, "wird es im neuen Heft kein Geleitwort geben, sondern zwei Seiten, auf denen über die Vorgänge berichtet werden", kündigte Ostendorf an. Fiftyfifty werde weiterhin Spenden sammeln für Projekte andere Einrichtungen, beispielsweise für die Wohnungslosenhilfe der Diakonie, für den Ausbau der medizinischen Hilfe für Wohnungslose oder für einen Behandlungsraum im Tierheim, in dem die Tiere der Wohnungslosen tierärztlich versorgt werden können.
Rheinische Post, 17.02.2014
 
Obdachlosenzeitschrift
Düsseldorf. Die Obdachlosenhilfe Fifty-Fifty hat ihre Zusammenarbeit mit der Ordensgemeinschaft der Armen Brüder beendet.

Hintergrund ist ein Streit um eine Fehlinvestition des Ordens. Wie berichtet ist dieser der unseriösen Finanzfirma Infinus auf den Leim gegangen und hat 7,2 Millionen Euro verloren.

Die Art und Weise, wie das geschah, macht Fifty-Fifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf sauer. Denn die Einnahmen der gleichnamigen Obdachlosenzeitung und der Kunstgalerie sind zu einem großen Teil an die Ordensgemeinschaft der Armen Brüder des heiligen Franziskus Sozialwerke e.V. (so der offizielle Name) gegangen, die damit Alten- und Obdachlosenheime gebaut hat.

Die daraus resultierenden Einnahmen sollten als Rücklage angelegt werden. Jetzt ist ein Großteil dieses Geldes wohl verloren. Und der entstandene Imageschaden riesig, sagt Ostendorf: Schon jetzt ist die Auflage der Straßenzeitung gesunken. Es gibt wütende Anrufe von Spendern. Einige wichtige Künstler wollen keine Werke mehr zur Verfügung stellen.

Heinz-Theo Wollschläger weist die Vorwürfe zurück

Was Ostendorf vor allem sauer macht, ist, dass sich der Vorstand der Sozialwerke keine externe Beratung geholt habe: Wenn ich sieben Millionen Euro investieren will, muss ich doch jemand fragen, der Ahnung hat und nicht das Geld einem dahergelaufenen Vertreter geben. Und wenn man schon in riskante Geschäfte investieren will, dann doch nicht 60 Prozent des vorhandenen Vermögens. Das war Gier.

Ostendorfs Botschaft ist deutlich: Ich fordere personelle Konsequenzen bei den Sozialwerken. Und es muss endlich professionelle Kontrollinstanzen dort geben. So lange das nicht so sei, werde die Zusammenarbeit mit den Sozialwerken beendet.

Deren Geschäftsführer Heinz-Theo Wollschläger weist die Vorwürfe von sich: Wir haben uns extern beraten lassen. Zudem habe es diverse Ratings gegeben, die das Investment haben sinnvoll erscheinen lassen. Ostendorfs Angriff sei persönlich motiviert, Wollschläger spricht von einem Unverhältnis. Die Frage nach Konsequenzen stellt er zurück: Ich will unserer Mitgliederversammlung am 19. Februar nicht vorgreifen.

Zwischen die Fronten geraten ist derweil Bruder Matthäus Werner, Mitbegründer und Schirmherr von Fifty-Fifty auf der einen Seite und zugleich Vorsitzender und neben Wollschläger zweiter Vorstand der Ordensgemeinschaft Sozialwerke e.V. auf der anderen Seite. Ihn kränken Ostendorfs Vorwürfe, wenngleich er einräumt: Wir sind ein Risiko eingegangen, das man nicht hätte machen sollen.

Und: Ich kann den Ärger verstehen. Dass er nicht länger Schirmherr von Fifty-Fifty sein soll auch weil er Ostendorf erst spät über die Probleme informierte mache ihn traurig. Gleichwohl will er von Wollschläger nicht abrücken, fühlt sich von Infinus getäuscht. Über den Streit geht auch eine lange Freundschaft in die Brüche: Bruder Matthäus und Ostendorf galten 18 Jahre als Dreamteam für Fifty-Fifty.
Wz, 15.02.2014
 
Finanzskandal sorgt für Ärger bei Düsseldorfer Orden
Düsseldorf. Ein Finanzskandal und die Folgen: 7,2 Millionen Euro hatte die Düsseldorfer Ordensgemeinschaft der armen Brüder des heiligen Franziskus bei dem Pleite-Unternehmen Infinius angelegt. Der drohende Millionen-Verlust entzweit nun engagierte Helfer: Die Obdachlosen-Zeitung Fiftyfifty setzte die Zusammenarbeit aus.

Aufgrund des Finanzskandals um das Sozialwerk der Ordensgemeinschaft Arme Brüder des Heiligen Franziskus hat die Obdachlosen-Zeitung Fiftyfifty die Zusammenarbeit ausgesetzt. Gleichzeitig wurde heftige Kritik geübt am Finanzgebaren des Sozialwerkes.

Das hatte, wie mehrfach berichtet, 7,2 Millionen Euro bei dem hochriskanten und betrügerischen Unternehmen Infinus angelegt und nach der Firmenpleite verloren. Diese Gelder waren die Instandhaltungsrücklage für die beiden Obdachlosen-Heime des ordenseigenen Sozialwerkes und die beiden Altenheime. Gelder von Fiftyfifty wurden zu keiner Zeit in irgendein Invest angelegt und verspekuliert, sagte Hubert Ostendorf vom Straßenzeitungs-Projekt Fiftyfifty. Die von uns akquirierten und zur Verfügung gestellten Gelder sind in die Wohnprojekte für Obdachlose vollständig verbaut worden und bleiben somit erhalten.

Ärger über hohen Verlust der Vermögensanlage
Trotzdem ist man sauer über den hohen Verlust der Vermögensanlage: Über die zweifelhafte Anlagestrategie der Ordensgemeinschaft waren wir nicht informiert. Informationen habe man erst vergangene Woche kurz vor Presseveröffentlichungen erhalten, ein Einblick in die Bücher wurde nicht gewährt. Wir vermissen ethische und moralische Kriterien in dem Anlagegebaren der Sozialwerke, Anlagerichtlinien existieren wohl erst gar nicht, so Ostendorf. Es ist der Eindruck entstanden, dass das Invest ohne Kenntnis professioneller Anlagestrategien vollzogen wurde und Kontrollinstanzen nicht vorhanden sind oder versagt haben. Und weiter: Es bedarf unseres Erachtens umfassender struktureller und personeller Konsequenzen bei der Ordensgemeinschaft, damit gesichert ist, dass zukünftig Gelder sorgfältig, professionell sowie ethisch und sozial vertretbar angelegt werden.

Aufgrund des Finanzskandals sei die Auflage der Straßenzeitung bereits gesunken. Ein weiteres Auflagen-Minus würde für Fiftyfifty das Aus bedeuten. Bis zur völligen Aufklärung des Sachverhaltes durch unabhängige Wirtschaftsprüfer und die Staatsanwaltschaft wurde die Zusammenarbeit mit der Ordensgemeinschaft daher jetzt ausgesetzt.
Der Westen, 14.02.2014
 
René Marik in der neuen Ausgabe von fiftyfifty
Der beliebte Puppenspieler René Marik hat ein Interview für das Straßenmagazin fiftyfifty gegeben. Er spricht darin über seine Figuren Maulwurf, Eisbär & Co und warum er damit aufhört. Außerdem berichtet er von seinem Kinofilm "Autsch'n" und erzählt von seinem Werdegang zum Comedy Idol, seiner abgebrochenen KFZ-Ausbildung und einem abgebrochenen Mathematikstudium. Den Leser erwartet ein Interview mit Cliff Richard, der seine hundertste Platte veröffentlicht hat und auf Deutschland-Tournee ist. Fiftyfifty Schirmherr Bruder Matthäus Werner freut sich über die prominente Unterstützung für das Straßenmagazin. Beide Interviews sind in der aktuellen Ausgabe von fiftyfifty.
WZ, 29.01.2014
 
Radierungen von Cragg bei fiftyfifty
Tony Cragg hat als seinen Beitrag zur Finanzierung von 40 neuen Obdachlosen-Wohnungen fünf verschiedene Radierungen in einer exklusiven Auflage von je nur 20 Exemplaren unter dem Titel "profiles" geschaffen. Diese Kaltnadelradierungen auf Bütten, nummeriert, datiert und handsigniert, gibt es zur Zeit in der Galerie fiftyfifty zum Preis von 2200 Euro. Alle fünf Grafiken im Set kosten 10 000 Euro. Pro Person wird maximal ein Set verkauft, Händler sind vom Erwerb ausgeschlossen. Vor mehr als zehn Jahren hat Bruder Matthäus Werner für fiftyfifty den Bildhauer, der bis vor kurzem Direktor der Kunstakadamie war, um Unterstützung der Obdachlosenhilfe gebeten. Es kam zu Begegnungen in seinem Atelier in Wuppertal, wo er seinen über die Landesgrenzen hinweg bekannten Skulpturenpark Waldfrieden angelegt hat. Craggs Skulpturen sind in allen bedeutenden Museen und Sammlungen vertreten erzielen weltweit Spitzenpreise. Cragg ist mit vielen Ehrungen ausgezeichnet wie etwa dem renommierten Turner Prize.
WZ, 27.01.2014
 
Bin erschüttert, wie viele Obdachlose hier liegen
Düsseldorf Riesen-Streit um Obdachlose im reichen Düsseldorf! Ausgelöst hat ihn Schauspielerin Jutta Speidel, die gerade im Theater an der Kö (Verliebt, verlobt, verschwunden) gastiert.
Die Schauspielerin im Interview mit Antenne Düsseldorf: Ich bin erschüttert, wie viele Obdachlose herum liegen! Eine Stadt wie Düsseldorf hat es nicht nötig, dass sie sich nicht besser um diese Leute kümmert. Besonders für eine Metropole, die viel für ihr Stadtbild tut, sei das nicht schön.
Wolfgang Janetzki (CDU), Vorsitzender des Sozialausschusses, kontert: Das sieht vielleicht so aus, ist aber falsch. Die Stadt tut sehr viel für Obdachlose, hält für jeden ein Dach überm Kopf vor. Diejenigen, die auf der Straße leben, wollen nicht in unseren Unterkünfte wohnen.
Vize-Sozialamtschefin Maria Ewers nennt Zahlen: In Notunterkünften wohnen 800 Obdachlose, in stationären Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe 400, nur 200 haben sich für die Straße entschieden. Auch für sie gibts Notschlafstellen.
Fiftyfifty-Initiator Hubert Ostendorf: Ich freue mich, dass Frau Speidel mit offenen Augen durch die Stadt geht. Das Obdachlosen-Problem hat Düsseldorf aber wirklich gut im Griff.
Bild, 20.01.2014
 
Über 20 Jahre mit Obdachlosenmagazin auf der Straße
Herr Paul, wie fällt Ihre finanzielle Adventsbilanz aus?

Martin Paul: Ich kann mich nicht beklagen. Aber das gilt im Grunde genommen das ganze Jahr über. Viele Leute kennen mich, kein Wunder, ich bin ja auch mehr als 20 Jahre auf der Straße.

Sind die Leute denn im Advent freigiebiger als sonst?

Paul: Doch, das schon. Die Zeitung verkauft sich im Dezember recht gut, vor allem aber kommen jetzt mehr Passanten und fragen: Darf ich Ihnen auch einfach nur so etwas geben? Gerne, sage ich dann.

Sie stehen immer an diesem Ausgang vom Carsch-Haus an der Grabenstraße. Wäre es nicht lukrativer, sich auf einen der Weihnachtsmärkte zu stellen?

Paul: Ach was, nein, da ist nicht viel zu holen. Ich habe das vor vielen Jahren mal auf dem Engelchenmarkt versucht aber es ist ja doch nur ein Geschiebe und Gedränge, und die Leute sind auch bald genervt, wenn sie beim Glühweintrinken permanent angebettelt werden. Das kann ich gut verstehen.

Wie also sieht Ihre Taktik aus?

Paul: Zurückhaltung, Zurückhaltung, Zurückhaltung. Wobei das jetzt nicht antrainierte Taktik ist, sondern meinem Naturell entspricht. Man sollte die Leute nicht direkt ansprechen oder gar bedrängen, das geht vielen auf den Keks. Ich habe nicht einmal einen Becher, den ich jemandem hinhalte.

Und sonst, wie empfinden sie denn so die Düsseldorfer?

Paul: Ich fühle mich wohl hier und das sagt ja auch etwas über die Düsseldorfer aus. Wenn man ihnen höflich begegnet, dann sind sie auch nett. Es kommt gerade jetzt im Winter immer wieder vor, dass mich jemand fragt, ob ich einen Kaffee oder ein belegtes Brötchen möchte. Aber natürlich höre ich auch viel blödes Gemecker. Manche regen sich sogar auf, wenn hier in der Altstadt jemand Geige auf der Straße spielt können Sie das verstehen?

Nein, es sei denn, es klingt grauenvoll. Wollen Sie ein bisschen von sich erzählen?

Paul: Wie gesagt, ich war bei Fifty-Fifty praktisch von Anfang an dabei, mein Verkäuferausweis hat die Nummer 35. Und ich stehe noch immer sechs Tage von 10 bis 14 Uhr mit einem Lächeln hier auf der Straße. Ich bin ohnehin nicht der Typ, der immer anderen die Schuld gibt. Ich weiß, dass ich selber Mist gebaut habe.

Welchen denn?

Paul: Ich war in Holland auf dem Gymnasium, kurz vor dem Abschluss und dann hab ich mich mit meinen Eltern total verkracht und alles hingeschmissen. Und das heißt in Holland: Du stehst ohne Schulabschluss da.

Wie gings weiter?

Paul: Ich hab trotzdem zwei Ausbildungen machen können, als Autolackierer und als Kunststoffhersteller. Ich bin dann nach Berlin gegangen und habe da auch in der Kunststoffindustrie gearbeitet. Irgendwann aber bin ich voll in der Berliner Partyszene versackt.

Alkohol, Drogen: Als Sie nach Düsseldorf kamen, waren Sie nicht in einem guten Zustand.

Paul: Nein, weiß Gott nicht. Ich habe in der Notschlafstelle an der Klosterstraße übernachtet

und lange Platte gemacht, war mit meinem Schlafsack und Hund am Rhein oder hinterm Opernhaus. Aber da geht jetzt auch nichts mehr, einige Kollegen haben sich einfach nicht benommen, ihren Müll nicht weggeräumt oder Leute angepöbelt.

Wie ist Ihre Lage aktuell?

