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"Onkel Rudi"
Offsetlitographie
108 cm x 66 cm
von vornehandsigniert
inkl. Conzen-Rahmung

verso mit Galerie-Aufklebr gelabelt

Versand nach Absprache
6.800 Euro

Gül Seven und Magdalene Risch mit einem handsignierten Druck von Gerhard Richter, aufgezogen auf Aludibond und hinter Acrylglas - Preis auf Anfrage

Gerhard Richter spendet 30 signierte Drucke

Wenn Hubert Ostendorf an Gerhard Richter denkt, dann stellt er sich einen Lastwagen voller Post vor, die den Künstler jeden Tag erreicht. Anfragen von Menschen, die etwas von ihm wollen. Gerhard Richter gilt als der weltweit renommierteste und teuerste zeitgenössische Künstler. Hubert Ostendorf steht für die kleine Galerie der Obdachlosen-Initiative fiftyfifty in Düsseldorf-Eller.

Doch nun hat Richter auf eine Anfrage der Galerie reagiert und Drucke und Plakate seiner Werke signiert, im Dezember werden sie ausgestellt und verkauft: ein Querschnitt durch das Schaffen des Künstlers mit abstrakten Werken und Porträts, zum Teil in sehr großem Format. Ostendorf schätzt den Gesamtwert auf rund 120.000 Euro: "Das ist das Größte, was wir bisher hatten." (Westdeutsche Zeitung 2010)

 

Profit im Namen des Herrn

Von Christiane Hoffmans | Veröffentlicht am 29.07.2007 in der Zeitung "Die Welt"

Mit einer Immendorff-Uhr begann die Erfolgsgeschichte von fiftyfifty. Seither unterstützt die Galerie mit dem Verkauf von Kunst Obdachlosenprojekte in Düsseldorf

Mit Vöglein zu sprechen und wilde Tiere zu bändigen reicht heute nicht mehr aus, um Spenden für wohltätige Zwecke zu sammeln. Das war eigentlich auch vor rund 800 Jahren nicht anders, als Franz von Assisi sich auf den Weg machte, um Wohlhabenden Mittel für die Ärmsten der Armen aus ihren Geldbeuteln zu locken. Doch damals gab es noch keinen Kunstmarkt, sonst hätte der charmante italienische Jüngling Gott zu Ehren und den Armen zur Hilfe sicherlich eine Galerie gegründet.

Diese Idee hatten Bruder Matthäus Werner von der Ordensgemeinschaft der Armen Brüder des Heiligen Franziskus* und sein Mitstreiter Hubert Ostendorf dann aber 1995. Sie gründeten in Düsseldorf die Galerie fiftyfifty. Der Kunstmarkt befand sich damals zwar auf einer Talfahrt, aber das wusste der Geistliche sicher nicht, als ein Uhrenhersteller ihm eine Uhrenserie zum Verkauf anbot, die Jörg Immendorff für "gute Zwecke" gestaltet hatte. Bruder Matthäus griff zu, und Fiftyfifty verkaufte die gesamte Auflage von 1999 Stück in knapp drei Monaten. 130 Mark kostete ein Exemplar - rund die Hälfte davon ging an die Obdachlosenprojekte, die die Armen Brüder in Düsseldorf betreuen.

Der unerhoffte Geldsegen spornte Bruder Matthäus und Ostendorf an, den Kunstverkauf weiterzuverfolgen. Daraus entstand ein eindrucksvolles Unternehmen, das bundesweit seinesgleichen sucht und mittlerweile eine der international ambitioniertesten gemeinnützigen Galerien ist. Benannt ist sie nach der Straßenzeitung "Fiftyfifty", die von Obdachlosen geschrieben, produziert und verkauft wird, wobei 50 Prozent des Preises als Lohn beim jeweiligen Verkäufer verbleiben.

Bruder Matthäus und Ostendorf hatten bereits ein Jahr vor dem Start ihrer Galerie die Zeitung gegründet, angeregt durch andere Straßenmagazine wie beispielsweise "Hinz&Kunzt" in Hamburg. In den vergangenen Jahren hat die Galerie zwischen 200.000 und 400.000 Euro pro Jahr verdient. Zählt man die Spenden und Erlöse, die mit der Zeitung erwirtschaftet werden, hinzu, kommt rund eine Million Euro jährlich dabei heraus.

In Obdachlosen-Währung umgerechnet bedeutet das: sieben Häuser mit Wohnungen für 200 Menschen, 100 000 warme Mahlzeiten pro Jahr. Zudem haben die Mitarbeiter des Ordens 3000 Menschen in Wohnungen des freien Marktes untergebracht.

