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Stephan Kaluza - Biographie

Stephan Kaluza wurde 1964 geboren und ist einer der wichtigsten Künstler unserer Zeit. Als Maler wurde er vor vielen Jahren bereits bekannt mit Unschärfe-Portraits wichtiger Persönlichkeiten. Es folgten viele andere Zyklen, wie derzeit abstrakte Bilder in kleineren Formaten. Als Fotograf machte Stephan Kaluza Furore mit seinem berühmten „Rheinprojekt“ aber auch mit „Feldern“, „Abfolgen“, der „Berliner Mauer“ und anderen Foto-Serien. Schließlich schreibt Stephan Kaluza Romane, Dramen und Drehbücher, die er zum Teil selbst in wichtigen Theatern inszeniert. Er ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Düsseldorf und am Mozarteum in Salzburg. Seine Bilder sind in vielen wichtigen Museen und Sammlungen vertreten. Die Obdachlosenhilfe fiftyfifty und underdog unterstützt Hundebesitzer Stephan Kaluza bereits seit fast 20 Jahren. Er hat 12 Portraits von den Hunden obdachloser Menschen für den Underdog-Kalender "Straßenhunde" gemacht, die auch als Foto-Editionen (C-Print auf Aludibond hinter Acrylglas, ca. 63 x 54 cm, Auflage je 6, verso nummeriert und handsigniert, je 600 Euro) erhältlich sind.

 