Paul: Ziemlich gut, denn ich lebe jetzt in einer kleinen Wohnung in Bilk. Und an den Feiertagen habe ich frei.
WZ, 24.12.2013
 
Schüler hängen Karten auf Leine
Schüler der Lore-Lorentz-Schule engagieren sich erneut für Obdachlose. Sie haben 25 Postkarten mit weihnachtlichen Motiven gestaltet, die die fiftyfifty-Verkäufer im Satz für zehn Euro verkaufen können. "Die Motive sollen über Obdachlosigkeit aufklären", so der verantwortliche Lehrer Marc Riedel. Die Präsentation der Karten ist heute um 13 Uhr auf dem Marktplatz, wenn die Schüler 500 Karten vor dem Rathaus auf einer langen Wäscheleine aufhängen wollen.
Rheinische Post, 24.12.2013
 
Thomas Ruff Obdachlosenhilfe
Seit 1995 verkauft die Galerie des Düsseldorfer Straßenmagazins "fiftyfifty" Kunst, die ihr als Spende überlassen wird, seit 2001 unterhält sie einige Räume. Die Preise liegen etwas unterhalb des Marktwerts, und wer zugreifen möchte, sollte sich keine lange Bedenkzeit nehmen. Das "Weihnachtsgeschenk", mit dem Thomas Ruff den Ausbau zweier Häuser für Obdachlose unterstützt, hat eine Auflage von hundert Exemplaren: Die Arbeit aus der neuen Serie Fotogrammen trägt den kryptischen Titel "phg. 06/I" (Abzug 40 mal 30 Zentimeter auf 50 mal 40 Zentimetern, verso von Hand nummeriert, datiert und signiert). Sie wird für 2000 Euro, bei telefonischer Bestellung bis zum 13. Dezember (0211-9216284) zum Subskriptionspreis von den Fotogrammen eines Lázló Moholy-Nagy oder Man Ray, setzt Ruff, anders als die Vorläufer, bei der Belichtung der Gegenstände farbiges Licht ein und lässt die Projektion der Schatten auf dem Untergrund des virtuellen Raums zu einem Bild rendern. Die Reihe "photograms" zeigt die Johnen Galerie in Berlin bis zum 25. Januar
FAZ, 07.12.2013
 
Obdachloser mit eigener Ausstellung
Düsseldorf - er ist fiftyfifty-Verkäufer, Stadtführer und ein talentierter Künstler: Patrick Jansen (34). Ab Freitag (bis Mitte Januar) stellt der obdachlose, drogen- und alkoholkranke Mann seine Graffiti Art in der fiftyfifty Galerie (Jägerstraße 15) in Düsseldorf aus. Schon als Kind entdeckte Patrick seine Leidenschaft fürs Malen, kritzelte kleine Bilder in Schulhefte, sprayte später mit Freunden. Heute sprüht er seine Graffitis auf Leinwand, malt erfolgreich gegen die Sucht. 11 seiner Objekte sind in der Galerie ausgestellt und zu kaufen. Die Vernissage am Freitag beginnt um 18 Uhr.
Bild, 06.12.2013
 
Kunst und Therapie
So etwas gibt es wohl nur in der fiftyfifty-Galerie. Da, wo sonst die ganz großen Namen wie Gerhard Richter oder Thomas Ruff vertreten sind, stellt nun ein junger obdachloser, alkohol- und drogenkranker Mann seine Werke aus. Und die können sich sehen lassen.
Patrick Jansens Graffiti-Art ist Kunst und Therapie zugleich. D
as Malen hat ihm geholfen, clean zu werden. Schon in der dritten Klasse hat er die Graffiti-Kunst für sich entdeckt. Er kritzelte erste, kleine Bilder in seine Hefte und auf Zeichenpapier. Als er dann auf die weiterführende Schule kam, ging es L1110255 (2)erst richtig los: Man zeigte sich gegenseitig untereinander Bilder und sprayte zusammen - hatte einfach Spaß. Von außen machte es den Anschein nach einer guten Familie. Doch Patricks Eltern haben fast nichts erlaubt, er durfte keine Freunde mit nach Hause bringen und woanders übernachten war auch nicht drin. Nach dem Hauptschulabschluss absolvierte der Jugendliche ein Praktikum als Schauwerbegestalter, doch die zugesagte Ausbildungsstelle bekam er nicht. Und weil es zu Hause einfach nicht mehr ging, wurde Patrick nun in ein Heim gesteckt. Dort kam er mit Heroin in Kontakt. Er jobbte als Müllmann, aber durch seine Sucht war das nicht von Dauer. Da er Geld für die Drogen brauchte, begann er zu klauen - alles was geldversprechend war. Die erste Haftstrafe folgte auf den Fuß. Und: Patrick bekam die Diagnose HIV. Er entschied sich, offen damit umzugehen, doch dadurch bekam er dann gar keine Jobs mehr. Mit der Zeit wendeten sich alle von ihm ab, auch die besten Freunde und seine Familie. Die Einzige, die Patrick noch blieb, war seine Oma. Seit Juli 2008 verkauft Patrick die fiftyfifty, er ist nun clean, trinkt ab und zu mal einen über den Durst. Er wohnt zusammen mit seinen zwei Katzen in einer kleinen Wohnung und malt seine Graffitis nun auf Leinwand phasenweise wie ein Besessener. Malerei gegen Sucht. Malen als Ausdruck. Meine Bilder sind die Chiffren meines Lebens, sagt Patrick, der Überlebenskünstler. Chiffren, die es zu entdecken gilt, in wahrlich großartigen Kompositionen.

Jede/r Besucher/in erhält gratis ein handsigniertes Kunstwerk von Patrick Spende für Patrick erwünscht. Es werden viele fiftyfifty-VerkäuferInnen kommen. Wir freuen uns auf rege Beteiligung und anregende Dialoge (bei einer Flasche Bier oder einem Glas Wasser).
NRZ, 06.12.2013
 
"Kunst hilft geben" spendet 12 000 Euro
Mit dem Geld von Kunst hilft geben finanziert das Johannishaus in der Südstadt die Winterhilfe für Obdachlose. Rund 12 000 Euro kann der Kölner Verein spenden. Dabei handelt es sich unter anderem um den Erlös aus der Ausstellung Himmel über der Straße.

Die Zusammenarbeit mit Düsseldorf hat den Kölnern mächtig Auftrieb gegeben. Rund 12 000 Euro kann der Kölner Verein Kunst hilft geben an soziale Projekte weitergeben, Erlös unter anderem aus der Ausstellung Himmel über der Straße Topografie der Obdachlosigkeit, die mit dem Düsseldorfer Verein Fifty Fifty im Neuen Kunstforum gezeigt worden war. Beide Initiativen sammeln über den Verkauf von Kunst Geld für sozial Schwache.

Fifty Fifty besteht seit 18 Jahren und hat in der Zeit 4000 Menschen geholfen, von der Straße wegzukommen. Soweit sind die Kölner noch nicht, doch rund 100 000 Euro sind geparkt, um, beispielsweise bei einer Zwangsversteigerung, ein Haus zu kaufen, das Wohnungslosen eine Bleibe bietet. 5000 Euro bekommt das Johanneshaus in der Südstadt, das damit die Winterhilfe für Obdachlose finanzieren will. 25 Plätze sollen zu den 130 ständigen bereitgehalten werden, Albert Becker, Leiter der Einrichtung, rechnet vorwiegend mit Polen, Rumänen und Bulgaren. Die Menschen können im Haus schlafen, die Duschen und die Kleiderkammer nutzen und bekommen ein Frühstück, dann müssen sie das Haus wieder verlassen.

Ausstellungsraum gesucht

Kunst hilft geben spendet, so Initiator Dirk Kästel, außerdem 5000 Euro an die Kölner Tafel, je 1000 Euro gehen an wir helfen und die Gute Tat. Fürs kommende Jahr wird ein Ausstellungsraum gesucht, um die Arbeiten unter anderem von Sigmar Polke, Rosemarie Trockel, Gerhard Richter und Klaus Staeck präsentieren zu können. Das neue Kunstforum steht nicht zur Verfügung. Wir sind zufrieden und hochmotiviert, sagt Kaestel, zumal alle ehrenamtlich tätig sind.

Auf einem anderen Gebiet ist die Zusammenarbeit zwischen Köln und Düsseldorf ebenfalls intensiviert worden: Die Obdachlosenzeitung Fifty Fifty wird jetzt auch in Köln verkauft. Die nächste Aktion ist ein Weihnachtsessen. Das Restaurant Purino in Mülheim lädt 100 Obdachlose ein, De Vajabunde machen Musik. (sk)
Kölner Stadtanzeiger, 05.12.2013
 
Lorentz-Schüler tun etwas für Obdachlose
Das Lore-Lorentz-Berufskolleg in Eller setzt sich verstärkt für die Initiative fiftyfifty und für Menschen ohne festen Wohnsitz sein. Schon im September hatte die Schule eine Benefizaktion organisiert, nun folgte die nächste: Im Bildungsgang Gestaltungstechnik haben Jugendliche Weihnachtskarten gestaltet die seit dieser Woche zugunsten der Obdachloseninitiative verkauft werden. Die Karten werden nun von Verkäufern des Straßenmagazins fiftyfifty vertrieben sowie an der Abendkasse des Kom(m)ödchens am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz, im Satz mit jeweils 25 Motiven. Kollegschülerin Nicole Schüneman freut sich über die Gelegenheit, etwas für Wohnungslose tun zu können: "Eigentlich kann jeder ein Held sein. Man muss nur teilen können und das auch tun", so ihr Fazit.
WZ, 04.12.2013
 
Straßenhunde
Passend zur Weihnachtszeit bringt das Straßenmagazin "fiftyfifty" seinen Jahreskalender mit zwölf herrlichen Schwarz-Weiß-Portraits von Straßenhunden. "Straßenhunde 2014" heißt er und die Stars der DinA3-Seiten sind die treuen Begleiter der Obdachlosen.

Die Fotografin:
Britta Strohschen hat im Rahmen vieler Tiersprechstunden der fiftyfifty Tier- und Obdachlosenhilfe Underdog diese beeindruckenden Fotos geschossen. Die Fotografin lebt und arbeitet in Rösrath und begleitete fotografisch unter anderem 2007 eine Rettungshundeinheit. Mit dem Kauf eines Kalenders wird die Obdachlosen- und Tierhilfe Underdog unterstützt, die grundsätzlich auf jede Spende angewiesen ist.
Dietmar Geimer, der seit etlichen Jahren täglich mit der Zeitschrift fiftyfifty am Haupteingang zur Bismarckpassage (Mittelstraße) steht, verkauft auch in diesem Jahr wieder die Kalender.
Hallo Hilden, 04.12.2013
 
Campino trifft die rot(h)en Hosen
DÜSSELDORF/ BERLIN
Tote Hose trifft rot(h)e Hose: Als Campino (51) im Berliner Bundestag vorbeischaute, traf er Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (58) standesgemäß in rotem Top und roter Hose an.
Im Namen der Band übergab ihr die Düsseldorfer Punkrock-Ikone über 30000 Unterschriften, die die Toten Hosen auf ihrer letzten Tournee für eine humanere Flüchtlingspolitik gesammelt hatten. Und er gab mahnende Worte mit auf den Weg: Wir dürfen Meldungen, dass Flüchtlinge im Meer absaufen, nicht einfach so hinnehmen, wie einen lästigen Stau auf der Autobahn.
Zeitgleich war auch Hosen-Bassist Andi Meurer für den guten Zweck in der Düsseldorfer Heimat unterwegs.
Im Fotolabor Grieger übergab er ein Foto vom Toten-Hosen-Auftritt im Bochumer Ruhrstadion 2013 an fiftyfifty-Schirmherr Bruder Matthäus. Andis Frau Carla Meurer hatte das 1,70 x 1,30 Meter große Bild aufgenommen. Nun soll es den Düsseldorfer Obdachlosen zugute- kommen. Andi Meurer: Wir wünschen uns, dass der ein oder andere durch den Erlös eine Bleibe findet.
Gebote bitte an info@fiftyfifty-galerie.de, Mindestgebot: 3000 Euro.
Express, 04.12.2013
 
Den Schwachen eine Chance geben
Altstadt. Diese Zahl ist beeindruckend: In den 19 Jahren der Existenz des Magazins fiftyfifty haben wir mit der Hilfe vieler Menschen über 4000 Menschen von der Straße geholt. In unseren sieben Häusern wohnen fast 200 Obdachlose auf Zeit, die wir anschließend in Wohnungen des freien Marktes vermitteln, betont Bruder Matthäus Werner von den Franziskanern.

Das Besondere dabei: Die Bewohner haben beim Ausbau ihres neuen Heimes kräftig mitgeholfen. Auf diese Weise wächst die Wertschätzung für die Unterkunft und Obdachlosen entdecken längst vergessene oder neue Fähigkeiten, was auch das Selbstbewusstsein stärkt. Aus dem Projekt Obdachlose bauen ihr Haus ist vor vielen Jahren zudem eine Beschäftigungshilfe entstanden, die Menschen ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt behutsam wieder an Arbeit heranführt.

Von der Straße holen
Wohl kein anderes Straßenmagazin hat mehr dazu beigetragen, so vielen Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben. Darauf sind wir sehr stolz. Wir wollen nun eine alte Immobilie meines Ordens um- und ausbauen sowie ein weiteres Haus für 40 Obdachlose, das wir preiswert erwerben konnten, renovieren, um noch mehr Menschen dauerhaft von der Straße zu holen, sagt Bruder Matthäus und appelliert an die Düsseldorfer: Bitte helfen Sie uns dabei. Wir sind dringend auf Unterstützung angewiesen. Gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit, sollten die Nöte der Menschen von der Straße nicht in Vergessenheit geraten, mahnt er: Bitte zeigen Sie Mitgefühl. Tragen Sie mit dazu bei, dass Menschen vom Rande der Gesellschaft dauerhaft geholfen werden kann. Denn Ihre Spende trägt dazu bei, ein Projekt zu realisieren, das womöglich die nächsten 50 Jahre noch wirksam ist, prognostiziert Werner, der gerade erst seinen 70. Geburtstag feierte.

Seinen Appell unterstreicht er mit einem aktuellen Zitat von Papst Franziskus: Die Reichen müssen den Armen helfen, sie achten und fördern.

Das neue Projekt ist ehrgeizig und kostet etwa zwei Millionen Euro, obwohl wir natürlich wie immer sehr sparsam und bescheiden haushalten, betont der Geistliche.
NRZ, 04.12.2013
 
fiftyfifty sammelt Spenden für Wohnungen
Die Obdachlosenzeitung "fiftyfifty" hat eine Spendenaktion für zwei neue Wohnprojekte gestartet. Eine alte Immobilie des Franziskanerordens sowie ein grünstig erworbenes Haus sollen zu Hilfereinrichtungen für Wohnungslose umgebaut werden, wie fiftyfifty-Schirmherr Bruder Matthäus Werner mitteilte. Die Wohnheime sollen 40 Obdachlosen Platz bieten. Die Umsetzung in Höhe von rund zwei Millionen Euro soll auch über Spenden finanziert werden.
Rheinische Post, 02.12.2013
 
Fotos von Thomas Ruff für fiftyfifty
Fotokünstler Thomas Ruff hat fiftyfifty jetzt eine Edition seiner neuen Serie "Photogramme" geschenkt. Die 80 Bilder werden ab heute für insgesamt 3 Tage für 1500 Euro zu haben sein. Danach kosten sie 2000 Euro. Mit dem Geld will Ruf den Ausbau der zwei neuen Häuser für Obdachlose unterstützen.
Die Fotos werden nach Fertigstellung und Signierung Anfang Dezember geliefert.
WZ, 27.11.2013
 
Kuhna spendet für Obdachlose
Düsseldorf. Der Künstler Hermann-Josef Kuhna hat der Obdachlosenhilfe erneut ein Ölbild und zehn Grafiken in einer Auflage von je zehn Exemplaren geschenkt. "Damit sollen die beiden neuen Obdachlosenhäuser von Bruder Matthäus unterstützt werden, durch die 40 Menschen von der Straße geholt werden", sagte der emeritierte Professor. Nicht zuletzt in Düsseldorf ist Kuhna einem breiten Publikum durch die Bemalung der Mauer an der Freitreppe am Burgplatz bekannt. Sein raumgreifendes Kunstwerk "Rivertime" ist zu einem der Wahrzeichen der Stadt avanciert. Einer der bedeutenden Kunstsammler unserer Zeit, Willi Kemp, hat über Kuhnas Werk geschrieben: "Kuhnas Bilder sind organisiert wie lebendige Körper. Der Künstler hat ihnen ein System eingehaucht, das aber nicht offensichtlich ist."
Rheinische Post, 26.11.2013
 
Stadt schließt Unterkunft für Bedürftige
39 Bewohner müssen aus Obdach in Benrath ausziehen. Die Stadt will Ersatz finden Streetworker bezweifeln, dass das geht.
Düsseldorf. Eigentlich müsste Sascha (39) seit zwei Wochen raus sein. Der schwer kranke Mann lebt seit fünf Jahren im städtischen Obdach an der Benrather Forststraße. Doch zum 31. Oktober wurde ihm und 38 weiteren Bewohnern gekündigt.

