fiftyfifty Fotokunst: Himmel über der Straße – Topografie der ObdachlosigkeitWo „wohnen“ Obdachlose? Wie leben sie? Faszinierende Arbeiten von Wolfgang Bellwinkel, Eduard Berms-Batas, Andreas Gursky, Mavi Garcia, Peter Hendricks, Karl Henning, Uwe Kölsch, Mischa Kuball, Klaus Mettig, Boris Mikhailov, Ulrike Myrzik & Manfred Jarisch, Sigmar Polke, Claudia Rogge, Thomas Ruff, Katharina Sieverding, Beat Streuli, Thomas Struth und Gerhard Vormwald, die zum Teil zu Gunsten der Obdachlosenhilfe „fiftyfifty“ verkauft werden. Buchung einer ähnlichen Ausstellung (Kosten auf Anfrage): 0211/9216284. Die Kunstwerke stehen nur z. T. noch zum Verkauf, Info tel. Wolfgang Bellwinkel (1959 geboren) hat Fotografie an der Universität-Gesamthochschule-Essen studiert. Seit 1988 ist er freier Fotograf. Zwischen 1992 und 1996 hält sich der Wahlberliner vielfach im ehemaligen Jugoslawien auf; 1994 erscheint sein Buch „Bosnia, Krieg in Europa“. Bellwinkel, dessen Arbeiten auf Ausstellungen in aller Welt gezeigt wurden, arbeitet auch für deutsche und internationale Magazine. 1996 erhält er ein DAAD-Stipendium zur Dokumentation des Friedensprozesses in Bosnien. Von 2000 bis 2001 lehrte er am Ngee Ann Polytechnic/Singapur. 2004 lehrt er im Auftrag des Goethe Institut Fotografie in Kabul, Afghanistan. Für die Ausstellung „Architektur der Obdachlosigkeit“, ausgestellt 2003 in der Pinakothek der Moderne, richtet er sein Augenmerk bzw. die Linse seiner Kamera auf ein unverzichtbares Detail des obdachlosen Lebens: die ausrangierte Matratze. Aus dieser Werkgruppe ist in „Himmel über der Straße“ eine Arbeit zu sehen. Der informelle Maler und Bildhauer Eduard Berms-Batas geb. 1930, befasst sich seit 1953 intensiv auch mit der Fotografie. Ab 1970 entstanden seine Zyklen „Fundstücke“ und „Handschuhe“ sowie „Köpfe + Türen in Nordafrika“. Die 2003 aufgenommenen Fotos für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ zeigen ein verlassenes Haus im Kreebachtal, das von Obdachlosen bewohnt wurde. In Ermangelung einer Zentralheizung entzündeten die Besetzer im letzten Winter ein Feuerchen, wodurch die Notunterkunft fast völlig ausbrannte. Die Spanierin Mavi Garcia geb. 1975, beschäftigt sich erst sein kurzer Zeit mit Fotografie. Auf ihren Schwarweiß-Abzügen inszeniert sie Menschen in ungewöhnlicher Form und arbeitet so mit ihrer ganz eigenen sensiblen Ästhetik das Wesen ihres Objektes – oder das, was sie dafür hält – heraus. Zusammen mit Diego Conti hat sie im Jahr 2002 den fiftyfifty-Kalender „Menschen auf der Straße“ sowie eine öffentliche Installation zum gleichen Thema erstellt. Für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ hat sie Hunde, die besten Freunde von Obdachlosen, porträtiert, die stellvertretend für Leben und Leiden ihrer Frauchen und Herrchen stehen. Andreas Gursky (geb. 1955) stellt in den frühen Werken der 80er Jahre nicht die Architektur und die Landschaft selbst, sondern deren Wirkung auf den Betrachter dar. Bis Ende der achtziger Jahre geht der wohl berühmteste Becher-Schüler, dessen Fotos zu Schwindel erregenden Preisen gehandelt werden, bevorzugt im rheinischen Umfeld umher. Aus dieser Zeit stammen die für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ bereit gestellten Arbeiten, die in stringenter Weise das Lebensumfeld von obdachlosen und anderen Menschen zeigen. Die Brücke steht hier als Synonym für den technischen Fortschritt und ein Dach über dem Kopf. Später geht Gursky, dessen Fotos in den bedeutendsten Museen und Ausstellungen der Welt Furore machen, in europäische Nachbarländer, nach Amerika und nach Asien auf Motivsuche. Stets aus erheblicher Distanz und mit großer Präzision fotografiert, hält er vom Menschen geschaffene Strukturen und die Positionierung von Individuen und Gruppen innerhalb der sie umgebenden Räume fest. Dabei sind seit Beginn der 