Von der Quelle bis zur Mündung: Der Rhein in 21.000 Bildern

Der Düsseldorfer Fotograf Stephan Kaluza ist den gesamten Rhein abgegangen und hat nach exakt jeder Gehminute ein Foto vom Fluss geschossen. Nach 1620 Kilometern waren das 21.449 Bilder. Ein kolossales Projekt: der ganze Rhein im Bild. Das fotografische Konzept ist denkbar schlicht: Bloß losgehen, nach exakt jeder Minute stehenbleiben und das gegenüberliegende Ufer fotografieren. Egal, was man gerade sieht. Denn was einem vor die Linse kommt, ist längst nicht immer schön oder lieblich oder wenigstens spannend. Wie das so ist bei einem 1620 Kilometer langen Flusslauf – von der Quelle des Rheins am schweizerischen Piz Badus bis zur Mündung in Rotterdam. Diesen Weg ist der Düsseldorfer Fotograf Stephan Kaluza (43) mit seiner Kamera gegangen. Im Schnitt 40 Kilometer am Tag, wobei – je nach Wegbeschaffenheit – alle 70 bis 90 Meter ein Horizontalbild entstand. Am Ende waren es 21.449 Einzelbilder, die mit ihren Datenmengen 13 Festplatten füllten. Würde man die bei einer Bildhöhe von 15 Zentimetern aneinanderreihen, käme man auf eine Strecke von etwa vier Kilometer. Solche Faktenhuberei zeigt zweierlei: das Kolossale, auf das diese Foto-Serie ästhetisch angelegt ist, sowie das Totale, mit dem unsere Perspektive erweitert werden soll. Natürlich steckt dahinter auch das Unmögliche, alles in einem Blick haben zu können, den Fluss praktisch im Überblick zu sehen in all seinen Lichtverhältnissen und Landschaften, die bisweilen so unterschiedlich sind, dass man glauben könnte, der Fotograf habe kurzerhand den Kontinent gewechselt. Letztlich ist darum diese aufregende Bildserie unter dem Titel „complexe (1) – rhein“ fotografierte Philosophie: Unsere Wahrnehmung von der Welt bleibt immer nur ausschnitthaft, begrenzt und beschränkt. Auch darum ist die enorme Anstrengung, die Kaluza für diese Einsicht auch körperlich auf sich genommen hat, ein angemessener Aufwand: Er dokumentiert mit tausenden von Rheinbildern unser Begehren nach dem großen Überblick und entlarvt zugleich die Hybris, die darin unverhohlen steckt. Stephan Kaluza ist in diesem Sinne also gescheitert – freilich ist es eine Niederlage mit Fanfaren. Für ein solches Thema kann das Motiv im Grunde nicht mächtig und machtvoll genug sein. Sehr bewusst hat sich Kaluza darum für den Rhein entschieden, der politisch und historisch, mythologisch und literarisch so aufgeladen ist, dass er weit monströser wirkt als das Fotoprojekt selbst. Das ist die ntellektuelle Seite dieses Versuchs einer fotografischen Rhein-Eroberung, die ausschnitthaft derzeit in einer Düsseldorfer Ausstellung sowie im dicken Fotoband „Der Rhein“ zu verfolgen ist. Die andere Seite ist die des Schauens, der kleinen und großen Entdeckungen entlang des Rheins, auch der Erfahrung von Zeit. Unsere Augen sind halt schneller als der Fotograf, der fast acht Monate unterwegs war. Es gibt schöne Raststätten, an denen man auch als Betrachter gern verweilt. Das Stadtpanorama von Basel gehört dazu, auch der Rheinfall bei Schaffhausen. Aber wie viele öde Uferstrecken kennt doch dieser Fluss: niederrheinische Auen, die man bestenfalls meditativ nennen könnte, Industrieanlagen, Wildwuchs und scheinbar vergessene Flecken. Der Rhein verliert an Glanz, der Fluss funkelt eher selten. Am schönsten ist vielleicht noch die Landeshauptstadt Düsseldorf, die Kaluza nach einem Tagesmarsch von Köln bei Nacht erreichte. Oberkassel ist ein buntes Lichtermeer, und Kaluza wusste sich nah seiner heimatlichen Schlafstätte. Da darf der Rhein schon mal ein bisschen lieblicher sein als sonstwo. Andererseits gibt es Stellen, an denen der Fluss überhaupt nicht zu sehen ist. Der Rhein bei Duisburg beispielsweise scheint gänzlich aus Kaimauern zu bestehen. Zudem tauchte schon beim Durchblättern zeitig die Frage auf, was der Fotograf wohl an jenen Stellen machen werde, an denen Eisenbahnlinien sich ans Ufer schmiegen. Nun, Stephan Kaluza machte das, was er zuvor schon einige tausend Mal gemacht hatte: Nach einer Minute wie gewohnt stehenbleiben und das Foto schießen. Und wenn gerade ein Zug kommt? Dann ist der Zug eben der Rhein. Das wiederum ist weniger fatal, als man glaubt. Denn so entsteht ganz ohne Absicht eine kleine Enthüllung. Bei Bingen rast ein IC vorbei, Stephan Kaluza drückt ab und findet sich später widergespiegelt in einem der Zugfenster. So ist für einen kurzen Augenblick auch der Fotograf zum Rhein geworden und hat ohne Absicht auch noch Erich Kästner widerlegt, der einst reimte: „Merk dir, du Schaf, weil es immer gilt: Der Photograph ist nie auf dem Bild." Lothar Schröder, Rheinische Post

Vita

- 1964 geboren.

- 1986 - 1994 Studium an der FH Düsseldorf

- 1990 - 1994 Zweitstudium (Kunstgeschichte) an der Kunstakademie Düsseldorf

- lebt und arbeitet in Düsseldorf

Ausstellungen, Projekte (Auswahl):

- 2015 Museu Rodin Bahia, Salvador (E)

- 2015 „Das Rheinprojekt“, Goethe Institut, Salvador (E)

- 2014 „The Disappeared“, Galerie Michael Schultz, Berlin

- 2014 „Felder“, Goethe-Institut Paris (G)

- 2014 „Felder“, Goethe-Institut Toulouse (E)

- 2014 Sanatorium Gallery, Istanbul (E)

- 2014 „Felder II“, Polnisches Institut Düsseldorf (E)

- 2014 „Abfolgen“, Neue Galerie Haus Beda, Bitburg (E)