Er könne sich bei der Suche nach günstigem Wohnraum Unterstützung bei der Stadt holen möge doch aber auch in die Annoncen der Tageszeitungen schauen, heißt es in dem Schreiben. Für Streetworker Oliver Ongaro von Fifty-Fifty ist es ein Skandal, dass die Stadt ausgerechnet vor dem Winter eine Unterkunft für Wohnungslose dichtmacht.
Hintergrund ist offenbar ein Zwist der Stadt mit dem Eigentümer des Hauses an der Forststraße. Man habe keinen gemeinsamen Nenner gefunden, sagt Michael Frisch vom Amt für Kommunikation. Deshalb wird der Mietvertrag der Stadt zum 31. Dezember gekündigt. Das Amt für Gebäudemanagement wird den Bewohnern jetzt Ersatz anbieten, kündigt Frisch jedoch an. Unsere Kapazitäten reichen.

Das bezweifelt Ongaro allerdings: Die Stadt hat einfach nicht mehr genug eigene Liegenschaften. So blieben ausgerechnet die Schwächsten in der Gesellschaft auf der Strecke was sich auch bei der Unterbringung von Asylbewerbern zeige. Über 1100 von ihnen sind inzwischen in der Landeshauptstadt.

Zuletzt wurden leerstehende Häuser der städtischen Wohnungsgesellschaft (SWD) für diese Menschen aus Syrien, Afghanistan oder den ehemaligen Gus-Staaten hergerichtet, doch immer mehr Flüchtlinge müssen dennoch in Hotels einquartiert werden. Mittlerweile sollen es über 200 sein. Für die Stadt ist das teuer und den Flüchtlingen fehlt es an Betreuung und Beratung.

Sascha ist schwer krank zurück auf die Straße kann er nicht

Jetzt verschärft sich der Mangel an städtischen Unterkünften weiter. Dass es für Sascha und die anderen Obdachlosen an der Forststraße bald eine Lösung geben wird, bezweifelt deshalb nicht nur Ongaro. Die Sozialarbeiter der Stadt bemühten sich bereits seit Monaten. Aber ohne Wohnungen können sie auch nicht vermitteln. Auch Bemühungen von Fifty-Fifty scheiterten bislang. Bei der SWD etwa habe man ihn abgewiesen, mit dem Hinweis, für Bewohner einer städtischen Unterkunft sei nun einmal die Stadt zuständig, sagt Ongaro.

Die Zeit drängt. Schließlich ist das Mietverhältnis von Sascha und den anderen offiziell seit zwei Wochen beendet. Immerhin 240 Euro kalt zahlt das Jobcenter für die 19 Quadratmeter, die er und sein Mitbewohner sich teilen. Renoviert hat Sascha das kleine Zimmer selbst. Man kann sich alles schön machen. Ich glaube, ich muss mich nicht schämen, sagt er obwohl ihn der Schimmel und die kaputten Fliesen im Gemeinschaftsbad auf dem Flur doch etwas stören.

Für ihn ist nur wichtig, dass er mit seinem Mitbewohner weiter zusammenbleiben kann. Sascha ist HIV-infiziert und leberkrank, sein Freund hat Multiple Sklerose beide sorgen füreinander. Sie können auf keinen Fall zurück auf die Straße, sagt Streetworker Ongaro.
WZ, 15.11.2013
 
Bruder Matthäus: Immer im Dienste der Bedürftigen
Er würde niemals großes Tamtam um seine Person machen. Deshalb feiert Matthäus Werner heute auch im kleinen Kreis und im Rahmen einer Heiligen Messe mit anschließendem Kaffeetrinken. Ganz Ordensmann eben. Franziskanerbruder Matthäus, der schon mehrfach für seine Hilfsprojekte für Obdachlose ausgezeichnet wurde, feiert heute seinen 70. Geburtstag.

Seit 1963 im Franziskanerorden
Wenn es um die Probleme anderer geht, ist Bruder Matthäus allerdings sofort zur Stelle. Im Sommer hatte er sich noch bewusst an die Öffentlichkeit gewandt. Der Schirmherr des Fiftyfifty-Magazins hatte daran erinnert, Obdachlose auch in der warmen Jahreszeit nicht zu vergessen. Dann nämlich gerieten die Nöte obdachloser Menschen aus dem öffentlichen Bewusstsein.

Bruder Matthäus Werner wuchs in Oberkassel auf und hatte schon früh das Ziel, Mönch zu werden. Mit 20 Jahren ging er zu den Armen Brüdern des Heiligen Franziskus. Seit 1971 ist er im Orden für die Obdachlosenhilfe zuständig. 1994 gründete er gemeinsam mit Hubert Ostendorf das Straßenmagazin Fiftyfifty. Seitdem erscheint es monatlich mit einer Auflage rund von 40 000 Heften. Ziel der Zeitung war und ist, ein friedliches Miteinander zu schaffen und Randgruppen zu integrieren.

Und im Sommer wie im Winter gilt für Bruder Matthäus: Bitte vergessen Sie die uns Anvertrauten nicht. Gehen Sie nicht vorbei. Kaufen Sie eine Obdachlosenzeitung und verschenken Sie einige nette Worte. Die Hilfe, die Sie geben, bekommen Sie zumeist doppelt und dreifach zurück. Etwa durch ein Lächeln, ein Dankeschön oder einen guten Rat!
NRZ, 08.11.2013
 
Diese Bilder können Obdachlose retten
Ein Projekt, das den Bedürftigsten zugute kommt. Die Ausstellung Himmel über der Straße Topografie der Obdachlosigkeit zeigt rund 100 Werke internationaler Topstars der Kunstszene. Die Erlöse fließen komplett in den Bau einer neuen Wohngemeinschaft für rund 30 Menschen ohne Dach über dem Kopf.
Was für eine noble Geste: Für die am Freitag beginnende Benefiz-Ausstellung .Himmel über der Straße Topografie der Obdachlosigkeit im Neuen Kunstforum spendeten internationale Topstars der Kunstszene wie Gerhard Richter, Markus Lüpertz, Jonathan Meese, Thomas Struth und Nachfahren des verstorbenen Künstlers Jörg Immendorff einzelne Werke.
Ziel des gemeinsamen Projekts der Obdachlosenzeitschrift fiftyfifty und des Vereins Kunst hilft geben e.V.: Obdachlosen und bedürftigen Menschen ein Dach über dem Kopf bieten. Wir planen ein Haus mit vier bis acht Wohnungen für rund 30 Menschen ohne feste Bleibe. Für die Finanzierung fehlt uns noch Eigenkapital in Höhe von 150000 Euro. Wir hoffen, dass wir das mit dieser Ausstellung decken können, sagt der Leiter der Initiative, Hubert Ostendorf.
Die Hoffnungen sind berechtigt, denn allein der Richter-Druck Kerze hat einen geschätzten Wert von 20000 Euro. Teuerstes Objekt ist allerdings die 78-teilige Fotostrecke Obdachlose fotografieren Passanten des rheinischen Fotokünstlers Thomas Struth mit einem Festpreis von 28000 Euro. Einziges unverkäufliches Objekt ist Immendorffs Oscar für Arme, die Symbolfigur der Ausstellung.
Die von den Künstlern gespendeten Werke werden nach dem Motto Wer zuerst kommt, mahlt zuerst verkauft. Der Eintritt ist frei, die Kunststücke werden noch bis zum 10.11.2013 ausgestellt.
Express, 25.10.2013
 
Große Kunst für Obdachlose
Er war schon in Moskau und Peking, Kairo, Rom, Barcelona, Washington und sogar in der Arktis: HA Schults Trash-Man ist weit rumgekommen. Jetzt steht die Müll-Skulptur des Kölner Künstlers im Neuen Kunstforum.

Er war schon in Moskau und Peking, Kairo, Rom, Barcelona, Washington und sogar in der Arktis: HA Schults Trash-Man ist weit rumgekommen. Jetzt steht die Müll-Skulptur des Kölner Künstlers mitten im Neuen Kunstforum und wartet auf einen Sammler, der bereit ist, mindestens 11 000 Euro dafür lockerzumachen.

Das Kunstwerk ist eine von knapp 200 völlig unterschiedlichen Arbeiten, die ab heute zugunsten armer und obdachloser Menschen verkauft werden. Bedeutende internationale Künstler und Sammler haben dem Verein Kunst hilft geben Bilder, Fotografien und handsignierte Drucke kostenlos zur Verfügung gestellt.

Gemeinsam mit der gemeinnützigen Düsseldorfer Organisation fiftyfifty hat der Verein die Benefizausstellung Himmel über der Straße Topografie der Obdachlosigkeit organisiert. Zu sehen und zu kaufen sind bis 10. November Schenkungen von Gerhard Richter, Sigmar Polke, Joseph Beuys und seinem Schüler Anatol, Chagall und Dalí, Käthe Kollwitz und Markus Lüpertz, August Sander und vielen weiteren, auch weniger bekannten Künstlern. Mit dem Geld möchte kunst hilft geben Kölner Einrichtungen unterstützen, die sich um Arme und Wohnungslose kümmern. Außerdem soll ein Haus finanzieren werden, in dem Obdachlose leben können.

Die Eröffnung wird heute ab 19 Uhr am Alteburger Wall 1 gefeiert. Günter Wallraff ist für eine Lesung zwar angekündigt, muss aber aus gesundheitlichen Gründen eventuell kurzfristig absagen. Bei der Museumsnacht am 9. November liest er um 20.30 und 21.30 Uhr. Musik gibts dann vom Teufelsgeiger Prof. Igor Epstein um 20, 21 und 23 Uhr. Schauspielerin Jasmin Hahn liest zum Thema Nächstenliebe und Hartz IV (23 und 1 Uhr). (kah)
Kölnische Rundschau, 25.10.2013
 
Düsseldorf hilft obdachlosen EU-Migranten
Erst einmal ein Dach über dem Kopf und dann Informationen über Sprachkurse oder Arbeit im neuen Land: Das Düsseldorfer Projekt "eastwest" gibt wohnungslosen Menschen aus EU-Ländern wie Rumänien und Polen Starthilfe. Drei Jahre wurde das Modellprojekt vom NRW-Integrationsministerium mit insgesamt 160 000 Euro gefördert, nun kommt eine private Stiftung dafür auf. Das Besondere sei, dass es hier schon früh um die Lebenssituation der Arbeitsmigranten gehe, lobte gestern Sozialminister Guntram schneider. Das von der Einrichtung für Obdachlose "fiftyfifty" getragen Projekt verfügt über 60 Wohnungen und klärt mit Dolmetschern über Rechte und Pflichten, etwa Schulpflicht, Essensausgaben oder Kleiderkammern, auf. 2000 Menschen wurden seit Oktober 2010 beraten.
WZ, 24.10.2013
 
fiftyfifty spot morgen im Kino
"Straßenleben - ein Straßenrundgang mit fiftyfifty Verkäuferinnen" lautet der Titel des neuen Kinospots, der morgen im Düsseldorfer UFA Palast und in den Programmkinos anläuft. Seit Juni führen Verkäufer des Straßenmagazins fiftyfifty Interessierte an verschiedene Orte und zeigen sie den Teilnehmern aus ihrer Perspektive. das Projekt vom zakk und von fiftyfity ist seit Monaten ausverkauft und begeisterte Einzelpersonen, Freundeskreise, Schulklassen und Gewerkschaften. Wo übernachten Wohnungslose? Wie strukturieren sie ihren Tag? Solche Einblicke in die Lebenswelt der Verkäufer soll das Projekt gewähren. Der Kinospot dokumentiert den Stadtrundgang "Straßenleben". Produziert wurde er von Aaron Jablonski und Jonathan Kastl, Studierende im Studiengang Ton und Bild.
WZ, 16.10.2013
 
Fotografien beeindrucken bei Fiftyfifty
Unter dem Titel "Gen 1:26" zeigt Britta Strohschen ihre Fotoarbeiten in der Fiftyfifty-Galerie. Die Bilder machen Lust auf mehr. Vor dem größten Werk hingegen dürften sich viele Besucher erschrecken. von holger Lodahl Eller Der Mensch, das Tier und die Umwelt - für Britta Strohschen bilden sie eine Einheit. "Alles steht in einem großen Zusammenhang zueinander." Was immer ein Mensch tue, so fügt sie hinzu, beeinflusse einen anderen. Die Fotografin zeigt eine Auswahl ihrer Bilder zurzeit in der Fiftyfifty-Galerie und möchte durch die Anordnung der Exponate darstellen, dass auch ihre Werke einen Einfluss haben. Jeweils zwei Fotografien hat Strohschen zu Paaren vereint. "Der Betrachter kann sich fragen, wie die beiden Bilder mit einander in Verbindung stehen und was das Bildpaar mit ihm zu tun hat." So wie bei dem Foto, das einen im Gras liegenden Körper zeigt. Ein Hund, der im Begriff ist, in das Motiv zu laufen, ist als Rettungshund gekennzeichnet. Dass der Mann einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist, ahnt der Betrachter. Neben diesem Foto hängt die Abbildung einer im Sessel sitzenden und strickenden Frau. Britta Strohschen gibt Interpretationshilfe: "Das Bildpaar zeigt zum einen die Gefahr des Alltags in unserer äußeren Umgebung und zum anderen eine heile Welt, den geschützten Bereich zu Hause." Wer die etwa 40 mal 60 Zentimeter großen Bilder sehe, solle zu Überlegung veranlasst werden. Bin ich auf einen Notfall gut vorbereitet? Wie werde ich im Alter Leben? Welchen Bezug habe ich zu alten Menschen? Etwa 20 auf Aluminiumplatten gedruckte Bilder hat Britta Strohschen auf diese Weise einander zugeordnet. Katharina Mayer ist beeindruckt. Die Düsseldorfer Fotokünstlerin eröffnete die Ausstellung und schrieb ein Vorwort für den Katalog. Strohschens Motive handeln vom Herrschen und Dienen, sagt sie. Denn während auf dem Bild mit dem im Gras liegenden Mann der Hund rettende Kraft sei, zeige ein anderes Werk, wie abhängig doch die Hunde vom Menschen sind. Dieses Bild zeigt Tierärzte, die den Vierbeiner eines Obdachlosen untersuchen. "Wer rettet wen? Das Tier den Menschen oder der Mensch das Tier?", fragt Mayer.
Zwei Großformate mit dem Maß 180 mal 120 Zentimeter beantworten die sonst offene Frage genigstens in einer Hinsicht. Das linke Foto ist undeutlich. Schemenhaft und mit einer morbiden Schönheit zeigt es einen von der Ferne aufgenommenen Vulkanausbruch auf Hawaii. Im Vordergrund blinken die Lichter einer Stadt. Im Hintergrund leuchtet die Lava. Deren Rot dient als optischer Einstieg in das Partnerbild. Es genauer zu betrachten fällt schwer: Die große Bildfläche wird von einer Aufnahme eines Kinderkopfes ausgefüllt. Dem Tier hängt die Zunge aus dem Maul, aus einer Halsverletzung strömt Blut. "Gemacht habe ich das Foto in einer Schlachterei.", sagt Strohschen. "Das Rind ist durch einen Bolzenschluss betäubt, es blutet nun lebend aus." Eine Interpretationshilfe gibt die Fotografin bei diesem Bilderpaar nicht. "Ich möchte Fragen aufwerfen und nicht zwingend die Finger belehrend ausstrecken." Allerdings betont sie den Ausstellungstitel. "Gen 1:26" verweist auf das erste Buch Mose. Die Menschen sollen über Tiere herrschen, heißt es in diesem Vers. "Strohschens Fotos deuten auf den ganzen Freiraum menschlichen Waltens - im Positiven wie im Negativen", sagt Katharina Mayer.
Rheinische Post, 11.10.2013
 
Die Carlstadt lockt 25 000 Besucher an
Düsseldorf. Ein Winzling ist die Carlstadt im Vergleich zu anderen Stadtteilen, doch wenn sie zum Hohe-Straße-Fest und zum verkaufsoffenen Sonntag lockt, dann strömen die Neugierigen herbei. Wieder zählte die Organisatorin Ruth Benninghoven 25 000 Besucher, eine stolze Zahl angesichts all der Festivitäten in letzter Zeit. Bastion- und Hohe Straße verwandelten sich in einen Modeparcours und eine Gourmetmeile.