Angesichts der Zahlen von rund 500.000 Frauen und Männern, die nach groben Schätzungen in Deutschland "auf der Platte leben" (außer in Nordrhein-Westfalen gibt es keine amtliche Obdachlosenstatistik), sind 3200 Menschen, die nun ein Dach über dem Kopf haben, eine beachtliche Größe. Welches andere private Engagement könnte sich mit dieser Initiative vergleichen? "Ich finde es richtig, dass ich meinen Schädel für die Arbeit von Fiftyfifty hinhalte", sagte Jörg Immendorff über das Projekt von Bruder Matthäus.

Und tatsächlich war der verstorbene Maler einer der wichtigsten prominenten Künstler der Galerie. Vor allem, weil er von Zeit zu Zeit Ostendorf anrief und ihm ungefragt ein Werk anbot. Insgesamt fünf Grafik-Editionen, eine Skulptur und drei Uhren hat er in den vergangenen Jahren für fiftyfifty gemacht. Immendorff arbeitete stets ohne Honorar, wie alle fiftyfifty-Künstlerinnen und -Künstler. Nur die Produktionskosten übernimmt die Galerie manchmal.

Viele Kunstfreunde wussten, wie eng Immendorff mit fiftyfifty zusammengearbeitet hatte. So gingen nur wenige Stunden nach Immendorffs Tod vor zwei Monaten bei Ostendorf 150 Bestellungen für Immendorff-Arbeiten per E-Mail ein. "Durch die enorme Nachfrage haben wir die Preise ständig erhöhen können", sagt Ostendorf. Immendorff-Siebdrucke, die ursprünglich je 500 Euro kosteten, verkauft Ostendorf jetzt für 700 Euro. Während andere Galeristen nur ungern über Preiserhöhungen sprechen - manche sprechen noch nicht mal über Preise -, freut sich der Galerist.

"Wir versuchen, das meiste rauszuholen", sagt er. Und so ist es nicht verwunderlich, wenn auf den fiftyfifty-Internetseiten Immendorffs Bronzeskulptur "Affe mit Besen" für 6.800 Euro mit dem Zusatz "auch anderweitig zum selben Preis erhältlich, hilft aber nicht den Obdachlosen" angeboten wird. Mit den überlieferten "süßen Predigten" des Heiligen Franziskus von Assisi hat das nichts mehr gemein. Hier werden moderne Marketingmethoden angewendet.

Hubert Ostendorf orientiert sich am aktuellen Kunstmarkt. Nicht nur was die Preise angeht. Auch die Künstler, die für das Projekt ihre Werke zur Verfügung stellen, sollten bereits berühmt sein. Peter Doig etwa, der für Fiftyfifty einen winzigen Offsetdruck gemacht hat, wird auf den Internetseiten wie ein prämiertes Rennpferd beworben: "Doig ist zurzeit der teuerste Künstler der Welt. Sein Bild 'Weißes Kanu' wurde bei Sotheby's für acht Millionen Euro versteigert, doppelt so viel, wie bei der gleichen Auktion für eine Arbeit von Gerhard Richter erzielt wurde." Na, wenn das kein Kaufanreiz ist.

Auch Thomas Ruff ist so bekannt, dass 78 Exemplare seines Fotos "Titan" nach einer Woche für je 2.000 Euro verkauft waren. Die restlichen beiden werden nun gegen Gebot verkauft. Am eindrücklichsten und überzeugendsten sind die Werke bei Fiftyfifty, wenn die Künstler sich in ihren Arbeiten mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinandersetzen wie Katharina Fritsch. Ihre lila Skulptur "Bettlerhand" war für 4500 Euro bereits nach wenigen Stunden vergriffen.

Einzigartig ist Thomas Struths Kunstexperiment "Obdachlose fotografieren Passanten", das der Künstler vor vier Jahren initiierte. Für dieses Projekt benutzte Struth die Obdachlosen nicht als Motiv seiner Fotografie, sondern er ermutigte sie, selbst aktiv zu werden und ihre Umwelt mit der Kamera festzuhalten. Struth erklärte ihnen die Technik des Fotografierens, was sowohl für den berühmten Fotografen als auch für die Obdachlosen eine Herausforderung darstellte. Die erste Mappe, die mit den Werken der Obdachlosen und mit Arbeiten Struths bestückt war, ist fast vergriffen. Noch ein Exemplar der Ausstellung, die damals stattfand, mit 71 Fotos der Obdachlosen und sieben von Struth, bietet fiftyfifty jetzt für 21.000 Euro an.

Da sich diese Edition sicher so gut verkaufen lässt, wie die vorangegangenen, dürften in Düsseldorf bald wieder neue Wohnungen für Obdachlose entstehen.

* Die Ordensgemeinschaft und fiftyfifty arbeiten seit einigen Jahren nicht mehr zusammen, weil der Orden bzw. sein Sozialwerk ihm anvertraute Gelder bei einer windigen Anlagefirma verzockt und ein von fiftyfifty finanziertes Obdachlosenhaus zum Schleuderpreis verscherbelt hat.