- 2013 „Es ist wert, dass es zugrunde geht“, Galerie Michael Schultz, Berlin (E)

- 2013 Salon der Gegenwart, Hamburg (E/G)

- 2013 „Felder II“, Galerie Headegg, München (E)

- 2013 Kunsthalle Dresden (E)

- 2013 FEM Kulturfestival, Rio de Janeiro (E)

- 2013 Galerie Python, Zürich (G)

- 2013 Infinity: Neo-Espressionism/Contemporary Art, Zhang Zhuang, Beijing (G)

- 2013 „Felder“ Art Karlsruhe (E)

- 2013 „3D“ Deutsches Theater, Berlin

- 2013 „3D“ Theater und Orchester Heidelberg

- 2012 „3D“ Staatstheater Stuttgart, Uraufführung

- 2012 Sanatorium Gallery, Istanbul (E)

- 2012 Kunsthalle Osnabrück (G/E)

- 2012 „Developed Landscapes (Felder)“, Gwangju Museum of Modern Art, Korea (E)

- 2011 „Der Dritte Raum“, Kunsthalle Düsseldorf (G)

- 2011 „Stimme frisst“, Deutsche Oper am Rhein, Uraufführung

- 2011 „Das Rheinprojekt – complexe 1“, Arp Museum, Remagen (G)

- 2011 Kai 10, Arthena Foundation, Düsseldorf (E)

„Felder“, Dumont Verlag, Köln

- 2011 Galerie Michael Schultz, Berlin (E)

- 2010 „The Right to Protest“, Museum of the Seam, Jerusalem (G)

- 2010 Sanatorium Gallery, Istanbul (E)

- 2010 Art Amsterdam

Blauhaus - Inszenierung

- 2010 „Atlantic Zero“, Düsseldorfer Schauspielhaus, Uraufführung im Central

- 2010 Schumannfest 2010, Tonhalle Düsseldorf,

Bildstück Schwein sagt

- 2010 Stadttheater Bielefeld,

Puls 2 – Fearful Symmetries & Christian Zeals, Bühnenbild zu einer Oper von John Adams, Choreographie: Gregor Zöllig

- 2010 Galerie Michael Schultz, Berlin (E)

- 2009 Kunstverein Bethanien, Berlin (E)

„Die unsichtbare Mauer - complexe 16“, Dumont Verlag, Köln

- 2009 Galerie Willy Schoots, Eindhoven (E)

- 2009 - „Das Rheinprojekt – complexe (1)“, Galerie Livingstone, Den Haag (E)

- 2009 Galeria Maior, Pollenca (E)

- 2008 „Heart Quake“, Museum of the Seam, Jerusalem (G)

- 2008 „El Puente de la Vision“, Museo de Bellas Arte, Santander (G)

- 2008 Galerie Felix Ringel, Düsseldorf (E)

- 2008 Galerie Michael Schultz, Berlin (E)

- 2008 Galerie Walter Storms, München (E)

- 2007 Ribbentrops Living Room – complexe (3)“, Zendai Museum of Modern Art,

Shanghai (E)

- 2007 Galerie Zuid, Antwerpen (E)

- 2007 „Leibhaftig“, Kunstverein Konstanz/Ravensburg (G)

- 2007 Halle 6, Düsseldorf (E)

- „Das Rheinprojekt – complexe (1)“, Dumont, Verlag d. Buchhandlung Walther König

- 2006 Park Ryu Sook Gallery, Seoul (E)

- 2006 Art Seasons Gallery, Beijing, (E)

- 2006 Contemporary art center, Vilnius (G)

- 2006 art cologne, Köln, Galerie Michael Schultz (E)

- Ausstellungskatalog „Ribbentrops Wohnzimmer – complexe (3)“

- 2006 Galerie Samuelis Baumgarte, Bielefeld (E)

- 2006 Landesmuseum Oldenburg (E)

- 2005 Galerie Zuid, Antwerpen (E)