Wer wollte, konnte mitten auf der Fahrbahn Jacketts, Blazer und Hemden probieren oder am Weinglas nippen. Derweil schaufelte Matthias Münstermann vom Kultlokal Kontor nonstop Suppenköstlichkeiten in die bereitstehenden Schalen.

Familie Knoebel umrahmte ihre Tochter Olga Lina, die unter dem Musiklabel ihrer Mutter Carmen Knoebel, Pure Freude, aus ihrer Patisserie frische Macarons und Törtchen feilbot. Mutter Carmen saß auf einer Bierbank daneben und Papa Imi Knoebel, Star der Kunstszene, schaute belustigt zu.

Hundert Mitarbeiter der Bäckerei Hinkel lieferte einen Kraftakt

Peter Hassenpflug, Mitinhaber des Schmuckgeschäfts Orfèvre, erlebte den Ansturm seines Lebens. Er bot zum 44-jährigen Bestehen seiner Firma Ketten und Ringe mit 44 Prozent Rabatt an. Mit Blick auf Weihnachten zückten spendable Ehemänner daraufhin ihre Geldbörse.

Für die Familie Hinkel war das Fest ein logistischer Kraftakt, an dem sich hundert Mitarbeiter beteiligten. Schon frühmorgens ließen die Brüder Josef, Josef-Jürgen und Raymund Hinkel die Öfen anwerfen. Um 9 Uhr landete dort der erste Teig, der am Vortag angesetzt, mit Schaumsäure angereichert und mit Mehl bestreut wurde.

Heraus kam jenes typische Hinkelbrot, das sich durch eine dunkle Kruste auszeichnet. Bäckermeister Franz-Josef Henrich wartete beim Sturm der Gäste auf die Backstube nur auf die Frage der Kunden nach der Kruste, um ein Loblied auf Röst- und Aromastoffe zu singen.

Bietgefechte um Kunst von Lüpertz & Co für die Obdachlosenhilfe

Stadtführerin Ingrid Kahlmann nahm um 15 Uhr ihre weiße Perücke ab und schlüpfte aus dem weiten Gewand der Elisabeth Augusta, Ehefrau von Carl Theodor, dem Gründer der Carlstadt. Für Jörn Städler und Kirka Krahforst war zu diesem Zeitpunkt Halbzeit. Sie putzten nonstop die Schuhe der Passanten im Auftrag der Schuhfirma Herkenrath und ließen sich loben, die Treter sähen nun wie neu aus.

Franziskanerbruder Matthäus machte für die Fifty-Fifty-Galerie Gewinn. Er kassierte 41 260 Euro für die Obdachlosenhilfe ein. Auktionatorin Petra Schäpers versteigerte die geschenkten Werke von 20 Künstlern. Kunstfans standen auf der Straße rund ums Zelt und boten sich Bietgefechte mit den Interessenten am Telefon. Ein Lüpertz ging für 7500 Euro weg.
WZ, 16.09.2013
 
fiftyfifty gewinnt 50 000 Euro
Düsseldorf. Die Obdachloseninitiative FiftyFifty hat bei dem Plakatwettbewerb "Best of 18/1" den ersten Platz belegt und dadurch ein Preisgeld in Höhe von 50 000 Euro gewonnen. Die Agentur "Havas Worldwide" hat das Plakat mit dem Motiv "Dieses Plakat spendet Geld" entwickelt, das bei der Online-Abstimmung in der Endrunde mit 45 Prozent der Votings zum Sieger gekürt wurde. Das Preisgeld wird für die Einrichtung von zwei Häusern für 40 Obdachlose verwendet.
Rheinische Post, 14.09.2013
 
Mit Kunst gegen Armut
Sie kümmert sich um Menschen und Tiere, die auf der Straße leben - und was passt da beser als eine Ausstellung "Von Menschen und Tieren"?

Am Samstag eröffnet die Benefiz-Schau der Düsseldorfer Obdachlosenhilfe fiftyfifty in ihrer Galerie (Jägerstraße). Kunst vom Feinsten, die zugunsten der Obdachlosenhilfe verkauft wird!
Highlight: Gerhard Richters Werk "Mutter mit Kind". "Er hat uns ein handsigniertes Bild seiner Künstlerexemplare geschenkt", so Hubert Ostendorf von fiftyfifty. "Davon gibt's nur 8 Stück". Seit 3 Jahren unterstützt Richter die fiftyfifty-Arbeit. Auch Düsseldorf Malerfürst Markus Lüpertz ist einer ihrer Unterstützer. Von ihm stammt ein weiteres Highlight der Ausstellung. Ostendorf: "Er hat eine kleine Pferdezeichnung für uns gemacht." Die handsignierte Original-Tiusche-Zeichnung kostet 2400 Euro.
Gerührt ist Ostendorf auch vom Engagement der Foto-Künstlerin Candida Höfer: "Sie fotografiert eigentlich nur Interieurs - aber extra für uns hat sie zwei Motive gemacht. "Hund und Katze". Von jedem gibt es in der Original-Auflage nur sechs Stück funf davon hat sie uns geschenkt!" Gesamtwert: 100 000 Euro.
Mit den Verkaufserlösen ihrer zirka sechs Ausstellungen pro Jahr hat "fiftyfifty" in den letzten Jahren sieben Häuser für Obdachlosen gebaut.
Bild, 29.08.2013
 
Fortuna hilft fiftyfifty bei Plakatauktion
Düsseldorf. Fortuna-Fans können jetzt das Obdachlosenprojekt Fiftyfifty unterstützen: Auf der Homepage des Zweitligisten findet sich der Aufruf, bei einem Plakatwettbewerb abzustimmen und zwar für das Plakat von Fiftyfifty. Denn der Sieger bekommt 50 000 Euro. Fiftyfifty hofft, dass sich viele an der Online-Abstimmung beteiligen.

Alle Infos gibt es auf der Internetseite von www.fortuna-duesseldorf.de oder unter http://best18-1.de/ranking.html. Die Agentur "Havas Worldwide" hat das Plakat entwickelt.

Das Abstimmverfahren läuft noch bis Sonntag, 1. September. Die besten zehn Plakate, die in der Vergangenheit im Format 18/1 erschienen sind, werden ausgezeichnet. Um abzustimmen, muss man sich nur vorher einmal registrieren.

In der Vorausscheidung landete Fiftyfifty auf dem dritten Platz, nun geht es für die Obdachloseninitiative um die zu gewinnenden 50 000 Euro. Franziskaner-Bruder Matthäus Werner bedankt sich schon mal für das Engagement: "Mein Herz schlägt für unsere Stadt und für alle Bürgerinnen und Bürger, egal ob arm oder reich. Viele der uns Anvertrauten sind Fortuna-Fans. Das Engagement der Fortuna ist eine tolle Anerkennung unserer Arbeit."
Rheinische Post, 27.08.2013
 
Abstimmen für
Düsseldorf. Zu einer besonderen Spendenaktion ruft die Obdachloseninitiative "fiftyfifty" auf: Für den Plakatwettbewerb "Best 18/1 Award" gibt es ein fiftyfifty-Plakat, das die Agentur "Havas Worldwide" entwickelt hat. Sollte es gewinnen, geht das Preisgeld in Höhe von 50 000 Euro an fiftyfifty. Wer mit abstimmen will, registriert sich im Internet auf der Seite http://best18-1.de/ranking.html und gibt zehn Punkte für das fiftyfifty-Plakat. Man müsse sich nur einloggen und seine Bewertung absenden, beschreibt Hubert Ostendorf von fiftyfifty. In der ersten Runde reicht es, unter die ersten Zehn zu kommen, in der zweiten geht es dann ums Finale. Ostendorf: "Zur Zeit liegen wir auf Platz 16."
Rheinische Post, 17.08.2013
 
Mehr als das tägliche Brot
Mehr als das tägliche Brot
Alles dreht sich ums Essen: Modejournalistinnen aus Düsseldorf gestalteten eine Ausgabe der Odachlosenzeitschrift "fiftyfifty" Von Inge Hufschlag

Ein unschlagbarer Vorteil von Printmedien: Man kann Lebensmittel darin einpacken. Nützlich und nachhaltig ist es aber auch, Lebensmittel als Thema darin anzupacken. So wie es jetzt Studentinnen der Düsseldorfer Akademie Mode & Design (AMD) getan haben. In der Düsseldorfer Straßenzeitung "fiftyfifty" haben sechs Absolventinnen des Studiengangs Modejournalismus/Medienkommunikation ein Sonderheft zum Thema Essen gestaltet, quasi als "Über-Lebensmittel für Menschen auf der Straße". Vom Verkaufspreis von 1,90 Euro gehen 95 Cent an den Verkäufer oder die Verkäuferin. Damit die sich Lebensmittel leisten können.

Die Organisation "fiftyfifty" wird von der Ordensgemeinschaft der Armen-Brüder des hl. Franziskus in Düsseldorf verwaltet. Die Organisation wird von verschiedenen Unternehmen, der Stadt Düsseldorf und dem Land Nordrhein-Westfalen sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt.

Ein großer Teil der Kosten wird durch Spenden und Benefiz-Kunst aufgebracht. "fiftyfifty" betreibt in seinen Räumen eine Kunstgalerie. Dafür haben bedeutende Künstler wie Jörg Immendorff, Günther Uecker, Otto Piene, Markus Lüpertz, Katharina Sieverding und Felix Droese Werke gestiftet. Das Straßenmagazin "fiftyfifty", übrigens Deutschlands auflagenstärkstes, erscheint seit fast 20 Jahren, aktuell in einer Auflage von 60.000 Exemplaren (www.fiftyfifty-galerie.de). Es wird von den Obdachlosen selbst verkauft. Die Initiative betreibt auch erfolgreiche Wohnprojekte. Nach Angaben des Schirmherrn, des Franziskanerbruders Matthäus Werner, wurden über 3000 Obdachlose in neuen Wohnungen untergebracht. Außerdem wurden Projekte der Armenspeisung, Trainingswohnungen für obdachlose Frauen sowie eine Notschlafstelle für minderjährige, drogensüchtige Prostituierte unterstützt.

Wie alle Printerzeugnisse buhlt die Straßenzeitung um junge Leser. Initiator Hubert Ostendorf: "Deshalb machen wir Themenhefte. Auch schon mit den Toten Hosen oder Xavier Naidoo."

Nun also mit jungen Modejournalistinnen. Lisa Eckel war bei ihren Recherchen überrascht: "Wie viel Lebensmittel wir verschwenden. Das war mir vorher nicht so klar." Elf Millionen Tonnen Essen in Euro sind das etwa 21 Millionen landen demzufolge jährlich deutschlandweit auf dem Müll. Mehr als 60 Prozent tragen Privathaushalte dazu bei, ermittelte die Universität Stuttgart. Wenn Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert: "Teller statt Tonne", geht es nicht nur um vermeintlich verdorbene Lebensmittel, sondern auch um schwer verdauliche Vermarktungsnormen, die sich ihre Kollegen im Europa-Parlament ausdenken: Ist die Gurke zu krumm oder die Banane zu gerade ab damit in den Abfall. Für die Studentinnen lautet die Biolösung: Krumme Gurken kaufen und aus überreifen Bananen einen leckeren Milch-Shake mixen.

Die Mädels können auch Zitronenkuchen backen, sogar in der Lebensmittel-Modefarbe Türkis. Düsseldorfs Luxus-Obdachloser Kö-Peter, mit seinen zwei Hunden nicht mehr wegzudenkender Wachtposten des Konsum-Palasts Kö-Galerie an der Königsallee, guckt skeptisch auf das seltsame Backwerk, das die Studentinnen auf der Luxusmeile verteilen. Auch Passanten greifen nur zögernd zu. Zu ungewöhnlich. Wie die stylische Ausgabe der Straßenzeitung, alles andere als ein Arme-Leute-Magazin, sondern feines Lesefutter. "Kein Schicki-Micki-Schnick-Schnack, sondern brisante Themen zeitgemäß umgesetzt", betont "fiftyfifty"-Initiator Hubert Ostendorf. Studienleiterin Ina Köhler ergänzt: "So ein Thema von Lebensmittel aus dem Müll bis hin zum Luxus-Essen, das kann man schon gut soziologisch-journalistisch runterkochen."

Und hochprofessionell aufbereiten: Auf dem Titelbild macht eine lächelnde Sarah Wiener Appetit auf Inhalte. Die Studentinnen trafen die Starköchin bei der Vorstellung ihres Kochbuchs "Zukunftsmenü". Provozierender Untertitel: "Warum man die Welt nur mit Genuss retten kann." Die engagierte Österreicherin bringt es im "fiftyfifty"-Interview auf den Punkt: "Der Mensch als Teil der Natur sollte natürlich essen. Unser Körper ist doch kein Endlager."

Sarah Wiener geht heftig ins Gericht mit der Lebensmittel- und Agrar-Industrie: "Ich bin von der Skrupellosigkeit, Menschen Abfall, Kunstnahrung oder genmanipulierte Speisen als Almosen zu reichen, angewidert und entsetzt." Aber wie soll man sich heute von Hartz IV menschenwürdig ernähren? Das Rezept der Fernseh-Köchin: "So lange so viele Menschen nicht mehr kochen können oder wollen, brauchen wir vor allem mehr Aufklärung und bessere Bildung." Ob sie schon mal in einer Armenküche gegessen habe? Ja, Sarah Wiener fühlt sich der Heilsarmee ihrer Heimat sehr verbunden.

Doch gibt es nicht inzwischen zu viele Tafeln in Deutschland, die Lebensmittel verteilen an Bedürftige? Auch das haben die Studentinnen untersucht, zum Beispiel in Wuppertal. Die Idee macht zwar satt, aber womöglich auch bequem, wenn's um die Eigenverantwortlichkeit geht. Eine Alternative könnte Food-Sharing sein. Teilen ist Trend.

Einen Komplex haben die jungen Mode-Studentinnen allerdings bewusst vermieden in ihrem Redaktionsprogramm: Den Magerwahn der Models und ihrer Nachahmerinnen. Die schlanke Kim Lakshman: "Für uns kein Thema."

Aber gerne mal Fast Food. Auch "to go" in der Düsseldorfer Altstadt. "Könntest Du das Tier von dem Du gerade isst, auch schlachten?", fragten die jungen Reporterinnen Gleichaltrige auf der Straße. "Wenn die Notwendigkeit bestünde, wäre ich schon in der Lage dazu", meint Micha. Steak-Freund Benni möchte das Tiere töten lieber anderen überlassen aus Angst, etwas falsch zu machen: "Bin ja kein Metzger."

Am liebsten gehen die jungen Damen allerdings zum Italiener. Selber kochen? Eher selten. Vielleicht dann, wenn Freunde kommen. Das sollte dann aber nicht zu viel Zeit kosten. Entsprechende leichte unkomplizierte Sommerrezepte haben sie jetzt bei Star-Köchen exklusiv für "fiftyfifty" eingesammelt: Tim Mälzer (Hähnchen-Sandwich), Alfons Schubeck, Johann Lafer (Gegrillter Gemüsesalat mit geröstetem Brot), Walter Stemberg, Christian Rach und Cornelia Poletto (Spaghetti mit Kirschtomaten).

