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Hubertus Neuerburg - Biographie

Die Leichtigkeit des Scheins

Der Schlossturm von Düsseldorf, davor eine Schneelandschaft. Kinder fahren Schlitten, Der Weihnachtsmann verteilt Geschenke. Sogar der Hund im Bild erhält eine Wurst. Idylle vor nächtlichem Panorama. Naive Kunst? Gar Kitsch? Keineswegs. Die Bilder von Hubertus Neuerburg (geboren 1942 in Wien), Dozent für Film und Dokumentation an der Kunstakademie Düsseldorf, zeigen Menschen in Alltagsszenen: ein Pärchen auf einer Vespa, Wartende vor dem Zug, eine Familie beim Essen, Liebende auf einer Bank. Ruhe und Harmonie entströmt den bewusst gewählten Anordnungen. Fast so etwas wie eine kindliche Unbefangenheit. Und doch trügt die vordergründige Leichtigkeit. Indem Neuerburg eine Welt pinselt, wie es sie nicht gibt, schafft er gleichzeitig eine hintersinnige Wirklichkeit jenseits der Harmonie. Seine Bilder sind Traumlandschaften des kleinen, stillen Glücks, denen die Zerbrechlichkeit innewohnt. Sie erzählen Geschichten in einer Art, wie sie die Kamera, die auf einigen Arbeiten des Filmprofis auftaucht, nicht wieder geben könnte. Die meisterhaft von Neuerburg gefilmte Wirklichkeit, etwa Kulturfeatures über berühmte Künstler, und die akribisch inszenierte Malerei auf zumeist Holztäfelchen sind zwei Seiten der gleichen Wahrnehmung. Der mit vielen Preisen ausgezeichnete Kameramann arrangiert auf seinen Ölmalereien Szenen wie Kulissen für einen Film. Die kleinen Gemälde können die Tristesse des Alltags aufhellen und positiv wenden, weil sie das Leben so positiv zeigen, wie es eben manchmal doch sein könnte. Karl Henning