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Fritz Schwegler - Biographie

Das himmelblaue Wasser

"Für alle Gangarten ist unerlässlich, dass die Richtung stimmt." So schrieb Fritz Schwegler 1969, als er noch kein Professor der Kunstakademie Düsseldorf war, sondern ein fahrender Gesell. Eine "Artübung" war es. Eine Reflexion über Kunst, aber auch eine Persiflage darauf. Denn er entwickelte einen doppelten Richtungspfeiler aus Pressholz. "Jeder braucht mindest das kleine Format", textete er, "damit ers in der Tasche hat und vor sich hinlegen kann, wenn er mal unterwegs nicht mehr weiter weiß." Wichtig war ihm dabei, dass der eine Pfeil nach links, der andere nach oben oder vorn zeigt.

Wenn die Richtung immer stimmt, dann könnte man daraus auch folgern, dass sie nie stimmt. Und so entwickelte er das "Effeschiadenstück zum Glück" weiter, in späteren Bildern. Für die Edition von fiftyfifty ist es ein blaues Rad mit vier Speichen und zwei entgegengesetzten Pfeilern. Sie halten das Rad in der Schwebe, sie sorgen für eine Balance. Sie hebeln das Rad gleichsam aus, es kann nicht mehr rollen. Wie sollte es das auch können, wenn es auf einem Bild fixiert ist.

Fritz Schwegler kam 1935 in Breech/Baden-Württemberg zur Welt und wurde dort später Hornist der Freiwilligen Feuerwehr und Mitglied im Gesangverein "Liederkranz" Börtlingen als erster Bass. Später tauchte er mit "Moritafeln, Pfeif und Sang" in Düsseldorf auf, wurde 1973 Lehrbeauftragter an der Kunstakademie, 1975 Professor für Malerei, seit 1985 für Bildhauerei und blieb dies bis zu diesem Frühjahr.

Schwegler hat niemals die Grenzen als unüberwindlich angesehen. Ob arm oder reich, ob Herr oder Knecht, solche Klassifizierungen interessieren ihn nicht. Für ihn ist vielmehr wichtig, was er in einer der Editionen für dieses Straßenmagazin sagt: "Da oben - da musz man sich bewegen können - man musz sich über die ganzen Meere hinwegsetzen können und zu Bergen werden". Sich hinwegsetzen können, das ist eine Forderung an uns alle. "Am Fluss bleiben" sagt er in einer seiner Einfallsnummern. Und er steckt drei wunderschöne Fantasietiere ins himmelblaue Wasser und grenzt das Wasser durch maifrisches Grün ein. Und die Tiere auf seinem Bild halten den Kopf hoch, da kann nichts passieren. Auf die Frage, wo das "feine Wasser" herkommt, geben sie keine Antwort. Aber das sieht der Betrachter ja, oder?

Schwegler ist ein Wahlverwandter von Joseph Beuys, der erklärte: "Jeder Mensch ist ein Künstler." Bei Schwegler heißt es anders: "Und keiner hinkt." Die drei Worte stammen aus der "Täglichen Jubelrolle", Jubel-März 1974. In ihnen steckt das Glaubensbekenntnis eines Künstlers an die kreativen Kräfte des Menschen. Schwegler sagt: "Wenn keiner hinkt, dann weiß ich, dass ich auch nicht hinke. Dann heißt das, dass ich mich selbst vollkommen fühlen kann." Vielleicht kann dies ein Losungswort nicht nur für junge Künstler, sondern auch für jene Menschen sein, die nicht mehr weiter wissen. Möglicherweise genügt es ja, auf die Berge zu springen und weiter zu sehen.

Helga Meister

Literatur: Helga Meister: "Und keiner hinkt 22 Wege vom Schwegler wegzukommen", DM 38, 168 S., zahlreiche Abb., erhältlich in der Kunsthalle Düsseldorf und in der Düsseldorfer Buchhandlung König.