Zum Dessert servieren die künftigen Modejournalistinnen im Heft noch einen Augenschmaus. Eine Fotostrecke in der, so Lisa Eckel "wir uns auch widerspiegeln": Schneewittchen beißt in einen knallroten Paradiesapfel, Hänsel und Gretel sind mit fettigem Fast-Food unterwegs, die langbeinige Prinzessin hockt in High Heels auf der Erbsendose, Aschenputtel sortiert viele, viele bunte Smarties ins Töpfchen, und Rotkäppchen hat für Großmutter Muffins und Chips in seinen Korb gepackt. Märchenhaft modern, und schon deshalb zu schade, um Lebensmittel darin
Welt am Sonntag, 05.08.2013
 
Mehr als das tägliche Brot
Ein unschlagbarer Vorteil von Printmedien: Man kann Lebensmittel darin einpacken. Nützlich und nachhaltig ist es aber auch, Lebensmittel als Thema darin anzupacken. So wie es jetzt Studentinnen der Düsseldorfer Akademie Mode & Design (AMD) getan haben. In der Düsseldorfer Straßenzeitung "fiftyfifty" haben sechs Absolventinnen des Studiengangs Modejournalismus/Medienkommunikation ein Sonderheft zum Thema Essen gestaltet, quasi als "Über-Lebensmittel für Menschen auf der Straße". Vom Verkaufspreis von 1,90 Euro gehen 95 Cent an den Verkäufer oder die Verkäuferin. Damit die sich Lebensmittel leisten können.

Die Organisation "fiftyfifty" wird von der Ordensgemeinschaft der Armen-Brüder des hl. Franziskus in Düsseldorf verwaltet. Die Organisation wird von verschiedenen Unternehmen, der Stadt Düsseldorf und dem Land Nordrhein-Westfalen sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt.

Ein großer Teil der Kosten wird durch Spenden und Benefiz-Kunst aufgebracht. "fiftyfifty" betreibt in seinen Räumen eine Kunstgalerie. Dafür haben bedeutende Künstler wie Jörg Immendorff, Günther Uecker, Otto Piene, Markus Lüpertz, Katharina Sieverding und Felix Droese Werke gestiftet. Das Straßenmagazin "fiftyfifty", übrigens Deutschlands auflagenstärkstes, erscheint seit fast 20 Jahren, aktuell in einer Auflage von 60.000 Exemplaren (www.fiftyfifty-galerie.de). Es wird von den Obdachlosen selbst verkauft. Die Initiative betreibt auch erfolgreiche Wohnprojekte. Nach Angaben des Schirmherrn, des Franziskanerbruders Matthäus Werner, wurden über 3000 Obdachlose in neuen Wohnungen untergebracht. Außerdem wurden Projekte der Armenspeisung, Trainingswohnungen für obdachlose Frauen sowie eine Notschlafstelle für minderjährige, drogensüchtige Prostituierte unterstützt.

Wie alle Printerzeugnisse buhlt die Straßenzeitung um junge Leser. Initiator Hubert Ostendorf: "Deshalb machen wir Themenhefte. Auch schon mit den Toten Hosen oder Xavier Naidoo."

Nun also mit jungen Modejournalistinnen. Lisa Eckel war bei ihren Recherchen überrascht: "Wie viel Lebensmittel wir verschwenden. Das war mir vorher nicht so klar." Elf Millionen Tonnen Essen in Euro sind das etwa 21 Millionen landen demzufolge jährlich deutschlandweit auf dem Müll. Mehr als 60 Prozent tragen Privathaushalte dazu bei, ermittelte die Universität Stuttgart. Wenn Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert: "Teller statt Tonne", geht es nicht nur um vermeintlich verdorbene Lebensmittel, sondern auch um schwer verdauliche Vermarktungsnormen, die sich ihre Kollegen im Europa-Parlament ausdenken: Ist die Gurke zu krumm oder die Banane zu gerade ab damit in den Abfall. Für die Studentinnen lautet die Biolösung: Krumme Gurken kaufen und aus überreifen Bananen einen leckeren Milch-Shake mixen.

Die Mädels können auch Zitronenkuchen backen, sogar in der Lebensmittel-Modefarbe Türkis. Düsseldorfs Luxus-Obdachloser Kö-Peter, mit seinen zwei Hunden nicht mehr wegzudenkender Wachtposten des Konsum-Palasts Kö-Galerie an der Königsallee, guckt skeptisch auf das seltsame Backwerk, das die Studentinnen auf der Luxusmeile verteilen. Auch Passanten greifen nur zögernd zu. Zu ungewöhnlich. Wie die stylische Ausgabe der Straßenzeitung, alles andere als ein Arme-Leute-Magazin, sondern feines Lesefutter. "Kein Schicki-Micki-Schnick-Schnack, sondern brisante Themen zeitgemäß umgesetzt", betont "fiftyfifty"-Initiator Hubert Ostendorf. Studienleiterin Ina Köhler ergänzt: "So ein Thema von Lebensmittel aus dem Müll bis hin zum Luxus-Essen, das kann man schon gut soziologisch-journalistisch runterkochen."

Und hochprofessionell aufbereiten: Auf dem Titelbild macht eine lächelnde Sarah Wiener Appetit auf Inhalte. Die Studentinnen trafen die Starköchin bei der Vorstellung ihres Kochbuchs "Zukunftsmenü". Provozierender Untertitel: "Warum man die Welt nur mit Genuss retten kann." Die engagierte Österreicherin bringt es im "fiftyfifty"-Interview auf den Punkt: "Der Mensch als Teil der Natur sollte natürlich essen. Unser Körper ist doch kein Endlager."

Sarah Wiener geht heftig ins Gericht mit der Lebensmittel- und Agrar-Industrie: "Ich bin von der Skrupellosigkeit, Menschen Abfall, Kunstnahrung oder genmanipulierte Speisen als Almosen zu reichen, angewidert und entsetzt." Aber wie soll man sich heute von Hartz IV menschenwürdig ernähren? Das Rezept der Fernseh-Köchin: "So lange so viele Menschen nicht mehr kochen können oder wollen, brauchen wir vor allem mehr Aufklärung und bessere Bildung." Ob sie schon mal in einer Armenküche gegessen habe? Ja, Sarah Wiener fühlt sich der Heilsarmee ihrer Heimat sehr verbunden.

Doch gibt es nicht inzwischen zu viele Tafeln in Deutschland, die Lebensmittel verteilen an Bedürftige? Auch das haben die Studentinnen untersucht, zum Beispiel in Wuppertal. Die Idee macht zwar satt, aber womöglich auch bequem, wenn's um die Eigenverantwortlichkeit geht. Eine Alternative könnte Food-Sharing sein. Teilen ist Trend.

Einen Komplex haben die jungen Mode-Studentinnen allerdings bewusst vermieden in ihrem Redaktionsprogramm: Den Magerwahn der Models und ihrer Nachahmerinnen. Die schlanke Kim Lakshman: "Für uns kein Thema."

Aber gerne mal Fast Food. Auch "to go" in der Düsseldorfer Altstadt. "Könntest Du das Tier von dem Du gerade isst, auch schlachten?", fragten die jungen Reporterinnen Gleichaltrige auf der Straße. "Wenn die Notwendigkeit bestünde, wäre ich schon in der Lage dazu", meint Micha. Steak-Freund Benni möchte das Tiere töten lieber anderen überlassen aus Angst, etwas falsch zu machen: "Bin ja kein Metzger."

Am liebsten gehen die jungen Damen allerdings zum Italiener. Selber kochen? Eher selten. Vielleicht dann, wenn Freunde kommen. Das sollte dann aber nicht zu viel Zeit kosten. Entsprechende leichte unkomplizierte Sommerrezepte haben sie jetzt bei Star-Köchen exklusiv für "fiftyfifty" eingesammelt: Tim Mälzer (Hähnchen-Sandwich), Alfons Schubeck, Johann Lafer (Gegrillter Gemüsesalat mit geröstetem Brot), Walter Stemberg, Christian Rach und Cornelia Poletto (Spaghetti mit Kirschtomaten).

Zum Dessert servieren die künftigen Modejournalistinnen im Heft noch einen Augenschmaus. Eine Fotostrecke in der, so Lisa Eckel "wir uns auch widerspiegeln": Schneewittchen beißt in einen knallroten Paradiesapfel, Hänsel und Gretel sind mit fettigem Fast-Food unterwegs, die langbeinige Prinzessin hockt in High Heels auf der Erbsendose, Aschenputtel sortiert viele, viele bunte Smarties ins Töpfchen, und Rotkäppchen hat für Großmutter Muffins und Chips in seinen Korb gepackt. Märchenhaft modern, und schon deshalb zu schade, um Lebensmittel darin einzupacken.

Die AMD (Hamburg, Düsseldorf, München, Berlin) nennt sich Bildungshaus. Das steht seit über 25 Jahren für Design, Mode, Kommunikation und branchenspezifisches Management. Das Studienprogramm umfasst Bachelor-Studiengänge Mode Design, Mode- und Designmanagement, Raumkonzept und Design sowie Marken und Kommunikationsdesign Visual and Corporate Communication
Die Welt, 04.08.2013
 
Ein Plausch gegen Einsamkeit
Von Pia Windhövel
Wenn Peter Amendt über das neue Projekt seines Vereins Vision teilen spricht, nennt er immer wieder ein Beispiel, was aber verdeutlicht, welche Idee hinter der Aktion Hallo Nachbar steckt: Stellen Sie sich vor, Sie leben in Hamburg, ihre alte Mutter aber alleine in Düsseldorf. Und plötzlich reagiert sie nicht mehr auf ihre Anrufe. Was tun Sie dann?
Immer mehr Menschen vereinsamen im Alter
Amendt stammt aus einer Zeit, in der Nachbarschaft auch in der Großstadt noch funktioniert hat. Den zunehmenden Wunsch junger Großstadtbewohner nach Anonymität, kann der Franziskaner nicht nachvollziehen. Denn daraus resultiere Einsamkeit im Alter. Die Ehrenamtler, die Hallo Nachbar jetzt ins Leben gerufen haben, wollen das tun, was nach ihrer Sicht Aufgabe einer funktionierender Nachbarschaft ist: sich um einander kümmern, mal einen Kuchen vorbeibringen, ein Stündchen zum Plausch bleiben. Drei oder vier Stunden in der Woche wollen wir einsame Menschen besuchen und einfach mal wie ein Nachbar nach dem Rechten sehen, sagt Amendt ganz ohne bürokratischen oder finanziellen Aufwand für den Besuchten.
Wenn also die Mutter in Düsseldorf nicht auf die Anrufe der Tochter aus Hamburg reagiert, wissen die Mitglieder von Hallo Nachbar, was los ist. Es gibt viele Menschen, die die bestehenden Angebote, wie Besuchsdienste oder Seniorenmittagstisch nicht in Anspruch nehmen, obwohl sie sie brauchen, sagt Amendt. Hier wollen wir Angebote vorstellen und eine Brücke sein.
Zurzeit steht der Verein jeden Freitag auf dem Wochenmarkt in Eller, um Ehrenamtler zu werben. Die Zielgruppe,die einsamen Rentner in ihren Wohnungen, erreichen sie dadurch nicht. Das weiß auch Peter Amendt. Doch er ist zuversichtlich: es muss sich erst einmal rumsprechen.
WZ, 13.07.2013
 
Zu laut! Amt verbietet Klappern bei Spenden-Büchse
Düsseldorf/Krefeld Verkehrslärm, Straßenmusikanten, laute Passanten all das erträgt man in Krefeld. Aber nicht das Scheppern einer Spenden-Dose!
Wolfgang O. (64) verkauft seit 15 Jahren auf der Einkaufsmeile Hochstraße in Krefeld das Obdachlosen-Magazin FiftyFifty. In seine Büchse wirft man die 1,80 Euro für ein Magazin, viele geben einfach so eine Spende. Um davon mehr rein zu holen, klappert er leicht mit seiner Gelddose. Doch das wurde ihm jetzt untersagt.
Wolfgang O.: Im April kam ein Herr vom Tiefbauamt zu mir, als ich an meiner üblichen Verkaufsstelle stand. Er raunte mir zu, Anlieger hätten sich beschwert. Ich müsse aufhören mit meiner Dose zu scheppern.
Der Verkäufer, der früher als Krankenpfleger und Reiseunternehmer gearbeitet hat, ging noch am gleichen Tag in die umliegenden Geschäfte: Alle unterschrieben, sie fühlten sich nicht gestört. O.: Jemand anderes kann sich eigentlich nicht beschwert haben, dort sind nur Geschäftshäuser. Selbst ein Mitarbeiter des Ordnungsamts sagte mir, ich sei ihm nie negativ aufgefallen.
Wolfgang O. fragte einen befreundeten Krefelder Pfarrer um Rat. Der schrieb an den Oberbürgermeister. Im Antwortschreiben einer Dezernentin ist von lautem Klappern die Rede, die Duldung seines Verkaufens beruhe auf gegenseitiger Rücksichtnahme.
Wolfgang O. steht seit dem Verbot ohne zu klappern an seiner Verkaufsstelle. Viele Stammkunden sagen schon, man würde mich gar nicht mehr wahrnehmen. Mein Umsatz ist um die Hälfte eingebrochen.
Das will der Verkäufer nun nicht mehr hinnehmen. Ich werde wieder anfangen zu klappern, hoffe darauf, dass die Stadt nicht gegen mich vorgeht.
Bild, 01.07.2013
 
Düsseldorf mal mit anderen Augen
Sie sind ganz unterschiedliche Jahrgänge und doch haben sie vieles gemeinsam: zakk (gegr. 177) und das Straßenmagazin fiftyfifty (gegr. 1995). Beide sind Düsseldorfer Institutionen, beide bewegen sich in der Mitte der Gesellschaft und haben dabei nie den Blickwinkel "der da unten" verloren. Um diesen Blick authentisch und transparent zu machen, wagen fiftyfifty und zakk ein Experiment. Mit dem gemeinsam getragenen Projekt "Strassenleben - ein Stadtrundgang" wird EinwohnerInnen und BesucherInnen von Düsseldorf die Möglichkeit gegeben, die Stadt aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Gemeinsam mit armen und wohnungslosen Menschen, die Düsseldorf aus einer anderen Lebenswelt kennen, werden diese Orte für Interessierte offen gelegt. Wo übernachten Wohnungslose? Wie strukturiert man seinen Tag, wenn man keine Wohnung hat? Was bedeutet das Thema Sucht in diesen Zusammenhängen? Die Stadtführer (alle Verkäufer des Straßenmagazins fiftyfifty) sind Experten dieser Lebenswelt und zeigen ihre Orte, erklären ihren Alltag. Und erzählen vielleicht auch ihre persönliche Geschichte. Spätestens dann wird schnell klar, dass der Absturz aus einem "normalen" Leben mit Arbeit, Wohnung und Familie in die Welt der Obdachlosigkeit schnell geht und Menschen aus allen Gesellschaftssschichten betreffen kann. "Viele denken, obdachlos = Verbrecher" meint André, einer der Stadtführer. Seine bewegte Biografie steht beispielhaft für viele andere. So hat er neben dem "Platte machen" immer wieder auch Lebensphasen, in denen er über einen festen Wohnsitz verfügt. Das Projekt Strassenleben soll das Verständnis für die von Obdachlosigkeit und Armut betroffenen Menschen stärken und sinnlich erfahrbar machen, dass Düsseldorf nicht nur eine Stadt der Reichen, sondern eine Stadt der extremen Kontraste ist.

Termine: Sa 13.7. So 28.7, So 11.8, Sa 31.8, jeweils 15 Uhr, Dauer ca. 2 Stunden. Treffpunkt: fiftyfifty Sozialberatung, Ellerstr. 122. Tickets für 7,- / 5,- ermäßigt ausschließlich im VVK unter www.strassenleben.org. Ein ausführliches Porträt von André und warum er ein ganz spezielles Verhältnis zum zakk hat, lesen Sie unter: www.zakk.de/strassenfestzeitung
Straßenjournal 2013, 01.07.2013
 
Streetart in Düsseldorf
2007 lud zakk im Zuge seines 30 jährigen Bestehens dreißig Streetart- und Graffiti-Künstler ein, auf dreißig Leinwänden ihre Zukunftsvisionen zu sprayen und zu malen. Diese wurden im Anschluss für ein Projekt von fiftyfifty versteigert, bei dem ein vierstelliger Betrag für die Obdachlosenzeitschrift gespendet werden konnte. Dieses Jahr wird zakk ein Streetartfestival unterstützen, welches von Klaus Klinger, Klaus Rosskothen von der Galerie Pretty Portal und dem Verein Düsseldorfer Künstler initiiert wird. Mehr Infos gibt es unter: www.farbfieber.de oder unter www.prettyportal.de
Straßenjournal 2013, 01.07.2013
 
Klapperverbot für Fifty-Fifty-Verkäufer
Krefeld (RP). Seit 15 Jahren verkauft Wolfgang O. in der Krefelder City die Obdachlosenzeitung Fifty Fifty. Die Stadt hat ihm das Klappern mit der Dose verboten. Der 64-Jährige klagt: "Seitdem ich nicht mehr klappere, will niemand mehr die Zeitung."