90er Jahre sowohl inhaltlich wie formal deutliche Akzentverschiebungen wahrzunehmen. Denn mit dem damals vollzogenen Wechsel von der Mittel- zur Großformatfotografie setzt zugleich eine thematische Neuorientierung ein. Gursky beginnt, sich jetzt für zeitgenössische Massenphänomene zu interessieren. Parallel zu den Architekturaufnahmen setzt Gursky in den neunziger Jahren die Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Masse fort. Das ursprüngliche Versprechen der Fotografie, die Wirklichkeit getreu abzubilden, ist längst aus verschiedensten Gründen diskreditiert. Vor allem die Möglichkeit der technischen Manipulation, der perfekten Simulation von Realität lässt es unglaubwürdig erscheinen. Zudem manipuliert Gursky seine Bilder digital, um eine Art „assisted realism“ zu erschaffen. Sein Blick auf die Stockholm Library etwa unterschlägt einen Aufzug, der die Symmetrie zerstört hätte. Peter Hendricks (geboren 1955) hat Fotografie im Fachbereich Kommunikationsdesign an der Universität Gesamthochschule Essen studiert und ist seit 1996 Bildredakteur des SPIEGEL Verlags. 1998 erscheint das Buch „Sehsüchtig Sehnsüchtig“ im Steidl Verlag Göttingen, aus dem auch die Fotografien für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ stammen. Es folgen diverse Ausstellungen auf der ganzen Welt mit Arbeiten aus dem Buch. Georg Dietz schreibt in einem Beitrag zum Buch „Sehsüchtig Sehnsüchtig“: „Bilder von Frauen sind das, von Drogenabhängigen und Prostituierten, die ihren Körper vor allem dazu benutzen, ihre schwach flackernden Seelen spazieren zu führen: mit Venen, die nur für Drogen gut sind, mit Schenkeln, die zum Geldverdienen taugen, mit Augen, hinter denen es kaum noch Leben gibt. ... Was den Bildern weitgehend fehlt und die Serie um so verstörender macht, ist der Erklärungsdruck. Zwar geht es Hendricks darum, die Geschichte dieser Frauen zu erzählen, die Geschichte von Selbstausbeutung und wohl auch Fremdausbeutung aber ohne jedes Pathos, ohne Schuldzuschreibungen, ohne Mitleid. Sein Blick ist ein kalter, und gerade darum voller Menschlichkeit.“ Weitere Buch- und Ausstellungsprojekte von Peter Hendricks: „good copy“ 2001 „Das Ravensburgprojekt“. Karl Henning geb. 1960, fotografiert schon von Kindesbeinen an. Die Porträts des vielseitig arbeitenden Multitalents, das sich auch als Autor diverser Zeitungen und Zeitschriften einen Namen gemacht hat, bestechen durch ihre Nähe. Das für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ gestiftete Foto ist anlässlich einer Reportage über Kinder auf dem Strich entstanden. Uwe Kölsch Jahrgang 1954, hat lange Zeit als Reise- und Werbefotograf gearbeitet. Nach einem intensiven „Studienaufenthalt“ im gesellschaftlichen Abseits ist er nun als Volontär für fiftyfifty tätig. Dabei sind unzählige Fotos von Obdachlosen und ihrem Leben entstanden, darunter das für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ speziell bearbeitete „Roma Blue“, das von Abschiebung gefährdete Roma aus Ex-Jugoslawien bei ihrem Dauerprotest auf dem Düsseldorfer Staufenplatz zeigt. Mischa Kuball (geboren 1959) arbeitet projektbezogen seit 1990 verstärkt im öffentlichen Raum. Mit \'Megazeichen\' (1990) am damaligen Mannesmann-Hochhaus und spätestens seit \'refraction house\' (1994) mit der Synagoge Stommeln bei Köln sind seine temporären Eingriffe und Installationen (auch mit Video und Fotografie) in urbane und soziale Strukturen in der Diskussion. Sein Projekt \'private light/public light\' (1998) als deutscher Beitrag auf der 24. Biennale von Sao Paulo, lud die Menschen vor Ort - in all ihren unterschiedlichen sozialen Lebensformen von Favela bis Luxuspenthouse – ein, an einem Licht- und Lampentausch teilzunehmen. In der Ausstellung „Himmel über der Straße“ sind mit \'Urban Light NY I u.II\' (1997) zwei Unikat-C-Prints von Kuball zu