- 2005 Galeria Carmen de la Calle, Madrid (E)

- 2005 „Distanzen“ St. Matthäus/Kulturforum, Berlin (E)

- 2005 „Schrift, Bilder, Denken – Die Kunst der Gegenwart und Walter Benjamin“,

Haus am Waldsee, Berlin (G)

- 2004 „Now“ Castellana Art Gallery, Madrid (G)

- 2004 „Narratives from Germany“ Elizabeth Leach Gallery, Portland, Oregon (G)

- 2004 Galleria San Carlo, Mailand (G)

- 2004 „Declaration“, State contemporary Museum of Art, Seoul (G)

- Ausstellungskatalog „Declaration“

- 2004 Galerie Jörg Hasenbach, Antwerpen (G)

- 2003 Georg Kolbe Museum Berlin (G)

- Ausstellungskatalog

- 2003 „Im grünen Garten“ Galerie Michael Schultz, Berlin (E)

- Ausstellungskatalog

- 2003 „Passion“ Galerie Willy Schoots, Eindhoven (E)

- Ausstellungskatalog „Passion“

- 2003 Galeria Maior, Polencia (E)

- 2002 Galerie Livingstone, Den Haag (E)

- 2002 „History Revisited“ Elizabeth Leach Gallery, Portland, Oregon (G)

- 2002 Galerie Schloß Mochental (G)

- 2001 „Distanzen“ Galerie Michael Schultz, Berlin (E)

- Ausstellungskatalog „Distanzen“

- 2001 Galerie Willy Schoots, Eindhoven (E)

- 1999 Lucas Cranach Stiftung Weimar (G)

- 1999 Russisches Museum St. Petersburg (G)

Museen, öffentliche und private Sammlungen:

- Francois Pinault, Paris

- Museum Walter / Glaspalast, Augsburg

- Portland Museum of Contemporary Art, Portland

- Sammlung de Knecht, Amsterdam

- Collection Munoz, Madrid

- Stadtmuseum Düsseldorf

- Sammlung Dahlmann, Hamburg

- Sammlung Teutloff, Bielefeld

- Museum of the Seam, Jerusalem

- White & Case, Düsseldorf, Berlin

- Arp Museum Remagen

- Gwangju Museum of Art

- RAUMSECHS, Neuss

Publikationen, u.a.:

- Ausstellungskataloge 1997 - 2007

- „Schrift, Bilder, Denken – Die Kunst der Gegenwart und Walter Benjamin“, Hrsg. Peter Herbstreuth, Haus am Waldsee, Berlin, 2006

- „Declaration“ Hrsg. National Museum of contemporary Art, Seoul, 2006

- „Das Rheinprojekt - complexe 1“ Verlag der Buchhandlung Walter Königb/ Dumont Verlag, Köln, 2007

- „The Thames-Project - complexe 2“ Thames & Hudson Ltd, London 2009

- „Die unsichtbare Mauer“ Dumont Verlag, Köln, 2009

- „Atlantic Zero“, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2010

- „3D“, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2011

- „Felder“, Dumont Verlag, Köln, 2011

- „Geh auf Magenta“, Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt, 2013

- „30 Keller“, Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt, 2013

- „Stephan Kaluza. Abfolgen. Fotografien“, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg, 2014

- „Felder II“, Polnisches Institut Düsseldorf, 2014

- „Stephan Kaluza- Atlantic Zero, 3D, Sand“, Suhrkamp Spectaculum, 2015

- „Ein möglicher Ort“, Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt, 2015

Preise:

- Art Chicago 2003

- ARCO 2004

- George Konell Preis der Stadt Wiesbaden, 2005

- Carl Lauterbach-Preis der Carl – und Ruth Lauterbach-Stiftung,

Düsseldorf, 2005

Lehrtätigkeiten am Mozarteum Salzburg (Regie) und an der Hochschule Düsseldorf (Interdisziplinäre Projekte)