Fast jeder Krefelder kennt diesen Mann: Wolfgang O.* steht seit Jahren schon nahezu jeden Werktag auf der prominentesten Einkaufsstraße der Krefelder Innenstadt und verkauft die Obdachlosenzeitung Fifty Fifty. Der 64-Jährige ist sauber gekleidet, man sieht ihn nicht mit Bierdose, er spricht nicht aufdringlich. Nur durch das Klappern einer Kunststoffdose macht er bisweilen auf sich und seine Zeitung aufmerksam. Genau dieses Klappern will die Krefelder Stadtverwaltung ihm jetzt verbieten. Ein Mitarbeiter des Tiefbauamtes hat Wolfgang O. auf der Hochstraße gebeten, die Geräusche zu unterlassen.

Seit Ende April klappert Wolfgang O. nicht mehr, und fürchtet jetzt um seine Existenzgrundlage. "Bevor mir das Klappern verboten wurde, lag mein schlechtester Tag bei einer verkauften Zeitung", sagt O.. Seitdem er nicht mehr klappern darf, habe er an mittlerweile vier Tagen schon keinen einzigen Cent mehr eingenommen. "Ich muss also auf mich aufmerksam machen, um Einnahmen zu haben", sagt der 64-Jährige. Er hat bereits eine Unterschriftenliste an die Geschäfte verteilt, die an seinen Standort angrenzen. "Sollten Sie sich durch meine Anwesenheit und durch mein Klappern nicht gestört fühlen, bitte ich Sie, das mit Stempel und Unterschrift zu bestätigen." Fünf Stempel finden sich auf dieser Liste: Von Kult, Schuhhaus Grüterich, Douglas, SWK und Bonita.

In einer Anfrage unserer Zeitung teilte die Stadtverwaltung mit, dass es aus der Anliegerschaft rund um die betroffene Stelle regelmäßige Beschwerden über Straßenmusik gebe. Die städtischen Fachbereiche Tiefbau und Ordnung würden regelmäßig kontrollieren, ob sich die Straßenmusiker und Bettler in der Stadt regelkonform verhalten. Dabei sei auch Wolfgang O. aufgefallen.

Eine Krefelderin, die regelmäßig O.'s Zeitung kauft, schrieb auch Ordnungsdezernentin Beate Zielke an, um auf das Schicksal des Mannes mit der Klapperdose aufmerksam zu machen. Zielke schrieb zurück, dass Wolfgang O. "um Unterlassung der Geräusche gebeten und darauf hingewiesen wurde, dass der Verkauf der Zeitung eine Sondernutzung darstelle, die aufgrund der besonderen Umstände auch ohne Genehmigung geduldet wird". Dieser Kompromiss beruhe jedoch auf gegenseitiger Rücksichtnahme, die durch das laute Klappern nicht gewährleistet ist. Sie habe für die persönliche Situation des Verkäufers "großes Mitgefühl", schreibt Beate Zielke. Es gebe jedoch gewisse Regeln, die es einzuhalten gelte.

Der Verein Asphalt in Düsseldorf, der das Magazin Fifty Fifty betreut, stärkt O. den Rücken: "Wir geben unseren Verkäufern vor, dass sie nicht betteln sollen. Ob das Klappern mit einer Dose Betteln ist, das ist Auslegungssache." Über O. weiß man dort nur Gutes zu berichten: "Er ist seit Jahren bei uns, es gab nie auch nur eine einzige Beschwerde." Das Straßenmagazin wird von Bedürftigen für 1,80 Euro verkauft, 90 Cent davon dürfen sie behalten.

Wolfgang O. lebt in Düsseldorf, stammt gebürtig aus Hof in Bayern und hat eine lange Berufsbiografie: Er lernte Schaufenstergestalter, wurde examinierter Krankenpfleger, startete ein nie beendetes BWL-Studium, landete in der Reisebranche mit einem eigenen Reisebüro und sei dann von einem Reiseunternehmer über den Tisch gezogen worden. Hinzu sei eine "teure Scheidung" gekommen. "Und dann landet man da, wo ich jetzt bin: in Krefeld, als Straßenverkäufer." Dort will O. bleiben. "Hier habe ich meine Stammkunden." Er habe Kontakt zu vielen Krefeldern, mache sprächen ihn an, einige hätten sogar eine Akupunktur und eine Brille für ihn finanziert. Auch nach seinem Schlaganfall 2012 hätten ihm viele geholfen. Das ist der Grund, warum er jeden Tag mit der Bahn von Düsseldorf nach Krefeld kommt.

Das Verkaufen der Straßenzeitung sei für ihn der Lebensunterhalt, sagt Wolfgang O."Ich betrachte meinen Fifty-Fifty-Verkauf als normale Arbeit. Und diese Arbeit will ich weiter ausüben."

* Seinen richtigen Nachnamen will Wolfgang O. nicht nennen, da er ein Enkelkind in Bayern hat, das nicht wissen soll, was der Opa macht.
Rheinische Post, 29.06.2013
 
Xavier Naidoo in der Straßenzeitung
In der neuen Ausgabe der fiftyfifty Straßenzeitung ist ein Interview mit Xavier Naidoo. Der Sänger spricht über sein neues Album "Bei meiner Seele" und gibt Persönliches von sich Preis: "Ich hatte ein, zwei Mitschüler, die ein bisschen älter waren. Für die war man halt der Bimbo. Das war damals üblich." Und der Star berichtet von einer Begegnung mit zwei Obdachlosen: "Ich habe letztes Jahr zwei Obdachlose in Belgien in eine Wohnung von mir aufgenommen. Obdachlose sind meine Helden." Spätestens seit dem WM-Hit "Dieser Weg" und dem TV-Talentwettbewerb "The Voice of Germany" kennt den 1971 in Mannheim geborenen Soul-Sänger mit südafrikanischen Wurzeln jeder. Das Heft erscheint heute und ist für 1,90 bei den Straßenverkäufern erhältlich. Die Hälfte des Geldes dürfen die Obdachlosen für sich behalten.
WZ, 26.06.2013
 
Für Xavier Naidoo sind "Obdachlose Helden"
Am morgigen Donnerstag erscheint die neue Ausgabe von fiftyfifty mit einem Interview von Xavier Naidoo. Gerade hat der Sänger sein neues Album Bei Meiner Seele herausgebracht, das innerhalb weniger Tage die Spitze der Charts anführte. Fiftyfifty-Schirmherr Bruder Matthäus Werner freut sich und erwartet ein gutes Verkaufsergebnis und damit viel unmittelbare Hilfe Für Obdachlose durch das prominent aufgemachte neue Heft.

Denn spätestens seit dem WM-Hit Dieser Weg und dem TV-Talentwettbewerb The Voice of Germany kennt den 1971 in Mannheim geborenen Soul-Sänger mit südafrikanischen Wurzeln jeder. Xavier Naidoo über seine Herkunft: Mein Vater war halb-indisch, halb-deutsch. Und meine Mutter irisch und südafrikanisch. Und über Obdachlose: Ich habe letztes Jahr zwei Obdachlose in Belgien in eine Wohnung von mir aufgenommen. Obdachlose sind meine Helden.

Xavier Naidoo, der sein Privatleben streng unter Verschluss hält, gibt auch Persönliches preis: Ich hatte ein, zwei Mitschüler, die ein bisschen älter waren. Für die war man halt der Bimbo. Das war damals noch üblich.

Und über seine christlich inspirierte Musik, die der katholisch geprägte junge Xavier im Kirchchor erstmals für sich entdeckt hat: Man muss die Musik mit etwas füttern, was man fühlt. Das sind Dinge, die einem wichtig sind. Auf die Frage, warum er ausgerechnet vor der deutschen Truppe in Afghanistan aufgetreten ist, sagt er: Ich bin ein Feind dieses Krieges, aber ein Freund nicht unbedingt der Soldaten sondern der Menschen.
NRZ, 26.06.2013
 
Das Leben der Anderen: Unterwegs mit Verkäufern der fiftyfifty
NUR DIE HARTEN KOMMEN IN DEN GARTEN

In Düsseldorf regiert das Geld. Currywürste mit Blattgold sind hier zu haben, sündhaft teure Designer-Garderobe und pervers große Autos. Parallel dazu existiert aber auch eine ganz andere Lebenswirklichkeit. Frauen und Männer ernähren sich aus Mülleimern, tragen Altkleider auf und haben keine Wohnung. Seit Juni organisiert das Obdachlosenmagazin fiftyfifty die Stadtführung Straßenleben, in deren Rahmen fiftyfifty-Verkäufer Einblick in ihr Leben in der Stadt gewähren. Nadine Beneke war mit Martin und Achim unterwegs.

Ausgangspunkt der Tour ist das fiftyfifty-Büro in Oberbilk. Hier wartet Martin auf seine Gruppe. Ich bin gegen Ausgrenzung. Zur Öffentlichkeit gehören auch Obdachlose steht auf dem Button, den er an seiner weißen Regenjacke trägt. Der 51-Jährige stellt sich vor, erzählt bedächtig von seiner Tätigkeit bei fiftyfifty. Die schulterlangen Haare hat er zu einem Zopf gebunden. Seit zwanzig Jahren ist er in Düsseldorf. Seit zwanzig Jahren verkauft er das Obdachlosenmagazin. Sein Freund und Kollege Achim lebt seit zehn Jahren in der Landeshauptstadt. Leicht gerötet ist seine Gesichtshaut. Die beige-grüne Borussia Mönchengladbach-Schildkappe verrät seinen Geburtsort. Bei stömendem Regen geht es los Richtung Bahnhof. Nur die Harten kommen in den Garten, ruft Achim.

Irgendwann möchte ich ganz davon wegkommen
An der Eisenbahnunterführung Ellerstraße halten die beiden an. Einerseits, um auf die Graffiti hinzuweisen andererseits, um von ihren Erfahrungen zu erzählen. Nicht immer sind die Wahl-Düsseldorfer zu Fuß unterwegs. Ein Sozialticket ermöglicht den beiden die kostenlose Nutzung des Nahverkehrs. Sowohl Martin als auch Achim schildern fast ehrfürchtig, dass sie momentan eine feste Wohnung haben, in der sie schlafen können. Martin schaut auf die Notizen in seiner Kladde. Achim dreht sich eine Zigarette. Weiter geht es zum Mintropplatz. Hier in der Gegend gibt es diverse Methadon-Praxen. Auch Martin nimmt seit über vier Monaten an einem Substitutionsprogramm teil. In Holland groß geworden, lebte er zunächst ein normales Leben, wohnte zusammen mit der damaligen Lebensgefährtin in Berlin. Dann führte eins zum anderen: Trennung, raus aus Berlin, ab nach Düsseldorf. In der Rheinstadt kam er bald an harte Drogen. Heute hat Martin mit Unterbrechungen 15 Jahre Heroinkonsum hinter sich. Irgendwann möchte ich ganz davon wegkommen, sagt er. Am Café Pur an der Harkortstraße erzählen die fiftyfifty-Verkäufer von weiteren städtischen Einrichtungen und Schlafunterkünften für Obdachlose. Frauen und Männer schlafen meist getrennt. Hunde sind fast überall verboten.

Das Weite gesucht

Mein Hund ist mein bester Freund, den geb ich nicht ab, sagt Achim entschlossen. Der 41-Jährige lebte früher ebenfalls ein gewöhnliches Leben: Freundin, Kind, Job bei einem großen Automobilhersteller in Ingolstadt. Die Stelle wurde gekürzt, Streitigkeiten folgten, dann die Trennung: Da habe ich das Weite gesucht. In Düsseldorf entschied er sich, auf der Straße zu leben. Bettelte in der Bolkerstraße, kam dann zu fiftyfifty. Der Mischling Sammy ist sein treuer Begleiter. Ein Hund bietet vielen Obdachlosen Schutz vor nächtlichen Überfällen. Gerade der Winter gestaltet sich problematisch, wenn kein Nachquartier zu finden ist, das auch den haarigen Freund akzeptiert. In den Notschlafstellen, erzählt der Mönchengladbacher, geht man nicht freundschaftlich miteinander um. Nicht selten verlieren Bedürftige dort das Wenige, was sie besitzen.

Ich rieche nur streng
Der Weg führt vorbei an der Platte vor dem Hauptbahnhof, dem Hauptumschlagplatz für Drogen. Der Anblick ist nicht schön, ihr dürft auf keinen Fall länger hingucken, rät Achim. Martin hatte zuvor angeboten, einen Umweg zu nehmen. Von der Friedrich-Ebert-Straße über die Steinstraße führen sie die Gruppe schließlich bis in die Altstadt. An der Heinrich-Heine-Allee angekommen, zeigen sie vor dem Eingang eines großen Kaufhauses einen ehemaligen Schlafplatz. Die Lüftung garantierte Wärme, Sicherheitsleute brachten zwischendurch einen Kaffee mit, und die Ecke versprach ein wenig Schutz vor Störenfrieden. Weiter gehts zur Bäckerei Hinkel. Gegen Vorlage des fiftyfifty-Ausweises bekommt man dort eine Tüte mit frischen Backwaren. Achim lässt sich nicht davon abbringen, diesen Deal vorzuführen.

Die Gruppe macht sich auf den Weg zur letzten Station: An der Andreaskirche, Achims Stammplatz, endet der Lauf. Nach einer herzlichen Verabschiedung gehen Martin und Achim wieder an die Arbeit. Und was Achim schon zum Start der Tour aussprach, hat sich längst bewahrheitet: Ich beiße nicht, ich rieche nur streng.
Coolibri, 20.06.2013
 
Nicht-Krankenversicherte kosten die Stadt Millionen
Tausende Menschen in Düsseldorf leben ohne Krankenversicherung. Die WZ beantwortet die wichtigsten Fragen.
Obwohl sie seit 2007 Pflicht ist, gibt es auch in Düsseldorf Menschen ohne Krankenversicherung. Genau ist die Zahl nicht zu ermitteln. Experten schätzen sie auf mehrere Tausend.

Umfrage

Muss sich die Stadt mehr um die vielen Menschen ohne Krankenversicherung kümmern?

Abstimmen
Warum sind sie nicht versichert?

Die Gruppe der Betroffenen ist nicht homogen. Einige sind wohnungslos, andere EU-Armutsmigranten, die hier nicht arbeiten dürfen und keine Sozialleistungen erhalten. So zahlt niemand den Arbeitgeberanteil, die Menschen sind nicht versichert. Dazu kommen Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung. Die größte Gruppe sind aber normale Düsseldorfer, die aus dem System gefallen sind, sagt Dr. Carsten König, Leiter der Düsseldorfer Gesundheitskonferenz.
Diese Menschen sind häufig Selbstständige, die jahrelang privatversichert waren, dann in die Insolvenz geraten und die Beiträge nicht mehr zahlen können. Zusätzlich gibt es Menschen, die lange in der Sozialhilfe waren, nicht mehr arbeitsfähig oder über 65 Jahre alt sind. Viele der Betroffenen hätten sogar Anrecht auf eine Krankenversicherung. Aber sie haben teils schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht und suchen nicht den Kontakt, sagt König.

Welche medizinische Versorgung erhalten die Betroffenen?