sehen, die sich mit Thema \'öffentliches Licht\' beschäftigen: eine fast dunkle Szenerie in der Lower East Side (Ludlow Street - aus dem damaligen Apartment des Künstlers aufgenommen), die Anfang der 80er Jahre für einen sozialen Brennpunkt mit harten Drogengeschäften stand und heute zu einer \'schicken\' Wohn- und Ausgehgegend transformiert wurden. Kuball markiert mit diesen beiden Aufnahmen den Übergang der beiden Konnotationen dieses Ortes - er hält den Betrachter bewusst in einer Ambivalenz von \'erkennender Wahrnehmung\' und \'erscheinendem Sehen\' auf die Alltäglichkeit einer nächtlichen städtischen Straßenszenerie. Für Klaus Mettig (Jahrgang 1950) ist die Fotografie eine künstlerische Ausdrucksform, die gleichzeitig Distanz und Nähe aufbauen kann. 1982 präsentierte er eine meterlange Installation, die er in dreijähriger Arbeit aus Nachrichtensendungen abfotografiert hat. Mettig überführte den televisionären Bilderrausch in eine statische, raumfüllende Bilderfront. Mettigs Fotos haben zum Teil dokumentarischen Charakter, tendieren aber auch zu extremen Licht-Schatten-Effekten oder Hell-Dunkel-Überzeichnungen, mit der Absicht, Hintergründiges erscheinen und Vordergründiges verschwinden zu lassen. Klaus Mettig, dessen Großfotos auf Ausstellungen in aller Welt gezeigt werden, hat viele Studienreisen vor allem in die USA, China und die Länder der ehemaligen UdSSR unternommen. Aus Shanghai stammt sein Foto für die Ausstellung „Himmel über der Straße“, das eine Menschenmenge zeigt, in der erst auf den zweiten Blick eine Bettlerin sichtbar wird. Boris Mikhailov geboren 1938 in Kharkov, Ukraine, ist einer der bekanntesten Fotokünstler der Gegenwart und hat an vielen Akademien, Universitäten und Instituten der Welt als Gastdozent und Professor gelehrt. Nicht zuletzt jene Arbeiten aus seinem umfangreichen Werk, die den sozialgeschichtlichen Wandel nach dem Zerfall der Sowjetunion auf drastische Art zeigen, haben weltweit Aufsehen erregt. Mikhailov wurde mit unzähligen Preisen geehrt, in den letzten Jahren mit dem Hasselblad Award, dem Coutts Contemporary Art Award und dem Citibank Photography Price. Werke aus seiner Serie „Case History“, die er den Opfern des Systemwechsel in der Sowjetunion gewidmet hat, sind derzeit in der Ausstellung „cruel & tender“ im Museum Ludwig in Köln zu sehen. Seine zwei Beiträge für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ stammen ebenfalls aus der berühmten Serie „Case History“ und zeigen einen Ausschnitt aus dem Leben von Straßenkindern. Die Serie der „Blue Boxes“, die in der Ausstellung „Himmel über der Straße gezeigt wird, entstand im Winter 2002/03 als Ulrike Myrzik und Manfred Jarisch (beide geb.1966) auf einer Süd-Ost-Asien-Reise die Lebenssituation Obdachloser dokumentierten. In Tokyo stießen sie auf kleine, von blauer Plastikfolie umhüllte Hütten, mit denen sich Hunderte von Obdachlosen im Schatten des Wohlstands ihre eigene Lebenswelt errichtet haben. Die blauen Häuschen, die in der seriellen Reihung ein stereotypes „Design“ transportieren, geben im Einzelbild durch subtile Details das Menschliche und Individuelle ihrer Bewohner preis. Die beiden Münchner Fotografen haben sich in den letzten Jahren vor allem mit ihren subjektiv geprägten Architekturdokumentationen durch zahlreiche Publikationen, Ausstellungen und Fotopreise einen Namen gemacht. Durch ihre erzählerische Bildsprache sowie ihren ausgeprägten Sinn für Farben, formale Details und Strukturen entwickelten sie ihren unverkennbaren Stil. Sigmar Polke (Jahrgang 1941), zählt zu den einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Für seine Gemälde erzielt er Spitzenpreise: Eines seiner Frühwerke wurde im Februar 2001 auf einer Sotheby\'s-Auktion für die Rekordsumme von rund 1,6 Millionen Euro verkauft. Seit 1999 führt er die vom Magazin „Capital“ geführte Weltrangliste der Künstler an. Bereits als Beuys-Student machte Polke - gemeinsam mit seinen Kommilitonen Gerhard Richter - durch eine Reihe von Werken auf sich aufmerksam, deren Stilrichtung sie „Kapitalistischer Realismus“ tauften. Als Reaktion auf den beginnenden Konsumrausch der Nachkriegsgesellschaft stellten sie ihre Bilder im Schaufenster eines großen Kaufhauses aus. Mit Raster- und Dekostoffbildern schaffte Polke den Einstieg in die internationale Kunstszene und wurde als deutsche Antwort auf die amerikanischen Pop-Künstler Roy Lichtenstein, Andy Warhol und Robert Rauschenberg gefeiert. Mitte der 60er Jahre wandte er sich der „Conceptart“ zu. Auf der Suche nach fremdartigen Bildern und Mythen reiste er in den 70er Jahren nach Mexiko, Australien, Afghanistan und Pakistan, wo er seine Eindrücke in unzähligen Fotografien festhielt. Aus dieser Zeit stammen auch die Kölner Bettler für „Himmel über der Straße“. Seit den 80er Jahren verdrängten die Materialien zunehmend das Motiv. Sein Atelier wurde zu einem Labor, in dem er auf der Suche nach neuen Ausdrucksmitteln mit verschiedenen Substanzen experimentierte. 1986 gestaltete er den deutschen Pavillon auf der 42. Biennale in Venedig mit einem alchimistischen Schauspiel. Für die wärmeempfindlichen Bilder, die je nach Tageszeit ihre Farbe wechselten, wurde er mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Das Werk von Claudia Rogge geb. 1965, dreht sich um die Phänomene „Masse“ und „Bewegung“. Vor dem Carschhaus in der Düsseldorfer Altstadt hat die Provokateurin einst nacheinander Obdachlose und abgehackte, blutige Schweineköpfe installiert. 2002 startete nach einer Ausstellung in der fiftyfifty-Galerie ihre viel beachtete „mob il“-Tour mit 5.000 Puppenköpfen in einem Glas-LKW – eine zweite Tour durch europäische Hauptstädte mit knienden, nackten Männern ist gerade beendet. Daraus sind die beiden Fotoarbeiten „Draußen vor der Tür“ für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ entstanden, in der die massenhafte Aneinanderreihung der Skulptur im öffentlichen Raum zum Synonym für die Vergleichbarkeit der Schicksale Obdachloser werden. Thomas Ruff (Jahrgang 1958) hat an den angesehensten Kunstschulen Europas studiert und bei Bernd und Hilla Becher, den sogenannten „Eltern“ der photo-gestützten modernen Kunst, gelernt. Zu Beginn seiner Karriere wurde der Villa-Massimo-Stipendiat berühmt für seine monumentalen Foto-Portraits, die einfache Menschen mit unbewegter Miene zeigen. In seinen späteren Werken verarbeitete er klug und pointiert aktuelle politische Themen in enormen Foto-Montagen im propagandistischen Sowjet-Stil. Es folgen monumentale Unschärfebilder von PornodarstellerInnen aus dem Internet, „Nudes“ genannt, und Farbkompositionen, sog. „Substrate“. Ruffs Fotoarbeiten werden auf der ganzen Welt gezeigt, darunter auf der Biennale von Venedig und der documenta in Kassel, und erzielen Spitzenerlöse. Sein fiftyfifty zur Verfügung gestelltes „Sternenfoto“ regte zum Titel für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ an. Es zeigt den entgrenzten Raum, den Obdachlose, die draußen schlafen, besonders oft und intensiv sehen. Katharina Sieverding geb. 1944, hat u. a. bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Ein Schwerpunkt ihres Schaffens ist das eigene Gesicht und dessen Wandlungsfähigkeit im Netz von Normen, Klischees und Wunschvorstellungen. Sieverding ist Pionierin der Fotokunst. Die zum Teil extrem großformatigen Arbeiten der Professorin an der Universität der Künste in Berlin (mit Wohnsitz Düsseldorf) haben auf der ganzen Welt Aufsehen erregt, u. a. auf der Biennale von Paris, Venedig und Sydney sowie auf der documenta in Kassel. Sieverdings Werk wurde mit unzähligen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2004 mit dem berühmten Kaiserring der Stadt Goslar. Immer