Die Notfallversorgung gilt für jeden. Kein Arzt oder Krankenhaus darf jemandem die Behandlung verweigern, weil er nicht versichert ist. Bei kleineren Blessuren ist das allerdings etwas anderes. Deshalb verzichten viele Nicht-Versicherte auf den Arztbesuch, die Gesundheitsprobleme verschlimmern sich.

Wer übernimmt die Kosten?

Das Sozialamt übernimmt für mehr als 2000 Düsseldorfer, die sonst nicht versichert wären, die Kosten für die Krankenversicherung. Für diese ist die medizinische Versorgung in allen Fällen sichergestellt, sagt Hartmut Wienen vom Sozialamt. Wenn ein Patient aber nicht vom Sozialamt betreut wird und keine Versicherung hat, können Krankenhäuser oder Ärzte teilweise auf den Kosten sitzen bleiben.

Wie versuchen diese, das Geld wieder zu bekommen?

Die Ärzte aus dem Hilfsnetzwerk von Fifty Fifty arbeiten kostenlos. Die behandelnden Krankenhäuser versuchen, sich das Geld beim Sozialamt wiederzuholen. Das klappt aber nur, wenn sie nachweisen können, dass der Patient bedürftig ist und kein Einkommen hat. Das ist in vielen Fällen unmöglich, weil die Patienten oft keine Angaben über sich machen.

Pro Jahr erreichen uns 600 bis 700 Mitteilungen der Düsseldorfer Krankenhäuser, sagt Hartmut Wienen. Überwiegend handelt es sich dabei um Patienten, die über das Amt bereits versichert sind, bei der Behandlung aber bis auf ihren Namen keine Angaben gemacht haben. Für die Fälle, in denen das Krankenhaus auf den Kosten sitzenbleibt, hat der Bund vergangene Woche Geld zur Verfügung gestellt. Aber auch das wird nicht alle Kosten decken.

Was gibt die Stadt im Jahr für diese Menschen aus?

Die Stadt gibt nach Angaben des Sozialamts jährlich 18,6 Millionen Euro für die Übernahme von Behandlungskosten aus. Das Meiste geht für die mehr als 2000 über das Amt Versicherten drauf, für Krankenhäuser plant das Amt lediglich 53 000 Euro für solche Patienten ein, für die die Kliniken die Hilfsbedürftigkeit nachweisen können. Welche Kosten verursachen Nicht-Versicherte für die Krankenhäuser?

Darüber machen die Kliniken keine Angaben. Wie die anderen Häuser äußern wir uns aus Datenschutzgründen nicht zu Patientenzahlen und Kosten, sagt Mareike Dietzfelbinger, Pressesprecherin am EVK. Auch andere Häuser wollten gegenüber keine Zahlen nennen.

Was ist für die Zukunft geplant?

Trotz intensiver Beratung in der Gesundheitskonferenz gibt es aktuelle keine Lösung für Düsseldorf. Im Moment ist das Thema für uns abgeschlossen, sagt Vorsitzender Carsten König. Eine einzelne Kommune könne ohnehin nichts ändern. So sei es die Aufgabe des Städte-tages, den Bund um eine verbindliche Lösung zu bitten.
WZ, 19.06.2013
 
"fiftyfifty"-Verkäufer zeigen ihren Blick auf Düsseldorf
Seit elf Jahren ist Armin Geißer Verkäufer des Düsseldorfer Straßenmagazins "Fiftyfifty". Sein Freund Martin Paul ist sogar, seit es die Zeitschrift gibt, mit dabei. "Ich mache das, um meinem Leben ein bisschen Regelmäßigkeit zu geben", sagt Paul. Ab jetzt haben die beiden noch eine zusätzliche Aufgabe: Alle zwei Wochen werden sie zu Stadtführern und zeigen Interessierten die für sie wichtigen Plätze in der Stadt. Initiiert wurde das Projekt mit dem Namen "Straßenleben" von "Fiftyfifty" und dem Zakk.

"Wir wollen den Menschen zeigen, wie das Leben auf der Straße aussieht und ihnen die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen", sagt Martin Paul. Deshalb engagiere er sich als Stadtführer für "Straßenleben". Ihre Führung starten die beiden Verkäufer jedes Mal vor der Sozialberatung von "Fiftyfifty" an der Höhenstraße. Von dort aus geht es über den Hauptbahnhof und die Charlottenstraße zur Kö und in die Altstadt.
Eine wichtige Station ist dabei etwa der Mintropplatz hinter dem Hauptbahnhof. Dort betreibt die Diakonie das "Café Pur", eine Anlaufstelle für Wohnungslose. "Hier kann man schlafen und für 1,50 Euro ein gutes Mittagessen bekommen. Man hat außerdem die Möglichkeit, sich zu duschen und seine Klamotten waschen zu lassen", erklärt Armin Geißer. Er selbst nutze die Schlafstelle jedoch nie. Der Grund ist sein Hund Sammy, der dem 41-Jährigen nicht von der Seite weicht: "Hunde dürfen in die Schlafstellen nicht mit rein. Und ich gebe meinen Hund nicht ins Tierheim oder binde ihn irgendwo an, nur damit ich ein warmes Bett habe", sagt er.

Ein Stückchen weiter in der Innenstadt ist eine große Baumaßnahme Thema bei Armin Geißer und Martin Paul: der Abriss des Tausendfüßlers. Dieser war stets ein beliebter Schlafplatz bei Düsseldorfs Wohnungslosen, wie Paul erzählt: "Da bist du nachts nicht nass geworden und es war windgeschützt. Doch irgendwann sind wir da vertrieben worden, weil ein paar Leute Ärger gemacht haben", sagt er. Viele Wohnungslose würden sich durch ihr Verhalten selbst ausgrenzen, meint Paul. Generell bewerten die beiden "Fiftyfifty"-Verkäufer die Hilfsangebote in der Stadt jedoch positiv: "Es gibt genügend Angebote. Das Problem ist eher, dass viele Menschen die Hilfe nicht annehmen", sagt Armin Geißer. Niemand müsse in Düsseldorf ohne frische Kleidung und ungeduscht seinen Tag verbringen. "Für alles gibt es Anlaufstellen."

Gut zwei Stunden dauert die Führung der Magazin-Verkäufer durch die Stadt. Die ersten Besucher wie Edeltraud Winkler zogen am Wochenende eine positive Bilanz: "Ich lese seit vielen Jahren die 'Fiftyfifty' und als ich von dem Projekt gehört habe, habe ich mich sofort angemeldet", sagt sie. Es sei interessant, die Stadt einmal mit Blick der Wohnungslosen zu sehen. "Ich finde es außerdem toll, wie offen die Stadtführer sind. Das baut Vorurteile ab."

Infos zum Rundgang gibt es unter www.straßenleben.org.
Rheinische Post, 18.06.2013
 
15 000 Euro für Hospiz und "Fiftyfifty"
125 Jahre wurde die Firma Sonnen-Herzog alt und hat ihre Kunden gebeten, fürs Kinderhospiz Regenbogen oder für die Obdachloseninitiative "Fiftyfifty" zu spenden. Gestern wurden die Spenden übergeben: Insgesamt kamen 15 000 Euro für beide Organisationen zusammen. Norbert D. Hüsson, Vorsitzender des Fördervereins Kinderhospiz, und Bruder Matthäus Werner, Schirmherr des Straßenmagazins, nahmen das Geld entgegen. "Wir freuen uns, dass unsere Partner unseren Wunsch, bedürftigen Menschen zu helfen, so großzügig unterstützt haben", sagte Norbert Sonnen, Seniorchef von Sonnen-Herzog.
Rheinische Post, 18.06.2013
 
fiftyfifty Verkäufer zeigen ihr Düsseldorf
Düsseldorf. Ihr könnt uns fragen, was ihr wollt. Wir beißen nicht, wir riechen nur streng, gibt Fifty-Fifty-Verkäufer Armin Geißler den Teilnehmern am Anfang seiner Stadtführung Straßenleben gleich klar zu verstehen. Eine von ihnen ist Edeltraud Winkler, die das Straßenmagazin seit vielen Jahren liest.

Als ich davon hörte, dass Fifty-Fifty eigene Rundgänge anbieten will, war ich sofort begeistert von der Idee. Eine tolle Möglichkeit, mal hinter die Kulissen zu blicken und einen anderen Blickwinkel auf die Stadt zu bekommen, freut sich die Rentnerin. Auch dass so viele jüngere Leute an dem Thema Interesse zeigen und zur Führung gekommen sind, findet sie klasse.

Viele denken, jeder Düsseldorfer wäre reich und hochnäsig.
Julia Teske, Teilnehmerin

Die beiden Stadtführer Armin Geißler und Martin Paul verkaufen die Straßenzeitung schon seit über zehn Jahren und reden während des Rundgangs sehr offen über den Alltag von obdachlosen und armen Menschen in Düsseldorf. Es geht um Nächte in der Notschlafstelle, Flaschenangriffe, Entzugsprogramme und vieles mehr.

Beide haben ein sehr bewegtes Leben hinter sich, auf und abseits der Straße. Martin Paul lebt seit Mitte April wieder in einer eigenen Wohnung, Armin Geißler arbeitete Anfang des Jahres wieder in seinem alten Beruf als Koch, wurde nach der Probezeit aber wieder gefeuert.

Bei den Teilnehmern kommt die Führung sehr gut an. Pädagogin Julia Teske findet es gut, wenn Stadtführungen mit gängigen Klischees über Düsseldorf aufräumen. Viele denken, jeder Düsseldorfer wäre reich und hochnäsig. Es wird viel dafür getan, Obdachlose hier unsichtbar zu machen. Umso wichtiger ist es, auch auf andere Seiten der Stadt aufmerksam zu machen.

Orte wie der Straßenstrich auf der Charlottenstraße oder Drogen-Treffs, bei denen während der Führung Halt gemacht wird, schrecken sie nicht ab. Ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Mir war jedoch nicht bewusst, dass es so viele Anlaufstellen für Obdachlose gibt. Das hat mich positiv überrascht.

Robin Nickel schreibt gerade seine Bachelorarbeit zum Thema Obdachlosigkeit und kennt viele Vorurteile, die es über Menschen, die auf der Straße leben, gibt. Die sind alle dreckig und faul, so denken viele. Ich finde es deshalb gut und wichtig, das solche Führungen mit diesem Unsinn aufräumen und zeigen, wie es wirklich ist.

Der Umgang der Stadtführer miteinander lockert die Tour auf

Besonders beeindruckt ist der Student davon, wie organisiert die beiden Stadtführer ihr Leben unter schwierigen Bedingungen zu meistern versuchen. Im Zuge meiner Abschlussarbeit habe ich schon einige Gespräche mit FiftyFifty-Verkäufern geführt, die mir sehr geholfen haben. Städtische Initiativen sind oftmals bei weitem nicht so kooperativ.

Edeltraud Winkler gefällt besonders, wie offen und unverblümt die beiden Stadtführer miteinander umgehen. Man merkt, dass sich die beiden schon lange kennen. Dieser Schlagabtausch lockert das ganze auf und bringt einem die Thematik noch viel näher.

Für sie hat sich der Rundgang definitiv gelohnt, und auch Johannes Dörrenbächer, der das Projekt zusammen mit dem Zakk organisiert, ist sehr zufrieden mit der Premiere. Wegen des großen Interesses haben wir heute statt einer gleich zwei Führungen angeboten. Die nächste Führung in zwei Wochen ist bereits ausverkauft. Es werden in Zukunft sicher noch viele weitere folgen.
WZ, 17.06.2013
 
Social Design für fiftyfifty - Neue Studentenkampagnen im Straßenmagazin
Mit viel Engagement stellten die Studierenden des Seminars Social D-SIGN von Professor Wilfried Korfmacher am 11. Juni 2013 neue Ideen für fiftyfifty vor. Zusammen mit Verkäuferinnen und Verkäufern des Straßenmagazins präsentierten sie ihre kreativen Konzepte und Entwürfe, um Obdachlosigkeit auch außerhalb der harten Wintersaison zu einem aufmerksamkeitsstarken Thema zu machen. Zahlreiche Vertreter von Zeitungen, Fernsehen, Radio und Internet ließen sich die plakativen Motive, die in einem Supplement der aktuellen Ausgabe veröffentlicht werden, von den Autoren und ihren obdachlosen Auftraggebern" persönlich erläutern.

Wir pflegen schon seit fast zehn Jahren eine ebenso freundschaftliche wie erfolgreiche Beziehung zu Hubert Ostendorf, Bruder Matthäus und dem ganzen Team von fiftyfifty", so Professor Wilfried Korfmacher. Meine Studentinnen und Studenten sind jedes Mal beeindruckt von den Projekten und den Menschen, die dahinter stehen. Sie setzen sich aus Überzeugung dafür ein und werben mit Freude für die gemeinnützige Sache. So ist der Name meiner Lehrveranstaltung auch diesmal wieder der perfekte Slogan für die fiftyfifty-Kampagne: MACHT SINN!" Hubert Ostendorf, der Macher hinter den fiftyfifty-Projekten, hat einen großen Traum: Es ist schade, dass wir so tolle Einfälle nur im Format unseres Magazin zeigen können. Ihre beste Wirkung würden die Entwürfe erst in ihrer wahren Größe entfalten. Diese Plakate gehören auf die Straße. Vielleicht hilft uns ja jemand bei der Realisierung in 1:1?"
Fachhochschule Düsseldorf, 13.06.2013
 
Studenten entwerfen "fiftyfifty"-Magazin
In einem Seminar über Soziales Design haben die Studenten Ideen für das Straßenmagazin entwickelt.

Viktoria Merkulova braucht keine dramatischen Bilder zum Aufrütteln, sondern nur ein Zitat aus der Bibel. Im aktuellen Obdachlosen-Magazin "fiftyfifty" sieht man die Design-Studentin mit einem Schild, auf dem steht: "Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge." Mit den Versen aus dem Lukas-Evangelium stellt die FH-Studentin die Geburt Jesu aus einem neuen Blickwinkel dar, präsentiert sie als eine "Ur-Szene der Obdachlosigkeit". Kreative Ideen zu entwickeln, um das Thema Obdachlosigkeit neu und auch überraschend darzustellen und für gute Taten - sprich, Hilfen für Menschen in Not - zu werben: Das sind die Leitgedanken im Seminar "Macht Sinn" an der Fachhochschule Düsseldorf. Unter Leitung von Professor Wilfried Korfmacher haben Viktoria Merkulova und ihre Kommilitonen in dem Seminar über Soziales Design Kommunikationskonzepte entworfen, die jetzt in einer Sonderbeilage der aktuellen "fiftyfifty"- Ausgabe präsentiert werden. Dort zeigen die Design-Studenten zum Beispiel mehrere Straßenverkäufer. So auch Monique Dumrese: Sie stellt Christoph vor, mit einem Foto und ein paar Zeilen über sein Leben. "Innerhalb eines Monats verlor er seine Arbeit, seine Ehe ging in die Brüche und er wurde zuckerkrank. Seine neue Wohnung ist nicht viel größer als die Kabine seines alten Trucks", steht unter dem Bild vom Straßenverkäufer, der mit dem Rücken zur Wand steht. In seiner Hand hält Christoph das Schild mit den mahnenden Worten: "Seid nicht obachtlos." Die Kooperation zwischen der Fachhochschule und "fiftyfifty" hat Tradition und ist auch preisgekrönt, sagt Hubert Ostendorf von fiftyfifty: So wurde eine Kampagne schon mal mit dem "reddot", dem international begehrten Design-Preis, ausgezeichnet. Viktoria Merkulovas Arbeit mit den Bibel-Versen in weißen Buchstaben auf goldenem Hintergrund: Das sei "radikal und banal", lobt Korfmacher seine Studentin. Auf den Gedanken, die Bibel zu zitieren, kam die Studentin, weil sie ursprünglich eine Idee für die Weihnachts-Ausgabe entwickeln sollte: Als sie im Neuen Testament die Verse über die Geburt Jesu las, wusste sie, dass die bekannte Szene ein eigenes Motiv für so verschiedene Themen wie Obdachlosigkeit, Hilfsbedürftigkeit und Wunder sein könnte.
Rheinische Post, 12.06.2013
 
"fiftyfifty" für einen Guten Morgen
Vielleicht sind auch sie Ihnen odder Sie ihnen schon begegnet.Eigentlich stehen sie mittlerweile fast überall, wo Einkaufswagen stehen, am Getränkemarkt am Supermarkt: Die Leute mit Pappbecher in der einen und einem Exemplar der Obdachlosenzeitung in der anderen Hand. Sie tun keinem etwas, aber sie hätten gern etwas: Geld. Die Zeitung interessiert uns nicht. Und wenn wir jedem etwas geben würden, stünden wir bald selbst neben den Einkaufswagen... Also geben wir dem, der am Getränkemarkt so höflich "Guten Morgen!" sagt ab und zu die Hälfte des Euros, der im Schacht des Einkaufswagens steckt. "fifty-fifty" sozusagen.
NRZ, 11.06.2013
 
Düsseldorf mit den Augen eines Obdachlosen
DÜSSELDORF
Bei ihrem Rundgang durch Düsseldorf zeigen diese Stadtführer nicht die Kö und auch nicht die Altstadt. Sie zeigen die Schattenseiten der Landeshauptstadt.
Patrick Jansen weiß, wovon er spricht. Er war drogenabhängig und lebte vor sieben Jahren auf der Straße. Jetzt erzählt er den Interessierten über das Leben eines Obdachlosen. Und er zeigt ihnen vor allem die Orte, die in der Stadt für die Obdachlo
Hier, auf der Harkortstraße 27, befindet sich ein Notschlafplatz, erzählt der 33-Jährige. Schön ist es in solchen Unterkünften nicht. Ich hatte dort Angst zu übernachten, weil hier oft Sachen gestohlen werden.
Nur hundert Meter weiter liegt das Café Pur. Hier bekommt man günstig was essen berichtet der etwas andere Stadtführer. Sozialarbeiter, die hier arbeiten, haben ein offenes Ohr für unsere Probleme.
Auf seinem Plan stehen weitere sieben Punkte, die er den Teilnehmern zeigen will. Organisiert wird die zweistündige Führung vom Zakk und der Obdachlosenzeitschrift fiftyfifty. Und die Teilnehmer erfahren nicht nur über das Leben auf der Straße.
Ihnen wird die Angst vor den Obdachlosen genommen. Mir kann eigentlich jede Frage gestellt werden, so Jansen. Ich werde auch beantworten wie ich drogenabhängig wurde und auf der Straße gelandet bin.
Weitere Infos über den Rundgang unter strassenleben.orgsen lebenswichtig sind.
Express, 10.06.2013
 
fiftyfifty: 30.000 Toten-Hosen-Exemplare verkauft
Die Toten Hosen sind angesagt wie nie. Das zeigt sich auch an der aktuellen Ausgabe des Straßenmagazins fiftyfifty. Nach nur 3 Tagen sind bereits 30000 der Exemplare mit der Toten-Hosen-Geschichte um Bassist Andi auf dem Titelbild verkauft. "Wir haben uns schon darauf eingestellt und vorsorglich mehr Zeitungen drucken lassen", sagt Oliver Ongaro von fiftyfifty. Anstatt der zuletzt üblichen 25000 Exemplare sind diesen Monat rund
40000 Zeitungen für die Landeshauptstadt produziert worden. "Die gehen weg wie warme Brötchen", sagte einer der Verkäufer gegenüber der WZ. "Wenn nötig, drucken wir noch 5000 nach", sagt Ongaro.
WZ, 06.06.2013
 
Fiftyfifty-Verkäufer zeigen ihre Sicht auf die Stadt
Düsseldorf. Die Landeshauptstadt einmal anders erleben das ist ab dem 15. Juni mit einigen Verkäufern des Straßenmagazins Fifty-Fifty möglich. Gemeinsam mit dem Zakk, dem Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation, bietet die Organisation künftig Stadtführungen an. Dabei führt ein Fifty-Fifty-Verkäufer eine Kleingruppe von sechs bis 15 Personen von der Sozialberatungsstelle an der Höhenstraße bis in die Altstadt.

Wir zeigen sozusagen das dreckige Düsseldorf, sagt Patrick mit einem Augenzwinkern. Der 33-Jährige ist einer der ersten vier Verkäufer, der die Führungen anbietet. Die Teilnehmer sollen die Stadt anders erleben und einen Einblick in die Lebenswelt von Obdachlosen erhalten, sagt Johannes Dörrenbächer, Koordinator des Projekts Straßenleben.

Trinkgeld der Touren geht an die jeweiligen Fifty-Fifty-Verkäufer

Die Stadtführer zeigen bei der rund zweistündigen Tour Übernachtungsmöglichkeiten, wie sie als Obdachlose ihren Tagesablauf organisieren, wo es Anlaufstellen gibt, wenn sie Hilfe suchen und wie mit Sucht umgegangen wird. Das Trinkgeld, das sie erhalten, dürfen sie anschließend behalten. Wir erzählen wahre Begebenheiten, keine erfundenen Geschichten, sagt Armin. Offen und ehrlich das ist auch Dörrenbächer wichtig. Hier geben ,Betroffene ihre Erfahrungen an andere weiter und können so vielleicht auch mit dem ein oder anderen Vorurteil aufräumen, sagt der Projektkoordinator.

Obdachlose kommen aus allen Schichten, sagt Lobo. Der 57-Jährige ist Fifty-Fifty-Verkäufer der ersten Stunde seit 16 Jahren ist er inzwischen dabei und wie einige andere seiner Kollegen kein Obdachloser mehr. Ich habe auf der Straße Richter und Firmenchefs kennengelernt. Die kamen aus guten Verhältnissen und sind dann erst aus der Spur gekommen, erzählt Lobo. Es sind die persönlichen Geschichten, die die Führung über Hauptbahnhof und Königsallee bis in die Altstadt ausmachen. Unter der Eisenbahnbrücke an der Ellerstraße erklärt Patrick die Geschichte zur Entstehung der Wandmalereien, am Mintropplatz schildert André, wo sich Obdachlose Hilfe holen können.

Anmeldungen für sieben Euro pro Person sind im Internet möglich

Zweimal pro Monat werden die Führungen zunächst angeboten, immer samstags und sonntags. Die Teilnahme kostet sieben Euro, ermäßigt fünf Euro. Eine Anmeldung ist notwendig und kann über das Internet erfolgen.
WZ, 06.06.2013
 
Fotograf beschenkt stadtmuseum
Thomas Rüsenberg kostete es viel Überzeugungskunst, den Mann dazu zu bringen, sich fotografieren zu lassen. Am Ende sitzt er auf einer Kiste vor einem Wohnwagen. Gelöst schaut er zwar immer noch nicht drein, aber dass ein Foto jetzt im Museum hängt, macht ihn doch ein bisschen stolz. 16 Porträtaufnahmen hat Rüsenberg dem Stadtmuseum geschenkt. Sie zeigen Roma, Menschen also, die auch in Düsseldorf nicht überall willkommen sind. Dennoch, Museumschefin Susanne Anna betont:"Wur subd eub Gazs der Partizipation und lassen alle Bürger dieser Stadt teilhaben."
Bei der Tauffeier eines Romakindes ist Rüsenberg vor drei Jahren die Idee zu der Serie gekommen. Die Lebensfreude der Menschen habe ihn angesprochen, und er erinnerte sich an eine romantische Vorstellung aus der Kindheit, an Wohnwagen und das Rätselhafte, das den Roma bis heute anhängt. Für die Aufnahmen, die mit Hilfe von fiftyfifty zustande kamen, platzierte er die Menschen bei schönem Wetter vor einem Wohnwagen. Jetzt hängen die Fotos im Stadtmuseum in der Sammlung des 20./31. Jahrhunderts.
WZ, 06.06.2013
 
Obdachlose als Stadtführer für Düsseldorf!
Das Rathaus mit Jan Wellem, das Heine-Haus in der Bolkerstr: beliebte Stationen bei Düsseldorfer Stadtrundgängen. Ab 15. Juni können Sie die City aus einer völlig anderen Perspektive kennenlernen. Ihre Stadtführer sind dann Verkäufer des Straßenmagazins "fiftyfifty". Die zum Teil obdachlosen Männer und Frauen führen an Plätze und Örtlichkeiten, die man sonst eher melden oder ignorieren würde. Patrick (34): "Wir zeigen, dass Düsseldorf auch dreckig ist." Wo übernachten Wohnungslose? Wo sind Anlaufstellen? Wie sieht es in einer Männerschlafstelle aus? Wo bekommt man eine preisgünstige Mahlzeit? Patrick und seine Kollegen können aus - of leidvoller - Erfahrung davon berichten. Enstadnden ist das Projekt Straßenleben aus der Kooperation zwischen "fiftyfifty" und dem Düsseldorfer Kulturzentrum "Zakk". Projekt-Koordinator Johannes Dörrenbacher (22): "Wir haben bereits einen Probegang gemacht. Das Interesse war durchweg positiv." Bis in den August sind die Führungen (zweimal im Monat) geplant. Patrick:" Die Leute können uns alles fragen, was sie sich sonst nicht trauen würden. Wir sind da ganz offen", meint er. Auch André hat schon viel durchgemacht:" Die Gewalt nimmt zu", sagt der gelernte Maler und Anstreicher. "Mein Hund ist mein bester Freund, aber auch mein bester Beschützer." Und sein Stadtführerkollege ergänzt: "Ich möchte ihnen nahe bringen, wie das Leben auf der Straße läuft, vom 'aus dem Schlafsack raus' bis wieder in den Schlafsack rein." Die Straßenleben-Stadtführung dauert zwei Stunden.
Bild, 06.06.2013
 
300000 Zeitungen schon verkauft
Nicht nur die Verkäufer der Obdachlosenzeitung fifty-fifty, sondern auch der Schirmherr der Initiative, Bruder Matthäus, freut sich: Von der aktuellen Ausgabe mit dem Titelbeitrag zu den Toten Hosen sind innerhalb von drei Tagen 30 000 Exemplare verkauft worden.

Bruder Matthäus: "Nach dem Auflagenrückgang in den vergangenen Monaten ist dies ein sehr hoffnungsvolles Signal." Der Ordensmann und seine Mitarbeiter hatten vorsorglich von der aktuellen Ausgabe 5000 Exemplare mehr drucken lassen, das Heft kann aber auch nachgedruckt werden.

Darin erzählt Andi Meurer (), Bassist der Hosen, über seine Jugend, seine Fans, die Armut und das Engagement der Hosen für fifty-fifty. "Geld", sagt er in dem Interview, "ist kein Parameter für Glück". In dem Heft werden übrigens Freikarten für das ausverkaufte Konzert der Hosen am 12. Oktober in der Arena sowie eine signierte Gitarre verlost.
Rheinische Post, 05.06.2013
 
Viel Luft nach oben
Am Dienstag erscheint die neue Ausgabe des Straßenmagazins fiftyfifty mit einer besonderen Titelgeschichte. Andi Meurer, Bassist der Toten Hosen, erzählt im Interview (unter anderem), dass die Bandmitglieder keine Noten lesen können, dass er am Anfang einen Bass mit nur zwei Saiten gehabt hat, über seine Jugend, über den Abstieg von Fortuna, die Armut und warum sich die Punker für fiftyfifty engagieren.</p><p>Über seine Jugend: Mein Vater mochte meine Musik nicht und auch nicht meine Klamotten. Am Ende bin ich zu Hause rausgeflogen, weil Campino und ich uns die Haare gefärbt hatten.</p><p>Über die Anfänge der Band: Stimmt, ich habe zwei Saiten von meinem Bass abgemacht. Das sah auch cooler aus. Das war ja das Schöne am Punk. Wir konnten eine Band machen und Musik ohne musikalische Ausbildung. Wir haben den Dilettantismus geradezu gepflegt. Natürlich hatten wir dennoch den Ehrgeiz, so gut wie möglich zu sein. Und wenn du von unten kommst, hast du viel Luft nach oben. Und was die Noten betrifft: Man muss keine Noten lesen können, um auf eine gute Melodie zu kommen.</p><p>Über Fortuna: Dass wir die 1. Liga nach nur einem Jahr wieder verlassen müssen ist natürlich bitter. Aber ich bin guter Hoffnung, dass wir den direkten Wiederaufstieg schaffen können. Die Fans sind in jedem Fall erste Liga und es war schön zu sehen, mit welcher Leidenschaft sie das Team auch in der Rückrunde unterstützt haben.</p><p>Über Armut: Ich habe Probleme mit großen Firmen, die Gewinne ins Ausland verschieben, um Steuern zu sparen. Das ist eine Frechheit.</p><p>Über fiftyfifty: Wir von den Toten Hosen wissen, dass fiftyfifty eine sehr gute Arbeit macht: mit der Zeitung, der Betreuung, den Wohnprojekten und dem politischen Engagement gegen Ausgrenzung.</p><p>Außerdem erhält die neue fiftyfifty ein Poster der Toten Hosen, und es gibt eine von Andi gestaltete Bass-Gitarre zu gewinnen, die von allen Bandmitgliedern unterschrieben wurde. Zusätzlich werden Freikarten für das längst ausverkaufte Konzert am 12. Oktober in der Esprit-Arena verlost.</p><p>Die Straßenzeitung kostet 1,90 Euro - erstmalig seit Jahren 10 Cent mehr - und wird in Düsseldorf, Duisburg, Mönchengladbach, Krefeld, Essen, Köln, Bonn, Wuppertal, Solingen, Frankfurt/Main sowie anderen Städten von Obdachlosen verkauft. Diese dürfen die Hälfte vom Verkaufspreis behalten. Franziskanerbruder Matthäus Werner und sein Team haben 5 000 Zeitungen mehr als üblich drucken lassen - wegen der zu erwartenden großen Nachfrage.
NRZ, 28.05.2013
 
Andi Meurer über die Anfänge der Toten Hosen
"Mein Vater mochte meine Musik nicht und auch nicht meine Klamotten". Am Ende bin ich rausgeflogen weil Campino und ich uns die Haare gefärnbt hatten", verriet Andi Meurer, Bassist der Toten, dem Straßenmagazin Fiftyfifty. In der Titelgeschichte der kommenden Ausgabe berichtet Meurer über die Anfangszeiten der Hosen ("Ich habe zwei Saiten von meinem Bass abgemacht. Das war das Schöne am Punk. Wir konnten Musik ohne musikalische Ausbildung machen.") über die Fortuna ("Ich bin guter Hoffnung, dass wir den direkten Wiederaufstieg schaffen können"). Außerdem enthält die neue fiftyfifty-Ausgabe ein Poster der Toten Hosen, die die Zeitung und ihre sozialen Projekte unterstützen.
WZ, 28.05.2013
 
Galerie Lausberg feiert Zehnjähriges
Mit Werken internationaler Künstler, einer Verlosung und Musik feiert die Galerie Lausberg ihr zehnjähriges Bestehen an der Hohenzollernstraße 30. "Wir haben den Fokus für die Jubiläumsschau absichtlich auf Künstler aus dem Ausland gelegt", sagt Galerist Bernd Lausberg und nennt Namen wie Franco DeFrancesca (Kanada), Jae Ko (Korea), Dani Marti (Australien) und Zammy Migdal (Israel). Am Samstag 25. Mai, möchte Lausberg mit Künstlern und Gästen feiern. Die Künstler der Galerie präsentieren ihre Editionen und stellen diese zum Verkauf. Ein Teil des Erlöses geht an die Obdachlosenorganisation fiftyfifty. Zudem können die Gäste Lose kaufen und weitere Editionen gewinnen. Die Einnahmen aus dem Losverkauf gegen ebenfalls an fiftyfifty. Eine Eröffnungsrede hält Fotografin Katarina Mayer. Thomas Hufschmidt und Walfried Böcker sorgen für Musik. Alle Interessierten sind zu der Feier willkommen.
Rheinische Post, 17.05.2013