wieder ist Sieverding zu Studien- und Lehraufenthalten in die Volksrepublik China gereist, wo viele Bilder von Obdachlosen entstanden sind – „Menschen, die es in diesem System offiziell gar nicht gibt“, wie sie gegenüber fiftyfifty erklärt. Aus einem ihrer China-Zyklen stammt ihr Beitrag für die Ausstellung „Himmel über der Straße“. Momentaufnahmen hält Beat Streuli (Jahrgang 1957) in seinen Fotografien fest. Die Bilder des Kosmopoliten aus der Schweiz, der Malerei und nicht Fotografie studiert hat, entstehen zumeist mit dem Teleobjektiv, sodass die Abgelichteten fast immer unbemerkt ins Visier geraten und in sich gekehrt, sich ihrer Wirkung nach außen nicht bewusst, manchmal selbst in Begleitung beziehungslos erscheinen. Von Streuli meterhoch und in Endlosfilmschleifen an Ausstellungswände projiziert, entheben die Aufnahmen den Einzelnen aus seiner - relativen – Bedeutungslosigkeit und wachsen, obgleich im Hier und Jetzt verankert, über sich hinaus. Immer wieder zieht es Streuli für seine Arbeit nach New York, wo ihm Bilder von besonderer Farbbrillanz gelingen, wie das für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ zur Verfügung gestellte „Stadtmobiliar“, das mit fragmentarischen Straßeninhalten nicht zuletzt die Lebenswelt der Obdachlosen zeigt. Derartige, für Streuli typische Teilstücke öffentlicher Strukturen, Architekturen, Werbeaufschriften und Farbflächen bilden oft die Hintergründe für Vorbeieilenden - ausschnitthafte Bildaufbauten, die in ihrer Ästhetik an die Malerei amerikanischer Realisten erinnern. Thomas Struth geb. 1954, hat von 1973 bis 1980 bei Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Von 1993 bis 1996 war er Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Die zum Teil großformatigen Fotoarbeiten des Biennale- und Berlinale-Teilnehmers Struth wurden und werden auf unzähligen Ausstellungen in der ganzen Welt gezeigt. Zurzeit arbeitet er an einem neuen Projekt für die Biennale „Sao Paolo 2004“. Die Rheinische Post schreibt: „Thomas Struth, dessen Fotografien wie Aktien ohne Verlustrisiko gehandelt werden, glaubt and die Objektivität der Fotografie. Er retuschiert nichts.“ Für die Ausstellung „Himmel über der Straße“ hat Struth vier Schwarzweiß-Fotos mit Straßenschluchten gespendet, die auch ein Sinnbild des Lebensraumes Obdachloser sein können. An dem Tag, als er die „Spring Street“ fotografierte, wurde ein toter Obdachloser dort aufgefunden. Gerhard Vormwald (geb. 1948) hat bei Hans Nagel, dessen Atelier er später übernimmt, Kunst studiert. Schon früh wendet er sich der Fotografie zu. 1969 wird er Bühnenfotograf am Nationaltheater Mannheim. Es folgen Aufträge für namhafte Magazine, darunter der „Stern“, Mode-und Werbefotografie. Ab 1975 beginnen unzählige Studienreisen ins Ausland und erste Fotoinszenierungen. Später werden Malerei und das Zeichnen wieder aufgenommen. 1983 siedelt Vormwald nach Frankreich über und gründet in Paris das „Fotostudio 52“. Später eröffnet er in Le Couèche südlich der Hauptstadt ein Landatelier und steigt endgültig aus der kommerziellen Fotografie aus. Vormwald ist seit 1999 Professor für Fotografie an der Fachhochschule Düsseldorf. Die für „Der Himmel über der Straße“ gestifteten Doppelbilder zeigen öffentliche Alltagsausschnitte, die in ihrer Bildsprache an Obdachlosigkeit anknüpfen und in ihrer Komposition eine ihnen innewohnende gewisse Tristesse künstlerisch überhöht. Der Kunstkritiker L. Fritz Gruber über Vormwald: „In seinen Bildern ist die zugleich irritierende und faszinierende Könnerschaft des Bildermachers auf den einfachsten und eindruckvollsten Nenner gebracht. (Das Copyright für alle Fotos liegt bei den FotokünstlerInnen.) Wir danken allen KünstlerInnen und Galerien, die uns ihre Arbeiten zu Gunsten der Obdachlosenhilfe kostenlos zur Verfügung gestellt haben, ganz herzlich. |

